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  • Time School - Auf ewig uns von Eva Völler

    Da ist er nun endlich: Der große Abschluss der Zeitreise-Trilogie, auf den ich trotz des etwas schwächelnden zweiten Bandes dennoch hingefiebert habe. Und zumindest für mich hat sich das Warten (das ja zum Glück nicht mal allzu lang war) definitiv gelohnt!

    Der Aufbau ist wieder mal recht typisch und man fühlt sich fast schon ein wenig heimisch. Die Truppe lebt sorglos ihr Leben in Venedig und Bumms! – Drama, Action, Katastrophen! (Ich versuche das mal so spoilerfrei und vage wie möglich auszudrücken.) Ja, einige Motive und Wendungen sind schon aus den vorherigen Büchern, auch der ersten Zeitreise-Trilogie, irgendwie bekannt. Man könnte das als Manko nehmen, dass so die Abwechslung fehlt, aber mich persönlich hat es in dem Fall nicht gestört.

    Ich fand es sogar richtig gut, dass die Handlung wieder in Venedig spielte. So wurde ein schöner Bogen zum allerersten Buch geschlagen, die gesamte Handlung quasi „eingerahmt“. Der Schauplatz und die behandelte Zeit haben mir einfach insgesamt am besten gefallen.

    Bei den Figuren war großteils alles beim Alten. Die Gruppe ist aber auch mittlerweile groß genug, da braucht man keine weiteren Zugänge. Sonst kommt schließlich früher oder später jemand zu kurz und das wäre irgendwie schade. Ich hätte so schon immer gerne mehr von Oles und Fatimas Kabbeleien gelesen – ein Pärchen aus zwei Streithähnen, die ich in Büchern immer sehr schön kurzweilig finde.

    Ansonsten gibt es ein paar Überraschungen über die Hintergründe einiger Charaktere, die alten Feinde tauchen natürlich ebenfalls wieder auf und werden zum unvermeidlichen Happy End – hoffentlich diesmal endgültig? Aber wer weiß… - zur Strecke gebracht. Insgesamt konnte ich also das Buch so gut wie durchweg mit einiger Begeisterung lesen. Im Vergleich zum Vorgänger hat das Tempo wieder richtig angezogen und die Handlung wies keine störenden Längen auf. Wenn die Handlung soweit absolut unterhaltsam und flott lesbar ist, sehe ich nämlich auch mal über ein, zwei Dinge hinweg, die mich doch ein wenig gestört haben. Zum einen kamen wie schon zuvor Tagebucheinträge Walters vor, die ich immer noch aus dem Bauchgefühl heraus als störend empfinde. Ich weiß nicht, ich habe einfach das Gefühl, dass man das kurze Nacherzählen von nicht näher ausgeführten Handlungen auch irgendwie eleganter hätte lösen können. So waren das kleine Bremsen in der Handlung, die sich für mich einfach nicht in den Lesefluss einfügen wollten. Und Punkt zwei sind halt doch Ideen, die man schon mal in den früheren Büchern gelesen hatte.

    Aber letztendlich hat mir der Rest einfach durchweg so gut gefallen, dass ich dennoch reinen Gewissens die volle Punktzahl vergeben kann. Das Buch konnte mich fesseln und ließ mich mit dem zwar etwas chaotischen Finale, aber dann doch insgesamt sehr runden Ende zufrieden zurück – und das ist doch nicht ganz unwichtig.

  • Ich verfolge diese ganzen Diskussionen um Helikoptereltern ja schon eine ganze Weile – einfach, weil sie ein steter Garant für Unterhaltung und zum Schmunzeln (und Kopfschütteln) sind. Dafür muss ich nicht einmal selbst Kinder haben oder Helikoptereltern unter meinen Freunden und Bekannten haben. Die Anekdoten funktionieren auch mit diesem Abstand und vielleicht sogar deswegen so gut.

    Aber beginne ich lieber von vorne.

    Den Vorgängerband kenne ich zwar leider nicht, aber einige der Artikel auf Spiegel Online sind mir untergekommen und haben mein Interesse an dem Buch geweckt. Ein großartiges Vorwissen war ja nicht nötig, von daher stand dem vermeintlichen Vergnügen ja nichts im Wege.

    Das Buch ist grob nach den verschiedenen Altersgruppen der umsorgten Kinder gegliedert, es geht bereits vor der Geburt los und endet nicht unbedingt mit der Volljährigkeit – schließlich studiert der Premiumsprössling oder versucht eine Ausbildung oder gar einen Beruf zu ergattern und muss auf diesen Wegen stets begleitet werden. Jedes große Kapitel ist mit einer recht niedlichen Karikatur zu Helikoptereltern illustriert und die zahlreichen Anekdoten werden von erklärenden und zusammenfassenden Worten der Autorinnen begleitet.

    Insgesamt kann ich sagen, dass mich das Buch durchweg zum Schmunzeln, aber auch zum Augenrollen brachte, mich aber insgesamt gut bis sehr gut unterhalten konnte. Eigentlich war es fast schon zu kurz, aber es muss ja schließlich auch Raum bleiben für eine weitere Fortsetzung – und mit dieser rechne ich fest. Es sind mit Sicherheit noch nicht alle Geschichten erzählt!

    Ein wenig (bei einigen Anekdoten auch ein wenig mehr) habe ich allerdings meine Zweifel, ob da nicht doch recht stark übertrieben bzw. die Ereignisse überspitzt dargestellt wurden. Ich möchte jetzt niemandem unterstellen, sich das einfach auszudenken… einige Szenen kamen mir doch stark unglaubwürdig vor. Aber vielleicht sind es genau diese, die am Ende absolut der Wahrheit entsprechen. So blöd kann man manchmal gar nicht denken…

    Auf jeden Fall: Ich bin froh, keine Helikopter als Eltern zu haben und ein klein wenig Mitleid habe ich schon mit den Kindern der wirklich übertreibenden Eltern. Dennoch insgesamt ein kurzweiliges und unterhaltsames Büchlein für Zwischendurch.

  • Blau Türkis Grün von Mareike Guhr

    Dies ist ein Buch, bei dem ich fast zum reinen Coverkäufer geworden wäre. Glücklicherweise klang auch der Inhalt durchaus passend und interessant, von daher war die Entscheidung absolut vertretbar für mich. Und gleich vorweg: Ja, im Großen und Ganzen hält auch der Inhalt, was Cover und Titel versprechen. Für Menschen mit der ewigen Sehnsucht nach dem Meer, nach dem Geruch des Salzes in der Luft… für diese Menschen ist dieses Buch dahingehend geeignet, dass sich nach der Lektüre vermutlich ein paar neue Pins auf der mentalen „Da muss ich hin!“-Weltkarte befinden.

    Aber ich fange lieber von vorne an. Das Buch ist in kurze Kapitel gegliedert, die immer einen auf irgendeine Weise bemerkenswerten Ankerpunkt der Weltumsegelung der Autorin beinhalten. Mal ist es das Land, mal die Menschen, mal Phänomene der Natur… Insgesamt sind die Kapitel angenehm kurz und stets mit mindestens einem, meist mehreren farbenprächtigen Bildern garniert. Die Qualität der Bilder kommt dabei allerdings nicht an die eines professionellen Bildbands heran (was ich im Vorfeld fälschlicherweise gedacht hatte), sondern sind eigentlich eher sehr gute Urlaubsschnappschüsse und Illustrationen der Reise. Aber zusammen mit dem eher lockeren, leichten Schreibstil passt das alles sehr gut zusammen.

    Dazwischen eingestreut ist immer mal eine Doppelseite, auf der die Autorin ihre Gedanken zur Reise, zu ihrer Intention oder auch zum Thema Heimweh ein wenig erläutert. Aufgrund der Kürze empfand ich auch diese kleinen Unterbrechungen nicht als störend, sie fügten sich doch recht gut ins Gesamtbild ein.

    Die Kapitel selbst schildern wie erwähnt ja nur einige der Stops. Diese sind zwar – bis auf das quasi einleitende Kapitel – in chronologischer Reihenfolge, geben aber natürlich nicht jedes einzelne Detail der Reise wieder. Und das hätte ich persönlich auch nicht gebraucht! Es kamen so schon teilweise recht viele Fachbegriffe aus dem Bereich des Segelns und der Schiffsbestandteile vor, und wer wie ich vielleicht noch den Bug vom Heck auseinanderhalten kann, es danach aber schon aufhört, der hätte sich vielleicht doch noch ein kleines Glossar gewünscht. Zumindest sind das Details, die ich gar nicht ausführlicher brauche, von daher passt das Buch in seiner Gesamtheit einfach sehr gut. Ich denke, es dient in erster Linie dazu, die Sehnsucht nach fernen Inseln, nach dem Meer zu wecken und veranschaulicht, warum die Autorin am Ende jahrelang auf ihre Heimat, Freunde und Familie verzichtete und sich dafür entschied, Urlauber um die Welt zu segeln. Ich hätte jetzt auf jedenfalls wirklich Lust, sie auf einer Etappe zu begleiten – und somit ist doch das Ziel erfüllt, denke ich.

  • Scythe - Der Zorn der Gerechten von Neal Shusterman

    Hui, was für ein Ritt! Es kommt nicht so häufig vor, dass ich innerhalb eines Buches fast von Kapitel zu Kapitel meine Meinung über das Buch ändere, aber hier war dem tatsächlich so: Ich schwankte nahezu ständig zwischen „meh“ und „sehr geil!“

    Aber von vorn: „Scythe – Der Zorn der Gerechten“ lässt einen sofort wieder direkt ins Geschehen fallen und man ist annähernd nahtlos wieder in der Geschichte drin. Der Stil ist natürlich wie der Vorgänger: Für meinen Geschmack sehr passend zum Genre, flüssig und gut lesbar. Einige Wortkreationen wie etwas das bereits im ersten Teil vorgekommene „Platschen“ finde ich allerdings schon recht albern, diese Wörter wirken auf mich tatsächlich störend, da sie mir einfach ins Auge fallen. Da ich nur die deutsche Ausgabe kenne, kann ich allerdings nicht sagen, ob diese Formulierungen auf dem Mist von Autor oder Übersetzer gewachsen sind. Natürlich sind das nur kleine Mankos, die für mich keinen Sternabzug rechtfertigen – aber seltsam finde ich sie nach wie vor.

    Die Charaktere sind wieder meist mein Geschmack. Gerade bei Citra/Anastasia ist doch eine stete Entwicklung gut erkennbar und auch nachvollziehbar. (Bei dem ebenfalls wieder auftauchenden Tyger allerdings nicht – der ist immer noch so blöd-naiv wie in Teil 1. Nicht die hellste Kerze auf der Torte.) Schade fand ich insgesamt allerdings, dass ausgerechnet Citra und Rowan, die ja im ersten Buch doch Hauptcharaktere waren, im Großen und Ganzen etwas zu kurz kamen. Vermutlich ist dies der Tatsache geschuldet, dass der Autor auch einen ganzen Schwung neuer Charaktere eingeführt hat, die ich zum Teil großartig, zum Teil aber auch fürchterlich finde (einmal nachlesen bitte!) – aber es wäre ja auch langweilig, wenn man jede Person einer Geschichte mag. Insgesamt wurde mir leider zu viel Augenmerk auf den Thunderhead gelegt – gut, der englische Titel lässt das leicht durchklingen (ganz leicht!), aber das deutsche Cover zielt halt in eine ganz andere Richtung. Da fand ich die Scythe-Tagebücher doch etwas spannender als die KI-Monologe, die hier zwischen jedem Kapitel standen und die erst gegen Ende interessant wurden.

    Tjah, bisher ja trotzdem alles schön und gut. Was ließ mich trotzdem ständig schwanken? Ich kann nicht genau den Finger darauf legen, aber im Großen und Ganzen waren es doch irgendwie zu viele verschiedene Handlungsstränge, die leider nicht alle auf einem beständig hohen Niveau waren. Okay, ich brauche keine Dauerspannung… aber einige Ideen des Autors waren mir zeitweise zu lächerlich und konstruiert, dass ich das Buch bisweilen einfach nicht mehr ernstnehmen konnte. Und das hat mir dann doch immer mal das Lesen soweit vermiest, dass ich einige Tage gar keine Lust zum Weiterlesen hatte. (Ganz schlimm fand ich da gewisse Clubs…) Dann hab ich mich doch zum Weiterlesen gezwungen und konnte gar nicht verstehen, wieso ich das Buch kurz vorher noch doof fand, weil es plötzlich wieder absolut spannend wurde. Vor allem einige Wendungen zwischendurch sowie das große Finale konnten mich absolut begeistern – und ein kleines Teufelchen in mir würde für den fiesen, aber doch irgendwie grandiosen Cliffhanger auch gerne noch mindestens zwei Sterne abziehen!

    Insgesamt konnte mich der zweite Band von „Scythe“ nicht so durchgehend fesseln wie noch der Vorgänger, aber war doch mit so einigen Highlights gespickt. So kann ich trotz aller Mängel solide vier Sterne vergeben.

  • Der Wortschatz von Elias Vorpahl

    „Der Wortschatz“ erzählt im Wesentlichen die Geschichte eines kleinen Wortes, das auf der Suche nach seiner Identität ist. Dieser Weg dorthin ist mit allerlei Abenteuern und bizarren Gestalten gespickt. Außerdem ist das Buch aber auch eine Hommage an das Lesen und die Literatur – und so etwas lese ich ja grundsätzlich gerne.

    Hier aber fiel mein Leseerlebnis letztendlich eher zwiespältig aus. Die Idee und den Aufbau an sich finde ich auch immer noch wirklich schön und auch der Schreibstil lädt eigentlich zum Genießen ein. Nur inhaltlich waren doch zu viele Stellen dabei, die mich nicht so recht begeistern konnten.

    Der Beginn der Geschichte erinnerte mich schon leicht an den Alten vom Wandernden Berge aus „Die unendliche Geschichte“ – eines meiner absoluten Lieblingsbücher und daher kam es in diesem Moment fast zum Gefühl einer Art freudigen Wiedersehens. Dieser Anfang ließ mich auch sehr neugierig und vor allem optimistisch in die Geschichte starten und die ersten Seiten vermochten mir ja auch äußerst gut zu gefallen. Ein Buch aus der Sicht eines kleinen Wortes, als wäre es ein eigenständiges Lebewesen? Das war, zumindest für mich, durchaus etwas Neues.

    Leider kamen recht schnell zwei Punkte hinzu, die mir so gar nicht gefallen wollten, weshalb sich die doch wenigen Seiten am Ende stark in die Länge zogen.

    Zum einen gab es Passagen, die mir einfach zu abstrakt waren. Natürlich ist auch die Personifizierung eines Wortes nicht unbedingt realitätsnah, aber immer noch vorstellbar. Genau so, wie ich mit gegenstandsloser Malerei nichts anfangen kann, brauche ich auch in der Literatur zumindest etwas entfernt Greifbares, damit die Geschichte für mich einen Sinn ergibt. Ansonsten gleicht das schnell einem verwirrenden Geschwurbel, das mir einfach nicht gefallen will.

    Der andere Punkt ist, dass es mit der vermutlichen Hommage an andere Bücher für meinen Geschmack zu sehr übertrieben wurde. Einen eher kleinen Wink wie den bereits erwähnten Geschichtenschreiber sehe ich tatsächlich sehr gerne, vor allem, wenn ich das zitierte Werk selbst sehr mag, aber hier tauchten neben einer an „Alice im Wunderland“ erinnernden Runde Tee auch Figuren auf, die einen ganzen Tick zu stark an „Die unendliche Geschichte“ angelegt waren. Der Gegenpart zur „uralten Morla“ wirkte teilweise fast wie eine 1-zu-1-Kopie in Beschreibung und ihrer Ausdrucksweise. Spätestens hier hat das Buch doch ganz stark an Sympathie eingebüßt. Beim Rest der Geschichte hat doch der Autor bewiesen, dass er durchaus Fantasie besitzt – warum dann so offensichtlich (ich möchte eigentlich nicht „billig“ sagen) kopieren?

    Insgesamt ist das sehr schade. Ich hätte das Buch gerne gemocht; die Grundidee finde ich auch nach wie vor toll. Die erwähnten Kritikpunkte allerdings wiegen zu stark und nur aufgrund der dennoch schönen Sprache bekommt „Der Wortschatz“ knapp 3 Sterne von mir.

  • Leere Herzen von Juli Zeh

    Nachdem mich „Unterleuten“ begeistern konnte, ich „Nullzeit“ aber eher mittelprächtig fand, war ich dennoch sehr neugierig auf Juli Zehs neuen Roman „Leere Herzen“. Thematisch wieder etwas völlig anderes; laut Klappentext erwartete mich hier eher eine Art Politthriller-Roman-Mix. An sich nicht ganz mein Genre, aber die Leseprobe machte definitiv Lust auf mehr.

    In jener wird man ohne großes Vorgeplänkel in die Szenerie geworfen. Ein Abendessen einer normalen, aber offensichtlich recht erfolgreichen Familie mit ihren Freunden. Der Schauplatz ist Deutschland in einer nicht näher bestimmten, aber mit Sicherheit nicht allzu entfernten Zukunft. Gerade in der anfänglichen Abendveranstaltung fallen so einige interessante bis zynische Spitzen gegenüber der heutigen Politik und Situation. Dieser Teil der Leseprobe reichte aus, um meine Neugierde auf das Buch endgültig zu wecken. Die Szene war auf eine spezielle Weise irgendwie bizarr und schräg und doch wieder völlig selbstverständlich.

    Der Schreibstil tat sein Übriges, um den Einstieg in die Geschichte sehr leicht zu machen. Sehr flüssig zu lesen, ohne dabei allzu simpel zu sein und somit genau mein Geschmack und entsprechend meiner Erwartung. Die Protagonisten und auch Nebenfiguren wirkten auf mich durchweg nicht sonderlich sympathisch – vielleicht waren sie absichtlich so angelegt, vielleicht ist das auch nur mein persönlicher Eindruck. Allerdings waren sie dabei keineswegs so nervig bis anstrengend, so dass ich nie das Bedürfnis verspürte, ihretwegen das Buch abbrechen oder zumindest unterbrechen zu wollen.

    Dafür, also für das irgendwann schleppende Lesetempo meinerseits, sorgte der allzu schnell abflachende Spannungsbogen. Was zu Beginn sehr interessant begann, als die Geschäfte hinter der „Brücke“ endlich beschrieben wurden, ließ etwa ab der Mitte des Buches die Geschichte Abwechslung vermissen. Hier konnte das ordentliche Tempo vom Beginn leider nicht mehr gehalten werden und eher unspektakuläre Ereignisse zogen sich etwas zu sehr in die Länge – vor allem gemessen an der doch eher geringen Seitenzahl. Hier hätte ich mir einfach insgesamt eine etwas andere Entwicklung gewünscht, etwas mehr Überraschung.

    Am Ende konnte die Story leider nach den vielen anfänglichen, interessanten Details nicht ganz halten, was sie versprach. Gute 3 Sterne vergebe ich für den Inhalt, aufgrund des lesenswerten Stils kann ich „Leere Herzen“ aber insgesamt reinen Gewissens 4 Sterne geben.

  • Scythe – Die Hüter des Todes von Neal Shusterman

    „Scythe – Die Hüter des Todes“ war seit einer ganzen Weile endlich wieder ein Jugendbuch, das mich interessierte und das mir vor allem dann auch äußerst gut gefallen hat. Ich bin zuvor jedes Mal um das Buch geschlichen, das mich schon mit diesem schlichten, aber dennoch auffälligen Cover angesprochen hatte, bis ich mich endlich entschließen konnte, es mir zu kaufen. Und ich habe es glücklicherweise nicht bereut!

    Die Geschichte liest sich anfangs fast schon ein wenig wie eine Utopie: In einer nicht näher benannten Zukunft haben die Menschen die Probleme unserer heutigen Zeit wie etwa Krieg, politische Krisen und vor allen Dingen überhaupt die Sterblichkeit überwunden. Nur wenigen sind Begriffe wie „Mord“ und „Gefängnis“ überhaupt noch geläufig. Es gibt selbst Heilung von ansonsten tödlichen Verletzungen, mit lediglich einer Ausnahme gibt es keinen „natürlichen“ Tod mehr. Damit es aber einen Ausgleich zum sonst unaufhaltsamen Bevölkerungswachstum gibt, wurden die Scythe ins Leben gerufen. Diese übernehmen die Aufgabe des Todes und wählen Menschen aus, deren Leben vorbei sein soll.

    Ich fand allein schon die Idee, dass mehr oder weniger „normale“ Menschen die Aufgabe des Todbringers übernehmen, von Anfang an einfach faszinierend. Man erkennt vor allem im Verlauf der Geschichte, wie sich die verschiedenen Persönlichkeiten der jeweiligen Scythe darauf auswirken, wie sie die Menschen auswählen, denen sie den Tod bringen. Hier liegt nämlich großes Konfliktpotenzial bereit, das dennoch gewissermaßen Spannung und vor allem Unberechenbarkeit in eine Welt bringt, in der es ansonsten kaum noch Neuerungen und Überraschungen gibt – schließlich ist alles bereits optimiert.

    Mit den beiden Protagonisten Citra und Rowan, vor allem letzteren, bin ich nicht sofort zu Beginn warm geworden. Ich brauchte eine Weile und vor allem eine inhaltliche Wende, bis sie mir letztendlich doch beide ans Herz gewachsen sind. Ihre Motivation war stets gut erkennbar und weitestgehend nachvollziehbar. Es wird in regelmäßigen Abständen zwischen ihren beiden Erzählperspektiven gewechselt und da ich beide irgendwann sympathisch und beide Handlungsstränge sehr interessant fand, kam es hier zu keinerlei Längen.

    Der Schreibstil tat sein Übriges dazu, dass mich das Buch von Anfang an in seinen Bann zog. Flüssig, sehr gut lesbar, dabei aber nicht simpel und primitiv. Insgesamt ein äußerst kurzweiliges Buch, das mich durchweg fesseln konnte. Ich konnte es vielmehr kaum aus der Hand legen!

    Insgesamt habe ich lediglich ein paar kleinere Kritikpunkte: Zum einen weiß ich nicht, ob es an der Ebook-Ausgabe lag, aber es waren doch für ein Buch aus einem „großen“ Verlag mit eigentlich ordentlichem Korrektorat etwas zu viele absolut vermeidbare Tippfehler vorhanden. Entweder fehlt im Wort ein Buchstabe (vor allem ein Anfangsbuchstabe ist auffällig, grad wenn der dem Buch eigene Begriff zum ersten Mal fällt…) oder es ist zum Ausgleich einer zu viel vorhanden. Bei sowas bin ich halt recht pingelig und mir stechen diese unnötigen Fehler einfach stark ins Auge. Zum anderen hätte ich mir an einigen Stellen doch ein paar mehr Erklärungen gewünscht, wie etwa zur Technologie und Wissenschaft, die überhaupt zu den eingangs erwähnten Fortschritten führte. Und um spoilerfrei zu bleiben, kann ich es nur vage andeuten: Entweder ist ein Name gegen Ende bewusst falsch – oder es ist halt ein Fehler des Autors.

    Letztendlich bekommt das Buch von mir trotz dieser kleinen Mängel die volle Punktzahl, da es einfach für mich etwas Neues war und wie bereits erwähnt sehr spannend und kurzweilig geschrieben ist. Nun kann ich die Fortsetzung kaum erwarten!

  • QualityLand, 7 Audio-CDs von Marc-Uwe Kling

    Oder: Von einem, der auszog, von seinem Rückgaberecht Gebrauch zu machen.

    Es war einmal in einer nicht näher bestimmten Zukunft. Deutschland gibt es nicht mehr, nur noch Qualityland. Das Land der Superlative. Bewohnt von den besten Menschen, Entwickler der neuesten Technik, regiert von der größten Koalition. Alles ist vernetzt, verkabelt, online. Smart Homes, Smart Cars, Smart Doors, Smart Drones – alles ist smart! Dennoch wagt es ein Einzelner, sich in den Kampf gegen die Übermacht der großen (Verzeihung: größten) Konzerne zu stürzen.

    Peter Arbeitsloser, der zwar selbst nichts für seinen Nachnamen kann, aber durch diesen dennoch stigmatisiert ist, lebt ein eher normales, durchschnittliches Leben. Er erhält von „The Shop“ („Der weltweit größte Versandhändler“) einen Artikel, den er nicht will. Ein Skandal! In einer Zeit, in der Onlinehändler eher wissen, was der Verbraucher benötigt, als er selbst, ist es quasi unmöglich, dass ein Irrtum vorliegt. Schließlich machen Maschinen keine Fehler.

    Der Leser respektive Hörer begleitet nun Peter in seinem Alltag bis zu diesem Schlüsselerlebnis und auf seiner dann startenden kleinen Odyssee. Klings wunderbar schräge, zum Teil auch überzogene Ideen und Beschreibungen einer vermeintlich besseren, utopischen Welt waren durchweg plastisch und gut vorstellbar. Viele Dinge wirken zwar übertrieben und sind es auch, aber dennoch lässt sich nicht leugnen, dass sie lediglich eine überspitzte Darstellung der derzeitigen Entwicklung sind. Unsere Häuser und Alltagsgegenstände lassen sich mittlerweile vernetzen, das selbstfahrende Auto ist keine Zukunftsmusik mehr, die ersten Testläufe zur Drohnenbelieferung sind auch durch und wer weiß, wie lange es von personalisierter Werbung zu „Ich weiß, was du brauchst!“ ist. Immerhin quatschen uns diese ganzen Gegenstände momentan noch nicht zu.

    Die Charaktere sind abwechslungsreich gestaltet, wenn auch natürlich etwas klischeehaft – aber genau das passt einfach perfekt zur Story und dem gesamten Setting, das natürlich an Orwells „1984“ erinnert, allerdings mit einer großen Prise Humor und einem Schuss Speed gewürzt. Vor allem die nichtmenschlichen Charaktere in Peters temporärer und ständiger Begleitung konnten bei mir für einige Lacher sorgen. Sehr schön werden auch die verschiedensten Stereotypen, die einem in unseren heutigen sozialen Netzwerken ebenfalls begegnen, aufs Korn genommen.

    Marc-Uwe kling kennt man bisher in erster Linie durch seine Känguru-Trilogie und natürlich drängt sich ein Vergleich geradezu auf. Das zum Teil Schnodderige, das Sarkastische, die Wortspielereien – all das findet sich selbstverständlich auch in „Qualityland“. Der Aufbau ist hier allerdings ein klassischer Roman mit einer durchgehend erzählten Storyline im Gegensatz zu den episodenhaften, nur lose zusammenhängenden Känguru-Chroniken. Aber auch in diesem Genre konnte mich der Autor durchweg überzeugen, ohne dass es große Längen und Durststrecken gab. Der immer durchscheinende Humor, wenn auch zum Teil nur in kleineren Spitzfindigkeiten erkennbar, zieht sich durch die gesamte Geschichte und machte es mir schwer, Pausen einzulegen.

    Zum Schluss bleibt noch meine Eingangsfrage zu beantworten und ja, eine Dystopie voller Humor kann durchaus funktionieren. Sehr gut sogar. Letztendlich also eine absolute Leseempfehlung oder, besser noch: Hört es euch an! Genau wie die Känguru-Chroniken gewinnt das Hörbuch, vom Autor selbst gelesen, durch die verschiedenen Stimmen noch gewaltig an Unterhaltungswert. Und als kleines Schmankerl taucht eben das berühmte Känguru auch noch auf. Zumindest irgendwie ein wenig.

  • Und es schmilzt von Lize Spit

    Ich glaube, es ist ein ganz gutes Zeichen, wenn einen ein Buch auch nach dem Auslesen nicht ganz loslässt, man auch Tage danach immer noch über einzelne Szenen nachdenkt, anstatt frisch und fröhlich zur nächsten Lektüre überzugehen. „Und es schmilzt“ der belgischen Newcomerin Lize Spit hatte auf mich genau diesen Effekt.

    Der Klappentext verrät erstmal nicht viel vom Inhalt, macht aber neugierig: Eine junge Frau kehrt nach Jahren der Abwesenheit in das Dorf zurück, in dem sie aufgewachsen ist. Was ist vorgefallen, dass sie so lange den Kontakt abgebrochen hat? Und vor allem: Warum – zur Hölle – hat sie einen riesigen Eisklotz im Gepäck?

    Die Geschichte, die letztendlich zur Auflösung führt, entwickelt sich recht langsam, aber stetig und ich habe zu Beginn auch ein wenig gebraucht, um die drei verschiedenen Zeitebenen einzuordnen. Die Gegenwart spielt letztendlich nur an einem einzigen Tag, dem Tag der Rückkehr, und ist durch Uhrzeiten gekennzeichnet – hält die Protagonistin Eva aber nicht davon ab, auch hier gelegentlich in Erinnerungen an das Damals abzudriften. Die Vergangenheit spielt sich zum einen im verhängnisvollen Sommer 2002 ab; der Sommer, in dem Evas Kindheit ein Ende fand. Weitere, nicht chronologisch sortierte Schlüsselszenen aus Evas Kindheit und Jugend werden durch die Szenen beschreibende Überschriften gekennzeichnet. Ich glaube, ich muss das Buch auch ein zweites Mal lesen, um alle kleinen Hinweise und Details aus diesen einzelnen Kapiteln zu erfassen und mit der Geschichte in Verbindung zu bringen.

    Die Vorabmeinungen zum Buch waren sich recht einig, dass die Geschichte ziemlich heftig sei und ich muss zugeben: Bis gut über die Hälfte konnte ich das noch nicht ganz nachvollziehen. Natürlich, Eva lebt nicht in einer heilen Welt, wie man sich vielleicht das Dorfleben vorstellen mag. Ihr Elternhaus ist, um es vorsichtig auszudrücken, keineswegs ideal. Liebe erfährt sie nicht von ihren Eltern, dafür saugt sie jede seltene Zuneigung, die ihr von anderen Dorfbewohnern entgegengebracht wird, wie ein Schwamm in sich auf – selbst, wenn sie dafür vorher Schmerzen in Kauf nehmen muss.

    Zu Beginn las sich das Buch daher ein wenig wie eine Sozialstudie: Alkoholismus, Depressionen… das ganze Paket. Zwischendrin Eva und ihre Freunde Laurens und Pim, lange Jahre unzertrennlich, die selbsternannten Musketiere – zusammengeschweißt wohl vor allem durch aus Mangel an weiteren gleichaltrigen Kindern. Dann der Sommer 2002. Eva und ihre Freunde sind mittlerweile 14 Jahre alt und was doch relativ „normal“, wenn auch sprachlich ungeschönt und direkt, als Entdeckung der eigenen und fremden Sexualität in der beginnenden Pubertät beginnt, steigert sich irgendwann zu einer stetig abwärts führenden Spirale, aus der es am Ende kein gutes Entkommen mehr gibt. Es gibt, vor allem gegen Ende, Szenen, in denen es schwerfällt, locker drüber hinweg zu lesen, aber gleichzeitig kann man auch nicht wegsehen. Es ist fast wie ein Unfall, der in seiner Morbidität doch irgendwie fasziniert.

    Am Schluss laufen letztendlich die Fäden von Vergangenheit und Gegenwart zusammen und auch der Eisblock erhält schließlich seine Daseinsberechtigung. Der Weg bis dorthin war bisweilen inhaltlich etwas steinig, aber durch den Schreibstil dennoch ein Genuss. Die vorkommenden vulgären Ausdrücke passten für meinen Geschmack gut in die Situation und vor allem zur jugendlichen Erzählerin. Weiterhin strotzen die Beschreibungen vor Bildern, die einen sogar manchmal schmunzeln lassen, bis einem dann doch das Lachen im Halse stecken bleibt. Der Erzählstil und die gute Beobachtung alltäglicher und besonderer Situationen sorgten dafür, dass ich auch dann gerne wieder zum Buch gegriffen habe, als inhaltlich doch gar nicht so viel passierte.

    Für meinen Geschmack wird „Und es schmilzt“ dem darum aufgebauschten Hype definitiv gerecht und ich möchte eine absolute Leseempfehlung aussprechen. Und damit es nicht untergeht, möchte ich noch erwähnen, welch optisches Highlight das Buch ist! Ansprechendes Cover, das nichts von seinem erschreckenden Inhalt preisgibt, dazu die geprägten Buchstaben und – wovon ich sowieso bekennender Fan bin – der farbige Buchschnitt. Es fließt zwar nicht in meine Bewertung mit ein, aber das Buch ist in meinen Augen ein richtiges kleines Schmuckstück.

  • Der Brief von Hagebölling, Carolin

    Marie bekommt von einer alten Schulfreundin überraschend einen Brief, auf den sie sich keinen Reim machen kann. Angeblich wohne sie mit ihrem Mann in Paris statt mit ihrer Freundin in Hamburg? Marie beschließt, dem Mysterium nachzugehen, bevor sie glaubt, den Verstand zu verlieren?

    Allein schon die Inhaltsangabe hatte mein Interesse geweckt. Das mag auch daran liegen, dass es mich zumindest von der Beschreibung her ein wenig an ?Vielleicht morgen? von Guillaume Musso erinnert hat. Dinge, die eigentlich, logisch betrachtet, nicht sein können, aber dennoch eine Geschichte bilden und hoffentlich auch den Leser zu fesseln vermögen.

    Der Einstieg fiel mir denkbar leicht. Bereits die Leseprobe bestärkte mich in meiner Vermutung, dass das Buch in die für mich richtige Richtung ging. Der Schreibstil war locker, leicht und flüssig zu lesen. Im späteren Verlauf waren grad in den Dialogen zwar Stellen dabei, in denen er ins etwas zu Simple abdriftete, aber schlug dennoch glücklicherweise noch den Bogen um das zu Primitive herum.

    In erster Linie sorgte der Schreibstil dafür, dass ich das Buch innerhalb eines Tages verschlungen habe. Es kam zu keinem Punkt Langeweile auf, die Geschichte zog sich zu keinem Zeitpunkt. Das war vermutlich auch einem anderen Grund geschuldet: Bei gerade mal knapp über 200 Seiten bleibt ja auch gar kein Platz für Längen. Leider auch nicht für Tiefgang, vor allem hinsichtlich der Charaktere. Diese bleiben durchweg doch ein wenig zu flach, um sich richtig in sie hineinversetzen zu können und auch die Story selbst hätte in ihrer Gesamtheit auch ein bisschen mehr Zeit und Raum vertragen können. Die Idee war doch ein wenig zu komplex, um die so fix runterrattern zu können, ohne dass doch ein wenig Tiefe auf der Strecke bleibt.

    Letztendlich dennoch ein äußerst unterhaltsames Buch mit einer sehr spannenden Idee, grundsätzlich auch gut erzählt ? aber wie gesagt etwas zu knapp. Dafür vergebe ich knappe 4 Sterne.