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Niemalswelt

Ein Psycho-Thriller in Zeitschleife

von Marisha Pessl

E-Book (EPUB)
384 Seiten; ab 14 Jahre
Sprache Deutsch
2019 Carlsen
ISBN 978-3-646-92594-4
KNV-Titelnr.: 74964895

Kurztext / Annotation

Tödliche Wahl - der neueRomander New-York-Times-Bestsellerautorin Marisha Pessl!
Ein packender Genre-Mix aus Psycho-Thriller,Coming-of-Age und Mystery.
Seit Jims ungeklärtem Tod hat Bee keinen ihrer Freunde mehr gesprochen. Als sich die fünf ein Jahr später in einem noblen Wochenendhaus an der Küste wiedertreffen, entgehen sie nachts nur knapp einem Autounfall. Unter Schock und vom Regen durchnässt kehren sie ins Haus zurück. Doch dann klopft ein geheimnisvoller Unbekannter an die Tür und eröffnet ihnen das Unfassbare: Der Unfall ist wirklich passiert und es gibt nur einen Überlebenden. Die Freunde sind in einer Zeitschleife zwischen Tod und Leben gefangen, in der sie dieselben elf Stunden immer wieder durchlaufen - bis sie sich geeinigt haben, wer von ihnen überlebt. Der Schlüssel zur Entscheidung scheint Jims Tod zu sein - in ihrer Verzweiflung beginnen die Freunde nachzuforschen, was wirklich mit ihm passiert ist, in jener Nacht, in der er in den Steinbruch stürzte. Und langsam wird klar, dass sie alle etwas zu verbergen haben ...

Ein echter Page-Turner, der einen nicht mehr loslässt!

Marisha Pessl stammt aus Asheville, North Carolina, und lebt mittlerweile in New York. Ihr Debütroman Die alltägliche Physik des Unglücks wurde ein internationaler Bestseller, hat diverse Preise gewonnen und ist von der New York Times als eines der 10 Best Books of the Year ausgewählt worden. Niemalswelt ist ihr erstes Buch für Jugendliche und junge Erwachsene. Mehr über Marishaauf MarishaPessl.com und auf Facebook, Twitter und Instagram.

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Textauszug

1

Ich hatte seit über einem Jahr nicht mehr mit Whitley Lansing - oder sonst irgendeinem von ihnen - gesprochen.

Als nach meiner letzten Klausur die SMS von ihr kam, erschien es mir unausweichlich, wie ein Komet, der über den Nachthimmel fliegt, wie ein Zeichen des Schicksals.

Hi, Bee. Verdammt lang her - wie gehts dir? Wie war dein erstes Jahr am College? Super? Scheiße?

Du fehlst uns.

Warum ich mich melde: Die Gang trifft sich an meinem Geburtstag in Wincroft. Linda ist dann auf Mallorca & EZS Burt heiratet in St. Bart's, zum dritten Mal (eine vegane Yogini). Wir haben das Haus also für uns. Wie früher.

Bist du dabei, Bumblebee? Wie wärs?

Carpe noctem.

Nutze die Nacht.

Sie war die Einzige, die ich kannte, die jeden musterte wie ein Dior-Model in Leder und mit Latein um sich warf, als wäre es ihre Muttersprache.

"Wie war die Klausur?", fragte Mom, als sie mich abholte.

"Ich hab Sokrates mit Plato verwechselt und bin nicht rechtzeitig fertig geworden", antwortete ich, während ich den Sicherheitsgurt festzurrte.

"Du warst bestimmt klasse." Sie lächelte und sah mich aufmerksam an. "Gibts noch irgendwas zu erledigen?"

Ich schüttelte den Kopf.

Dad und ich hatten mein Zimmer im Wohnheim schon leer geräumt. Meine Bücher hatte ich zum Studentenwerk zurückgebracht, um die dreißig Prozent Rabatt fürs nächste Jahr zu bekommen. Ich hatte das Zimmer mit einem Mädchen namens Casey aus New Haven geteilt, die jedes Wochenende nach Hause gefahren war, um sich mit ihrem Freund zu treffen. Ich hatte sie seit der Einführungswoche kaum gesehen.

Der Abschluss meines ersten Jahrs am Emerson College war mit dem gleichgültigen Schweigen vorbeigegangen, mit dem man auch den Räumungsverkauf in einer Mini-Mall zur Kenntnis nimmt.

"Da braut sich was zusammen", hätte Jim gesagt.

........

Ich hatte keine Pläne für den Sommer, außer bei meinen Eltern im Captain's Crow auszuhelfen.

Das Captain's Crow ist das Hafencafé meiner Eltern in Watch Hill, der kleinen Küstenstadt, in der ich aufgewachsen bin.

Watch Hill, Rhode Island. Anzahl der Einwohner: Jeder kennt jeden.

Mein Urgroßvater Burn Hartley eröffnete das Café 1885, als Watch Hill kaum mehr als eine Ansammlung karger Häuser war, in denen Walfängerkapitäne ihre meeresmüden Beine ausstreckten und ihre Kinder zum ersten Mal auf den Arm nahmen, bevor sie sich wieder in die unbekannten Weiten des Atlantiks aufmachten. Über dem Eingang hängt eine gerahmte Bleistiftzeichnung von Burn, und sein Gesicht hat den wilden Blick eines genialen, früh verstorbenen Schriftstellers oder eines Entdeckungsreisenden, der in der Arktis verschollen ist. Tatsächlich jedoch konnte er kaum lesen, umgab sich lieber mit vertrauten Gesichtern als mit fremden und zog das Festland der See vor. Sein ganzes Leben lang tat er nichts anderes, als unser kleines Café zu führen und das Rezept für die weltbeste Muschelsuppe zu perfektionieren.

Den ganzen Sommer lang verkaufte ich Eiskugeln an gebräunte Teenager in Flipflops und pastellfarbenen Sweatshirts. Sie kamen in großen, flirrenden Gruppen wie Fischschwärme. Ich bereitete Hamburger und überbackene Thunfischsandwiches zu, Krautsalat und Milchshakes. Ich fegte den Sand vom schwarz-weiß gefliesten Boden. Ich verteilte Papierservietten, Ketchuppäckchen, Salztütchen, Über-21-Armbänder, Pappbecher und Tiefseefischer-Ausflugsbroschüren. Ich legte vergessene Handys an die Kasse, damit sie leicht zu finden waren, wenn der von Panik erfasste Besitzer hereingestürmt kam: "Ich hab mein Handy ... Oh, danke, das ist ja nett von dir!" Ich sammelte die eingerissenen blauen Tickets von dem uralten Karussell ein, das ein paar Meter weiter am Strand stand und statt mit Pferden mit Meerjungfrauen bestückt war. Wenn Watch Hill überhaupt für irgendwas berühmt ist, dann dafür, dass Eleanor Roosevelt dort auf e