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Bewertungen von Leser/innen

  • Das Juliusspital. Ärztin aus Leidenschaft von Nadja Beinert; Claudia Beinert

    Das Juliusspital – Ärztin aus Leidenschaft ein Roman von
    Claudia & Nadja Beinert (Knaur Verlag)
    "Wir sind auf dem besten Weg, die Juristische Fakultät ein für alle Mal an Ruhm und Ehre zu übertrumpfen. Dreihundert Studenten sind allein für die Medizin immatrikuliert, und das hat bei einer Gesamtstudentenzahl von siebenhundert viel zu bedeuten"
    Das Juliusspital in Würzburg um 1850 wird der Wartesaal des Todes genannt. Einfache Leute und Menschen am Rande der Bevölkerung suchen Hilfe im Spital. Dort entscheiden sich Schicksale, Chancen für die Forschung und hier wird die Neugier und der Forschungstrieb der Professoren und der Bildungshunger der hiesigen Studenten gestillt. Dies ist ein Ort, der so viel Leid und Tod wie auch Hoffnung, Glanz und dunkle Seiten in sich birgt.
    Viviana entwickelt den Wunsch Ärztin zu werden auf einem unerwartetem Umweg in ihrem Leben. Mit ihrer großen Auffassungsgabe und unbändigem Wissensdurst, möchte so gern dazugehören. Sie träumt davon, Medizin zu studieren, zu helfen und Ärztin zu werden. Dieser Drang verstärkt sich, als sie die Möglichkeit nutzt, Vorlesungen und dem Unterricht der Studenten ab und an heimlich in der Alma Julia zu belauschen. Doch Mitte des 19. Jahrhunderts bleibt ihr als Frau ein Medizinstudium untersagt. Viviana entscheidet sich gegen den bequemen Weg auf der Suche nach ihrer Erfüllung im Leben. Dabei trifft sie auf Charaktere mit Ecken und Kanten, historische Persönlichkeiten und fiktive Figuren.
    In jeder Zeile und in kleinsten Details spiegeln sich die großartige Recherchearbeit und das Mitgefühl zu ihren Protagonisten der beiden Autorinnen wieder. Der Leser begleitet die facettenreichen Figuren entlang der Straßen und Viertel des vergangenen Würzburgs. Vor diesem historischen Hintergrund fächern sich zeitgetreue Informationen, medizinische Fortschritte, pharmazeutische Einblicke, Hintergrundwissen zum Aktien- und Bankgeschäft, die Stellung der Frau innerhalb der Familie und in der Gesellschaft sowie Einblicke in das Alltagsleben der einfachen und gehobenen Bevölkerung breit durch die Geschichte.
    Der fesselnde, detailreiche Schreibstil trägt den Leser in die Geschichte hinein und lässt ihn nicht mehr los. Auch ich habe die willensstarke Viviana gern auf ihrem Lebensweg begleitet. Daher freue ich mich auf den bald folgenden 2. Band: Das Juliusspital – Ärztin in stürmischen Zeiten.

  • Dolce Vesuvio von Astrida Wallat

    Dolce Vesuvio ein Italien-Roman von Astrida Wallat (Harper Collins Verlag)
    "Die Würfel sind gefallen" zumindest für die Archäologie-Studentin Carlotta, genannt Lollo. Professor Hilarius schickt den quirligen Lockenkopf aus dem heimatlichen Freiburg ins sonnenverwöhnte Pompeji vor die große Bühne des legendären Vulkans. Dort soll Lollo, Glauco Pappalardo bei archäolgischen Ausgrabungen als Praktikantin zur Seite stehen. Neben dem Staub der Ausgrabungsstätte und zahllosen Lapilli genießt die junge Frau die einzigartige Gastfreundschaft von Donna Anna. Eine weise Frau mit diversen Kenntnissen über traditionelle, landestypische Kochkünste. Sie weiß Rat, wenn es um Lebensfragen geht. Wäre da nur nicht die Sache mit Capri und der zum Haare raufende Assistent Alessandro Mantegna...
    Diese Geschichte lebt von den herzlichen und sympathischen Figuren mit ihren drolligen Spitznamen und Ecken und Kanten sowie die daraus resultierenden Verzwickungen. Die Autorin versteht es, diese durch bestimmte Charakterzüge und Kleinigkeiten zu etwas ganz Besonderem werden zu lassen. Intelligente, weltgewandte, wortreiche und witzige Dialoge geben dem Geschehen hinreichend Esprit. Die talentierte Sprachgewandtheit unterstreicht die flotte Geschichte. Neben Apoll, Daphne, Narziss und Ovid versprüht die junge Lollo jede Menge Charme. Der Leser ist überwältigt vom Flair Italiens, dem Schicksal von Pompeji, dem imposanten Vesuv, lateinischen und italienischen Floskeln, diversen Herzensangelegenheiten und Geheimnissen rund um Lollos Familiengeschichte. Astrida Wallat fängt sensiblen Stimmungen und die Schönheiten der Landschaft sowie die Launenhaftigkeit der Natur mit ihrem unbeschwerte Schreibstil ein. Hier zeigt sich ausgezeichnetes Wissen und eine exzellente Recherchearbeit. Die lateinischen Redewendungen zu jedem Kapitelstart, ein Postskriptum sowie der Grundriss von Lossos Grabungen umrahmen die Geschichte.
    Fazit: Jede Zeile begleitete der Geschmack saftiger Zitronen, spritzigem Prosecco, erlesenem Lacryma Christi Pasta, Panna cotta, Espresso, oder einer anderen italienischen Leckerei. So schön, als höre man den Klang der ratternden Circumvesuviana oder lausche einer poetischen Zeile von Lollos verehrtem Ovid. So authentisch, als sitze man mit Lollo in ihrem zugeteiltem Cubiculum. Um es mit Lucias Worten auszudrücken: "Aber Fortuna zeigte sich gnädig"... und hat mir diese besondere Lektüre zu einem diesjährigen Highlight gemacht! Tutto bene! Bravo! Grazie!

  • Die Fotografin - Die Welt von morgen von Petra Durst-Benning

    Die Fotografin - Die Welt von morgen (Band 3 der Fotografinnen-Saga) von Petra Durst-Benning Blanvalet Verlag
    "Es kommt selten vor, dass man eine Wanderfotografin trifft. Vielleicht würden Sie uns die Ehre erweisen, ein wenig aus Ihrem Leben zu erzählen?"
    Und genau dem kommt Petra Durst-Benning im 3. Band ihrer Fotografinnen-Saga nach. Lebendig beschreibt sie Mimis Reise, deren Abenteuer und Erlebnisse von Laichingen über Berlin und zurück auf die Alb. Beginnend, 1912 im Hochschwarzwald, trifft Mimi Reventlow alte Bekannte, Weggefährten und lernt neue Leute kennen. Dabei kommt Mimi mit dem fortschrittlichen Leben in Berührung. Die Beschreibungen der technischen Errungenschaften, deren Umgang und daraus resultierenden Vor-und Nachteile, werden spannend erklärt. Dies bleibt auch für Mimi und ihre Branche nicht ohne Folgen. So kommen Werbeaufnahmen voran, Druckaufträge in größerem Stil sind jetzt möglich, der Fotoapparat ermöglicht Aufnahmen für jedermann, Mimi lernt Fahrrad fahren und das Automobil erobert den Alltag.
    Die Hauptprotagonistin umgeht mit viel Leichtigkeit, großem Mut und reichlich Herz allerlei Stolpersteine, die ihr die Autorin in den Weg legt. Dank ihrer positiven Einstellung und ihrem freundlichen Wesen steht sie immer wieder auf und nimmt neue Herausforderngen an. Dabei schaffen Mimi und die Autorin wunderbare Möglichkeiten die Welt von morgen mitzugestalten.
    Neben Mimi Reventlow finden zahlreiche Figuren und deren Handlungsstränge Platz in der Geschichte. Besonders gefallen haben mir die Ausführungen zur Schäferei und Schafzucht mit Wolfram, Bernadette und Corinne. Der beschwerliche Alltag und die Hingabe zu dieser Tätigkeit werden von der Autorin in bildhafter Sprache beschrieben.
    Ebenso das Thema Kunst kommt nicht zu kurz und findet mit Alexander und Mylo an der Kunstschule in Stuttgart zahlreiche Berührungs-und Spannungspunkte.
    Mimis Begleiter, Anton und dessen Ideen und Esprit geben der Reise den nötigen Schwung.
    Fazit: Jeder Roman aus der Feder von Petra Durst-Benning konnte mich bisher begeistern und überzeugen. So auch diese Episode aus Mimis Leben. Mit dem Augenmerk der Autorin auf historische Belange dieser Zeit, habe ich mich sehr gut unterhalten gefühlt. Neue Wendungen und ein stetig aufrecht erhaltener Spannungsbogen garantieren einen fließenden Lesegenuss. Ich bin unheimlich neugierig auf den 4. Band - Die Stunde der Sehnsucht rund um die Wanderfotografin. Nicht zuletzt wegen des Cliffhangers und den nahenden Umbrüchen dieser Zeit verspricht Mimis weiterer Weg äußerst interessant und emotional zu werden. Daher, immer wieder, eine klare Leseempfehlung!

  • Alles über Bio-Gemüse von Ortrud Grieb

    Alles über Bio-Gemüse: pflanzen-pflegen-ernten
    Ortrud Grieb
    Ulmer Verlag
    Gärtnern: Freiraum für die Seele schaffen, im Einklang mit sich sein, sich erden, Muße und Erholung, den Alltag vergessen, draußen sein,...
    Dieses dicke Standardwerk hilft dabei, das dies alles gelingt. Auf 540 Seiten stürzen wir uns in das grüne Abenteuer. Dabei ist es egal, ob wir unser Gemüse oder die leckeren Kräuter auf dem Balkon, im Garten oder in Töpfen und Kisten anbauen, denn für jedes Fleckchen Grün gibt es hilfreiche Tipps, die leicht umsetzbar sind. Der Inhalt erstreckt sich von ersten Schritten ins Paradies über die Planung und Düngung bis zum Lagern und Konservieren. Die Wünsche der Gemüsepflanzen werden berücksichtigt, der Pflanzendoktor zu Rate gezogen, bis man schließlich faul den Sommer genießen kann. Gemüse und Kräuter von A-Z werden liebevoll und pragmatisch zugleich vorgestellt. Hilfreiche Tabellen erläutern, wer sich mit wem verträgt oder auch nicht, was zusammen angebaut werden kann oder sich gut ergänzt. Nachvollziehbare Infos für die Planung runden die reich bebilderten Kapitel ab. Trotz der Ratgeber-Funktion, lesen sich die zahlreichen Erläuterungen angenehm spannend. Pfiffige und praxisnahe Erklärungen lassen keine Fragen offen.
    Fazit: Mit "Alles über Biogemüse" kann man sich ein Stück Natur nach Hause holen. Am liebsten möchte man gleich den Spaten in die Hand nehmen und loslegen!

  • Wer, wenn nicht wir von Barbara Leciejewski

    Wer wenn nicht wir
    Barbara Leciejewski
    Verlag Tinte und Feder
    "Die Leute denken bei Trennung immer an laute Dramen und Krieg und Fremdgehen. Wenn es so unspektakulär vonstattengeht wie bei uns, können sie es nicht glauben." (S.69)
    Das passiert, wenn man sich auseinanderlebt, dem Gegenüber kaum noch etwas zu sagen hat und die Gleichgültigkeit schleichend und unaufhaltsam Einzug in den Alltag hält.
    Viola und Florian stehen genau an diesem Punkt in ihrer Beziehung. Nach zwanzig Ehejahren ist genau das eingetreten, was mit Liebe nicht mehr viel zu tun hat. Eine Zweckgemeinschaft mit Verständnis, aber wenig Gefühl. Der Plan ist eine einvernehmliche Trennung, ohne Tam Tam. Doch eine letztes Hindernis auf dem Weg in ein Leben ohne den bisherigen Partner gibt es noch zu überwinden, zweieinhalb Wochen Rhodos!...
    Barbara Leciejewski schreibt trotz der Schwere des Themas, einfühlsam und fantasievoll. Sie verwebt gefühlvolle Elemente mit realistischen Pragmatismus.
    Ihre Geschichte überzeugt vor der grandiosen Kulisse der sonnenverwöhnten Insel Rhodos und der unübertroffenen Gastfreundlichkeit griechischer Familien durch realitätsnahe, alltagstaugliche Protagonisten, sympathischen Eitelkeiten und herzlichen Nebenfiguren.
    Die tiefgründigen Aussagen zwischen den Zeilen und der Spiegel, in den man beim Lesen blickt, treffen den Leser mitten ins Herz. Die Autorin spart nicht mit Spannung, Liebe, Humor und Emotionen, die perfekt in die Alltagssorgen von Viola und Florian eingespannt sind. Ihr Roman erzählt nicht von Schmerz, sondern von Lebensmut und Hoffnung.
    Fazit: Ein kluger Roman voller Gefühl und Ehrlichkeit, in der es um Würde, Toleranz und die Freiheit der Liebe geht. Ein beschwingtes Porträt zwischenmenschlicher Beziehungen, eingebettet in die wundervolle Kulisse der Insel Rhodos.

  • Wie uns die Liebe fand von Claire Stihlé

    Wie uns die Liebe fand ein Debüt-Roman von Claire Stihle (Droemer Verlag)
    ... "Chloe!"
    "Schon gut."
    "Danke."
    "Für was?"
    "Dass du so ein großes Herz hast."
    Sie lächelte. "Hab ich von dir."
    Ich lächelte zurück. ... (S.95)

    Wenn man sich auf diese Lektüre einlässt, liest man eine wundervolle Hommage an die Region im Elsass und eine Großmutter namens Marie-Anne Nanon, genannt Madame Nan. Sie blickt zurück auf ihr Leben in Bois-de-Val. Madame Nan erzählt unaufgeregt mit einer hinreißenden Herzlichkeit und einem gewissen Hang zur Selbstironie. Die Erzählung fühlt sich an, wie eine gesellige Plauderrunde bei der 92-jährigen Dame. Zwischen manche Zeilen schleicht sich eine nachdenkliche Stimmungen.
    Dank der Leichtigkeit des Romans und Claire Stihles Erzählweise sowie Nans wachem Humor werden diese ernsten Themen und die Schwere der Vergangenheit ertragbar.
    Neben den Rückblicken in vergangene Tage und erlebte deutsch-französische Geschichte verfasst die Autorin eine lebhafte Familien- und Freundschaftsgeschichte mit viel Fantasie und Originalität, Hoffnung und Lebensmut. Die Charaktere der Familie und Figuren des Dorfes sowie das Dorfleben selbst sind wunderbar beschrieben. Einzelne Protagonisten und Episoden zaubern dabei ein Lächeln ins Gesicht.
    Als sich im Ort eine Chance bietet, bei der man zupacken muss, vollbringen Madame Nan, ihre Töchter und Schwiegersöhne mit Feuereifer und guten Ideen etwas ganz Besonderes. Dabei spielt Monsieur Boberschram, Nans Nachbar eine besondere Rolle. ...
    Fazit: Ein sensibles Buch, welches man mit einem Augenzwinkern lesen sollte. Ein anregender Roman, der stellenweise nachdenklich stimmt und der nicht nur inhaltlich sondern auch optisch überzeugt. Das I-Tüpfelchen: die zahlreichen Beschreibungen des Elsass als Handlungsort und eine leckere Verführung, die elsässische Rezeptesammlung!
    Mir hat der Ausflug ins Elsass sehr gut gefallen und ich empfehle diesen Debüt-Roman von Claire Stihle sehr gern weiter.

  • Die Weinbergfrauen von Brigitte Guggisberg

    Die Weinbergfrauen ein Roman von Brigitte Guggisberg erschienen Diana Verlag
    ...Nachdenklich hob sie ihr Glas zum Mund. Der Wein war frisch und leicht und prickelte sanft auf der Zunge. Grasig im Geschmack, mit einem Spritzer Limette und im Abgang ein Hauch von Quitte. ...S. 117
    Die Winzerinnen Teil 1 machen Lust auf ein Glas guten Wein! Marlene, Sandrine und Valentina, drei ganz unterschiedliche Frauen führt das Schicksal auf das abgewirtschaftete Weingut Bruckner in Südbaden zusammen.
    Das Weingut zu retten steht an oberster Stelle, doch nicht jeder zieht mit an einem Strang. Denn neben den Frauen agieren die beiden Brüder Hermann und Roland Bruckner in ganz unterschiedliche Richtungen. Konfliktpotential dank unterschiedlichster Lebensauffassungen sind vorprogrammiert.
    Zwischen Weinreben und menschlichem Auf und Ab stellt sich die Frage nach Selbstverwirklichung. Hierbei macht jede Figur ihre individuellen Schritte auf dem Weg zum Glück. ...
    Brigitte Guggisberg erzählt in bildhafter Sprache mit leichtem Humor die erfrischende Geschichte dieser Frauen in ganz unterschiedlichen Lebensabschnitten. Deren Leben ist ins Wanken geraten. Ihr Scheitern wird zur größten Chance. Die charakterliche Vielfalt der Figuren und der ganz unterschiedliche Umgang mit schwierigen Lebenslagen bringen reichlich Abwechslung in die Erzählung. Die Protagonisten sind greifbar, charmant, berührend und unterhaltsam.
    Dank der sehr guten Recherche zum Thema Weinbau, liest sich die Geschichte realitätsnah. Die Autorin zeigt die vielfältige und arbeitsintensive Tätigkeiten der Winzer, sowie deren Abhängigkeit von den Naturgewalten. Dabei gestaltet sie die 352 Seiten abwechslungsreich und spannend.
    Fazit: Ich bin durch den ereignisreichen Text geflogen.
    Alle Romane von Brigitte Guggisberg machen einfach Spaß. Voller Humor und Leichtigkeit mit einer Prise Nachdenklichkeit schreibt sie von Freundschaft und Selbstverwirklichung. Viel Herz und Erfahrung legt sie in ihre Geschichten und in die Charaktere, die es im Leben nicht immer leicht haben. Ein mitreißendes Leseerlebnis und eine wärmende Ode an wunderbare Orte und das Leben!

  • Meine Inselbuchhandlung von Petra Dittrich; Rainer Moritz

    Meine Inselbuchhandlung Zwischen Bodden und Brandenburg eine Geschichte von Petra Dittrich mit Rainer Moritz (Eden Books)
    "Ich selbst liebe Lesungen und organisiere sie,...
    Wenn mich Romane oder Erzählungen begeistern, will ich die "Verursacher" dieses Glücks kennenlernen und lade sie kurzerhand nach Gingst ein." (S.145)
    Diese Einblicke aus dem Leben und Wirken von Petra Dittrich haben mir sehr schöne Lesestunden bereitet und mich tief beeindruckt. Das Geschriebene lebt von ihrer quirligen Art und ihrem Durchhaltevermögen. Dabei zeigt sie ihre menschliche und herzliche Seite, wenn es ihre Besucher zulassen.

    "Mein Glück liegt im Vergrößern des Glücks anderer. Ich brauche das Glück aller, um selber glücklich zu sein."
    André Gide

    Petra Dittrich erzählt aus ihrem Leben. Der Wiedererkennungswert, auch meiner Kindheit und Jugend, war hier durchaus gegeben. Des Weiteren spricht sie von den schönen Dingen, gibt Literaturtipps, und musikalische Inspirationen. Ganze Abschnitte habe ich mit einer Untermalung tangobeschwingter Klänge gelesen. Die Anekdoten von Kunden und Freunden sowie geladenen Schriftstellern sind interessant und amüsant. Ihr lockerer Schreibstil und das strukturierte Erzählen, frei weg von der Leber, lässt die Seiten nur so dahinfliegen. Die Einteilungen und Abschnitte sind durchdacht. Die Fotos im Mittelteil ergänzen ganz wunderbar den Text. Die liebevolle Aufmachungen und kleinen Details haben mir sehr gut gefallen.
    Sie liebt nicht nur gute Literatur, sondern auch die felligen Vierbeiner, ihre Katzen. Mich erfreute ihre entdeckte Hingabe zu den Blumen und Pflanzen. Auch diese Dinge finden einen bereichernden Platz im Buch.

    "Es ist wahr: Die Blumen können uns nicht ernähren aber sie machen die Freude des Lebens aus."
    André Gide

    Unbedingt möchte ich bei meinem längst überfälligen Inselbesuch und der Erkundung des Boddens diesen zauberhaften Buchladen in Gingst besuchen und bei einer Lesung in der Kunstscheine Vaschvitz dabei sein.

    Fazit: Petra Dittrich bleibt sich treu und vertritt ihre Ansichten und Standpunkte. Mit ihrem Buchladen auf Rügen hat sie einen ganz besonderen Ort Leben eingehaucht. Jeder ist willkommen, von Klein bis Groß. Ein Glück für die Bücher und die Literaturwelt, dass es solche herzblütigen Menschen gibt! Es ist ein wahres Gesamtkonzept, welches eine gezielte Planung erlaubt, aber nur mit dem Herzen umsetzbar ist.
    Ein Geschenk für jeden Rügen-Liebhaber und Bücherwurm.

  • Mordseeluft von Emmi Johannsen

    Mordseeluft ein Borkum-Krimi von Emmi Johannsen Bastei Lübbe Verlag

    Caro Falk, gebeutelte und gehörnte Ehefrau, nimmt sich zusammen mit ihrem Sohn, Nils und de Hündin, Aila bei einer Mutter-Kind-Kur eine Auszeit auf Borkum. Dort lebt ihr Schwiegervater, Hinnerk, ein Nordlicht mit Charme. Bei einem ihrer Spaziergänge am Borkumer Strand entdeckt Caro eine Leiche. Durch das scheinbar mangelnde Engagemant der hiesigen Polizei nimmt die Kölnerin die Ermittlungen selbst in die Hand. Dabei beteiligt sich der Türsteher, Jan Akkermann. ...
    Der Plot ist gut und vielversprechend. Der Kriminalfall und die Auflösung überraschend und durchdacht. Trotzdem bin ich mit den Figuren nicht warm geworden. Die Charaktere sind flach und an manchen stellen wenig überzeugend. Einzig Hinnerk konnte durch seine nordische Art punkten. Caros Kur rückt sehr weit in den Hintergrund, auch das fand ich schade.
    Der Schreibstil scheint witzig, doch driftet das Gesagte des Öfteren in eine eindeutige Richtung ab und es geht um ein Thema. Das nervte mich und ich war versucht, das Buch nach 200 Seiten beiseite zu legen. Der letzte Abschnitt las sich überraschend gut und so beendete ich die Lektüre mit gemischten Gefühlen. Vielleicht ist Cosy Crime einfach nicht mein Ding und Bücher immerhin Geschmackssache. Vollends überzeugen konnte mich dieser Ausflug nach Borkum, trotz toller Landschaftsbeschreibungen und Wiedererkennen touristischer Lokalitäten, leider nicht. Manche Ungereimtheiten bezüglich Jan Akkermanns Vergangenheit hängen noch in der Luft. Schade, dass dies nicht aufgedeckt wurde. Vermutlich setzt hier Teil 2 von Mordseeluft an.
    Fazit: Dank der gelungenen Aufmachung und des tollen Covers sowie des stimmigen Titels vergebe ich drei Punkte.

  • Das Heinrich-Problem von Alexandra Holenstein

    Das Heinrich-Problem ein Roman von Alexandra Holenstein (Fischer Taschenbuch Verlag)
    Alberta (Berti) Fischer führt ein geregeltes Leben. Als Coach für Lebensfragen im Allgemeinen und Beziehungsfragen im Besonderen hat sie immer ein offenes Ohr für ihre Klientinnen und steht ihnen mit guten Ratschlägen zur Seite. Sie kocht für ihren Mann, Heinrich und bewegt sich gestanden durchs tägliche Leben. Diese scheinbar heile Welt gerät ins Wanken, als Heinrich ihr während des Essens eröffnet, auszuziehen und sie zu verlassen. Eine skurrile Alltagsroutine stellt sich ein. Berti scheinbar naiv, duldet Heinrichs Dreistigkeiten im täglichen Miteinander und ihre eigenen Lebensweisheiten helfen kaum weiter. Als sie herausfindet, dass es Heinrich bisher mit dem Ehegelübde nicht ganz so streng gesehen hat, entwickelt Berti Rachegelüste und wächst bei der Beseitigung des Heinrich-Problems über sich hinaus.
    Alexandra Holenstein schreibt in einer angenehmen Art. Ihr Erstlingswerk hat mir gut gefallen. Berti erscheint anfangs arglos und viel zu gutmütig. Doch im Laufe der Geschichte wendet sich das Blatt und mit Hilfe von Heinrichs geplagten und schikanierten Tross weiblicher Anhängsel bekommt ihr Mann jetzt Schwierigkeiten.
    Der Text zeigt Ironie, der dem Leser das ein oder andere Mal ein Schmunzeln entlockt. Die Beschreibungen der Lokalitäten und Orte von Bertis Aktionen lesen sich interessant und machen Lust, diese selbst zu entdecken.
    Fazit: Die Schweizer Art und Weise, mit verwegenen, dreisten Männern umzugehen, hat mir gut gefallen und ich hoffe auf weitere lustige Romane der Autorin.