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  • Rückwärtswalzer von Vea Kaiser

    Stefanie Besold-Eisner

    Das Buch beginnt mit der gemeinsamen Fahrt des sich in einer Lebenskrise befindlichen arbeitslosen Schauspielers Lorenz, der mit seinen drei Tanten und dem toten Onkel im Fiat-Panda von Wien-Liesing nach Montenegro fährt: Seine Erfolgssträhne ist gerissen, seine Freundin ist nach Heidelberg gezogen, und er hat keine Lust, sich nach einer geregelten Arbeit umzusehen. Ihm bleibt nur noch die Flucht in den Schoß der Familie. Das sind vor allem die Tanten. Die drei Schwestern seines Vaters Sepp sind nämlich ein unzertrennliches Trio. Alle hat das Leben ziemlich zerzaust, aber keine hat sich dadurch den Appetit verderben lassen. Der verstorbene Willi wollte immer in seinem Geburtsland Montenegro begraben werden. Doch da für eine regelkonforme Überführung der Leiche das Geld fehlt, begibt man sich kurzerhand auf eine illegale Fahrt im Panda von Wien Liesing bis zum Balkan. Die Autorin entwickelt daneben einen parallelen historischen Erzählstrang, der in jedem zweiten Kapitel die Familiengeschichte von 1953 bis in die Gegenwart führt und am Ende schließlich von der Ursünde der Prischinger-Tanten erzählt. Die Rückblenden zeigen nicht nur die Tanten mit ihren zwei Brüdern und später mit ihren Partnern bei ihren Versuchen, das Leben zu meistern, sondern führen auch ins Berg- und Küstenland Montenegros, wo ein Bub namens Koviljo Markovic aufwächst und dabei auf einen ihm väterlich zugewandten Tierpsychologen und Bärenforscher trifft. Am Ende dieses Tanzes über 65 Jahre Geschichte und 1000 Kilometer Autobahn gelingt der Autorin noch ein überraschender Twist und man erfährt vom Schicksal des Fünften im Geschwisterbunde, Tante Hedis Zwilling Nenerl. Voller Verve, Witz und Herzenswärme erzählt Vea Kaiser von drei Schwestern, die ein Geheimnis wahren, von Bärenforschern, die die Zeit anhalten möchten, und von den Seelen der Verstorbenen, die uns begleiten, ob wir wollen oder nicht.

  • Rückwärtswalzer von Vea Kaiser

    Marion Dalvit

    Lorenz, Schauspieler und ständig am Rande der Pleite, lässt sich immer wieder mal von seinen drei Tanten Mirl, Wetti und Hedi verköstigen, Onkel Willi ist wie immer der Ruhepol. Als dieser stirbt, lösen sie das Versprechen ein, ihn in seinem Geburtsland Montenegro zu beerdigen. Leider fehlt für eine ordnungsgemäße Überführung das Geld, also rein mit dem tiefgefrorenen Onkel Willi in den Panda und in einer Nonstop-Fahrt in den Süden. Wir erfahren in Rückblenden die Lebensgeschichte der drei so unterschiedlichen Tanten, aber auch jene von Willi, immer eingebettet in zeithistorischen Gegebenheiten.
    Ein wunderbar humoriger, aber auch tiefgründiger Familienroman!

  • Rückwärtswalzer von Vea Kaiser

    Jennifer Plewa

    Vea Kaisers "Rückwärtswalzer" ist ein Roman, der zart verwoben die Geschichte einer Familie aus dem Waldviertel erzählt - die Prischingers und deren Geheimnisse. .. Lorenz Prischinger ist erfolgloser Schauspieler, den seine lose Langzeitfreundin verlässt und am Boden angekommen zu seiner Tante zieht. Mirl, Wetti und Hedi sind die drei ungleichen Tanten von Lorenz um die die Geschichte kreist. ...

  • Rückwärtswalzer von Vea Kaiser

    Ein neuer Roman von Vea Kaiser liegt vor, und wieder finden sich zwischen den Buchdeckeln eine Reihe irrwitziger Situationen. Die Familienstory ist in mehrere Handlungsstränge gegliedert. Hauptsächlich geht es um die illegale Überführung des toten Onkels Willi von Wien in seine Heimat Montenegro. Sein Neffe Lorenz, ein arbeitsloser Schauspieler, soll dies zusammen mit seinen Tanten in einem Kleinwagen bewerkstelligen.
    Doch bis das Grüppchen am Ziel angekommen ist, geht die Autorin in zahlreichen Rückblenden auf die Vergangenheit der Familie ein. Wir werden mit Geschwistern bekanntgemacht, die miteinander durch dick und dünn gehen, und der stetige Refrain lautet: Niemand wird zurückgelassen. Da wuseln im Text viele Namen wild und wirr durcheinander, wobei die teils witzigen Titel der Abschnitte mit ihren Jahreszahlen mehr als nur notwendig sind. Lange fragt sich der Leser: Wer ist eigentlich Susi? Und was ist geschehen mit dem Zwillingsbruder Nenerl?
    Es geht um Verlust und um die Schuld daran, welche sich alle drei Schwestern geben, Mirl, Wetti (die eigentlich Barbara heisst) und Hedi. Sie alle haben nicht gefunden, was sie vom Leben erwartet haben. Jede ist auf ihre Art gescheitert, hat aber nie aufgegeben. Und immer mit dabei: die Seelen der Verstorbenen, eben die Manen der Familie Prischinger.
    Anfangs kommt der Roman etwas zäh in die Gänge, doch bald heizt Vea Kaiser die Spannung tüchtig an und vermag sie bis zum Schluss zu halten. Wie bei einer Zwiebel häutet sich die Story mit den Kapiteln, nach und nach kommen verdrängte Wahrheiten und immer mehr involvierte Personen ans Tageslicht.
    Dazwischen streut Kaiser die jeweilige personelle Regierungsentwicklung, besonders innerhalb der SPÖ, ein. Üppiges Essen ist ein Dauerthema, und wer die ostösterreichische Küche kennt, dem läuft permanent das Wasser im Mund zusammen. Es kommt zu ein paar grotesken Szenen (muss es ja wohl bei der Sachlage), und einige Male habe ich hellauf gelacht.
    Auch in Kaisers drittem Roman wird deutlich, dass eine ihrer Vorlieben der Antike gilt. Mir gefällt ihre leichtfüssige, süffige Sprache, die immer wieder Portionen von österreichischem Lebensgefühl offenlegt. Man glaubt kaum, was man liest, und doch ist alles folgerichtig und eigentlich nichts übertrieben. Halb Roadmovie, halb Retrospektive, gewinnt das Buch zunehmend an Tempo und vermag glänzend zu unterhalten.