Aktuelle

Events

Events

Bewertungen von Leser/innen

  • Nordsee-Nacht von Hannah Häffner

    Gerade im Zeltlager in Hulthave angekommen, verschwindet die 6-jährige Friederike Baumgart spurlos. Sascha Götz, die Betreuerin, die in dieser Nacht Wache hatte, hat ihr Fehlen erst am kommenden Vormittag entdeckt.
    Kriminalkommissar Ulrich Wedeland von der Kripo in Wehrich tut sich zusammen mit seinem Team sehr schwer. Niemand hat etwas bemerkt, Spuren gibt es auch keine. Friederike ist und bleibt verschwunden.
    Als 25 Jahre später eine Frau am Strand von Hulthave gefunden wird, die ihr Gedächtnis verloren zu haben scheint, erinnert sich die Presse sofort an den Fall der kleinen Friederike. Als Sascha davon erfährt, hält sie nichts davon ab, nach Hulthave zu fahren. Sie informiert Kommissar Wedeland, zwischenzeitlich im Ruhestand, und trifft sich mit einem Mann, den sie damals am Strand getroffen hat. Neue Tatsachen ergeben sich. Wir Friederike nach 25 Jahren endlich gefunden?

    Nach dem Cover, den sehr atmosphärisch gestalteten Innenklappen und dem dortigen Text hatte ich eher auf einen Thriller getippt als auf einen Roman. Und was ich dann geboten bekommen habe, würde ich auch absolut als Thriller bezeichnen.
    Die Geschichte beginnt im Jahr 1987 mit der Ankunft von 25 Kindern einer Ferienfreizeit und ihren Betreuern in Hulthave an der Nordsee.
    Hannah Häffner schafft es spielend mir die Protagonisten mit ihren verschiedensten Charaktereigenschaften bildhaft vor Augen zu führen. Im Laufe der Geschichte bekomme ich durch die privaten Einblicke auch noch ein tiefgreifenderes Bild von dem ein oder anderen.
    25 Jahre später, als die Frau am Strand gefunden wird und die Presse an den Fall der kleinen Friederike von damals erinnert, nimmt die Spannung, die zwar immer da ist, noch ein wenig mehr an Fahrt auf, bis man der Lösung immer näher kommt.
    Den Fall an sich finde ich, auch wegen einiger Wendungen, auf die ich nicht gekommen wäre, super spannend. Doch es gibt immer wieder Stecken, die mir persönlich zu ausufernd, zu abschweifend behandelt werden.
    Ganz besonders gut gefallen hat mir hier der Schreib- und Erzählstil der Autorin. Sehr wortgewaltig, sehr präzise, mit kurzen knappen Sätzen, die die Spannung immer mehr anheizen und die Seiten nur so dahin fliegen lassen. In diesen Passagen hat das Lesen richtig viel Spaß gemacht.

    Ein spannender Krimi, den ich persönlich als Thriller bezeichnen würde, mit einigen Längen, die mir nicht so gefallen haben. Trotzdem sehr gut!

  • Maighread Robertson ist tief enttäuscht von ihrem Ex Dylan, der sich ohne Vorwarnung von ihr getrennt hat. Nun ist nicht nur die Liebe weg, sondern gleichzeitig auch Job und Wohnung. Beim Ausmisten im Dachboden ihrer Mutter Lindsay, zu der sie gezwungenermaßen zurückgekehrt ist, findet sie ein Foto ihrer Großeltern, von denen ihr immer erzählt wurde, sie seinen vor vielen Jahren bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Aber sie leben. In Schottland. Nachdem diese Lüge aufgeflogen ist, macht sie sich von Kilmarnock auf nach Callwell um Elisabeth und Bob endlich kennenzulernen.
    Bei einer Autopanne kurz vor ihrem Ziel hilft ihr der sympathische Joshua McLoughlin, der mit seiner Schafherde und seinen beiden Hunden unterwegs ist. Und nein, Liebe auf den ersten Blick gibt es nicht. Kann es nicht geben. Nicht für Maighread.
    Ich finde es so schade, dass diese wunderschöne Geschichte schon ihr Happy End gefunden hat und ausgelesen ist. Ich könnte noch stundenlang mit Maighread und Joshua am Loch Lomond und der Umgebung spazieren gehen. Aber es ist nicht mehr lange hin, dann kann ich „Wintertee im kleinen Strickladen in den Highlands“ trinken und die Menschen, die ich hier so lieb gewonnen habe, wiederlesen.
    Großvater Bob, dessen Namen sie ihrem kleinen Auto gegeben hat, ist leider im vergangenen Jahr verstorben. Großmutter Elisabeth schlägt ihrer Enkelin die Tür vor der Nase zu. Doch Maighread hat den Sturkopf ihrer Mutter und ihrer Großmutter geerbt und lässt sich nicht so leicht abweisen. Außerdem lernt sie Chloe kennen, eine ebenfalls sehr sympathische junge Frau, bei der sie ein Zimmer mietet. Natürlich ist auch Joshua immer wieder zur Stelle und ich lerne die Haushälterin von Callwell Castle kennen. Eilith ist so eine herzensgute Frau, wie man sie nur selten findet und die sich Maighread´s sofort annimmt. Ihre neuen Freunde geben ihr Mut und Halt, so dass sie alle drei Robertson Frauen an einen Tisch bringt und alle Missverständnisse ausgeräumt werden. Aber ein Geheimnis gibt es immer noch. Was, das müsst ihr selbst lesen.
    Die Wolle, das Stricken und Strickmuster nehmen neben der Liebesgeschichte einen etwas größeren Raum ein. Wenn Maighread über Wolle spricht, kann ich ihre Liebe und Leidenschaft dazu richtig spüren. Außerdem lerne ich etwas über Schafzucht und das Mulesing (diesen Begriff kannte ich noch gar nicht). Ganz zum Schluss bekomme ich auch noch drei Strickanleitungen zu wolligen Teilen, von denen in der Geschichte immer wieder gesprochen wird.
    Durch den flüssige und sehr lebendige Schreibstil von Susanne Oswald bin ich sehr schnell in der Geschichte drin und kann mir alles sehr gut vorstellen. Ist mein Kopfkino erst mal angesprungen, habe ich die farbenfrohen Bilder im Kopf. Vor allem Joshua im Kilt beim Baumstammwerfen gefällt mir sehr gut.
    Unter jedem neuen Kapitel ist der Name desjenigen aufgeführt, aus dessen Sicht die Geschichte gerade erzählt wird. Das macht mir die Zuordnung leichter und ich lerne die Geschehnisse auch aus verschiedenen Sichtweisen kennen.
    Eine tolle Familien- und Liebesgeschichte, etwas zu vorhersehbar, über Geheimnisse und Missverständnisse, die alle ausgeräumt werden und sich daraus ein wunderschöner Wohlfühlroman ergibt.

  • Vor drei Jahren hat Amélie Trauber durch einen Autounfall ihren Mann und ihren zweijährigen Sohn verloren. Seitdem ist die bisher sehr erfolgreiche Autorin nicht mehr in der Lage zu schreiben. Um ihr aus ihrer Depression heraus zu helfen, schickt sie ihr Vater in seine südfranzösische Heimat nach Collioure an der Côte Vermeille in das Haus von Großmutter Isabelle. Dort hat sich zwischenzeitlich ein deutscher Journalist eingemietet um von hier aus die Nazivergangenheit von Collioure zu recherchieren. Mit ihm muss sich Amélie nun arrangieren. Wie in ihrer Kindheit, wo sie oft die Ferien hier verbracht hat, will sie wieder backen und beginnt die Baguetterie im Erdgeschoss wieder ans Laufen zu bringen.
    Als Amélie ihre Großmutter, die in einem Seniorenheim lebt, besucht, gibt die ihr ein altes Tagebuch und bittet sie es zu lesen. Zu gerne würde sie den Mann, den sie 1944 kennengelernt hat, noch einmal wiedersehen.

    Die Geschichte erzählt in zwei Zeitzonen die Geschichten von Amélie im Hier und Heute und die von ihrer Großmutter anhand des Tagebuchs aus dem Jahr 1944 zur Zeit der deutschen Besatzung. Hier wurde mir beim Lesen erst wieder richtig klar, wie die französische Bevölkerung unter den deutschen Soldaten zu leiden hatten.
    Obwohl Amélie anfangs recht ruppig, launisch und unfreundlich gegenüber dem Journalisten Benjamin daher kommt, habe ich sie recht schnell ins Herz geschlossen. Ihre Gemütsverfassung kann ich sehr gut verstehen und ich freue mich, dass sie ganz langsam aus ihrer Dunkelheit auftaucht. Obwohl recht schnell klar wird, wie die Geschichte ausgehen wird, hat mich das hier nicht gestört. Weil die Autorin es schafft mich zu fesseln, und mich mit ihren farbigen Bildern, die sich in meinem Kopf breit machen, mitten hinein zieht in zwei total verschiedene Welten.

    Die Personen sind so liebevoll, liebenswert und detailliert mit individuellen Charaktereigenschaften gut vorstellbar beschrieben. Hier wird an einer Stelle beschrieben, dass Amélie die Gabe hat ihre Figuren mit Leben zu füllen und ihnen eine Seele zu geben. Ganz genau so macht es Silke Ziegler hier mit ihren Protagonisten und Nebendarstellern.
    Die Landschaftsbeschreibungen ziehen mich hinein in eine Welt voller Düfte und Spaziergänge durch schmale Gassen sehe ich vorstellbar vor mir.
    Es geht sehr emotional zu in der Geschichte und so konnte ich das ein oder andere Tränchen nicht aufhalten.

    Der erste Band einer Trilogie, der mich sehr gut unterhalten hat, mit ganz viel Gefühl und Liebe. Aber auch mit Wut, Verzweiflung, Hilflosigkeit und einer greifbaren Spannung. Ich habe hier eine mir neue deutschsprachige Autorin kennengelernt, deren Schreibstil mir sehr gut gefällt. Und ich freue mich schon sehr, wenn ich demnächst Julie und Claire mit ihr zusammen kennenlernen darf.

  • Ich habe jetzt genau das richtige Alter von Adrienne Friedlaender

    Ich hatte das Glück Adrienne Friedlaender auf der LitLove 2019 persönlich bei einem Frühstück kennenzulernen. Nach einem sehr interessanten Gespräch habe ich mir sofort dieses Buch gekauft.
    Ab der ersten Seite war ich begeistert von diesem humorvoll geschriebenen Buch. Die Autorin gibt hier sehr persönliche Einblicke in ihre derzeitige Lebenssituation und wie es dazu kam. Sie, die nach 2 gescheiterten Ehen und vier Jungs endlich wieder ihr Liebesleben auf Trab bringen will, versucht so einiges um ihren Traummann zu finden und kennenzulernen. Wie die meisten Frauen hadert sie mit ihrem Aussehen (Winkearme, Taille nach vielen Salami-Pizzen usw.) worüber sich die Herren der Schöpfung bei sich selbst so gar keine Gedanken machen.

    In 19 Kapiteln erzählt sie von ihrem Weg zu einem Blind Date, vom Ende der Enthaltsamkeit, was sie auf Dating-Plattformen alles erlebt hat; fragt sich, warum wir in der Schule so wenig vom realen Leben lernen; beleuchtet das Scheitern einer Ehe zwischen Wünschen, Wahrheit und Windeleimern; fragt sich und den Leser: Gehen oder Bleiben in einer Ehe; erzählt von ihrem ersten Mal alleine sein an Feiertagen; den Gedanken, die einem kommen, wenn der Ex das erste Mal wieder neu verliebt ist; über Traummänner und wie man ihn schließlich doch noch findet. Für jede Frau sind ja ca. 1000 dieser Männer für jede Frau auf der Erde unterwegs. Um seinen Deckel zu finden muss man nur ganz genau hin schauen.

    Mit ganz viel Witz, absolut ehrlich und ungeschönt erzählt sie, wie sie die Zeit nach ihren Scheidungen überlebt hat und heute eigenständig mit ihren Jungs in einem Haus lebt. Wie sie gelernt hat um Hilfe zu bitten und auch Vieles heute selbst erledigen kann. Sie macht Mut nicht in einer Ehe, die keine mehr ist, zu versauern. Das Leben hat neben Männern noch so viel Anderes und Schönes zu bieten.

    Ein tolles Buch für Frauen; für Männer, die mehr über Frauen wissen wollen und für die beste Freundin. Ich kann es nur empfehlen.

  • „Mein kreatives Tagebuch für mehr Glück“ von Christine Rechl ist so viel mehr als ein Tagebuch. Es spornt mich an, mal wieder kreativ zu werden, meine Gedanken, Ideen und Fantasien fliegen zu lassen um sie dann hier zu verewigen. Es gibt kleine Projekte für Frühling, Sommer, Herbst und Winter, die dazu anregen, sich mit den Eigenheiten einer jeden Jahreszeit zu beschäftigen.
    Die Bilder am Beginn des Büchleins regen die Fantasie an. Dann geht’s ans lockermachen mit einem Liniensalat, Kringel und Kreisen und der Auswahl des Zeichengerätes. Es folgen Linienspiele und es wird Zeit für schöne Worte. Gelingt es nicht gleich sich auf seine Kreativität einzulassen, gibt es eine Orientierungshilfe. Es macht Spaß, sich mal wieder hinzusetzen und seine Gedanken auf Papier fließen zu lassen. Es lässt mich innehalten und den Inhalt auf mich wirken.
    Die vielen leeren Blätter werde ich nicht nur durch „Malereien“ füllen. Hier werde ich auch Worte aus mir heraus purzeln lassen, Fotos und vielleicht Gräser oder Blütenblätter einkleben und einfach meine kindliche Seite wieder mal hervor holen.
    Allein das Anschauen der kleinen vorgegebenen Kritzeleien weckt kleine Glücksgefühle, lässt mich abschalten und innehalten.
    Ein Jahr lang wird mich dieses Buch nun begleiten um sich von mir füllen zu lassen. Und ich bin schon gespannt, was am Ende alles dabei rauskommen wird.

    Ein wunderschönes kleines Buch, das für Entspannung und Entschleunigung sorgen wird. Als Geschenk für Erwachsene oder auch für Jugendliche sehr geeignet. Ich jedenfalls habe schon Einige im Kopf, denen ich das Buch schenken werde.

  • Mordssand von Ulrike Busch

    Sandbildhauer Paule Gertjes treibt die Männer und Frauen des Architekturbüros Wiborg und Voss zu harten Schlägen auf den Sand an, damit er sich später zu einer Skulptur verarbeiten lässt. Stararchitekt Friso Wiborg hat seine Mitarbeiter zu einer teambildenden Maßnahme in die Sandskulpturenwerkstatt „Sandiek“ in Westerhever im Nordwesten der Halbinsel Eiderstedt eingeladen. Er selbst möchte sich hier ein eigenes Denkmal schaffen. Dazu kommt es leider nicht mehr.
    Das Kommissar-Ehepaar Tammo Anders und Fenna Stern, die seit einiger Zeit in einem Viergenerationenhaus in St.-Peter-Ording leben, merkt schnell, dass es bei diesem Sandtoten nicht leicht sein wird, den Täter zu ermitteln. Durch sein überhebliches Auftreten und seinen absoluten Gewinnerwillen hatte er sich im Laufe der Zeit viele Feinde gemacht. Z.B. die Aktivistengruppe „Die Grünen Windmühlen“, die verzweifelt versuchen den Bau des Friso-Tower-Hotels an der Küste zu verhindern.
    Es ist wirklich ein verzwickter Fall an dem sich Tammo und Fenna die Zähne hier ausbeißen müssen. Viele Verdächtige, viele kleine Indizien, viele kleine Hinweise – aber je mehr die Kommissare heraus bekommen, um so undurchsichtiger und verwirrender wird der Fall. Aber auch dieser Fall wird am Schluss gelöst und bis ins Kleinste nachvollziehbar aufgedröselt.

    Ulrike Busch hat es auch diesmal mit ihren wortgewaltigen und bildhaften Beschreibungen schnell geschafft, dass ich mitten drin in der Geschichte und ganz nah an den Verdächtigen und den Kommissaren war. Besonders, da ich aus ihrem Vorwort schon wusste, wo ich in diesem Fall auf den Mord stoßen würde. Ihr Besuch bei der Familie Schütt, die im realen Leben die Sandskulpturenwerkstatt betreibt und auch ein kleines Hotel auf dem Gelände beherbergen, machen richtig Lust, dort selbst am Sand mal Hand anzulegen. Dieser ganz besondere Ort, ein ganz spezieller Fall, ausgefallene, interessante Protagonisten und die genauen Recherchen der Autorin sind es, die diesen Fall wieder sehr spannend und lesenswert machen.
    Als Protagonist hat mir hier ganz besonders der Sandbildhauer Paule Gertjes gefallen. Wenn er von seiner Kunst erzählt, merkt man richtig, wie er für seine Kunst brennt.

    Es ist mir bei diesem Fall sehr schwer gefallen, mich auf einen Täter festzulegen. Immer neue Spuren, immer neue Indizien und immer wieder neue Verdächtige – boah, mein Spickzettel ist vor lauter Fakten schnell zu klein geworden. Auf die Konstellation, die sich Ulrike Busch hier ausgedacht hat, wäre ich nicht gekommen.

    Das Familienleben von Fenna und Tammo nimmt wie schon in den Vorgängerbänden wieder einen größeren Raum ein. Ich freue mich immer, wenn ich wieder etwas mehr über die Menschen, die ich nun schon eine Zeit lang in ihrem Leben begleite, erfahre. Mir haben es auch die teils humorvollen Dialoge angetan. Da komme ich neben dem ganzen Ermitteln auch mal zum Schmunzeln.
    Für Anders und Stern Neulinge werden die Familienmitglieder und die wichtigsten Ermittler auf den ersten Seiten vor Beginn der Geschichte als Stammpersonal vorgestellt.

    Ein spannender Fall, interessante Protagonisten und ein wunderschönes Umfeld für einen ungewöhnlichen Mordfall. Die Geschichte hat die 5 Sterne absolut verdient.

  • Heilkraft der Alpen von Arnulf Hartl; Christina Geyer

    Das Cover des Buches hat mich sofort für sich eingenommen und nun, da ich das Buch in Händen halte, bin ich ganz begeistert. Es fühlt sich ein bisserl rau an, was sehr gut zu den aus dem Boden hervortretenden Felsbrocken passt.
    Das Buch liegt super in der Hand und gleich das erste Doppelfoto macht Lust auf einen Ausflug in die Bergwelt der Alpen.

    Bei den 11 Punkten des Inhaltsverzeichnisses bin ich mir sicher, dass es sehr wissenschaftlich zugehen wird. Aber beim Lesen kam es mir dann doch nicht so gewichtig vor. Es gibt schon sehr viel über Studien zu lesen, die die medizinische Wirksamkeit belegen. Immer mal wieder sind Diagramme eingefügt und vor allem wunderschöne Fotos. Aber das Lesen war für mich dann doch sehr unterhaltsam.

    Hauptsächlich geht es um den Menschen von heute, ums Wandern, um die Bewegung in der freien Natur, um Wellness für Körper und Seele, um Waldbaden. Alles Ansätze, die in den letzten Jahren immer mehr Bedeutung erlangt haben. Die Menschen aus den Städten drängen in die Natur. Weil sie gemerkt haben, wie gut es ihrem Körper und der Seele tut, einfach mal wieder richtig durchatmen zu können. Allein auf einer Bank zu sitzen und in die grüne Natur zu blicken tut der Seele sooo gut. Besonders beeindruckt hat mich hier die Wirkung der Wassertröpfchen der Krimmler Wasserfälle vor allem bei Asthmatikern.

    Ich erfahre, wieso wandern glücklich macht; lerne die Wurzeln der Naturmedizin, die Wirkstoffe der Natur und den Einfluss auf Allergien, Asthma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Stress, Adipositas, Hoffnungslosigkeit und Depressionen kennen. Alles wird so leicht und einfach erklärt, dass auch ich als Laie es verstehen kann.
    Ich erfahre sehr viel Wissenswertes in diesem Buch, das aber ohne den lehrerhaft erhobenen Zeigefinger auskommt. Es gibt Anregungen. Wandern kann man auch im Mittelgebirge, durch Wiesen im Flachland. Es müssen nicht immer die Alpen sein, die aber durch ihre Lage, ihre verschiedenen Höhen und Vegetationen einen ganz hohen Stellenwert für unsere Gesundheit einnehmen. Man muss nur den ersten Schritt tun um zu merken, wie gut es dem eigenen Körper und der Psyche tut, sich in der Natur zu bewegen.

    Ein tolles Buch für alle, die unter einer der vielen Zivilisationskrankheiten leiden, um zu sehen, wie einfach man die meisten davon zumindest lindern kann. Und für alle, die sich für die Alpen und für Ökomedizin interessieren.
    Ein hochwertiges Buch mit interessanten Fakten und Einblicken, das ich gerne weiter empfehle.

  • Bornholmer Schatten von Katharina Peters



    Sarah Pirohl, die nicht, wie es ihrem Vater gelegen gekommen wäre, Jura studiert hat, sondern den Polizeidienst angetreten hat, nimmt sich eine Auszeit, nachdem ihr erster Fall, bei dem sie eigenverantwortlich ermittelt hat, ziemlich in die Hose gegangen ist. Der Mann, der als Mörder seiner Stieftochter verurteilt wurde, hat sich in der Zelle erhängt. Nachdem dann die zweite Leiche einer jungen Frau auftaucht und der Mörder sie in einem Bekennerschreiben auch noch verhöhnt, zieht sich Sarah auf die dänische Insel Bornholm zurück, wo sie mit ihren Eltern viele Jahre Urlaub gemacht hat und wo Freunde von ihr ein kleines Wochenendhaus besitzen. Als eine dritte Leiche gefunden wird, packt Sarah der Ehrgeiz und sie beginnt, zusammen mit der Kriminalpsychologin Hannah Jakob, Lone Giesing, die in Sachen Internetrecherche nicht zu toppen ist und Frederik Thomsen, einem jungen dänischen Journalisten mit deutschen Wurzeln, im Verborgenen zu ermitteln.

    Ich kennen schon einige Bücher von Katharina Peters. Ihr Schreib- und Erzählstil hat mir immer gut gefallen und so war ich ganz gespannt auf den ersten Fall einer neuen Reihe um die ehrgeizige und sehr sympathische junge Kommissarin Sarah Pirohl. Die Autorin hat es auch hier wieder sehr schnell geschafft mich zu fesseln und mitten hinein zu ziehen in einen neuen, sehr interessanten Fall. Vielleicht auch, weil der Weg zur Auflösung über ein politisches Thema läuft, was bei uns seit einigen Jahren hoch aktuell ist. Mehr wird aber nicht verraten.

    Ein sehr gut durchdachter Fall mit einigen Wendungen, auf die ich so nicht gefasst war. Intrigen, auf die ich nicht gekommen wäre und ein Geheimnis, das ich genau wie Sarah nicht in ihrer Familie vermutet hätte.
    Da ich diese oft blutrünstige, grausligen Beschreibungen der Toten nicht mag, finde ich es hier sehr gut gemacht, wie die Beschreibungen sehr nüchtern und ohne unaufgeregt klingen.
    Die Personen, die ich hier kennenlerne, wirken alle sehr echt und menschlich, haben Ecken, Kanten und agieren mutig, selbstlos oder aber so, dass ich nicht mit ihnen befreundet sein möchte (sie mit mir vermutlich auch nicht).

    Ein sehr gut geschriebener, sehr spannender und interessanter Bornholm-Krimi mit einer neuen, unverbrauchten, liebenswerten Kommissarin, mit der ich gerne weitere Fälle lösen würde.

  • Schwarzer August von Gil Ribeiro

    An einem Sonntag im August explodiert eine Bombe in der örtlichen Bank in einem Olivenhain. Zwei Tage später explodieren im Hafen von Olhão drei Fisch-Trawler einer japanischen Firma. Was treibt den Täter an, der sich durch kryptische Bekennerschreiben ins Rampenlicht drängt? Wer ist er? Terroristische Anschläge werden ins Auge gefasst. Das Team um Leander Lost hat es nicht einfach bei seinen Ermittlungen, da sich bei diesem Fall auch übergeordnete Stelle einschalten. Sie merken auch nicht, dass sie dem Täter immer wieder gefährlich nahe kommen und Leanders Loyalität wird auf eine harte Probe gestellt.

    „Schwarzer August“ ist der vierte Fall für den Hamburger Kommissar Leander Lost, der mir sofort sympathisch war. Die Einheimischen nennen ihn nur den „Alemão“. Nachdem er dank seiner analytischen Fähigkeiten drei Fälle sehr gut gelöst hat, darf er weiterhin für die Judicária in Faro im Süden Portugals ermitteln. Im Team mit seinen Kollegen Carlos Esteves und Miguel Duarta fühlt er sich trotz seines Asperger-Syndroms richtig wohl. An der Algarve in dem kleinen Fischerort Fuseta fühlt er sich zuhause und das liegt nicht zuletzt an seiner neuen Liebe Sonia, der Schwester seiner Vorgesetzten Graciana Rosado, mit der er die Liebe gerade sehr genießt und die er sogar in seine Villa Elias einziehen lässt.

    Bei diesem Fall braucht es eine Zeit bis die Spannung sich aufgebaut hat. Vielleicht auch deswegen, weil die private Situation von Leander und Sonia einen sehr großen Teil in der Geschichte einnehmen. Ich finde es gerade wegen des Asperger-Syndroms von Leander sehr interessant zu lesen, wie die Menschen in gewissen Situationen auf ihn oder er auf seine Umwelt reagieren. Aber den Fall lässt das etwas in den Hintergrund treten.
    Mir persönlich gefällt es sehr gut, dass ich es hier mit sehr wenig Brutalität und Blutvergießen zu tun bekomme.

    Die Personen, denen ich hier begegne machen alle einen mehr oder weniger sympathischen Eindruck. Ich kann mich in die meisten gut hineinversetzen und sie mir bildlich vorstellen.
    Die Mentalität und das Leben der Menschen im Süden Portugals wird sehr gut vorstellbar beschrieben. Aber auch gesellschaftliche Missstände werden durchleuchtet. Bei der Beschreibung der Natur möchte ich mir dort sehr gerne alles selbst anschauen. Überhaupt habe ich den Eindruck mit vor Ort zu sein, so plastisch erscheint mir alles vor Augen.

    Obwohl es schon der vierte Fall für den deutschen Kommissar ist, hatte ich nicht den Eindruck, etwas verpasst zu haben. Aber ich werde die ersten drei Bücher bestimmt noch lesen. Vor allem um die Personen noch näher kennenzulernen.

    Der für mich erste Fall von Kommissar Lost mit sehr viel Privatleben und nur mäßiger Spannung hat mich doch gut unterhalten. Dafür vergebe ich 4 von 5 Sternen.

  • Tod in Saint Merlot von Serena Kent

    Penelope Kite lebt in Esher, einem kleinen Ort im Umland von London nicht weit entfernt von ihren Stiefkindern Justin und Lena und den Enkeln Rory, Zack und Xerxes. Seit sie in Frühpension ist, wird sie von ihren Kindern nur noch als billiger Babysitter ausgenutzt. Bei einem Frankreichurlaub hat sich Pen in Saint Merlot am Ende des Luberton-Tales in der Provence verliebt und sich entschlossen hier her zu ziehen.
    Kurzentschlossen kauft sie einen alten stark renovierungsbedürftigen Bauernhof, regelt in England alles Wesentliche und bezieht ihr neues Heim. Am Morgen nach ihrer ersten Nacht die Überraschung: Eine Leiche schwimmt im Pool. Die Polizei geht sofort von einem Unfall aus, da der Tote als starker Trinker bekannt ist. Aber Pen, die lange als Assistentin der Pathologie gearbeitet hat, hegt ihre Zweifel, da sie meint einen Fehler entdeckt zu haben, und sie beginnt selbst zu ermitteln.


    Serena Kent hat einen leichten gut lesbaren Schreibstil. Ihre Beschreibungen der provenzalischen Landschaft zaubern mir die Lavendelfelder mit ihren Farben und ihrem Duft direkt vor mein inneres Auge und in die Nase. Außerdem versteht sie es sehr gut, die französische Lebensart und den lokalen Anstrich durch immer wieder einfließende französische Worte, die sich im Text dann selbst erklären, einfließen zu lassen. So meine ich sehr schnell selbst mitten drin zu sein in dem kleinen Luberton-Tal.

    Die Protagonisten sind sehr vielfältig und vielschichtig aufgebaut. Da gibt es Pen´s neuen Nachbarn Pierre Louchard, einen Bauern, der keine Ausländer mag; Manuel Avore, der tot im Pool schwimmt, ein Trinker, der äußerst unbeliebt war; die Immobilienmaklerin Clémence Valencourt, die sich dauernd rund um das neue Gehöft von Pen aufhält; den jungen Elektriker Didier Picaud, der die Leitungen neu verlegen will und gleichzeitig englisch lernt und Bürgermeister Laurent Millais und Inspektor Paul Gamelin von der Gemeindepolizei in Cavaillon, die mir beide nicht besonders sympathisch sind. Nicht zu vergessen Penelope und ihre exzentrische Freundin Frankie. Alle zusammen wirken sehr menschlich und real.

    Bei den vielen Menschen, die Penny hier kennenlernt, kristallisieren sich natürlich immer wieder auch Verdächtige heraus. Ich hatte gleich ein paar ausgeschlossen, aber auf den wahren Täter wäre ich nie im Leben gekommen. Da hat mich die Autorin mit ihren vielen Wendungen total auf´s Glatteis geführt. Allerdings leidet bei den vielen kleinen Nebengeschichten die Spannung. Sie hält sich teils sehr hoch, bricht dann wieder ein und hat es schwer mich dann wieder einzufangen. Erst kurz vor dem endgültigen Showdown wird es nochmal richtig spannend und die Auflösung – wie gesagt – so hatte ich damit nicht gerechnet.

    Es gibt allerdings ein paar Dinge, die mir nicht gefallen. Als erstes kann ich mir nicht vorstellen, dass man in dem Alter von Pen ohne ausreichende Sprachkenntnisse in ein fremdes Land zieht und dort sofort ein Haus kauft. Dann missfällt mir der ausdauernde Alkoholkonsum. Wie kann sie, wenn sie fast durchgängig leicht abgefüllt ist, ernsthaft ermitteln.

    Alles in allem ist „Tod in St. Merlot“ ein unterhaltsamer Krimi mit interessanten Protagonisten und einer Hauptdarstellerin, der ich ein wenig alkoholische Abstinenz wünsche.
    Von mir bekommt die Geschichte gut gemeinte 4 Sterne.