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  • Die kleine Hexe, kolorierte Ausgabe von Otfried Preußler

    Die kleine Hexe wünscht sich so sehr, in der Walpurgisnacht auf dem Blocksberg mit den anderen Hexen zu tanzen. Doch leider ist sie viel zu jung dafür. Sie ist ja erst einhundert- siebenundzwanzig Jahre alt. Trotzdem schwingt sie sich auf ihren Besen und feiert mit, was natürlich nicht unentdeckt bleibt. Sie soll bestraft werden, bekommt aber von eine Gnadenfrist und soll bis zur nächsten Walpurgisnacht alle Hexensprüche auswendig lernen und eine gute Hexe werden. Aber wie soll sie das schaffen? Ihr guter Freund, der Rabe Abraxas, unterstützt sie dabei.


    Ich denke, es ist bestimmt fast 60 Jahre her, dass ich dieses wunderschöne Buch von der kleinen Hexe geschenkt bekommen habe. Und ich habe sie geliebt. Weil sie ja eine gute Hexe werden wollte.
    Nun lese ich die kleinen Geschichten über das arme Mädchen am Markt oder dem Maronimann unseren kleinen Nachbarn vor, wenn sie mal wieder Lust auf eine Geschichte haben und ihre Ersatzoma besuchen. Auch wenn die Sprache für heutige Verhältnisse etwas veraltet daher kommt, stört das in keinster Weise.

    Ein Kinderbuchklassiker, den ich und auch die Kinder, denen ich es vorlese, einfach lieben. Ein Buch mit wunderschönen kleinen Illustrationen; über die Freundschaft, mag sie auch noch so ungewöhnlich sein; das die Fantasie anregt; das berührt und zeigt, dass man alles schaffen kann und sich nicht von der Meinung anderer dirigieren lassen sollte.

  • kann das gutgehen? Ja. Es geht sogar sehr gut.

    Die kleine Spinne Widerlich ist schon so müde. Aber bevor sie ins Bett geht, sagt sie allen ihren Verwandten und Freunden Gute Nacht. Ihren kleinen Hasen im Arm besucht sie Tante Igiitte, Onkel Langbein, Oma Erna, Ihre Freundinnen Mücki und Niesi. Endlich ist sie dann soweit und ihre Mama bringt sie ins Bett und wünscht auch ihr eine Gute Nacht.


    Es gibt sehr viele Gute-Nacht-Bücher. Aber dieses liebt unser kleiner Mann, der gerade 15 Monate alt ist, seit ein paar Tagen ganz besonders. Da die Geschichte sehr kurz gehalten ist, eignet sie sich sehr gut, als letzte kleine Nachtlektüre vor dem Einschlafen. Das kleine Pappbilderbuch mit den abgerundeten Ecken und den wenigen robusten Seiten hält er dann auch ganz fest in seinen kleinen Händen, bis er selbst fast eingeschlafen ist.

    Die wunderschönen farbigen Illustrationen enthalten so viel Entdeckenswertes. Wir setzen uns auch tagsüber immer mal wieder hin und suchen kleine verspielte Details, zu denen man auch gut selbst kleine Geschichten erfinden kann. Die kleinen Reime zu jedem Bild treten dabei fast schon in den Hintergrund.

    Ich selbst mag zwar Spinnen nicht besonders, aber diese kleine Spinne habe auch ich richtig ins Herz geschlossen.

    Ein kleines Pappbilderbuch für unsere Allerkleinsten mit wunderschönen Illustrationen und kleinen Reimen. Ein wunderschönes Buch für unser letztes Ritual am Abend.

  • Schatten der Provence von Pierre Lagrange

    Commissaire Albin Leclerc sollte zwar schon einen wohlverdienten Ruhestand genießen, doch er kann sich aus Ermittlungen, die ihn interessieren einfach nicht raus halten. Als es in der Nähe von Carpentras in der Provence einen Überfall auf einen Transporter voller wertvoller Gemälde von Paul Cézanne gibt, die zu eine Ausstellung nach Lyon chauffiert werden sollten, ist sein Interesse geweckt. Der Überfall geht zwar schief, einige Menschen kommen zu Tode und der eine Gefangene schweigt beharrlich. Mit seinem ureigenen Spürsinn macht sich Leclerc auf die Suche und findet ein Versteck der Kunstgegenstände in dem es noch mehr, vor allem Gemälde gibt. Die Polizisten Alain Theroux und Catherine Castel kommen ganz schön ins schwitzen, da Interpol und Europol Interesse an diesem Fall haben. Und Leclerc, der gerät, als er zu nahe an den Täter heran kommt, selbst in höchste Gefahr.


    In diesem 4. Fall, der für mich der erste ist, hatte ich nie das Gefühl etwas verpasst zu haben. Es wird in kleinen Rückblicken in die vergangenen Fälle das Wichtigste zusammengefasst und schnell bin ich mitten in der neuen Geschichte drin.

    Diesmal geht es um Kunstraub der deutschen Nationalisten in den Jahren 1943/1944, wobei wie hier in Marseille die Häuser der wohlhabenden meist jüdischen Familien geplündert und die wertvollen Kunstgegenstände in einem alten Bahnstollen versteckt wurden. Ich erfahre einiges Wissenswertes über die Provence in den dunklen Kriegsjahren und heute, lerne Künstler des 20. Jahrhunderts und ihre Werke kennen.
    Alles verpackt in einen spannenden und sehr interessanten Kriminalfall.

    Den agilen pensionierten Commissaire Albin Leclerc mit seinem eigenwilligen Humor und seiner fragwürdigen Herangehensweise an diesen Fall habe ich zusammen mit seinem Mops Tyson, mit dem er herrliche Zwiegespräche führt und seine Gedanken teilt, sofort ins Herz geschlossen. Seinen Kollegen Alain Theroux und Catherine Castel geht er mit seinen Ermittlungen gewaltig auf den Senkel, ist ihnen doch immer einen Schritt voraus.

    Mit seinem spannenden, unterhaltsamen Schreibstil hat mich Pierre Lagrange sofort gefesselt. Ich erfahre im Prolog schon so ungefähr, in welche Richtung mich dieser Fall führen wird, kann gut mit rätseln, lerne den hoch kriminellen Täter kennen, ohne zu wissen, wer sich dahinter verbirgt und erweitere beim Lesen auch noch meinen Wissensstand über die deutsche Besatzung in der Provence im 2. Weltkrieg.

    Ein spannender Krimi mit südfranzösischem Flair und einem interessanten Thema, bei dem ich einen sympathischen Ex-Kommissar mit Hund kennengelernt habe. Ich hoffe, dass sich Leclerc auch weiter einmischt und ich bald wieder bei einem neuen Fall dabei sein kann.

  • Finsteres Kliff von Sabine Weiß

    Liv Lammers schätzt es gar nicht, wenn sie bei einem Handballspiel ihres Lieblingsvereines SG Flensburg-Handewitt gestört wird. Diesmal gibt es auf der Insel Sylt einen Toten bei den Hügelgräbern am Morsumer Kliff. Es sieht ganz nach einem blutigen Ritualmord aus. Als auch noch Vanessa, die Freundin des Toten als vermisst gemeldet wird, spitzt sich die Lage zu. Als Unterstützung der Kripo Sylt müssen nun auch Liv und Ihre Kollegen Bente und Momke auf die Insel.


    Da ich in diesem Jahr zum ersten Mal Urlaub auf unserer nördlichsten Nordseeinsel gemacht habe, musste ich dieses Buch einfach lesen und die mir bisher unbekannte Autorin Sabine Weiss kennenlernen. Ich wurde in meinen Erwartungen nicht enttäuscht. Obwohl es mein erster Fall ist, den ich mit Liv Lammers gelöst habe, hatte ich an keiner Stelle das Gefühl etwas verpasst zu haben. Trotzdem werde ich die beiden ersten Fälle „Schwarze Brandung“ und „Brennende Gischt“ nun auch noch lesen.

    Die Ermittlungen in diesem neuen Fall gestalten sich schwierig. Es gibt sehr viele Verdächtige. Manche können durch ihre Alibis gleich ausgeschlossen werde. Bei Anderen verdichten sich die Beweise. Ich habe immer den Verdacht, dass hier noch einiges verschwiegen wird. Ich blicke lange nicht hinter diesen sehr gekonnt konstruierten Fall. Nach einigen unerwarteten Wendungen dann mit einem Paukenschlag die Auflösung, die ich sehr gut nachvollziehen kann, auf die ich aber so nicht vorbereitet war. Und endlich lässt die hoch angesiedelte Spannung, die sich ab der ersten Seite stetig weiter aufgebaut hat, nach.

    In diesem Fall bekomme ich auch Einblicke in die Welt der Wikinger, die Geschichte der Hügelgräber und ihre vergrabenen Schätze. Es gibt auf der Insel einige junge Menschen, die als Wikinger-Fans und Hobbyarchäologen auf der Suche nach diesen alten Schätzen sind. Die vielen Informationen zu diesem Thema haben mir sehr gut gefallen.
    Der lokale Kolorit kommt durch den eingestreuten friesischen Sprachgebrauch und Bentes Dänisch sehr gut heraus. Außerdem kann ich das Feuer der Biike prasseln hören, das Salz der Nordsee auf der Zunge schmecken und den Sand unter meinen Füßen spüren. Da ich ja vor Kurzem erst dort war, habe ich einiges wiedererkannt, viele Bilder beim Lesen vor Augen und in Erinnerungen geschwelgt.

    Mir gefällt es sehr, wenn ich die ermittelnden Kommissare etwas persönlicher kennenlerne.
    Liv, die mit ihrer Großmutter Elisa und ihrer Tochter Sanna zusammen lebt, hat ein inniges Verhältnis zu den Beiden, die aber ohne sie auf dem Festland gut zurecht kommen und hier nur am Rande kleine Rollen spielen. Hier auf der Insel, wo Liv geboren wurde, und wo ihr Vater und ihre Schwester noch leben, holt sie ihre Vergangenheit ein. Ich mochte die Ermittlerin, die ihren eigenen Kopf hat, auch mal eigene Wege geht und sich damit selbst in Gefahr bringt, von Beginn an sehr gern.
    Auch die anderen Personen finde ich mit ihren vielfältigen Charakteren sehr gut gezeichnet, menschlich und vorstellbar. Besonders gefällt mir ein Kommissar a.D., der auf eigene Faust in Wikingerverkleidung auf Spurensuche geht.

    Mit ihrem leichten, bildreichen und einprägsamen Schreibstil hat mich Sabine Weiss sofort in die Geschichte hinein gezogen. Ich bin ihren falschen Fährten gefolgt, konnte mit rätseln, musste meine Verdächtigen immer wieder laufen lassen. Am Schluss gab´s dann noch eine Überraschung mit der ich so nicht gerechnet hatte.

    Das erste Buch von Sabine Weiss wird nicht mein letztes sein. Ich widme mich nun der ersten beiden Fälle und hoffe, dass ich Liv Lammers und ihren Kollegen bald wieder bei einem Fall über die Schulter schauen kann.

  • Die junge lebenslustige Serafina Rheinberger, die Halbschwester von Victor, wird nach dem Tod des Vaters mit offenen Armen in der Schokoladenvilla in Degerloch aufgenommen. Aber sie quält eine Sache, die sie bisher mit niemandem geteilt hat. Am Stuttgarter Bahnhof lernt sie Lilou Roche kennen, eine junge Dame, der Serafina auf den ersten Blick gefällt und die sich ihres „Problems“ annimmt. Serafina hat ab der ersten Begegnung mit Anton, dem Bruder von Victors Frau Judith Schmetterlinge im Bauch. Aber auch Antons Zwillingsbruder Karl scheint es auf die junge Frau abgesehen zu haben...


    Nachdem ich die Familien Rothmann und Rheinberger schon im ersten Band der Familiensaga zu Beginn des 20. Jahrhunderts kennengelernt habe, habe ich mich richtig darauf gefreut sie alle wiederzulesen. In der Fortsetzung im Jahr 1926 lerne ich auch Martin kennen, den Sohn von Judith und Victor, den ein „Geheimnis“ umgibt und seine kleine Schwester Victoria „Vicky“. Aus den aufgeweckten Zwillingen Karl und Anton sind junge Männer geworden, die ihren Weg gehen – Karl in der Schokoladenfabrik und Anton als Klavierbauer. Auch Hélène Rothmann, die Mutter von Judith, Karl und Anton, und ihren Lebensgefährten Georg Bachmayr aus München treffe ich wieder, genau so wie Albrecht von Braun, der vor vielen Jahren nach Mexiko ausgewandert ist.

    Durch die neugierigen Augen von Serafina sehe ich die Welt in der sie nun lebt. Vor allem auch die wunderschöne Schokoladenvilla. Ich meine jetzt sogar, mich im damaligen Stuttgart richtig gut auszukennen.
    Durch Lilou treffe ich auf die damals total angesagte Josephine Baker und die Welt des Cabaret und der Shows. Sie nimmt mich mit nach Berlin, wo Serafina auf die Suche nach ihrer Mutter, der ehemaligen Tänzerin Elly Schwarz, geht. Hier komme ich auch mit Kokain und Erpressung in Berührung.

    Die Veränderungen dieser Zeit werden gekonnt in die Geschichte eingebaut. Vor allem, dass die Frauen ihr eigenes Geld verdienen und damit etwas selbstständiger werden; die Frauen jetzt auch Auto fahren und sich die einengenden Moralvorstellungen langsam lockern. Aber auch die Nachwirkungen des 1. Weltkrieges und der Klassenkampf für eine gerechte Gesellschaft ohne Klassenunterschiede werden thematisiert.

    Sehr gut gefallen hat mir auch diesmal die sorgfältige und detaillierte Ausarbeitung der kleinen Begebenheiten. So werde ich durch das Himmel & Hölle Spiel, bei dem Vicky ihre neue Freundin Mathilda kennenlernt, an meine Kindheit erinnert. Beim ersten Flug von Serafina von Stuttgart nach Berlin kann ich mich sehr gut in sie hineinversetzen. Und nach der Führung durch die Schokoladenfabrik bin ich über die Herstellung von Schokolade vollends informiert. Und das alles, ohne das es mir beim Lesen einmal langweilig gewesen wäre.

    Obwohl die Geschichte in Stuttgart angesiedelt ist, wird der schwäbische Dialekt nur sehr spärlich eingesetzt. Trotzdem ergibt sich dadurch der lokale Bezug noch stärker. Genau so, wie Lilou hier und da französische Worte einfließen lässt und Georg Bachmayr durch ein paar bayerische Worte zu identifizieren ist.

    Leider war auch diese Geschichte wieder viel zu schnell ausgelesen. Ich freue mich, dass Karl und Anton ihren Platz im Leben gefunden haben, dass Martin wohl eine große Karriere bevorsteht und dass es der Familie Rheinberger insgesamt gut geht.
    Und vor allem freue ich mich, wenn ich die Familien auch in der 3. Generation demnächst weiter begleiten darf.

    Auch der 2. Teil der Familiensaga hat mich vollkommen überzeugt und mir wunderbare unterhaltsame und interessante Lesestunden geschenkt.

  • Kurt von Sarah Kuttner

    Um näher am Wohnort seines sechsjährigen Sohnes Kurt und seiner Exfrau Jana, mit der er sich das Sorgerecht teilt, zu sein und sich die Erziehung und Betreuung teilen zu können, haben der große Kurt und seine Freundin Lena ein Haus bei Oranienburg in der Nähe ihrer Heimatstadt Berlin ersteigert. Seit vier Wochen leben sie nun hier und das Zimmer vom kleinen Kurt ist das einzige Zimmer, das schon richtig fertig ist. Überall stehen noch Kartons herum und müssen ausgepackt werden. Lena sieht ihre Aufgabe in erster Linie im Gartenbereich, mutiert aber auch immer mehr zur Heimwerkerin. Dazu kommt noch die neue Rolle als „Stiefmutti“ für den kleinen Kurt, in die sich sich gerne einbringen würde. Da nimmt ihr der große Kurt aber die meiste Verantwortung ab. Doch ehe sich die Drei an ihre neue Patchworkfamilie gewöhnen können, verunglückt der kleine Kurt bei einem Sturz in der Schulpause vom Klettergerüst tödlich. Der große Kurt verzieht sich in seiner Trauer in ein Schneckenhaus, lässt auch Lena kaum mehr an sich heran. Und Lena, die weiß nicht, wie sie mit ihrer Trauer umgehen soll und darf. Und auch nicht, wie sie Kurt helfen kann.


    Sarah Kuttner hat ihr Buch „Kurt“, es ist das erste, was ich von ihr lese, in drei Teile gegliedert, die ebenfalls alle Kurt heißen. Weil der große Kurt, ihr Freund, und der kleine Kurt, sein Sohn, auch so heißen. Und weil sich in diesem Buch alles um Kurt, den kleinen und den großen, dreht.

    Dieses Buch hat mich sehr beeindruckt, obwohl es auch einiges gibt, was mir nicht so gefällt. Als erstes regt mich die manchmal einfach ins Primitive abdriftende Sprache auf. Was aber die Trauerbewältigung für die Menschen, die hier richtig leiden, vielleicht einfacher und erträglicher macht. Dann mag ich es nicht, wenn zu viel Alkohol und Zigaretten im Spiel sind. Und auch die vielen Sexszenen brauche ich nicht unbedingt.

    Dann kommt die Zeit nach dem Tod des kleinen Kurt. Die Trauerarbeit von Lena und Kurt sind so authentisch, voller verschiedenster Emotionen und nachvollziehbar dargestellt, dass es für mich doch ein wirklich tolles Buch geworden ist und ich den Beifall, den es oft bekommt, gut verstehen kann. Ich habe mitgelitten und gehofft, dass die Beiden gut aus dieser für alle schwierigen Situation wieder heil heraus kommen.
    Gerade bei Lena, die diese Geschichte erzählt, habe ich die Verzweiflung, wenn sie z.B. einzelne Blätter der Friedhofsverwaltung oder ein von dem kleinen Kurt übermaltes Foto hinter der Waschmaschine versteckt, direkt spüren können. Sie tut mir in ihrer Trauer fast noch mehr leid wie der große Kurt, der sich einfach nur zurückzieht und für sie nicht mehr greifbar ist. Lena weiß einfach nicht, wo sie als „Nicht-Mutter“ steht, was ihr an Trauer zusteht, wie nah sie das alles an sich heran lassen soll und darf. Auf der anderen Seite will sie Kurt aber auch helfen, seine Trauer nicht alleine tragen zu müssen. Für sie eine total schwierige und verfahrene Situation.

    Genauso wie die vielen traurigen Momente gibt es aber auch Lebensfreude pur und den manchmal etwas schrägen Humor vom großen Kurt. Und ich bin froh, dass Lena und Kurt Menschen wie Lenas Schwester Laura und den Nachbarn Gauger, dessen Vornamen Lena lange nicht kennt, gibt, die in Sachen Trauerarbeit wirkliche Vorbilder sein können.

    Ein sehr emotionales, berührendes Buch, das mich immer wieder an den Tod meines damals 19-jährigen Cousins erinnert hat und an die Zeit der Trauer in unserer Familie. Kinder sollten nie vor ihren Eltern diese Welt verlassen müssen.

  • Umarmst du mich mal? von Eoin McLaughlin

    Als ich dieses kleine wunderschöne Kinderbuch ausgepackt und angeschaute habe, dachte ich: Upps, da steht ja die Rückseite auf dem Kopf. Was das zu bedeuten hat, habe ich dann beim näher anschauen gemerkt. Verraten wird es aber nicht.

    Die Geschichte erzählt von einem kleinen traurigen Igel, den niemand umarmen will. Denn Fuchs, Eichhörnchen und Elster haben anderes zu tun, haben einfach keine Zeit. Ob das mit seinen vielen Stacheln zu tun hat? Aber die Eule macht ihm Mut. Auf jeden Topf passt ein Deckel.
    Der kleinen Schildkröte geht es genauso. Dachs, Hase und Frosch haben angeblich keine Zeit. Ob das an der harten Schale des Panzers liegt? Auch hier macht die Eule mit ihrem Spruch „Auf jeden Topf passt ein Deckel“ der kleinen Schildi Mut.
    Und dann treffen Schild und Igel aufeinander...

    Eoin McLaughlin hat eine liebevolle kleine Geschichte in einer kindgerechten Sprache verfasst. Dazu die wunderschönen Illustrationen von Poly Dunbar.

    Unser Kleiner war zuerst recht traurig, dass den Igel niemanden haben wollte, genau so wie die kleine Schildkröte, die er sofort Schildi getauft hat. Aber dann, das Zusammentreffen der Beiden, einfach wunderschön und zum lachen. Und es gefällt ihm gut, dass irgendwo immer jemand ist, der zu einem passt.

    Wir werden das kleine Buch bestimmt noch viele Male zur Hand nehmen und uns mit dem kleinen Igel und Schildi freuen, dass sie sich gefunden haben.

  • Nacht überm Chiemgau von Ina May

    Juliane Leitermann, Kommissarin a.D., hat einen neuen Job angenommen. Während Verona und Maximilian Felder auf einer wunderschönen Insel urlauben, hütet sie deren Haus und den Minihund Gretel in ihrer Nachbargemeinde Marquartstein im wunderschönen Chiemgau. Hier wird seit einigen Tagen die junge Antonia Olberding vermisst. Ihr kleiner Bruder Stefan, den alle nur „Bazi“ nennen und ihre beste Freundin Tessa versuchen alles, um eine Spur zu finden. Und wie es nicht anders sein kann, schaltet sich natürlich auch Juliane zusammen mit ihrer Freundin Minerva „Mini“ Meierhofer ein. Hat das Verschwinden der jungen Frau etwas mit den Recherchen zu dem Heimatbuch zu tun, an dem sie zusammen mit Lehrer Konstantin Kohlschreiber arbeitet.


    In diesem Krimi bringt Ina May die ehemalige Kommissarin mit zwei, nein sogar drei Fällen zusammen. Zum einen versucht Juliane Spuren zu der vermissten Antonia zu finden. Zum anderen hat ihre Freundin Mini vor vielen Jahren, genau im Sommer 1959, geschworen, heraus zu finden, was damals mit Ferdi Weber passiert ist. Und dann wird auch noch Bruno Seitlein aus dem Gefängnis entlassen, der sich bestimmt an ihr Rächen will. Im Prozess gegen ihn hat Juliane ein Beweisstück unterschlagen.
    Die Spannung ist hier eher leise im Hintergrund, doch stetig da und hält sich auch bis zum Schluss. Mit ein paar Wendungen, auf die ich nicht gefasst war, hat mich die Autorin auch immer wieder von meinem eingeschlagenen Ermittlungsweg abgebracht.

    Nach „Tod am Chiemsee“ ist dies der 2. Krimi aus der Feder von Ina May, den ich gelesen habe. Ihre Figuren sind lebensecht, gut vorstellbar gezeichnet und haben so ihre Macken oder Geheimnisse. Ich fand es einfach amüsant, als Juliane, die mir von Anfang an ans Herz gewachsen ist, genau so wie ihre Freundin Mini, am Geburtstag ihres verstorbenen Gatten nachts auf den Friedhof schleicht und dort ein Picknick veranstaltet. Die beiden alten Damen sind immer noch neugierig auf Alles und auch ein wenig unangepasst, was mir sehr gut gefällt.

    Das Lokale kommt in diesem Krimi nicht durch die Sprache der Protagonisten zum tragen, sondern durch kleine Sprüche zu Beginn jeden Kapitels. Darunter die Übersetzung ins Hochdeutsche. Mal was anderes – hat mir sehr gut gefallen.

    Wieder ein Krimi, der mir gut gefallen hat, bei dem mir aber die vielen Anknüpfungspunkte und dauernden Wechsel an den verschiedenen Fällen fast schon ein bisserl viel waren. Trotzdem freue ich mich auf die neue Aufgabe, die Juliane ja schon erwartet.

  • Wer die Wahl hat, liebt die Qual von Rafael Fuchsgruber; Tanja Schönenborn

    Rafael Fuchsgruber, der schon seit vielen Jahren läuft, und Tanja Schönenborn, die Anfängerin, erzählen in ihrem gemeinsamen Buch „Wer die Wahl hat, liebt die Qual“ von ihrem gemeinsamen Leben als Paar und von ihren gemeinsamen Marathonläufen. In einem Gespräch wird erzählt, wie es zu dem Buch gekommen ist. Ich erfahre sehr viel Privates von diesem, wie es scheint, ungleichen Paar, dass aber durch das Laufen eine absolute Einheit bildet.

    Unterbrochen durch wunderschöne Farbaufnahmen begebe ich mich für 7 Tage mit den Beiden auf den Gobi Marsch 2018, bin beim 250km Jungle Lauf von Rafael in Sri Lanka dabei, genau so wie beim Ultra-Marathon im Iran. Er schreibt über seine Liebe zu Afrika. Tanja erzählt hier auch von einem sehr traurigen Kapitel ihres Lebens mit Rafael und wie sie es gemeinsam, auch wieder durch einen Ultra Marathon, verarbeitet haben.

    Obwohl ich keine begeisterte Läuferin bin, dieses Buch habe ich sehr gerne gelesen und vor allem die phantastischen Fotos angeschaut. Ich bewundere diese beiden Menschen, die über die Liebe zum Laufen und zur Qual ihre Liebe zueinander entdeckt haben. Auf das es für immer so bleiben möge.

  • Wir gegen euch von Fredrik Backman

    Der kleine Ort Björnstadt, die Stadt im Wald ganz im Norden Schwedens, der sich ganz dem Eishockey verschrieben hat, droht auseinander zu brechen. Nachdem der junge Star des Vereines ein Mädchen vergewaltigt hat, ist nichts mehr wie es vorher war. Die Gewalt eskaliert, nachdem einige junge talentierte Eishockeyspieler zum Rivalen nach Hed wechseln.
    Wird es der ambitionierten Trainerin gelingen, die Mannschaft wieder aufzubauen. Werden es die Björnstädter schaffen, wie früher zusammen zu stehen, die Schwierigkeiten zu überwinden und die Wunden verheilen zu lassen?


    „Wir gegen euch“ ist der 2 Band, in dem es um Eishockey und den kleinen Ort Björnstadt geht. Ich habe den ersten Teil „Kleine Stadt der großen Träume“ nicht gelesen, hatte aber nicht das Gefühl etwas Entscheidendes verpasst zu haben. Auch weil Backman die Vorkommnisse des ersten Bandes gebündelt in die ersten Kapiteln mit einfließen lässt. Ich bin schnell in Björnstadt und der Eishalle angekommen und habe mich direkt in die Geschichte hinein ziehen lassen. Trotzdem werde ich den ersten Band noch lesen um auch wirklich alles mitzubekommen. Auch weil Fredrik Backman ein toller Erzähler ist, von dem ich gerne mehr lesen möchte.

    Obwohl ich den Eishockeysport sehr mag – ich bin hier und da bei den Spielen unseres EHC Red Bull dabei – waren es hier die menschlichen Aspekte, die mich noch mehr mitgerissen haben. Die vielen Emotionen, denen ich hier begegne, sei es Wut, Hass, Trauer, Überlebenswille, aber auch Hoffnung und Liebe, alles treibt mich zum einen himmelhoch jauchzend, andererseits zum Tode betrübt, durch die Seiten. Ich habe mitgelitten und mitgefiebert, habe gelacht und auch ein paar Tränen sind geflossen. Ich hätte aber auch ein paar Mal gerne zurückgeschlagen, wenn ich gekonnt hätte.

    Durch Fredrik Backmans Augen werde ich mit den verschiedensten Personen bekannt gemacht. Nicht alle sind mir sympathisch. Aber bei allen habe ich den Eindruck, dass es sie absolut menschlich gezeichnet sind und es sie genau so geben kann.

    Es ist so Vieles, was hier passiert. Alles greift irgendwie ineinander, baut aufeinander auf. Das eine gibt es kaum ohne das andere. Eine sehr komplexe Geschichte, bei der ich aufpassen muss, dass ich nicht einfach drüber lese. Ich habe öfters kleine Pausen eingelegt um über verschiedene Dinge nachzudenken und das Gelesene einfach noch mehr auf mich wirken zu lassen. Habe überlegt, ob es sein kann, dass Menschen wirklich nur das sehen, was sie sehen wollen und nur ihr eigener Blickwinkel zählt.

    Eine unterhaltsame Geschichte auf hohem Niveau mit facettenreichen Protagonisten und einem Sport, bei dem auch ich den Spielern vor allem beim Siegen sehr gerne zuschaue. Ein Autor, der mit mit seiner mitreißenden und ausdrucksstarken Erzählweise sofort gefesselt und nach Björnstadt mitgenommen hat.