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  • Die Hölle war der Preis von Hera Lind

    Nachdem ihre gute Freundin Eileen 1973 in den Westen „rüber gemacht“ ist, wissen Gesa Stein und ihr Mann Ed, sie wollen auch nicht länger in diesem Land ohne Meinungsfreiheit, ohne Reisefreiheit, unter Dauerbespitzelung leben. Sie wollen die Flucht wagen. Was leider schief geht. Gesa und Ed landen im Stasi-Gefängnis Berlin-Pankow…


    Hera Lind erzählt hier eine Geschichte, die ganz nahe an der Realität liegt. Gesa Stein hat ihr ihre Erinnerungen zur Verfügung gestellt. Herausgekommen ist ein Roman, den ich zwischendurch immer mal wieder zur Seite legen musste, um die Grausamkeiten, von denen hier berichtet wird, zu verarbeiten.

    Gesas Lebensgeschichte beginnt in Rückblicken auf ihre Kindheit und Jugend, die sich sehr gut in die Gesamtgeschichte einpassen. Hier erklärt sich, warum sie zusammen mit ihrem Ehemann Ed unbedingt aus den Fängen dieses Regimes raus wollte. Als sie nach langen Entbehrungen endlich am Zenit ihrer Karriere als Tänzerin angekommen ist, wird sie genau so schnell zurückgeholt auf den Boden, um nur noch als Näherin von Ballettschuhen arbeiten zu können. Aber ihr Leben ist der Tanz und dort will sie wieder hin. Und zwar in der BRD.
    Dieser Traum endet am 31.1.1974 am Kontrollpunkt Marienborn. Über das Stasi-Gefängnis Berlin-Pankow geht es zum Frauengefängnis Hoheneck, dann zum Stasi-Abschiebegefängnis Kaßberg. Am 11.8.1976 kommt sie zusammen mit ihrem Mann im Aufnahmelager Gießen an.

    Klar, man hat immer mal wieder gehört, dass so ein Gefängnisaufenthalt kein Zuckerschlecken war. Aber es hier von einer Inhaftierten zu lesen, die dieses Martyrium zweieinhalb Jahre lang ertragen hat, das ist schon sehr krass. Es ist kaum zu glauben, zu welchen Gräueltaten, zu welchen Erniedrigungen die Wärter und Wärterinnen imstande waren. Und es ist unglaublich, zu lesen, was ein Mensch alles zu erdulden und zu erleiden imstande ist. Oft habe ich gedacht, dass es Gesa sehr zugute gekommen ist, dass sie bei ihrer Ausbildung zur Primaballerina immer wieder einen Satz ihrer Trainerin im Ohr hatte: „Hinter zusammenkneifen und durch“. Das hat sie durch manch schwer Situation gebracht, einiges leichter ertragen lassen. Andererseits ist es schön zu lesen, wie die kleinste Kleinigkeit Freude bereiten und Zuversicht erzeugen kann. Sie lernt hier sehr schnell mit dem Allerwenigsten zurecht zu kommen und zu überleben.

    Ein fesselnder Roman, der mich noch mehr bewegt und erschüttert hat, weil ich immer vor Augen hatte, dass es sich um die Realität einer Frau in der DDR gehandelt hat. Ein Buch, das bei mir noch lange nachwirken wird.

  • Inselaffäre von Anja Eichbaum

    Inselpolizist und Dienststellenleiter Martin Ziegler will eigentlich nur in Ruhe die Hochzeit von Daniela Rick und Frank Prinzen feiern, bei der er als Trauzeuge agiert. Aber an diesem Wochenende geht Norderney so einiges schief. Die Braut versackt bei ihrem Junggesellinnenabschied so derart, dass sie um ihre Hochzeit fürchtet. In einem der Schrebergärten hängt ein Mann kopfüber tot in einer Regentonne. Beim Treffen der Cosplayer in ihren Mangakostümen wird nach einem Fotoshooting eine junge Frau tot am Strand gefunden, ihre Mutter liegt tot in ihrem kleinen Haus und die Schwägerin des Toten aus dem Regenfass begeht Suizid. Da wissen Martin Ziegler, seine Norderneyer Kollegen und Renate Lichterfeld von der Mordkommission Aurich nicht mehr wo ihnen der Kopf steht. Aber Hochzeit will auch noch gefeiert werden.


    Dies ist schon der dritte Krimi von Anja Eichbaum und für mich das erste Buch, das ich von ihr lese. Ich hatte beim Lesen nicht den Eindruck, dass mir irgendwelche Fakten fehlen würden, weil ich die ersten beiden Bücher nicht kenne.
    Ich war schnell in der Geschichte drin, die aus vielen einzelnen Schauplätzen besteht und die Anja Eichbaum gekonnt zu einem spannenden Krimi verwoben hat. Da ist nichts mehr mit Ruhe auf der kleinen Nordseeinsel.

    Gut finde ich das Personenregister am Anfang des Buches. Da habe ich ab und zu mal gespitzt, wer wer ist, da es doch sehr viele Menschen sind, denen ich hier begegne.
    Mir haben die in ihrem Wesen, ihrem Verhalten und ihren Persönlichkeiten sehr unterschiedlichen Personen, die hier agieren, sehr gut gefallen. Die meisten sind so detailliert, menschlich und echt beschrieben, dass ich sie mir habe gut vorstellen können. Auch die unterschiedlichen Lebensformen oder Lebensbereiche, die hier aufgezeichnet sind, haben mir sehr gut gefallen. Alles zusammen ergibt ein gelungenes Gesamtwerk, bei dem ich mich sehr gut unterhalten gefühlt habe.

    Es hat eine Weile gedauert, bis ich die verschiedenen Todesfälle in die richtige Reihenfolge und dem richtigen Geschehen zugeordnet habe. Es war ganz schön viel für so ein kurzes Wochenende. Aber zum Schluss war ich mit den verschiedenen Auflösungen sehr zufrieden und konnte alles gut nachvollziehen.

    Durch die Augen von Anne Wagner, der Freundin von Martin Ziegler, und den Beschreibungen von Anja Eichbaum, der Autorin, lerne ich die Nordseeinsel mit ihren vielen Sehenswürdigkeiten und der wunderschönen Natur sehr gut kennen. Da bekomme ich gleich Lust Norderney selbst kennenzulernen. Aus den Beschreibungen merke ich, wie verbunden sich Anja Eichbaum mit dieser Insel fühlt und es schafft, mich daran teilhaben zu lassen.

    Diesen spannenden, sehr interessanten Krimi, der mich zu den verschiedensten Auffindeplätzen mitgenommen hat, empfehle ich sehr gerne weiter und vergebe 5 von 5 Sternen.

  • Das Eichhörnchen mit Höhenangst von Knut Volquardsen

    Zusammen mit Ronny, dem kleinen Eichhörnchen lerne ich das Leben im Wald bzw. in einer Eiche und einer Rotbuche kennen.
    Mit seiner Mama, seiner Schwester und seinem Bruder lebt der kleine Ronny in einem in einem warmen Nest, dem Kobel, in einer hohen Eiche im Wald. Seine Geschwister turnen schon auf den Ästen und Zweigen herum und erkunden die Welt um sich herum. Nur Ronny, der Jüngste der drei Eichhörnchenkinder, liegt weiter in seinem warmen Nest und genießt es, dass Mama ihn weiter füttert. Als er dann endlich ausziehen will, bemerkt er, dass er Höhenangst hat. Höhenangst – bei einem Eichhörnchen – das geht ja gar nicht. Doch Ronny tut alles dafür, sie zu überwinden. Ob und wie er das schafft, müsst ihr schon selbst lesen.


    In 12 kleinen Geschichten lesen wir von Ronnys Abenteuern im Wald, wie er sich ein eigenes Zuhause sucht und plötzlich seine Mama seine Hilfe braucht.
    Es ist ein wunderschönes kleines Buch zum Vorlesen, z.B. als Gute-Nacht-Geschichten an 12 Abenden hintereinander. Ältere Kinder und Leseanfänger werden es auch selbst lesen wollen.

    Sehr ausführlich, bildlich und spannend beschreibt Knut Volquardsen, wie der kleine Ronny trotz seiner Behinderung nach und nach die Rotbuche und die Eiche für sich erobert und mit Grauhörnchen, Habicht, Fuchs und Eule fertig wird. Die anfänglichen Ängste des kleinen Kerlchens kommen sehr gut hervor, aber auch, wie er damit umgeht. Und er findet für alles eine Lösung.

    Sehr gut gefällt mir, dass auch Wissenswertes über die Eichhörnchen und den Wald geschickt in die Geschichte eingebaut werden. So lernen die Kinder nicht nur, dass man seine Ängste überwinden kann, wenn man nur den festen Willen dazu hat. Sondern bekommen auch noch einen tieferen Einblick in die Geschehnisse des Waldes.

    Ein ganz kleiner Minuspunkt, der sich aber nicht in der Bewertung niederschlägt: Mir hätte es noch besser gefallen, wenn die Geschichte hier und da noch durch Bilder bereichert worden wäre.

    Ein wunderschönes kleines Buch über Mut, Zuversicht und wie man seine Ängste überwinden kann nicht nur für ganz junge Leser.

  • Als „Die kleine Motzkuh“ hier ankam, wurde die kleine Stoffkuh sofort aus ihrem Gefängnis befreit und begutachtet. Unser Kleiner hatte sie beim Lesen der Geschichte fest in Händen und wollte sie gar nicht mehr hergeben. Seitdem muss sie sogar abends mit ins Bett.

    Die Geschichte von Justus, Josefine und ihrer Oma, die sich Annette Langen ausgedacht und hier in kindgerechter Erzählform niedergeschrieben hat, haben wir nun auch schon einige Male gelesen. Und immer bekomme ich dann die kleine Motzkuh in die Hand gedrückt und darf sie weg schnippen. Auf den farbenfrohen Bildern von Imke Sönnichsen suchen wir immer wieder die kleine Motzkuh, die sich dort versteckt hat. Aber es so viel anderes, was unser kleiner Mann entdeckt und dazu eigene Geschichten erfindet.

    Auch unser kleiner Enkel neigt hier und da zu Trotz- oder Wutanfällen, wie es sie in jeder Familie mit kleinen oder auch größeren Kindern gibt. Ich habe schon versucht, ihn mit der Motzkuh und dem Buch abzulenken und es klappt recht gut. Zwar nicht immer, aber mit der Kuh in der Hand, beruhigt sich die Situation doch schneller als gewohnt. Eine sehr gute Idee, die Kuh für alles verantwortlich zu machen.

    Auch das auf der ersten Seite abgedruckte Lied singen wir ab und zu.

    Das einzige, was mir nicht gefällt und ich mir Gedanken machen muss: Unser Kleiner hätte gerne auch die Freunde der Motzkuh: den kleinen Brüll-Löwen, das kleine Quengelmonster und das kleine Meckerschaf, die auf der letzten Seite aufgeführt sind. Da muss wohl meine Nähmaschine mal ran. ***lach***

    Ein rundum gelungenes Kinderbuch mit einer unterhaltsamen Geschichte, tollen Bildern und einer kleinen Motzkuh, die man herausnehmen kann. Wir wollen sie nicht mehr missen.

  • Schweigende See von Nina Ohlandt

    Hannah Landsberg hat den Tod ihres Lebensgefährten noch nicht richtig verwunden, da wirft sie seine Tochter aus der gemeinsamen Wohnung. Als ob es ihr Partner geahnt hätte, hat er Hannah ein lebenslanges Wohnrecht in seinem kleinen Ferienhaus auf Sylt vermacht. Zusammen mit ihrer Schwester Brigitte, die gerade nach einem Unfall im Rollstuhl sitzt, zieht sie auf die Insel der Reichen und Schönen in der Nordsee.
    Nach ein paar Wochen wird in den Dünen eine halb verkohlte Leiche gefunden. Der Mörder hat sie nicht nur erstickt. Er wollte sie nachher auch noch verbrennen.
    Hauptkommissar John Benthien und sein Team haben es mit diesem Fall nicht leicht. Als es noch weitere Tote gibt, die mit der Leiche in Verbindung zu stehen scheinen, ist von geregelter Arbeitszeit und ruhigem Feierabend nichts mehr zu spüren.


    Noch bevor die Geschichte richtig beginnt, werde ich mit den Mitgliedern der Kripo Flensburg etwas intensiver bekannt gemacht. Und zum Abschluss der Geschichte finde ich viele Personen mit ihren Beschreibungen wieder, die hier auch mit gespielt haben.

    Dies ist nun schon der 6. Fall für den sympathischen Hauptkommissar John Benthien und sein Team, der mich diesmal wieder auf die Insel Sylt führt. Auch dieser Fall ist in sich abgeschlossen und kann ohne Vorkenntnisse gelesen werden. Für mich persönlich finde ich es interessanter, wenn ich die Entwicklung der einzelnen Personen, die immer wieder in den Büchern vorkommen, ab der ersten Geschichte mit verfolgen kann.

    Ich freue mich immer wieder, wenn ich mit den Kommissaren und Nina Ohlandt nach Sylt reisen darf. Schon nach kurzer Zeit bekomme ich durch die wunderschönen Landschaftsbeschreibungen Lust auch wieder mal dorthin zu reisen. Das Flair der Insel kommt sehr gut rüber und ich mag die meisten Menschen, die ich hier kennenlerne.

    Immer wieder lockern Tagebucheinträge eines jungen Mädchens aus den 1960er Jahren der DDR die weit reichenden Ermittlungen auf. Nach und nach erfahre ich, wer hinter den Einträgen steckt, wer heute zu wem gehört, wer welches Motiv hätte. Dieser Fall ist schon sehr verzwickt und Nina Ohlandt schafft es, mich bis zum Schluss zappeln zu lassen, bevor sich mir die Auflösung anbietet. Und wieder mal war es etwas anders, als ich es mir vorgestellt hatte.
    Auch von den Ermittlern erfahre ich wieder Neues aus ihrem Privatleben. Besonders Ben, der Vater von John Benthien steht hier diesmal mehr etwas im Vordergrund.

    Ich habe wieder mitfiebern und mit ermitteln können. Habe versucht hinter die Geschichten der Menschen zu kommen und hinter ihre Fassaden zu blicken. Ich hatte interessante und spannende Lesestunden. Wurde wieder sehr gut ohne großes Blutvergießen unterhalten und hoffe, dass ich bald wieder nach Sylt reisen darf.

  • Vermisst von Christiane Dieckerhoff

    Kriminalhauptmeisterin Klaudia Wagner ist auf dem Weg nachhause, als sie einen Augenblick abgelenkt ist, ein unbeleuchtetes Fahrzeug aus einem Nebenweg kommt, sie gerade noch ausweichen kann und über ein Gurkenfeld rumpelt. Kurz darauf entdeckt sie dort eine junge Frau – tot. Sie macht sich die schlimmsten Vorwürfe, ist der Meinung, dass sie die Frau überfahren hat. Doch dann die große Überraschung: die Frau war schon tot. In einem Indizienprozess wurde ihr Mörder vor 2 Jahren verurteilt. Nur, wo war Jennifer Böseke in den letzten beiden Jahren, wenn sie jetzt hier auf dem Feld liegt?
    Klaudia Wagner soll sich zwar aus diesem Fall heraus halten, was allerdings gegen ihre Arbeitsauffassung geht. Und so geht sie zusammen mit ihrem Team auf Spurensuche.


    Dies ist schon der 5. Fall für das Kommissariat in Lübbenau, den ich mit Klaudia Wagner löse. Man kann auch dieses Buch lesen, ohne die vorherigen Bände zu kennen. Ich persönlich beginne immer bei Band 1, um die Entwicklung der Figuren sowohl beruflich als auch privat von Beginn an mit zu erleben.
    So sind mir KHM Klaudia Wagner, ihre Kollegen KOM Thang Rudnik, KHM Peter Demel, ihre Freundin KHM Wibke Bredau und vor allem Kahnführer Schiebschick richtig ans Herz gewachsen. Alle hier agierenden Figuren, nicht nur die Kommissare, sind sehr detailgenau und menschlich beschrieben. Mit ihren Ecken und Kanten, ihren Gedanken und Gefühlen kann ich sie mir alle sehr gut vorstellen. Ich komme mir vor wie ein Teil von ihnen.

    Christiane Dieckerhoff gelingt es mühelos mich in diesen besonders kniffligen Fall, mit dem sich Klaudia und ihre Kollegen sich herum schlagen müssen, ab der ersten Seite hinein zu ziehen. Wie oft kommt es schon vor, dass die Leiche bereits seit 2 Jahren tot sein soll, hier aber erst jetzt getötet wurde. Ein großes Verwirrspiel beginnt und endet für mich in einer menschlichen Tragödie. Was bei mir auch immer punktet: es gibt kein großartiges Blutvergießen. Nur beim Besuch der Leichenbeschau eines jungen Mannes habe ich meinen Geruchssinn ausgeschaltet. Boah, das müsste ich nicht haben.
    Der Fall löst sich nach und nach auf, alle losen Fäden verbinden sich und es kommt zu einer schlüssigen Auflösung. Für mich mit einer kleinen Überraschung.

    Besonders gut gefallen haben mir auch diesmal wieder die Beschreibungen vom Umland und der Menschen aus dem Spreewald. Wie gerne würde ich mich in einen Kahn setzen und durch die Gegend staken lassen.

    Insgesamt habe ich einen spannenden Krimi mit einem interessanten, nicht alltäglichen Fall, ohne viel Blutvergießen gelesen, der mich ab der ersten Seite gefangen genommen hat. Schon heute freue ich mich auf den nächsten Besuch bei meinen Freunden im Spreewald.

  • In einer sehr eindringlichen, ausdrucksstarken, aber auch poesievollen Sprache erzählt Tessa Randau von einer jungen Frau, die für sich einen Ausweg finden will und muss. Eingesperrt wie ein Hamster in seinen Käfig erledigt sie tagaus, tagein ihre Aufgaben, wird immer müder und steuert langsam ihrem emotionalen Absturz entgegen.
    Im nahe gelegenen Wald hat sie seit Kindheitszeiten einen Platz, an den sie sich schon damals immer flüchtet. Hier sitzt sie auf einer Bank und trifft eines Tages auf eine alte Dame, die ihr nach und nach die vier Fragen des Lebens stellt und sie bittet, diese für sich zu beantworten.

    „Wir denken oft an das, was wir wollen, aber nicht an das was wir haben“.

    Es ist eine sehr kurze Geschichte mit gerade mal 120 Seiten. Dazwischen noch Seiten mit kleinen Zeichnungen, die perfekt zum Text passen und auf lautlose Weise ihre Geschichte erzählen. Gerade diese kleinen Zeichnungen machen die Geschichte trotz ihrer Tiefe leicht und einprägsam.

    Eine wunderschöne kleine Geschichte, bei der ich mich hier und da selbst wiedergefunden habe. Eine Geschichte mit einer Botschaft, die man erspüren muss. Eine Geschichte, der man Bedeutung schenken sollte, das berührt und beeindruckt.

    Obwohl das Buch aus der Sicht einer Frau geschrieben ist und von einer jungen Frau handelt, sollten aber auch die Männer bei dieser Lektüre zugreifen um mehr Klarheit in ihr Leben zu bringen.

    Ich empfehle dieses kleine Buch sehr gerne weiter!

  • Die 14jährige Hollis Darby-Barnes und der 15jährige Milo Robinson-Clark haben je 2 Mütter und einen gemeinsamen Vater – einen Samenspender, den sie beide nicht kennen. Nun aber will Milo das ändern. Bei seinen Recherchen findet er weitere Kinder des Spenders mit der No. 9677, seine Halbgeschwister. Zusammen mit Hollis, Abby und Noah macht er sich auf den Weg, ihren Vater zu finden.


    Das Buch „No. 9677 oder wie mein Vater an 5 Kinder von 6 Frauen kam“ behandelt ein sehr sensibles Thema: Samenspende. In dieser Geschichte geht es hauptsächlich darum, wie die entstandenen Kinder mit dem Thema und ihrer Zeugung im Reagenzglas umgehen. Es geht aber auch um das Thema Familie an sich. Sind zwei Frauen oder zwei Männer mit Kindern ebenso eine Familie wie Mann, Frau und Kinder? Werden adoptierte Kinder von ihren neuen Eltern ebenso geliebt wie leibliche? Haben Geschwister eine engere Verbindung wie Halbgeschwister?

    Im Fall von Hollis, Milo, Abby, Noah und Milos Freund Jonah „JJ“ tauche ich in ihren Gedanken ganz tief in diese Fragen ein.
    Hollis und Milo sind mir sehr schnell ans Herz gewachsen. Ich kann mich sehr gut in sie hinein versetzen, kann ihre Gedanken gut nachvollziehen und ihre Ängste verstehen. Mein absoluter Liebling der Geschichte ist allerdings JJ, der beste Freund von Milo. Er hat eine so erfrischende, ehrliche Art, tritt immer wieder in irgendwelche Fettnäpfchen und offenbart mir erst sehr spät, welche Probleme er mit seiner Adoption hat.
    Die Teenies und ihre Familien sind so unterschiedlich, so menschlich und scheinen sehr real. Mit den ihnen eigenen Charaktereigenschaften geben sie für mich ein sehr sympathisches Bild ab. Die Dialoge zwischen allen machen das Bild einfach komplett.

    Da die Geschichte immer aus Sicht einerseits von Hollis, andererseits von Milo, erzählt wird, bin ich in ihren Gedanken noch tiefer drin und kann beide Seiten gut verstehen.

    Ein wunderbares Jugendbuch, dass auch ich als Ü60 sehr gerne gelesen habe.

  • Flüsternde Wälder von Nicola Förg

    Bei Baumfällarbeiten im abschüssigen Waldgelände fällt der Baum ausgerechnet auf eine eine Leiche. Da die Frau schon tot war, kommen hier die Kommissarinnen Irmgard „Irmi“ Mangold und Kathi Reindl ins Spiel. Zwei Tage vorher kam bei einem der vielen Einbrühe, die derzeit im Werdenfelser Land stattfinden, ein Mann ums Leben. Auch hier sind Irmi und Kathi involviert und merken bald, dass sich die Toten kannten. Hängen die beiden Fälle irgendwie zusammen?

    Dies war wieder so ein Krimi, den ich fast in einem Rutsch durchgelesen habe. Spannend ab der ersten Seite, mit viel Privatem, was mir immer sehr gut gefällt und interessanten Debatten von lebensklugen Menschen um z.B. den Untergang der mitteleuropäischen Kultur. Krimihandlung wird hier gekonnt mit Gesellschaftskritik verbunden. So geht es z.B. um den stetig größer werdenden Verkehr im Wald durch Jogger, E-Biker und Waldbadende. Um Helikoptermütter, Altersarmut, um Vandalismus in der Freinacht und um den Ausverkauf der Heimat an unseren wunderschönen bayerischen Seen. Irmi lässt kein gutes Haar an den Münchner Touris, die jedes Wochenende ins Werdenfelser Land rund um Garmisch einfallen. Alles greift wie bei einem Rädchen ineinander und so hat mir das Lesen wieder mal riesigen Spaß gemacht.

    „Die Schwärmerei für die Natur kommt von der Unbewohnbarkeit der Städte“ Zitat S. 136

    Mit Kathi, Irmi und ihrer guten Freundin Luise habe ich mich sofort sehr gut verstanden. Beim Hasen brauchte ich ein paar Seiten um mit ihm warm zu werden. Andere Figuren waren mir nicht sehr sympathisch. Allesamt sind sie menschlich und absolut real dargestellt. Auch ihren Gedankengängen konnte ich sehr gut folgend. Auch wenn sie mir manchmal etwas fremd waren. Halt alles wie im richtigen Leben
    Ich habe einiges übers Waldbaden gelernt. Habe hinein geschnuppert in die Gedanken der „Landeier“. Und ich kann sie jetzt sogar ein bisserl besser verstehen.

    Im Anschluss an die Geschichte sollte man sich auch unbedingt das Nachwort durchlesen. Sehr interessant und aufschlussreich. Vielen Dank, liebe Nicola Förg, für diese klaren Worte.

    Ein spannender, sehr interessanter Krimi mit Landschaftsbeschreibungen, die man einfach lieben muss. Ich jedenfalls bin auch von diesem Buch restlos begeistert.

  • Das Geheimnis des Roten Hauses von Franziska Franz

    Die Frankfurter Altstadt wird nach historischen Vorbildern wieder aufgebaut. Plötzlich gibt es einen Toten. Ein junger Stuckateur wird erschlagen und mit Genickbruch nahe der Wohnung von Gabys neuer Freundin Jette gefunden. Gaby, Tochter von Kriminalkommissar Lutz Weigand, kann es nicht lassen und steckt ihre Nase in Dinge, die sie lieber hätte ihren Papa klären lassen. Und sie bringt sich selbst damit in allerhöchste Gefahr.


    Gaby, eine 14-jährige stark Pubertierende, habe ich ab der ersten Seite gemocht. Genau wie ihre Mama Bettina und ihren Papa, den Kommissar der Frankfurter Mordkommission. Ihr Privatleben wird so gut vorstellbar beschrieben. Bei ihnen habe ich mich sofort wohl gefühlt.
    Ganz anders im Hause Grubenmacher. Vater Architekt, Mutter seine Sekretärin. Tochter Jette hat mir mit diesen Eltern hier und da leid getan.

    „Mainkurtod“, den ersten Fall für Kommissar Weigand kenne ich zwar nicht. Aber ich hatte beim Lesen nie den Eindruck, dass mir irgendwelche Fakten fehlen würden.

    Durch den Prolog erfahre ich schon sehr viel von dem, was mich auf den kommenden Seiten erwartet. Und nach gar nicht mal so vielen Seiten war mir auch schon klar, in welchen Kreisen ich den Mörder zu suchen hatte. Das hat mich aber nicht gestört. Denn der Weg der Ermittlungen hin zum Motiv und zum Täter hat mir sehr gut gefallen. Die Spannung hält sich auf einem sehr niedrigen Level. Davon hätte die Geschichte ruhig einiges mehr haben können.

    Was mich beim Lesen gestört hat, sind verschiedensten Fehler. An einer Stelle wird z.B. Mutter Bettina als Gaby angesprochen. An anderer Stelle heißt es DANN anstatt DNA. Das sind nur 2 von mehreren Fehlern, die mir aufgefallen sind. Da sollte man das Lektorat noch mal drüber lesen lassen.

    Ein Krimi, der mich in die Frankfurter Altstadt führt. Der mich gut unterhalten hat. Dem es aber an Tiefgang und Spannung fehlt.