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Ein Sommer zum Pferdestehlen

von Mina Teichert

E-Book (EPUB)
256 Seiten; ab 10 Jahre
Sprache Deutsch
2019 Verlag Carl Ueberreuter
ISBN 978-3-7641-9234-1
KNV-Titelnr.: 73478130

Kurztext / Annotation

Ein Pferde-Roadtrip von Spiegel-Bestseller-Autorin Mina Teichert und
ein Buch über einen Sommer, in dem alles möglich scheint!
Die 13-jährige Klara ist fassungslos: Der alte Schrotthändler im Dorf will die putzmuntere und kerngesunde Irish-Cob-Stute Gypsy zum Schlachter geben! Schnell fasst sie gemeinsam mit ihrer besten Freundin Marei einen wagemutigen Plan: In einer Nacht- und Nebelaktion spannen sie die Stute vor ihren alten Wanderwagen und mopsen das Pferd mitsamt Zubehör. Ihr Ziel ist ein etwa hundert Kilometer entfernte Gnadenhof in Holland. Ein Abenteuer der besonderen Art beginnt!

Als Winterkind im Jahre 1978 in Bremen geboren, verfolgte Mina Teichert zunächst hartnäckig das Ziel Kunstreiterin im Zirkus zu werden. Mit zwölf entschied sie sich um und beschloss Kinofilme zu machen, was sie über dem Umweg als Fotografin ans Schreiben brachte. Schnell verliebte sie sich in diese Art des Geschichtenerzählens.
Wenn Mina nicht gerade schreibt, hilft sie ihrem Mann auf seinem Milchviehbetrieb in Niedersachsen oder bemuttert ihre fünfzehnjährige Tochter und deren Katzenbabys.

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Textauszug

ALL DIE SCHÖNEN PFERDE

Ich trete kräftig in die Pedale meines Fahrrads, um so schnell wie möglich viel Abstand zwischen mich und die Schule zu bringen. Sommerferien, ich komme! Keine Fünf in Mathe. Kein Totalausfall in Chemie. Und ab jetzt keine Lehrer, Zahlen oder Grammatiktests mehr. Die nächsten sechs Wochen kann die Schule mich mal.

Meine Fahrradklingel klötert laut, als ich auf den Sandweg zu unserem Bauernhof einbiege und den Schlaglöchern ausweiche. Beinahe verliere ich meinen Hut vom Kopf. Ich trage gerne welche, weil man sie so super ins Gesicht ziehen kann, um eine Grimasse zu verstecken. Und sie schützen vor einem Sonnenstich. Das Wetter schreit nach Schwimmengehen. Nur leider wird da heute sicherlich nichts draus, weil meine Mutter einen ganzen Katalog an Aufgaben für mich haben wird, bevor die Feriengäste auf unserem Hof eintreffen.

Endlich komme ich an dem Schrottplatz vom alten Fassbinder vorbei. Von hier sind es nur noch zehn Minuten bis nach Hause. Immer geradeaus, entlang des hohen Zauns, der mit Stacheldraht gespickt ist, und vorbei an verdorrtem kniehohem Gras, in dem alte Kühlschränke und Waschmaschinen sich zugewandt stehen, als würden sie ihre letzten Gespräche führen, bevor sie auseinandergebaut werden.

Ich pfeife gerade ein fröhliches Lied und trete noch einmal so richtig in die Pedale, als ich aus den Augenwinkeln eine Bewegung zwischen den aufgetürmten alten Autowracks erspähe. Moment mal!? Zackig drehe ich mich um und lasse das Fahrrad im Leerlauf weiterfahren. Durch den Maschendrahtzaun kann ich nicht viel sehen, aber etwas gehört hier ganz und gar nicht hin. Weit entfernt blitzt immer wieder etwas Farbenfrohes zwischen dem ganzen Grau des Schrottplatzes auf. Ich blinzle. Das gibt's doch nicht! Hinter einem der rostigen LKWs steht ein kunterbunter Kutschwagen. Der ist neu, denke ich und vergesse für einen Moment, dass ich immer noch auf der unbefestigten Abkürzung bin. Mein Vorderrad rutscht weg, als es im Sand versinkt, und mein Pfeifen bleibt mir in der Kehle stecken. Fast knalle ich der Länge nach hin und mein Hut fliegt davon.

"So ein Mist!", brülle ich, komme ungelenk auf meine Füße und gebe dem Rad einen Tritt. Dann lausche ich. Wiehert da was? Ruckartig drehe ich mich wieder zum Schrottplatz um und entdecke es: das Wunder. Ein Lebewesen, ein Pferd auf dem Schrottplatz des griesgrämigen Herrn Fassbinders. Inmitten des Autofriedhofs steht es angebunden an einer Kutsche, die mich unweigerlich an alte Geschichten vom Fahrenden Volk erinnert. Er ist bunt bemalt mit Blumen und Schnörkeln. Achtlos lasse ich mein Rad am Wegrand liegen und presse mich an den Zaun.

"Pferdchen", rufe ich auffordernd und mache Schnalzgeräusche. Freudig werde ich mit einem leisen Wiehern begrüßt. Das gescheckte Pferd spitzt die Ohren, von denen eines weiß und das andere schwarz ist. Es dreht sich einmal um sich selbst, spannt die Leine, an der es befestigt ist, und schaut wieder zu mir, als wolle es sagen: "Komm her, ich kann hier nicht weg."

"Hey, du Hübsche", rede ich mit der Stute. "Wo kommst du denn plötzlich her?" Der alte Mann, dem der Platz gehört, hat doch sonst nichts für Pferde übrig. Die Stute schnaubt leise und schlägt mit dem Kopf, als würde sie mich erneut auffordern. Es kribbelt regelrecht in meinen Fingern und ich möchte mich am liebsten am Zaun hinaufziehen. Doch mein Blick bleibt an dem Schild hängen: Zutritt verboten. Eltern haften für ihre Kinder.

Ich ziehe mich trotzdem ein Stück hinauf. Stacheldraht. Das kann schwierig werden, denke ich. Meine Jacke rutscht am Handgelenk hoch und ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass ich außerdem spät dran bin. Im Geiste höre ich Mama schon eine Predigt über Pünktlichkeit halten.

Unwillig reiße ich mich von dem bezaubernden Pferd los und hole