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  • Abgestürzt von Johannes Wilkes

    Im legendären Saal 600 des Nürnberger Schwurgerichts findet eine aufsehenerregende Gerichtsverhandlung statt . Der Afghane Fersal, geflüchtet, abgeschoben und erneut vor den gefürchteten Taliban aus seiner Heimat geflohen, wird des Mordes an dem beliebten Kinderarzt Cornelius Fischer angeklagt. Für die meisten Beobachter ist er bereits jetzt schon verurteilt, denn das Motiv steht für sie fest- Eifersucht. Obwohl Cornelius sein Freund war, hat er sich in dessen Frau Maria verliebt und er wollte sie zurück haben. Aber es gibt noch jemanden, der sich wünscht, dass Fersal verurteilt wird, nämlich der Journalist Dirk Zimmermann, der schon seit seiner Jugend in Maria verliebt ist. Selbst als er aus Frust über ihre Abweisung sich freiwillig in das Kriegsgebiet nach Afhanistan meldet und dort sogar einen Arm verliert, hofft er immer noch, dass er eine Chance bei ihr bekommt. Die Indizien gegen Fersal werden immer mehr und kaum jemand glaubt noch an seine Unschuld, dass er nicht Cornelius von einer Brücke gestoßen hat. Ausgerechnet Dirk findet einen wichtigen Hinweis, der den Prozess entscheidend beeinflussen wird und nun liegt Fersals Schicksal in seiner Hand.
    Der Kriminalroman ,, Abgestürzt´´ von Johannes Wilkes ist eine interessante und spannend geschriebene Geschichte, wo der Leser als stiller Beobachter einer Gerichtsverhandlung beiwohnen kann. Man findet sich im Gersichtssaal wieder wo man einem besonnenen Richter, einem hartnäckigen Staatsanwalt und einer taffen Anwältin begegnet. Der Autor hat eine besondere Art, die Atmosphäre bei der Verhandlung einzufangen. Angefangen vom betagten Gerichtsdiener, der ,,seinen´´ Saal bestens kennt und weiß, ob oder wann man das beste Raumklima erzielt bis zu der düsteren Beschreibung, wenn sich das Regenwetter scheinbar der trüben Stimmung im Gerichtssaal angepasst hat. Als Leser wird man Zeuge, wie sich die Schlinge um Fersals Kopf immer enger zusammen zieht und man hat das Gefühl live dabei zu sein. Zu Beginn war es ein wenig verwirrend, wenn die Geschichten der Protagonisten immer wieder zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart gewechselt haben, da hätte ich mir eine bessere Erkennbarkeit gewünscht. Der Autor hat in seine fiktive Geschichte immer wieder spannende tatsächliche Ereignisse einfließen lassen wie den Nürnberger Prozess wo man bekannte Namen wie Albert Speer oder den späteren Bundeskanzler Deutschlands Richard von Weizsäcker wieder findet. Aber auch Berichte über den 11. September 2001 oder der Anführer der Gruppe al Qaida, Osama bin Laden, wird erwähnt. Hart ins Gericht geht Johannes Wilkes aber auch mit der Art und Weise wie Asylanträge abgelehnt werden, wo man hier in seiner Geschichte nachdenklich wird, ob der Abschiebung seines Protagonisten. Sehr schön werden die berührenden Erinnerungen von Fersal aus seiner Heimat beschrieben, wo man das Gefühl hat, die wunderschöne Landschaft vor den Augen zusehen. Der Reporter Dirk wirkt nicht unbedingt so, dass man ihn sympathisch finden kann, da sein Leben von Hass und Eifersucht geprägt wird. Der Roman erzählt von vielen unerreichten Träumen, von Hoffnung und Liebe und menschlichen Schicksalen, die zu Herzen gehen. Ein besonderes Buch, das auf eine spannende Art und Weise über eine Gerichtsverhandlung berichtet.