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  • "Versuchung küsst finnisch" ist auf den ersten Blick eine typische Rockstar-Liebesgeschichte, allerdings gibt es einen großen Unterschied. Es geht um eine eher schüchterne Frau, die einen berühmten Musiker kennen lernt, sich sofort zu ihm hingezogen fühlt und eine Beziehung jedweder Art mit ihm beginnt... doch Emilia ist zum Zeitpunkt ihrer ersten Begegnung bereits verheiratet.

    Die Protagonistin führt ein unglückliches Leben und eine eher lieblose Ehe, was schon aus der Inhaltsangabe hervorgeht, aber die dort verwendete Formulierung, sie fühle sich "unverstanden", ist fast zu harmlos; ihre Mutter und ihr Mann bringen ihr keinerlei Zuneigung entgegen und es ist deutlich, dass sie sich damit abgefunden hat, weshalb es leicht war, Mitgefühl für sie aufzubringen. Aus diesem Grund ist auch nachvollziehbar, wieso sie sich auf Panu einlässt; er ist attraktiv, zeigt Interesse an ihr und bringt frischen Wind in ihr Leben, ganz zu schweigen davon, dass es zwischen ihnen knistert. Natürlich fand ich es nicht gut, dass sie ihren Ehemann betrogen hat, doch es wurde deutlich, dass sie einen Anstoß brauchte, um eigene Entscheidungen zu treffen und sich auszumalen, dass sie Optionen hat und nicht so feststeckt, wie sie es zuvor glaubte. Es war schön zu sehen, wie sie nach und nach offener geworden ist und größere Wagnisse einging, auch wenn mir das ganze zunächst etwas zu schnell ging; zum Glück wurde das Tempo dann durch Rückschritte, Missverständnisse und Kummer ausgebremst. Die Hindernisse für eine Beziehung waren weitgehend realistisch und es wurde gut damit umgegangen, obwohl es für meinen Geschmack zu viel Drama gab, gerade in der zweiten Hälfte.

    Panu selbst mochte ich ebenfalls und er war ein gut ausgearbeiteter Charakter, aber es gab ein paar Momente, in denen ich seine Gedankengänge gar nicht nachvollziehen konnte, was wohl unter anderem daran lag, dass Emilias Perspektive dominanter war und ich deshalb eher mit ihr sympathisiert habe. Auch seine Arbeit als Musiker kam mir fast schon zu kurz, was ich schade fand, weil die Dynamik der Bandmitglieder Potential hatte. Allerdings bin ich darüber gestolpert, dass es Parallelen zu der Band Sunrise Avenue zu geben schien - so heißt beispielsweise die Gruppe Moonset Road und die Namen 'Panu' und 'Samu' klingen irgendwie ähnlich. Dies hat mich ein wenig von der eigentlichen Erzählung abgelenkt, da ich mich immer wieder gefragt habe, ob diese Band und der Sänger selbst als Inspiration dienten.

    Der Schreibstil ist locker und lässt sich gut lesen. Die Handlung betrachte ich ein wenig zwiespältig; zwar haben mich die Klischees, die es gibt, nicht besonders gestört, da die Geschichte von den dramatischen Entwicklungen abgesehen trotzdem schön ist, doch das Buch war mir manchmal ein wenig zu kitschig und teilweise nicht emotional genug. Dagegen hat mir gefallen, wie Emilia langsam begonnen hat, neue Erfahrungen zu sammeln und mehr für sich einzustehen. Auch das Ende an sich war sehr gelungen und macht neugierig auf mehr. Ich mochte zudem, wie stark und durchgängig präsent die Verbindung zwischen den Protagonisten war; man spürt, dass sie zusammen passen würden und wünscht sich für sie ein Happy End, was für mich bei einem Liebesroman entscheidend ist. Da "Versuchung küsst finnisch" mich deshalb alles in allem gut unterhalten hat, vergebe ich trotz der genannten Kritikpunkte drei Sterne.