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  • Familie Flickenteppich - Wir ziehen ein von Stefanie Taschinski

    Auch ohne Mama sind Emma, Ben, Jojo und Papa eine tolle Familie, deren Geschichte mit dem Umzug in eine kleinere Wohnung in der Nummer 11 beginnt. Ben ist das älteste der Geschwisterkinder, die zwei Jahre jüngere Emma ist Erzählerin der Geschichte und Nesthäkchen Jojo kümmert sich liebevoll um die Stoffschildkröte Gerti. Durch ein kleines Missgeschick von Emma lernen sie schnell einige Nachbarn der Nr. 11 kennen und finden sogar die ersten Freunde, Aylin und Tarek, die mit ihrer Mutter zusammen leben. Die alte Frau Becker ist lieb wie eine richtige Oma. So steht für die Kinder bald fest, dass es doch schön wäre, wenn die ganze Hausgemeinschaft eine große Flickenteppich-Familie wäre. Allerdings gibt es da auch das ältere Ehepaar mit dem piekfeinen, akkurat gepflegten Garten – Oma und Opa von Freddy, der viel Zeit bei seinen Großeltern verbringt. Jedenfalls sind Freddys Großeltern richtige Erbsenzähler! Ja, und dann ist da noch der geheimnisvolle Graf, der den Kindern Rätsel aufgibt, weil es scheint, als wäre die Wohnung unbewohnt. Da ist detektivischer Spürsinn gefragt!
    Das Buch „Familie Flickenteppich – Wir ziehen ein“ ist erschienen im Oetinger Verlag. Der Autorin Stefanie Taschinski ist mit dem Band 1 der der Auftakt zu einer spannenden Kinderbuchreihe für Kinder ab 8 Jahren gelungen. Mit Emma als Ich-Erzählerin und einem abwechslungsreichen Schreibstil, bei dem keine Wünsche offen bleiben, sind kleine und große Leser von Beginn an begeistert und gleich mittendrin in der Geschichte. Die bunten Illustrationen von Anne-Kathrin Behl lassen die Kopfbilder noch deutlicher werden. Auch die Schilder mit der Anzeige der Kapitelnummer und den kleinen Untertiteln sind sehr liebevoll gestaltet.
    Die Geschichte ist nicht nur zum Selberlesen, sondern auch zum Vorlesen in einer kleinen Gruppe sehr gut geeignet. Gerade die Stellen mit „Tiefgang“ können in einer Gruppe intensiv besprochen werden – und auch das Lachen und Mitfiebern macht in Gemeinschaft doppelt so viel Spaß.

  • Ein Lied von Liebe und Verrat von James William Brown

    Aliki ist mittlerweile eine alte Frau. Sie bezeichnet sich selbst als das letzte berufsmäßige Klageweib in ihrem kleinen Dorf im Nordosten Griechenlands. Genau das ist der Grund des Besuches einer jungen amerikanischen Frau, deren Forschungsgebiet mediterrane Ethnografie ist. Aliki bekommt einen Kassettenrecorder mit der Bitte, alles aufzuzeichnen. Die Ethnografin ist wieder fort und Aliki erzählt. Sie spricht darüber, dass sie Klagelieder, Lieder für Totenwachen verfasst, bevor ihr einfällt, dass sie die Lieder eigentlich gar nicht verfasst, sondern dass sie allein aus ihr herausströmen. So redet sie und redet, bis ihr einfällt, dass sie aus ihrer Vergangenheit berichten möchte. Schnell sind ihre Gedanken zurück in ihrer Kindheit. Aliki erinnert sich an ihren liebevollen Vater, der als Köhler gearbeitet hat, bis die Köhlerei im Krieg zum Erliegen gekommen ist. Sehr eindrücklich berichtet Aliki vom Kriegsgeschehen in Griechenland, so auch davon, dass sie mitansehen musste, wie ihr Vater von den Deutschen exekutiert wurde. Aufgenommen wurde sie von der Nachbarin Chrysoula, deren Sohn Takis wie ein Bruder für sie war. Chrysoula war eine hilfsbereite und fürsorgliche Frau, die nicht nur wie eine Mutter für Aliki war, sondern auch sofort bereit war, die Flüchtlinge Stelios und seine Mutter bei sich aufzunehmen und zu verstecken, als bekannt wurde, dass sie Juden waren. Eine erste zarte Liebe begann zwischen Stelios und Aliki. Doch die Schrecken des Krieges waren noch nicht vorbei. Zum Schluss hatten sie Familien und Heimat verloren. Takis, Aliki und Stelios waren noch zusammen. Geblieben war ihnen nur ein Schattentheater, mit dem sie Kinder und Erwachsene gleichermaßen erfreuen konnten. Doch zu Vieles war geschehen in der Vergangenheit, Verrat, Krankheit, Heimatlosigkeit und Eifersucht ließen die drei jungen Menschen nicht glücklich werden.
    Die Idee des Autors James William Brown, die Geschichte aus Sicht der inzwischen alt gewordenen Aliki als Kassettenaufzeichnung zu erzählen, gefällt mir außerordentlich gut. Den von Zeit zu Zeit notwendigen Kassettenwechsel nutzt Aliki für Erzählungen aus der Gegenwart. So entsteht reibungslos und ohne Schnitt – wie automatisch – eine Einheit zwischen Früher und Heute.
    Besonders interessant und lehrreich sind für mich die ausführlichen Beschreibungen über die Zeit des Krieges in Griechenland und auch der Nachkriegszeit, in der es ebenfalls noch grausame Verbrechen gab.
    Abwechslungsreich und leicht verständlich geschrieben hat mich dieses Buch gut unterhalten.

  • „Sie wünschte, sie könnte weinen wie zu der Zeit, als sie noch ein Kind war. Tränen reinigten die Seele, hieß es, und wenn man Glück hatte, spülten sie den Kummer fort.“

    Seit vielen Jahren haben sich Angie und Conlan nach einem Kind gesehnt, doch dieser Wunsch wurde ihnen nicht erfüllt. Gelitten hatten sie beide, doch Angie war so erfüllt von ihrem eigenen Schmerz, dass sie nicht erkennen konnte, dass Conlan ebenso traurig war wie sie. Daran ist schließlich sogar ihre Ehe gescheitert.

    Angie verlässt die Großstadt und kehrt zu ihrer Familie zurück in einen kleinen Ort am Pazifik. Nach dem Tod des Vaters haben Angies Mutter und ihre Schwestern das Restaurant allein weitergeführt. Jetzt hat Angie sich vorgenommen, das Restaurant aus den schwarzen Zahlen herauszuholen.

    Zufällig begegnet Angie einem jungen Mädchen. Lauren lebt allein mit ihrer Mutter, bekommt von ihr allerdings keine Unterstützung. Doch sie ist fleißig und versucht alles, um studieren zu können. Angie bewundert Laurens Stolz, ihren Ehrgeiz und ihre Stärke, und sie möchte ihr gern helfen.

    Kristin Hannah erzählt eine aufrüttelnde Geschichte mit einem gewohnt fesselnden Schreibstil. Sie zeigt dabei Unterschiede auf zwischen Arm und Reich und den „verschiedenen Welten“, in denen die Menschen leben. Gibt der eine für ein Essen in einem Restaurant bedenkenlos so viel Geld aus, wie die andere braucht, um mehrere Wochen davon zu leben, dann macht das natürlich nachdenklich. Doch die Autorin zeigt auch, dass Liebe, Fürsorge und Freundschaft keiner materiellen Werte bedürfen.

    Mir gefällt dieser „bittersüße Roman über das, was man manchmal loslassen muss, um lieben zu können“.

    Gut – besser – Kristin Hannah! Sehr gern empfehle ich diesen Roman über Hoffnung, Liebe, Vertrauen, Angst und Sehnsucht und über das Suchen und Finden.

  • Die Melodie der Schatten von Maria W. Peter

    Schottland im Jahr 1837. Fiona ist unterwegs nach Inverness, als ihre Kutsche in einen Hinterhalt gerät. Sie kann ihr Leben retten, weil es ihr noch rechtzeitig gelingt, die Kutsche unbemerkt zu verlassen. Zitternd vor Angst und Kälte flüchtet sie und gelangt schließlich in der unbekannten verlassenen Gegend an ein altes Herrenhaus. Nicht gerade freundlich wird sie empfangen, aber dennoch bietet man ihr ein Zimmer zum Übernachten an. Kalt, düster und unheimlich ist es in dem alten Gemäuer. Es gibt nur wenig Bedienstete und der Hausherr macht einen ebenso düsteren Eindruck wie das Haus. In der Nacht wird Fiona wachgehalten von schrecklichen Geräuschen, einer seltsamen Melodie und einer unheimlichen schwarzen Gestalt, die herumschleicht. Dann hört sie Schritte und obwohl ihre Tür abgeschlossen ist, glaubt sie, dass jemand in ihrem Zimmer war. Sind das alles nur Alpträume? Sieht sie Gespenster? Oder lastet ein Fluch auf dem Haus?

    Zunächst der Überfall auf die Kutsche, dann der Empfang in dem düsteren Herrenhaus – das Buch nimmt mich sofort gefangen und verbreitet Gruselgefühle und knisternde Spannung von Anfang an. Aidan, der Besitzer des Herrenhauses, ist sehr undurchsichtig, wirkt unnahbar und wenig gastfreundlich.

    Die Menschen aus dem Dorf sind überzeugt davon, dass das Anwesen, Thirstane Manor, verflucht ist, seit die gälischen Pächter vor Jahren von ihrem Land vertrieben worden sind. Geister, Gespenster und Dämonen scheinen hier nachts ihr Unwesen zu treiben. Fiona reißt all ihren Mut zusammen und versucht, den Dingen auf den Grund zu gehen. Sie begibt sich dabei in große Gefahr und macht grausame Entdeckungen.

    Der Autorin Maria W. Peter ist mit dem Roman ein historisches Meisterwerk gelungen, mit Herz und Verstand geschrieben . Der Spannungsbogen ist ununterbrochen straff gespannt. An keiner Stelle kommt Langeweile auf – nur Gänsehaut pur. Der Schreibstil ist so anregend, bildhaft und immer wieder mit Überraschungen gespickt, dass man das Buch am liebsten gar nicht aus der Hand legen möchte. Zudem tauchen Fragezeichen über Fragezeichen auf, die natürlich mit Antworten gestillt werden wollen.

    Schon während des Lesens konnte ich spüren, da schreibt eine Autorin, die nicht nur die Highlands gut kennt, sondern die auch intensive Recherchen angestellt hat. Dies wird besonders deutlich im Nachwort, das viele spezielle Antworten auf historische Fragen bereithält.

    Ein Glossar mit einfachen Erklärungen vieler unbekannter Begriffe, ein Abschnitt über schottisch-gälische Ausdrücke, Redewendungen und Sätze sowie eine Übersicht über historische Persönlichkeiten machen das Buch zu einem kompletten Ganzen.

    Sehr empfehlenswert!

  • Die Tage mit Bumerang von Nina Sahm

    Seit ihre Eltern vor einigen Jahren gestorben sind, lebt Annu allein in dem kleinen windschiefen Haus in einem 87-Seelen-Dorf in Bayern. Sie erinnert sich gern an ihre liebevollen Eltern, den finnischen Vater und die deutsche Mutter. Vor allem benutzt sie gern die lustigen finnischen Sprichwörter, die sie von ihrem Vater kennt. Annu arbeitet zu Hause als Übersetzerin und ihre freie Zeit verbringt sie gern mit Lars und seiner kleinen Familie. Lars und Annu sind allerbeste Freunde. Sie kennen sich bereits seit ihrer Kindheiit und es gibt nichts, was diese Freundschaft gefährden könnte…
    Doch dann begeht Annu einen folgenschweren Fehler. Nur durch einen Moment der Unachtsamkeit verursacht sie einen tragischen Unfall. Von den Leuten im Dorf wird sie gemieden und selbst Lars wendet sich von ihr ab. Einsam und allein bleibt sie mit ihren Schuldgefühlen und verlässt kaum noch ihr kleines geliebtes windschiefes Haus. Dann steht plötzlich dieses Schaf vor ihrer Tür. Annu versucht es wieder loszuwerden, doch das Schaf lässt sich nicht wegschicken, es kommt immer wieder zurück. So ist es zu seinem Namen gekommen – Bumerang.
    Mit viel Herz und Gefühl schreibt Nina Sahm die Geschichte von Annu, erzählt von ihren großen Schuldgefühlen und von ihrer Hoffnungslosigkeit. Es scheint für Annu keine lebenswerte Zukunft mehr zu geben. Immer wieder denkt sie an ihre Freundschaft mit Lars, erinnert sich an die vielen schönen Zeiten und Momente, die sie miteinander verbracht haben.
    Aber jetzt muss sie sich erstmal um Bumerang kümmern! Ganz langsam findet Annu durch dieses verrückte Schaf, das unbedingt in ihrem inzwischen verwilderten Garten und bei ihr bleiben möchte, zurück ins Leben. Sie lernt wieder, wie schön das Leben sein kann und hofft darauf, sich eines Tages selbst vergeben zu können.
    Eine warmherzige und gefühlvolle Geschichte, die ich gern weiterempfehle. „Die Tage mit Bumerang“ bekommt einen Platz in meinem Regal „Lieblingsbücher“.

  • Die Nickel Boys von Colson Whitehead

    In dem Roman „Die Nickel Boys“ verbindet der Autor Colson Whitehead Realität und Fiktion. Sind die Charaktere frei erfunden, so ist die Geschichte um Ausgrabungen und forensische Analysen durch Archäologiestudenten auf dem Gelände einer Besserungsanstalt in Florida, wo ein geheimer Friedhof entdeckt wurde – tatsächlich geschehen.
    Beispielgebend erzählt Whitehead die Geschichte des 16-jährigen Ellwood, der mit seiner Großmutter im schwarzen Ghetto von Tallahassee lebt. Ellwood bewundert Martin Luther King und träumt davon, dass es keine Unterschiede mehr zwischen Schwarz und Weiß gibt. Doch der Rassismus ist auch Anfang der sechziger Jahre noch tief verwurzelt. Ellwood ist höflich, fleißig und ein guter Schüler. Er freut sich, dass er einen Platz am College bekommt, doch dann geschieht das Unfassbare: Ohne es zu wissen, lässt sich Ellwood in einem gestohlenen Auto mitnehmen, wird dafür vollkommen zu Unrecht in die Besserungsanstalt, das Nickel, eingewiesen. Es sollte eine Schule sein, in der die Jungen unterrichtet werden, doch die Hoffnung darauf kann Ellwood schnell begraben. Stattdessen wird er mit menschenunwürdigen Zuständen und Ungerechtigkeiten konfrontiert. Nicht nur, dass die Jungen missbraucht und geprügelt werden, manchmal verschwindet jemand einfach so, nur um dann nie wieder aufzutauchen. Und niemanden scheint es zu kümmern.
    Der Schreibstil ist nach meiner Meinung eher einer der leisen Töne, wodurch aber die lauten Schreie der Ungerechtigkeit und des Schreckens weithin hörbar werden, nachdenklich machen und zur Sensibilität anregen.

  • Danke, liebes Universum von Anjana Gill

    „Das Universum erfüllt Wünsche“ – Vom Träumen zur Erfüllung deiner Herzenswünsche – 95,7 % Wunscherfüllung:

    Nicht, dass ich viele Wünsche hätte, die ich erfüllt haben möchte, aber diese „Versprechen“ haben meine Neugier geweckt, sodass ich mich auf das Buch eingelassen habe.

    Das Cover ist mit kleinen Zeichnungen einfach gestaltet und gibt einen Blick ins „Universum“ frei. Auch das Innere des Buches ist liebevoll gestaltet mit kleinen roten Sternchen auf jeder Seite, mit verschiedenen Schriftarten und -farben in Rot und Blau und guter Papierqualität.

    Das Inhaltsverzeichnis lässt erkennen, dass viele Tests angeboten werden. Ob es nun darum geht, sich vom Universum überraschen zu lassen, sich ganz spezielle Dinge zu wünschen oder im weiteren Verlauf sogar Telepathie ins Spiel zu bringen: Wenn die Wünsche richtig – und das heißt auf jeden Fall positiv(!) – gestellt werden, wenn man keine Zweifel aufkommen lässt und von der „Macht des Universums“ überzeugt ist, dann sollte es wohl klappen mit der Wunscherfüllung.

    Mir hat die Lektüre gute Unterhaltung geboten, ich habe das Buch mit großem Interesse ganz gelesen, habe mich auf die ersten Tests eingelassen und verblüffende Ergebnisse gehabt, brauche aber noch Zeit, um der Erfüllung weiterer Angebote eine Chance zu geben.

    Beispiele für „kleine Wünsche“:

    „Ich möchte einen roten Luftballon sehen.“ Da mach‘ ich doch mal mit, auch wenn ich zurzeit kaum aus dem Haus komme – dann muss der Ballon halt zu mir kommen! Das dachte ich – und zwei Tage später schaue ich aus dem Fenster: Die Tochter einer Nachbarfamilie wird 18 und bekommt ein großes Schild, in dessen Ecken jeweils ein farbiger Luftballon angebracht ist. MEIN ROTER BALLON ist der größte und auch derjenige, der seine Luft am längsten hält!

    „Ich möchte einen Marienkäfer sehen.“ Nichts leichter als das, im Garten sitzen sie doch auf vielen Pflanzen. Erst nach meiner „Bestellung“ habe ich festgestellt, dass es zumindest in unserer Gegend in diesem Jahr scheinbar keine Marienkäfer gibt. Das macht mich natürlich sensibel dafür, auch im nächsten Jahr noch besser hinzuschauen.

    Allein diese beiden kleinen Tests haben mir gezeigt, welche Bedeutung dieses Buch für mich hat. Es erinnert mich daran, sensibel zu sein und den Blick auch für die kleinen Dinge im Leben nicht zu verlieren. Wegzukommen von Negativ-Formulierungen und stattdessen das Positive in den Vordergrund zu stellen und achtsam sein bei allem, was ich mache, dann kann das Leben gelingen.

    „Wenn du deinem Herzen folgst, öffnest du die Tür zum Universum.“ Das ist nur eines von vielen wunderbaren Zitaten.

    Ich empfehle dieses Buch gern allen, die zwar wissen, wie man glücklich leben kann, denen aber doch so ein kleiner „Anstoß“ genauso gelegen kommt wie mir.

    Bei mir bekommt das Buch auf jeden Fall einen Platz in greifbarer Nähe, damit ich noch viele Überraschungen damit erlebe. Zu dem „Danke liebes Universum“ möchte ich nur noch hinzufügen „Danke, liebe Anjana Gill“.

  • Welch ein wunderbares Buch! Eine märchenhafte Geschichte erzählt Jando, Verlag KoRos Nord. Nicht nur das Cover ist wunderschön und lädt zum Träumen ein, sondern die Aufmachung des gesamten Buches von Anfang bis zum Ende ist – mit den farbigen Innenseiten des Umschlags, den zarten Schmetterlingen auf jeder Seite und den Illustrationen passend zur Erzählung – traumhaft schön. Außerdem ist es ein Buch, das einfach richtig gut in der Hand liegt und unbedingt einen guten Platz im Regal verdient.
    Schon im Prolog kann man versinken in der Beschreibung des Sonnenaufgangs am Meer. Es folgen kurze betitelte Kapitel. Ich habe das Gefühl, ich bin dabei, als im ersten Kapitel ein Mann auf einer alten Bank am Fuße einer mächtigen Eiche sitzt und aufs Meer schaut… Es ist ein sehr liebevoller und zarter Schreibstil, der mich emotional sehr berührt. In demselben Stil wie der erste Satz geschrieben ist, ist die gesamte Erzählung. Es ist eine Geschichte, die ihrem Titel gerecht wird: „Im Himmel gibt es einen Bahnhof“. Man möchte gern glauben, was Jando schreibt, dann weiß man, dass man die Hoffnung nicht verlieren darf und dass die Liebe „der Pulsschlag des Lebens“ ist.
    Das kleine märchenhafte Buch ist für Groß und Klein sehr lesenswert und ich empfehle es sehr gern.

  • Gringo von Franz Josef Brüseke

    „Gringo“ – Eine globale Geschichte – von Franz Josef Brüseke ist die außergewöhnliche Geschichte eines Mannes auf der Suche nach seiner Herkunft. Große Spannung und abwechslungsreiche Abenteuer verspricht die Buchbeschreibung.

    Das Buch besteht aus zwei Teilen, „Der verlorene Sohn“ und „Der alte weiße Mann“. Es beginnt damit, dass Georg die Hilfe des Psychologen Dr. Berg in Anspruch nimmt. Ungewöhnlich für Dr. Berg ist, dass die Sitzungen fast ausschließlich von Georgs Erzählungen bestimmt sind. Mich hat sehr beeindruckt, dass der Psychologe sich über lange Zeit als guter und geduldiger Zuhörer beweist.

    Die Sitzungen nahmen einen sehr großen Raum ein. Nicht, dass es uninteressant gewesen wäre, Georg, dem Gringo, zuzuhören, aber ich konnte mir zunächst gar keinen Reim darauf machen, worauf das Ganze hinausläuft.

    Ein Karton mit Dokumenten und Fotos war alles, was Georg bei der Suche nach seinem Vater in der Hand hatte. Gemeinsam mit Dr. Berg wollte er sich auf Spurensuche begeben, um etwas über das Leben seines Vaters zu erfahren.

    Hat mich er erste Teil schon sehr beeindruckt mit allem, was der Gringo über Gott und die Welt mit seiner ganz eigenen Ansicht auf viele Dinge zu erzählen wusste, so hat mich der zweite Teil außerordentlich fasziniert und die Art, nochmals viel Persönliches aus Georgs Leben zu erfahren, hat mich mitgerissen und begeistert.

    Ein sehr lebendiger Schreibstil mit vielen interessanten und wissenswerten Details aus Georgs Gefühlswelt hat mir viele tolle Lesestunden bereitet. Besonders haben mir Georgs Wortspielereien und seine Erklärungen bei unterschiedlichen Vergleichen zu vielen Themen gefallen. Rückblickend sind mir die anfangs sehr lang erschienenen Monologe Georgs sehr wichtig geworden, weil dadurch und durch den Rückblick auf sein Leben die Geschichte zu einem kompletten Ganzen geworden sind.

    Ein beeindruckendes Buch mit vielen spannenden und berührenden Momenten, das ich gern weiterempfehle.

  • Walzer, Wein & Altenheim von Anna J. Eichenlaub

    Tina ist die Neue. Schon früher hatte sie in einem Altenheim gearbeitet und jetzt möchte sie sich wieder in diesem Arbeitsbereich den Bedürfnissen alter und pflegebedürftiger Menschen widmen. Dabei ist nicht nur fast immer gut gelaunt, sondern oft gelingt es ihr, die Bewohner mit ihrer fröhlichen Stimmung anzustecken. Natürlich gibt es in einem Haus mit 40 Zimmern, auch wenn nicht alle belegt sind, nicht nur Menschen, denen es gut geht. Schnell lernt Tina die Bewohner mit all ihren ganz unterschiedlichen Beeinträchtigungen und Bedürfnissen kennen und hat für jeden ein offenes Ohr.
    Das Cover zeigt Tina und die Bewohnerin Frau Ebel. Tina steht da mit in die Hüften gestemmten Händen und wundert sich mal wieder über Frau Ebel, die mit ihrer resoluten Art immer und überall im ganzen Haus für Trubel und Empörung sorgt. Als Leser bringen mich so einige Episoden zum Schmunzeln, als Pflegekraft ist es bestimmt nicht unbedingt witzig, sondern manchmal auch nervenaufreibend.
    In vielen kurzen Geschichten bekommt der Leser Gelegenheit, die Bewohner und den Alltag in einem Alten- und Pflegeheim kennenzulernen. Manchmal sind es Geschichten, die das Herz erwärmen, zum Beispiel, wenn man erfährt, warum ein Bewohner seinen blauen Pullover vermisst und Tina sich auf die Suche begibt nach dem Kleidungsstück, zu dem der Satz passt „Loch an Loch und hält doch“. Es gibt Sachen zum Lachen, aber auch zum Traurig-Sein und zum Weinen. Auch sprachlos sein kann man, wenn man die Geschichte eines Bewohners hört, der aus einem anderen Heim gekommen ist, weil er es dort nicht ausgehalten hat. Welch großes Glück, dass Tina sich seiner annimmt!
    Das letzte Kapitel mit der Überschrift „Danke“ und hier besonders der persönliche Dank der Autorin an die Leser hat mich gefreut. Ich kann sagen, dass der leichte und herzliche Schreibstil mir Freude geschenkt und bei lockerer Unterhaltung einige schöne Lesestunden bereitet hat.
    Was ich leider bemängeln muss: Nach meiner Meinung hat das Korrektorat nicht ganz so gut gearbeitet, wie Anna J. Eichenlaub es in ihrem Dank ausdrückt.