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Fünf Dinge, die dir niemand verrät

von Rebecca Westcott

E-Book (EPUB)
400 Seiten; Format: EPUB; ab 11 Jahre
Sprache Deutsch
2018 dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG
ISBN 978-3-423-43491-1
KNV-Titelnr.: 70637180

Kurztext / Annotation

Mein schrecklich schöner, unvergesslicher Sommer

Erin ist sauer, unglaublich sauer – darüber, dass ihre Mum sie einfach verlässt, und darüber, dass ihre Eltern sich um eine alte Teekanne streiten, während sie ihnen total egal ist. Aber das reicht natürlich nicht, jetzt müssen sie ihr auch noch den ganzen Sommer verderben, nur weil sie mit der Kreditkarte ihres Vaters losgezogen ist, um sich das lang ersehnte iPad zu kaufen: Anstatt mit ihren Freundinnen im Freibad zu entspannen, soll Erin ihrem Vater bei der Arbeit helfen – und der ist Gärtner in einem Altersheim! Dort trifft sie auf die griesgrämige alte Martha und Lucas mit den Strubbelhaaren, und ihr Sommer wird doch ganz anders als erwartet.

Rebecca Westcott hat viele Jahre als Pädagogin gearbeitet, unter anderem auch an einer Schule für Jugendliche mit Lernschwierigkeiten und in einer Jugendstrafanstalt. Ihr erstes Kinderbuch ?Pusteblumentage? wurde für die ?Schönsten Deutschen Bücher? nominiert. Sie unterrichtet in einer Grundschule in Dorset, wo sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern lebt.

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Textauszug

Der Schrei [2]

Erst am Sonntagmorgen, Tag 37 ohne Mum, ergibt sich die Gelegenheit. Wahrscheinlich wäre ich gar nicht auf die Idee kommen, wenn Mum nicht gestern Abend angerufen und Dad darauf bestanden hätte, dass ich mit ihr spreche - und das, obwohl ich wild herumgestikuliert habe, damit er ihr sagt, dass ich nicht zu Hause bin. So aber musste ich im Gang rumstehen und mir den Hörer vom Ohr weghalten, während ein sinnloser Wortschwall auf mich eindrang, bei dem es darum ging, wie sehr sie mich vermisse. Und wie sehr sie sich wünsche, dass morgen einer 'unserer' Samstage wäre - als ob das plötzlich was Besonderes wäre - und dass sie doch immer noch meine Mum sei. Leicht gesagt - würde sie das wirklich denken, wäre sie ja wohl bei uns geblieben. Jedenfalls ertappte Dad mich dabei, dass ich ihr nicht richtig zuhörte, und machte mich nach dem Gespräch zur Schnecke. Deshalb hat er sich das Ganze selbst zuzuschreiben. Er liegt noch im Bett, ich habe an seiner Zimmertür gelauscht. Er scheint fest zu schlafen, denn ich kann sein leises Schnarchen bis auf den Gang hinaus hören. Ich kann meinen Plan also gefahrlos durchziehen.

Ich ziehe mich schnell an und schleiche mich in die Küche runter. Picasso trottet auf mich zu und stupst mit seiner Schnauze gegen meine Hand, während ich seinen Napf mit Hundefutter fülle. Sobald er abgelenkt ist und munter vor sich hin mampft, nähere ich mich auf Zehenspitzen Dads Arbeitstasche in der Zimmerecke, wo er sie immer abstellt, wenn er heimkommt. Ich weiß, es ist albern, aber ich möchte einfach nicht, dass Picasso mir dabei zusieht.

Ich knie mich hin und ziehe den Reißverschluss der Tasche auf. Ganz oben liegen Dads etwas schmuddelige, noch nicht geleerte Lunchbox und ein paar Werkzeuge. Ich nehme die Sachen raus und wühle mit klopfendem Herzen auf dem Boden der Tasche rum, bis meine Hand ertastet, wonach ich suche - Dads Brieftasche. Ich öffne sie. Ein Foto von Mum, Dad und mir starrt mir entgegen, das letztes Jahr im Urlaub entstanden ist, als wir noch zu dritt waren. Ich weiß nicht, warum er es immer noch in seiner Brieftasche hat. Ich ignoriere unsere glücklich lächelnden Gesichter, öffne das Geldscheinfach und entnehme ihm acht Zwanzigpfundnoten. Das ist schon mal ein Anfang, aber sehr weit werde ich nicht damit kommen - nicht um das, was ich vorhabe, zu finanzieren. Als ich alte Belege durchsehe, lande ich einen Treffer.

"Yes!", stoße ich leise hervor und halte Dads Bankkarte hoch. Das ist genau das, was ich brauche. Ich lege die Brieftasche in die Arbeitstasche zurück, darüber die Werkzeuge und die Lunchbox und ziehe den Reißverschluss zu. Dad muss es ja nicht früher merken als nötig. Als ich mich undrehe, sehe ich, dass Picasso seine Mahlzeit beendet hat und mich von der anderen Seite des Zimmers mit schiefem Kopf und betrübtem Blick anstarrt. Picasso ist ein schwarz-brauner Dackel mit einem braunen und einem blauen Auge. Eine Gesichtshälfte ist weiß, die andere schwarz-braun gesprenkelt. Kein Hund sieht so merkwürdig aus wie er. Mum findet, er passt zu mir - wir würden beide höchst interessant und außergewöhnlich aussehen. So interessant kann ich allerdings auch wieder nicht sein, sonst hätte sie mich ja nicht austauschen wollen.

Jedenfalls sieht Picasso aus, als hätte man sein Gesicht in der Mitte geteilt. Daher auch sein Name. Erstens haben mir Pablo Picassos seltsam schiefe und bunte Gesichter immer schon gut gefallen und zweitens besaß er einen Dackel namens Lump, den er total liebte. An einer Wand in meinem Zimmer hängt eine Kopie des Bildes, das er von Lump gemalt hat. Er besteht nur aus einer einzigen Linie, sieht aber trotzdem aus wie mein Hund.

"Ist schon okay", sage ich zu ihm. "Ich leihe mir das Geld doch nur aus." Ich habe ein schlechtes Gewissen, will aber auf keinen Fall, dass Picasso mich für unehrli