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  • Er ging voraus nach Lhasa von Nicholas Mailänder

    Ein altes Sprichwort sagt, „dass niemand aus seiner Haut herauskann“. Für Peter Aufschnaiter wäre das Leben vielleicht anders verlaufen, wenn er so wie sein berühmter Weggefährte Heinrich Harrer, Kapital aus den unglaublichen Erlebnissen in Tibet, aber auch in Nepal und Indien geschlagen hätte, sei es durch Bücher, Lesungen oder Vorträge. Nach dem Studium dieser Biographie gewinnt man allerdings den Eindruck, dass er hierzu vielleicht zu introvertiert oder zu bescheiden war. Oder auch im Grunde genommen nicht daran interessiert? Eine echte Freundschaft mit Harrer ist im Laufe ihrer gemeinsamen „Reise“ nicht entstanden, so viel ist klar – der oft erwähnte Paul Bauer war vielleicht sein einziger, wahrer Freund.

    Nicholas Mailänder hat mit Hilfe der Tagebuchaufzeichnungen von Peter Aufschnaiter ein äußerst umfangreiches (über 400 Seiten starkes) und sehr gut recherchiertes Buch geschaffen, das gekonnt die Original-Texte mit den Ausführungen des Autors verknüpft. So werden die Zusammenhänge deutlicher und man erfährt viel über die Geschichte Tibets und Nepals aber auch über die Zeit nach dem 2. Weltkrieg, die viele Veränderungen für diesen Teil der Erde mit sich brachten. Wobei auch die Kinder- und Jugendzeit des Himalaya-Pioniers und UN-Entwicklungshelfers in den Schilderungen nicht zu kurz kommt. Wer das Kitzbühel von heute kennt, kann sich gar nicht mehr vorstellen, wie es dort aussah, als vor gut 120 Jahren die Hauptfigur dieses Buches dort auf die Welt kam. Erste bittere Lebenserfahrungen musste er als junger Soldat an der Dolomitenfront machen. Durchaus kritisch betrachtet wird die NS-Zeit, die Aufschnaiter dank seiner politischen Gesinnung gut überstand. Am 2. Weltkrieg nahm er nie teil, da er bei Kriegsausbruch, so wie Harrer, in Indien in Gefangenschaft geriet, der die anderthalb Jahre der gemeinsamen Flucht nach Lhasa in Tibet folgten.

    Während Harrer nur sieben Jahre in Tibet blieb, hatte Aufschnaiter seine Bestimmung in Tibet und Nepal gefunden und leistete dort über 2 Jahrzehnte wertvolle Unterstützungsarbeit. Aber auch die Kultur hatte es ihm angetan und so bereiste er immer wieder, von Europäern unentdeckte Regionen – seine nepalesische Staatsbürgerschaft leistete ihm dabei gute Dienste. Ganz nebenbei machte er bis ins hohe Alter noch zahlreiche, hohe Gipfel.

    Aufschnaiter war kein Freund der großen Worte, sondern eher ein Mann der Tat – davon zeugt diese Biographie. Das er sich als Mitglied der NSDAP durchaus zum Teil des Systems gemacht hat, mag sein, sollte aber außen vorbleiben, wenn man sein Lebenswerk betrachtet.

  • Er ging voraus nach Lhasa von Nicholas Mailänder

    „Die wahre Geschichte hinter dem Mythos“, so beschreibt der Klappentext kurz und prägnant die Biographie über Peter Aufschneiter. Aber was heißt schon „Mythos? Nun gemeint ist das hier in dem Sinne, dass mit falschen Vorstellungen aufgeräumt wird. Denn ungleich stärker im Bewusstsein der Bergsteiger verankert ist ja nicht Peter Aufschneiter, sondern Heinrich Harrer, dem mit „Sieben Jahre in Tibet“ unbestreitbar ein Bestseller gelungen ist. Die wahrhaft treibende Kraft der beiden zu Beginn des zweiten Weltkriegs nach Tibet geflüchteten Männer war aber der weitgehend unbekannte Peter Aufschneiter.

    Nicholas Mailänder geht unter Mithilfe von Otto Kompatscher einen interessanten Mittelweg zwischen Biographie und Autobiographie, lässt er doch Aufschneiter durch Einstreuung farbig hervorgehobener Originalzitate selbst zu Wort kommen. So bekommt der Leser einen unmittelbaren und naturgemäß authentischen Eindruck des Erlebten. Und nicht nur das. Auch Fotos und vor allem die Zeichnungen Aufschneiters illustrieren eindrucksvoll den Weg einer wirklichen Dokumentation des wechselvollen Lebenswegs von Peter Aufschneiter.

    Dabei wird zunächst dem gesamten Umfeld, in dem sich der Student der Agrarwissenschaften seinerzeit befand mit all seinen historischen und persönlichen Bezügen geschildert. Gerade sein ursprüngliches Verhältnis zum Nationalsozialismus gibt doch zu denken, erleichtert aber durchaus auch eine Annäherung an den Menschen Peter Aufschneiter. In der Folge wird sehr detailreich die wechselvolle Geschichte der Flucht nach Lhasa, später aus Lhasa geschildert. Hier hätte durchaus manches gestrafft werden können. Wahrscheinlich war die Materialfülle die Ursache, dass eine Auswahl schwer erschien und so lieber zu viel des Guten in das Werk aufgenommen worden. Das wird auch deutlich am sehr umfangreichen Anmerkungsapparat. Hier findet sich Etliches, was über eine Quellenangabe weit hinausgeht. Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus mag das schön sein; dem Unterhaltung suchenden Leser erschwert es die Lesbarkeit. Hilfreich ist es in jedem Fall, die Routen, die Aufschneiter zurücklegte, parallel im aufgeschlagenen Atlas anzusehen. Hinterher hat man jedenfalls eine recht exakte Vorstellung, wie weitläufig Tibet ist. Schön zu lesen ist, wie es Aufschneiter gelingt, nach der Besetzung Tibets durch die Chinesen in Nepal Fuß zu fassen. Dafür verzichtet er sogar zeitweise auf seine österreichische Staatsangehörigkeit, die er später auf sehr umständliche Art und Weise wieder erlangt. Sein von zwiespältiges Verhältnis zu Heinrich Harrer bleibt immer auch Thema. Ob es am Schluss schlichtweg Neid auf dessen Veröffentlichungerfolge ist, der eine Versöhnung verhindert oder ob dies schlichtweg dem Gesundheitszustand Aufschneiters zuzuschreiben ist?

    Schön an dem Zeit und Muße zum Schmökern fordernden Buch ist jedenfalls, dass im Anhang u.a. kurze Abrisse über den Staat Tibet und den Buddhismus enthalten sind. Das erleichtert das Verständnis und die Lektüre an der einen oder anderen Stelle durchaus.
    Insgesamt eine sehr umfangreiche Aufarbeitung des Lebensweges einer bemerkenswerten Person. Zeit zum Lesen sollte man freilich angesichts des Umfangs schon einplanen.

    Buchbesprechung im alpinen Forum von Alpic.net von Gipfelsammler Claus

  • Er ging voraus nach Lhasa von Nicholas Mailänder

    Diese Biographie kommt mit einem fein lesbaren Mix aus historischer Quellenarbeit und dem Gefühl, die Aufzeichnungen des Biographierten für sich selbst sprechen zu lassen; Peter Aufschnaiters Erinnerungen werden dabei schnell ersichtlich in anderer Textfarbe angeführt. Auch über weite Schilderungen dieser direkt wiedergegebenen Erinnerungen hinweg verliert die Feder von Nicholas Mailänder aber nicht an fachlich fundierter Verortung: Den persönlichen Erinnerungen fügt er zeitgeschichtliche Informationen hinzu, die das Ausmaß des Erlebens Aufschnaiters noch zusätzlich unterstreichen.

    Die eingangs geschilderten Entwicklungen zur Tiroler Zeitgeschichte spannen einen mitreißenden roten Faden durch die folgenden Kapitel: Das Aufwachsen Aufschnaiters in Zeiten des Umbruchs zwischen veralteter Industrie und dem aufkommenden Glamour Kitzbühels, der Wechsel von der armen Bergarbeiterstadt zum noblen Hotspot des Wintertourismus bietet eine spannende Ausgangslage, die sicher so manchem Tiroler und mancher Tirolerin beim Lesen ein entzücktes "Ah!" angesichts der schön eingeflochtenen Detailinfos zum Werden der heutigen Nobel-Hochburg Kitzbühels entlocken.

    Der ausführliche Anhang war für mich als Historikerin besonders lesenswert: Die Etappen in Peter Aufschnaiters Leben werden hier nochmals zusammengefasst und zu Hintergrundinformationen zum Staat Tibet (1913-1950) am Vorabend der chinesischen Übernahme anschaulich geschildert. Als thematischer Abschluss wird der/die Leser*in noch mit einem knapp und gut verständlich geschilderten Überblick zum Tibetischen Buddhismus vertraut gemacht.


    Das Buch reißt mit, fasziniert und relativiert - hier ist ein gelungenes Gesamtprojekt aus Wiedergabe persönlicher Aufzeichnungen, Bild- und Anhangmaterial und historischer Verortung gelungen. Eine definitive Leseempfehlung meinerseits!

  • Er ging voraus nach Lhasa von Nicholas Mailänder

    Mithilfe der Originaltexte von Peter Aufschnaiter schildert Nicholas Mailänder dessen faszinierende Lebensgeschichte sehr detailliert. Er beginnt die Erzählung mit seinem Leben im bäuerlichen Tirol und seiner Leidenschaft zum Bergsteigen und Klettern. Er schreibt über die Entstehung der Idee zur Nanga-Parbat-Expedition und Aufschnaiters Beziehung zu Heinrich Harrer, der schneller als er selbst ein Buch über die Flucht aus dem Internierungslager in Dehra Dun, die Odyssee durch das tibetische Hochland und den Aufenthalt in Lhasa schrieb, obwohl es Aufschnaiter war, der die Idee hatte nach Tibet zugehe. Auch die erfolgreiche Umsetzung des Projekts sind, laut Aufschnaiters Berichten, ihm zuzuschreiben.
    Am Ende schreibt Mailänder über Aufschnaiters Leben nach der Pensionierung, das er auch weiterhin in Nepal verbrachte und letztendlich nepalesischer Staatsbürger wurde.
    Im Anhang findet sich eine Zeittafel zu Peter Aufschnaiters Leben sowie die Geschichte des Staates Tibet (1913 - 1950) und ein Überblick über den tibetischen Buddhismus.
    Mit der Biographie von Peter Aufschnaiters Leben hat Mailänder ein spannendes Buch für Bergsteiger und Abenteurer geschrieben, das einen neuen Blick auf den Mythos „Sieben Jahre in Tibet“ zulässt.

  • Er ging voraus nach Lhasa von Nicholas Mailänder

    Brigitte aus unserer Tyrolia-Filiale in Innsbruck

    Stammkunde Thomas: „Nicht scheinen, sondern sein.“ ist das zentrale Lebensmotto von Peter Aufschnaiter, der stets zurückgezogen und im Hintergrund steht. Und „Auf einen Wettkampf lasse ich mich nie ein, ich gehe meinen Weg langsam.“ Damit stand er auch ganz im Gegensatz zum Selbstdarsteller Heinrich Harrer.

    Bereits im Gymnasium interessiert sich Aufschnaiter für die Sprache und Kultur Tibets und Nepals. Diese Leidenschaft wird ihn zeitlebens begleiten.

    1939 gerät Peter Aufschnaiter in indische Kriegsgefangenschaft – gemeinsam mit Heinrich Harrer und anderen deutschen Bergsteigern – am Weg zu einer Expedition auf den Nanga Parbat. 1944 gelingt ihnen die Flucht in den Himalaya, drei Jahre sind sie tausende Kilometer durch Tibet unterwegs, bis sie schließlich 1947 in Lhasa ankommen. Peter Aufschnaiter bleibt zeit seines Lebens dort, vermisst und zeichnet Karten bei Entwicklungsprojekten und erhält sogar die Nepalesische Staatsbürgerschaft.

    Es ist sehr beeindruckend zu lesen, wie ein Tiroler sich dermaßen für die Berge und Kultur Tibets begeistern konnte, dass es zu seiner neuen Heimat wurde. Er unternahm zahlreiche Reise. Mit Heinrich Harrer verband ihn jedoch keine Freundschaft, es war nur eine Zweckgemeinschaft auf der Flucht. In dieser detaillierten Biographie sind Ausschnitte aus Aufschnaiters Tagebüchern zu lesen, sie ist sehr gut recherchiert und bietet viel Hintergrundwissen zu Kultur, Landschaft und Buddhismus.

    Vor allem wirft dieses Buch einen anderen Blick auf die Zeit der Flucht als „7 Jahre in Tibet“ von Heinrich Harrer.