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  • Tannenstein von Linus Geschke

    Auf dieses Buch war ich sehr gespannt, weil ich bereits andere Bücher dieses Autoren gelesen hatte und sehr gut fand. Dass das Buch auch noch in einer Region spielt, die ich gut kenne, hat mich umso neugieriger gemacht. Meine Erwartungen waren also recht hoch, aber Linus Geschke hat sie eigentlich noch übertroffen.
    Ich mag seine sehr deutliche und klare Sprache, die unverblümt und unbeschönigt beschreibt, wie es eben ist. Das gefällt mir, zumal es manchmal schon wieder fast poetisch wirkt. Die Beschrei-bungen sind ganz nah an der Realität und so ist es fast, als wäre man dabei.
    Man lernt die Vergangenheit kennen und taucht in die Gegenwart ein. Für Alexander Born ist alles in seinem Leben bedeutungslos, außer der Tod seiner geliebten Lydia und seine Rache an ihrem Mörder. Man lernt schnell die wichtigsten Figuren kennen, erahnt aber zuerst noch keine Zusam-menhänge. Das macht das Geschehen sehr spannend und man rast regelrecht durch die Seiten. Born ist eine wunderbare Romanfigur, die heldenhaft und dennoch so menschlich ist. Gerade auch seine dunklen Seiten haben mich fasziniert – ich mag solche Typen einfach.
    Gut gefallen haben mir auch die verschiedenen Erzählstränge in der Vergangenheit und Gegen-wart, aber auch aus der Sicht der unterschiedlichen Figuren. Das macht den Roman unterhaltsam und spannend, realitätsnah und unterhaltsam. Ich hatte auch immer wieder das Gefühl, dass der Autor wirklich weiß, worüber er schreibt und gut recherchiert hat – auch das fand ich sehr gut. Ich mag fundierte Hintergründe und Tatsachen, die ins fiktive Geschehen eingeflochten werden. Gera-de die Exkurse in die Vergangenheit waren da oft sehr interessant.
    Dass man hier auch mal lachen kann oder schmunzeln, dass die Tränen rollen und man fast schon an den Fingernägel kauen muss, das alles spricht für sich und für dieses Buch! Ich kann „Tannen-stein“ nur empfehlen und freue mich heute schon auf die beiden Folgebände in dieser Trilogie! Hof-fentlich schreibt der Autor schnell!

  • Tannenstein von Linus Geschke

    Zeit der Rache
    Wenn der Wanderer kommt, sterben Menschen. Elf in Tannenstein, einem abgelegenen Ort nahe der tschechischen Grenze. Ein Tankwart im Harz, eine Immobilienmaklerin aus dem Allgäu. Der Killer kommt aus dem Nichts, tötet ohne Vorwarnung und verschwindet spurlos.
    Der Einzige, der sich ihm in den Weg stellt, ist Alexander Born: ein Ex-Polizist mit besten Kontakten zur Russenmafia. Einst hatte der Wanderer seine Geliebte getötet, jetzt will Born Rache – und wird Teil einer Hetzjagd, die dort endet, wo alles begann: Tannenstein....(Klappentext)

    ☠☠☠☠☠

    "Er passierte eine kleine Brücke, die über einen Bachlauf führte. Schmal und in keiner Weise bemerkenswert.
    So, als ob diese Straße irgendwann im Nirgendwo endete, weil ihren Erbauern klar geworden war, dass sowieso niemand diesen Weg nahm.
    Es gab keine Straßenschilder, keine Wegweiser -
    als wollte Tannenstein sich inmitten der umliegenden Wälder und der Außenwelt verstecken."
    (S. 155)

    Ein kleines Dorf nahe der tschechischen Grenze in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint, in dem Neulinge misstrauisch beäugt und zugezogene lange nicht dazu gehören. Dort begegnen wir dem Wanderer zum ersten Mal und dort scheint alles seinen Anfang genommen zu haben. Die Kneipe von Tannenstein, so der Name des Dorfes, wurde zum Ort einer Hinrichtung mit nur einem Überlebenden. Danach begab er sich nach Berlin, tötete eine Frau und dann ... dann verschwand der Wanderer, denn es war getan.
    Doch für die Polizei ist Tannenstein nicht vergessen und jemand möchte, dass sie es auch nicht vergessen, denn seit 3 Jahren bekommen sie am Jahrestag dieser Hinrichtung eine Postkarte geschickt. Das Postkartenmotiv - ein Wanderer. Norah Bernsen, Polizeikommissarin in Berlin, rollt den Fall neu auf und wendet sich an den letzten Ermittler von damals - Alexander Born. Dieser ist jedoch auch kein unbeschriebenes Blatt. Ein krimineller Ex-Polizist, der gerade 3 Jahre im Gefängniss saß und ein persönliches Interesse hat diesen Wanderer zu schnappen. Die getötete Frau in Berlin war nämlich seine Lebensgefährtin. Es gilt also eine Rechnung zu begleichen.
    Währenddessen wandert der Wanderer weiter und tötet.

    Der Wanderer: Ruhig, überlegt, ein Einsamer auf Wanderschaft, der einen Auftrag zu erfüllen hat

    Alexander Born: Ein Getriebener der auf Rache sinnt, jedoch ebenso ruhig und überlegt agiert wie der Wanderer, aber auch manchmal seinen Emotionen freien Lauf lässt - ein Pitbull der von der Leine gelassen wurde

    Norah: Sprüht vor jugendlichem Elan und Neugierde und genau Letzteres führt dazu, dass sie sich in diesen Fall verbeisst und nicht locker lässt.

    Im Verlauf der Story dringt man tief in die Machenschaften der Russenmafia ein und erhält Einblick in jedes kleine Rädchen, welches sich darin dreht. Vom Oberhaupt angefangen, über Händler bis hin zur Prostituierten. Nun stellt sich die Frage, ob der Wanderer einer von ihnen ist oder den Russen mit seinen Taten ans Bein pisst.

    "Er würde den Mann jagen, der es gewagt hatte, ihm das Wertvollste zu rauben, das er je besessen hatte.
    Ihn hetzen und aufspüren.
    Ihn fühlen lassen, was wahres Leid bedeutete."
    (S. 24)

    Hier eröffnete sich mir ein ebenso genialer, wie auch actionreicher Thriller, welcher jedoch auch durchaus ruhige Töne anschlägt.
    Der Autor legt sein Augenmerk sowohl auf die Handlung, als auch auf die Charakterisierung der Figuren. Dadurch erhält man eine Story bei der die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen, nicht alles ist wie es scheint und die Charaktere verschiedene Grauschattierungen aufweisen. Dies beschränkt sich nicht nur auf die drei Protagonisten, sondern schließt auch die Nebenfiguren mit ein.
    Dabei legt der Autor eine unglaubliche Sprachgewalt an den Tag. Diese Sprachgewalt, kombiniert mit dem atmosphärischem und bildhaftem Schreib- und Erzählstil, führt zu einem Kopfkino par excellance.
    Zusätzlich kann der Thriller auch mit einigen überraschenden Wendungen punkten, denn wie schon erwähnt ist hier nicht immer alles so wie es im ersten Augenblick erscheint.
    Für allzu schwache Nerven ist dieser Thriller trotzdem nur bedingt zu empfehlen, denn wo die russische Mafia sägt, fallen nicht nur Späne. Hier wird ge- und erschossen und auf sehr kreative Art und Weise gefoltert.

    "Sein erster Schuss traf mitten in die Stirn des Mannes, der der Tür am nächsten saß.
    Die folgenden Schüsse die beiden Männer dahinter.
    Knochensplitter flogen durch die Luft, Gehirnmasse trat aus,
    ein warmer Sprühnebel färbte das Gesicht einer etwa vierzigjährigen Frau rot.
    Sie starb als Vierte."
    (S. 11)

    Das einzig Störende an dem ansonst perfekten Thriller ist, dass die Protagonisten durch die Bank gut aussehend sind und dies auch immer wieder mal gerne betont oder hervorgehoben wird.
    Und natürlich finden sich Norah und Born anziehend, natürlich landen sie in der Kiste und natürlich entsteht daraus eine Liebesbeziehung. Dies nimmt zwar, zum Glück, nicht viel Raum ein, aber immerhin so viel, sodass es mich störte. Und wieder einmal frage ich mich, wieso so gut wie jeder Thriller/Krimi eine Liebesbeziehung beinhalten muss. Wieso ist es für so viele Autoren/-innen nicht vorstellbar, dass Frauen und Männer ganz normal zusammenarbeiten können, ohne irgendwann über sich herzufallen? In manchen Krimis kann so etwas eventuell von der nicht vorhandenen Handlung ablenken und das Buch in der Seitenzahl strecken. Der vorliegende Thriller hätte dies jedoch am allerwenigsten nötig gehabt.

    Fazit:
    Bis auf das oben erwähnte Manko bescherte mir dieser Auftakt einer neuen Thriller-Reihe ein tolles Leseerlebnis. Ein Thriller voller Vielschichtigkeit, actionreicher Spannung und atmosphärischem Kopfkino. Dies ist mein zweiter Thriller des Autors und wird mit Sicherheit nicht mein letzter gewesen sein.

    © Pink Anemone