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  • Graue Nächte von Arnaldur Indriðason

    Florian aus unserer Tyrolia-Filiale in Innsbruck

    1943 - Island ist von den Amerikanern besetzt. Zwei rätselhafte Todesfälle beschäftigen Kommissar Flovent von der isländischen Polizei und seinen kanadischen Kollegen Thorson. Ein junger Mann wurde unweit eines von amerikanischen Soldaten frequentierten Lokals ermordet aufgefunden, und die Leiche eines Isländers wurde aus dem Meer gefischt. Alle möglichen Zeugen verhalten sich zunächst sehr zurückhaltend, und so gestalten sich die Ermittlungen anfangs äußerst mühsam. Je näher die beiden der Lösung kommen, desto mehr geraten sie selbst ins Visier der Täter, denn die Wahrheit ist für viele sehr unbequem...Ein spannender Krimi in historisch interessantem Setting - Indridason liefert wieder Krimikost in höchster Qualität!

  • Graue Nächte von Arnaldur Indriðason

    Renate Nöckler

    Island in den 40er Jahren, mehrere Todesfälle und die angespannte Stimmung zwischen Isländern und Amerikanern: ein komplexer, ruhiger und historisch interessanter Kriminalroman auf zwei Zeitebenen - packend, spannend und sehr faszinierend!

  • Graue Nächte von Arnaldur Indriðason

    Graue Nächte ist der zweite Teil aus Flovent-Thorson-Reihe.
    Ein guter Titel, denn Arnaldur Indridason verwendet viele Textpassagen darauf, die Bedrohung der Zeit 1943 zu verdeutlichen.
    Stellvertretend eine Textstelle in Kapitel 26 wie Reykjavik empfunden wird:
    Reykjavik war nicht mehr der Ort, den sie vor wenigen Jahren verlassen hatte.
    Sie fuhren an furchteinflössenden Kriegsschiffen vorbei, an Fregatten und Öltankern, Zerstörern und Kreuzer, die zwischen isländischen Fischerbooten und Trawlern lagen.

    In einer solchen Szenerie noch einen spannenden Kriminalfall einzupacken ist eine große Leistung, die mich an die Commidario De Luca-Reihe von Carlos Lucarelli erinnert.
    Eine Frau ist verschwunden, ein Mann wurde brutal ermordet, Osvaldur wurde von den Nazis verhaftet, dann noch Ingimar, der auf einem Schiff auf der Fahrt nach Petsamo starb, vielleicht ermordet. Weitere wichtige Figuren sind der politisch schwer einzuschätzende Manfred und vor allen eine namenlose Krankenschwester, aus deren Perspektive öfter erzählt wird. Natürlich ohne, dass sie Icherzählerin wird.
    Wie sie fast so agiert wie Ingrid Bergmann in Hitchcocks Film Notorious gehört zu den spannendsten Momenten. .
    Die beiden Kommissare Flovent und Thorson stehen nicht permanent im Mittelpunkt, haben aber auch gute Szenen.

    Es wird ein detailreicher Plot, der den Leser fordert.

    Obwohl die Ungebung und der Ton ein anderer ist als bei der übermächtigen Erlendur-Reihe, ist es doch ein typischer Arnaldur Indridason. Er hat schon lange einen eigenständigen Stil. Ich erinnere mich noch an eine Lesung des Autors in Köln, als gerade erst sein zweiter Roman erschienen war. Schon damals war er ein kompletter Krimiautor.

  • Graue Nächte von Arnaldur Indriðason

    Dieser Krimi von Arnaldur Indridason spielt während des Zweiten Weltkriegs in Island.

    Mehrere Tote, die irgendwie zusammenhanglos in der Landschaft verstreut sind, halten die beiden Ermittler Thorson und Flovent auf Trab. Wobei Trab nicht der richtige Ausdruck ist, denn der Krimi ist retardiert, grau und zäh wie der dicke Nebel, der die Insel einhüllt.

    Was haben der junge Mann, der in der Nähe einer amerikanischen Soldatenkneipe erstochen wurde und der an den Strand gespülte Mann miteinander zu tun? Haben sie ein gemeinsames Geheimnis? Was ist mit dem isländischen Medizinstudenten, der in Dänemark von den Nazis verhaftet wurde? Und was wusste der Mann, der von der Fähre „Esja“ fiel? Die Befragungen der Soldaten sowie der isländischen Bevölkerung gestaltet sich schwierig. Die Menschen sind unzugänglich, schroff und manchmal auch gewalttätig.

    Meine Meinung:

    Dieser Krimi ist mein erster von war Arnaldur Indridason. Vermutlich wird es auch mein letzter sein, denn ich kann mit den meisten skandinavischen Schriftstellern nicht wirklich warm werden. Mir fehlt die Leichtigkeit der französischen oder italienischen Krimis, die auch durch eine gewisse Schlitzohrigkeit punkten. Oder deutsche und österreichische Krimis, die auch so ganz anders sind als jene aus dem Norden.
    Wie schon Mankell oder Nesser macht mich auch dieser hier ein wenig depressiv.

    Gut gefallen hat mir der historische Hintergrund. Der Leser erfährt einiges, vielleicht nicht so Bekanntes über das Leben in Island im Zweiten Weltkrieg. Das Zusammenleben mit fremden Soldaten, denen man aber kaum entkommt, weil sie sich teilweise nicht an das Fraternisierungsverbot halten, ist nicht immer friktionsfrei. Ja, das hätte Zeug für Dramatik und Spannung, die ich leider vermisse. Dass ich lange Zeit, gemeinsam mit den Ermittlern im Dunklen tappe, ist nicht so störend, wie der doch recht lange, zähe Beginn. Das Ende kommt dann recht schnell und ist für mich unbefriedigend.

    Aufgefallen ist mir recht bald, dass die Geschichte in zwei Zeitebenen spielt, die als solche nicht leicht zu erkennen sind. Da wären Überschriften mit Zeitangaben ein wenig hilfreich gewesen.

    Fazit:

    Ein ziemlich düsterer Krimi, der zu Titel und Cover gut passt. Mich hat er nicht ganz überzeugt, daher kann ich nur drei Sterne vergeben.

  • Graue Nächte von Arnaldur Indriðason

    Ein neuer Roman von Arnaldur Indriadsion - ein neues Erlebnis - Island. Wiedereinmal gelingt es dem Autor sehr gut, die Eigenheiten von Island - historisch, geographisch, menschlich, gesellschafftlich herauszuarbeiten. So lernt man beim Lesen sehr viel über dieses schöne Land.
    Der Plot ist interessant, wenn auch der Anfang etwas mühsam zu lesen ist, weil die beiden großen Handlungsstränge örtlich und vorallen zeitlich nicht zusammen passen. Erst gegen Ende löst sich dieses Problem und beide Personengruppen finden zueinander, sodass nun die Ereignisse auch vom Leser besser eingeordnet werden können und die geheimen Vermutungen eigentlich bestätigt werden.

    Der Erzählstil ist gut übersichtlich und wie immer bei diesem Autor spannend.Kurze Kapitel, die bei der höchsten Spannung abbrechen und dann beim zweiten Erzählstrang weiter führen, fördern das rasche Lesen.

    Die Beschreibung der Gesellschaft auf dem besonderen Heimkehrerschiff und auch in Reykjavik zur Zeit der Kriegsnot, Besatzung, Militär, viele junge amerikanische Männer wirkt auf den Leser realistisch, düster, bedrohend.
    Wieder ein lesenswerter Roman von einem isländischen Autor!

  • Graue Nächte von Arnaldur Indriðason

    Ein Schiff, das von Dänemark nach Island fährt, mehrere Menschen verschwinden und zwei männliche Leichen in der Nähe von Reykjavik – wie hängen diese Ereignisse zusammen?
    Ja, das fragt sich der Leser zu Beginn der Lektüre auch. Denn es gibt so gar keine Anhalts- und Berührungspunkte und das macht auch die Ermittlung für Kommissar Flórent und Kollege Thorson von der Militärpolizei nicht einfach. Nur in klitzekleinen Schritten kommen die beiden dem Geschehen auf die Spur.

    Indridasson gelingt es vortrefflich, die Eigenheiten Islands herauszuarbeiten: die wortkargen Menschen, denen man alles aus der Nase ziehen muss, die Einsamkeit und auch die ärmliche Lebensweise derer, mit denen es das Leben nicht gut gemeint hat.
    Allerdings macht das die Lektüre auch nicht ganz einfach. Was zu Anfang noch aussah, als spiele alles zur selben Zeit, entwickelte sich dann zu einer Story auf mehreren Ebenen, in denen Indridasson es dem Leser überlässt, festzustellen, was wohin gehört. Hier hätte ich mir manchmal eine Zeitangabe in der Kapitelüberschrift gewünscht.
    Island zu der Zeit des 2. Weltkrieges. Ich wusste nicht viel von den Geschehnissen dort damals und fand, dass der Autor die geschichtlichen Zusammenhänge sehr flüssig in die Handlung hat mit einfließen lassen, so dass man sich als Leser nicht überfordert fühlte, aber dennoch so einiges an Wissen vermittelt wurde.

    Fazit: ein eher düsterer Krimi, wie das Cover und der Titel schon versprechen, aber sehr raffiniert aufgebaut, vielschichtig und mit einer mysteriösen „Hauptdarstellerin“, die erst ganz am Ende einen Namen bekommt. Daumen hoch!