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Bewertungen von Leser/innen

  • Schiefer die Socken nie hingen von Ulrike Herwig

    Für mich war es das erste Werk, welches ich von Autorin Ulrike Herwig lesen durfte. Bereits der witzige Buchtitel ist so kreativ, dass er sofort im Gedächtnis bleibt und meine Hoffnung auf eine spaßige Weihnachtsstory wurde nicht enttäuscht!

    Dem Ehepaar Bachmann steht ein ungewöhnliches Weihnachtsfest bevor: zum ersten Mal werden sie ohne ihre drei Töchter feiern, denn diese sind mittlerweile rund um den Globus verstreut. Wenigstens Oma Elisabeth kommt zu Besuch. Dennoch will sich keine rechte Festtagsstimmung einstellen, da helfen auch weder Stollen noch Gänsebraten. Nie hätte Julia Bachmann es für möglich gehalten, aber ihr ansonsten so auf Traditionen beharrender, reisescheuer Gatte, lässt sich erweichen für eine Hauruck-Aktion…schließlich kann er die Behauptung, ein gemütlich-langweiliger Spießer geworden zu sein, nicht auf sich sitzen lassen. Spontan brechen sie alle gemeinsam zu einer Weihnachts-Weltreise auf – besuchen Tochter Emily in Berlin, genießen ein Christmas Dinner mit Tochter Anne in London und überraschen schließlich Tochter Charlotte in Seattle. Natürlich stolpern sie unterwegs von einer Katastrophe in die andere…

    Erzählt wird aus mehreren Perspektiven, wobei jene vom Mama Bachmann den größten Anteil ausmacht. Jedes Kapitel ist mit einem passenden Weihnachtslied als Überschrift sowie mit einer Angabe von Datum, Uhrzeit und Ort versehen; dies macht es leicht, den Überblick zu behalten.

    Der herrlich humorvolle Schreibstil hat mich während der Lektüre des Öfteren zum Lachen gebracht, doch die Autorin schlägt hier und da auch leisere Töne an. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir beispielsweise eine Nebenfigur der Geschichte, die nur ganz kurz erwähnt, dafür allerdings umso eindringlicher beschrieben wird: die im Seniorenheim lebende Frau Kahnert. - Sie ist fest davon überzeugt, dass ihre Kinder sie zum Weihnachtsfest abholen werden…und wartet Jahr um Jahr vergeblich. Das hat mir das Herz gebrochen; am liebsten möchte man die Dame in den Arm nehmen und trösten. Ich gebe zu, an dieser Stelle sind mir beim Lesen die Tränen in die Augen geschossen. Fakt ist aber, dass es vielen älteren Menschen tatsächlich so ergeht. Die Autorin hat kein Schmuse-Kuschel-Wir-Haben-Uns-Alle-Lieb-Buch geschrieben, sondern die Realität in so viel Witz wie möglich verpackt und mit sympathischen Protagonisten ausgestattet. Als zusätzliches Schmankerl sind im Anhang des Romans allerlei Weihnachtsrezepte aus Deutschland, England und den USA enthalten.

    Ursprünglich war ich versucht, ein kleines Sternchen abzuziehen, da in der Story mehrmals eine Pointe über den aktuellen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump, eingeflochten worden ist. 'Nicht schon wieder Politik – noch dazu in einem Weihnachtsbuch', dachte ich ermattet und las weiter. Im Nachhinein erschien es mir allerdings unfair, einem ansonsten durchaus witzigen Werk etwas negativ anzukreiden, nur weil ich persönlich den in der Presse veranstalteten Zirkus um politische Angelegenheiten nicht mehr aushalte.

    Dank der Autorin habe ich, die ich mich doch 'Weihnachtsfan' nenne, sogar noch etwas über internationale Bräuche dazugelernt: in England werden Papierkrönchen zum Fest getragen und in den USA glaubt man scheinbar unerschütterlich an den angeblich deutschen Brauch der "Weihnachtsgurke". Ich fand diese Idee so köstlich, dass mein Mann und ich gleich losgezogen sind und unsere eigene 'Christmas Pickle' für den diesjährigen Weihnachtsbaum geholt haben – sowie ein paar zusätzliche Exemplare, die wir nun an Freunde in den USA verschickt haben.

    Fazit: Eine humorvolle Familiengeschichte über die schönste Zeit des Jahres, gespickt mit internationalem Weihnachtsflair!

  • Sehnsucht nach St. Kilda von Isabel Morland

    Autorin Isabel Morland hat mit ihrem Werk "Sehnsucht nach St. Kilda" der verlassenen Hebriden-Insel, um die sich seit jeher Legenden ranken, ein würdiges Denkmal gesetzt.

    Nach dem Tod ihres Mannes Josh schlägt sich die alleinerziehende Rachel mehr schlecht als recht mit kleinen Jobs durch, macht sich allerdings Hoffnung auf eine Vollzeitstelle im Londoner Kleidungsgeschäft 'Character!', in welchem sie wie eine Sklavin schuftet, um die Vorgesetzten von ihrer Motivation zu überzeugen. Gerade als die neue Position und die damit einhergehende, dringend benötige Verbesserung ihrer Finanzen zum Greifen nahe scheint, funkt das Schicksal Rachel bitter dazwischen. In einem Anflug von Verzweiflung und dem Eingeständnis gegenüber sich selbst, dass es so nicht weitergehen kann, lassen sie und ihr kleiner Sohn Sam die Großstadt hinter sich und ziehen zu Annie, Sams Urgroßmutter, nach Schottland. Wider Erwarten ergibt sich für Rachel direkt eine neue Verdienstmöglichkeit – sie wird als Köchin zur kulinarischen Betreuung eines Workshops angestellt und verbringt mit besagtem Team vier Wochen auf St. Kilda. Dies ist ausgerechnet jene Insel, auf der Annie einst eine glückliche Kindheit verbracht hatte. Das Leben war hart gewesen, es mangelte an vielem, aber dennoch war die Evakuierung der damaligen Inselbewohner ein traumatisches Erlebnis für Annie. Sie hatte sich gefühlt, als hätte man ihr ein Stück vom Herzen herausgerissen. Auch ihren besten Freund Finlay hatte Annie nach dem Umzug aus den Augen verloren. Unter den aktuellen Kurs-Teilnehmern ist der gleichermaßen charmante wie geheimnisvolle Fotograf Ailic, dem die Herzen der Damen zufliegen. Gemeinsam mit Rachel begibt er sich auf die Suche nach einem Erinnerungsstück, dass Annie und Finlay damals auf der Insel zurückgelassen hatten. Sie ahnen nicht, dass die größte Entdeckung eine ganz andere sein wird...

    Für mich war es das erste Buch der Autorin und nachdem ich zuvor gerade einen enttäuschend emotionsarmen Roman beendet hatte, war dies nun eine reine Wohltat für mich, in die gefühlvollen Szenen eintauchen und mit den liebevoll ausgearbeiteten Figuren mitfiebern zu können. Mittels bildgewaltiger Beschreibungen lässt Isabel Morland die raue Schönheit St. Kildas vor dem inneren Auge lebendig werden – zerklüftete Klippen, sattes Grün, spritzende Gischt, kreischende Seevögel… Vor allem aber hat mich beeindruckt, wie mühelos ein Zauber geschaffen wurde, der die Insel zu umgeben scheint. – Eine Art Magie, eine mystische Stimmung, die man nicht genau benennen oder greifen kann, die größer ist als das Leben der einstigen Inselbewohner. Diese hatten 1930 vor der unsagbar bedrückenden Tatsache gestanden, aus Sicherheitsgründen ihre geliebte Heimat aufgeben zu müssen. Es war eine Entscheidung des Verstands gewesen, nicht des Herzens. Viele von ihnen sehnten sich ein Leben lang nach St. Kilda zurück, konnten nie erneut Wurzeln schlagen. Diese Sehnsucht und Melancholie kommt nicht nur im Rahmen der Handlung und aufgrund des eindringlichen Schreibstils zum Ausdruck, sondern spiegelt sich auch im treffend gewählten Buchtitel wider. Die Liebe der Autorin für diese Region wird mehr als deutlich.

    Das Buch enthält allerlei kleine Besonderheiten, wie z. B. eine Karte, ein Gedicht und eine bebilderte Einleitung der Kapitel. Die Kapitellänge habe ich als genau richtig empfunden; lediglich die Zeitsprünge waren zwischenzeitlich ein wenig verwirrend für mich (– von 1930 zu 2005 zu 1929 usw.; die Handlung erstreckt sich auf zwei Zeitebenen, Gegenwart und Vergangenheit wechseln sich ab).

    Fazit: Ein berührender, mystischer Roman, den ich gerne weiterempfehle. Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt.

  • Die Zeit des Lichts von Whitney Scharer

    Selten hatte ich mich so sehr in einem Buch getäuscht. Schade! Ich liebe historische Romane, bin insbesondere von starken Frauencharakteren fasziniert und hatte daher angenommen, mit einem Werk, in dem die Autorin Whitney Scharer uns ins Paris der Dreißigerjahre entführt und das Leben der berühmten Lee Miller portraitiert, könnte ich nichts falsch machen.

    Das Cover ist wirklich passend gewählt worden. Es spiegelt den Stil der damaligen Zeit wider, strahlt schlichte Eleganz aus und rückt das Thema Fotografie, auf welches tatsächlich sehr detailliert eingegangen wird, da es eine Hauptkomponente des Romans bildet, in den Fokus.

    Die Amerikanerin Lee Miller, die mir bis dato noch gänzlich unbekannt gewesen war, hatte ein aufregendes Leben geführt. Als Kind nach einem sexuellen Übergriff traumatisiert, wuchs sie zu einer Schönheit heran und arbeitete sehr erfolgreich als Model für die Vogue, ehe sie beschloss, nach Paris zu ziehen, wo ihr der Fotograf Man Ray begegnete. Lee wird seine Muse, Man Ray wird Lees Liebhaber und Lehrmeister in Sachen Fototechnik. Die Arbeit hinter der Kamera erscheint ihr erfüllender als das Posieren davor und wenige Jahre später wird sie mit ihren Kriegsreportagen Weltruhm erlangen: sie lässt sich in Hitlers Badewanne ablichten, berichtet von der Befreiung der Konzentrationslager.

    Mit dem nüchternen, gänzlich emotionslosen und dauerhaft distanzierten Schreibstil bin ich leider überhaupt nicht warmgeworden. Die Autorin schreibt im Präsens; Lees Gedanken und Gefühle werden eingeleitet mit Formulierungen wie 'Lee fühlt XYZ' oder 'Lee denkt, dass XYZ'… Anfangs dachte ich noch, ich würde mich im Laufe der Lektüre daran gewöhnen, aber ich habe auch nach bald 400 Seiten keinerlei Zugang zur Hauptfigur gewinnen, geschweige denn Sympathie oder Mitgefühl für sie entwickeln können.

    Die Zeitsprünge zwischen Gegenwart und Vergangenheit folgen – bis auf den ersten Rückblick - keinem logischen Muster. Wirklich interessant erschienen mir nur wenige Sequenzen, jene Momentaufnahmen aus Kriegszeiten; abgesehen davon empfand ich das Werk als langatmig und langweilig. Von Lees so bedeutender Arbeit als Kriegsreporterin ist beinahe gar nichts zu lesen, bis auf ein paar scheinbar flüchtig eingeworfene Seiten, auf ein Minimum reduziert. Schwerpunkt des Romans ist stattdessen Lees Beziehung zu Man Ray. Nun, damit hätte ich mich arrangieren können…mit einer unsympathischen, egoistischen und selbstbezogenen Hauptfigur allerdings nicht. Ich verstehe, dass Lees lieblose Kindheit sie geprägt haben muss, dennoch triefte das Werk quasi vor Schwermut, Depression und Verbitterung – mir war, als säße ich während des Lesens unter einer düsteren Wolke, alles fühlte sich negativ an. Letztlich springt Lee mit anderen Menschen so um, wie sie selbst nicht behandelt werden möchte – andauernd fühlt sie sich auf ihre Schönheit reduziert, als Fotografin bzw. Künstlerin nicht genügend geschätzt, von ihrem Partner eingeengt…aber sie hat keinerlei Hemmungen, andere Menschen für ihre Bedürfnisse auszunutzen. Mir kam sie hart, eitel und uneinsichtig vor. Das Paris der Dreißigerjahre wird auf Opium-Parties und sexuelle Freizügigkeit reduziert, ein sehr einseitiges Portrait.

    Fazit: Meine 2 Sterne setzen sich aus dem schönen Cover und der Grundidee zur Story zusammen, deren Umsetzung leider gar nicht mein Fall war.

  • Leichenschmaus im Herrenhaus von Karin Kehrer

    Ein ganzes Jahr lang hatte ich voller Ungeduld auf den neuen Roman der Autorin gewartet, die mir bereits mit "Todesklang und Chorgesang" so wundervolle Lesestunden beschert hatte, dass Teil 1 aus der Cosy Crime-Reihe um die sympathische Seniorin Bee Merryweather seit jeher zu meinen Lieblingswerken zählt. Was soll ich sagen… Das Warten hat sich gelohnt! Ich hatte hohe Erwartungen an den Folgeband und dennoch hat Karin Kehrer es geschafft, sich noch zu übertreffen!

    In diesem Roman ermittelt Bee zum zweiten Mal, denn erneut häufen sich im beschaulichen Örtchen South Pendrick die Todesfälle. Eigentlich hatte sich die herzensgute Witwe Bee fest vorgenommen, sich fortan auf ihre Häkelarbeiten zu konzentrieren und in keine polizeilichen Ermittlungen mehr verwickelt zu werden; sie genießt die Ruhe des Landlebens in ihrem gemütlichen Cottage, die Zeit mit ihren 3 entzückenden Katzen und vor allem die Momente mit ihrem guten Freund, dem Landarzt Marcus. Bee hat sich (im Gegensatz zu den restlichen Bewohnern South Pendricks) mit Lavinia angefreundet – die wunderschöne junge Frau ist mit ihrem Mann Percy vor kurzer Zeit auf das benachbarte Grundstück, Waterford Manor, gezogen. Lavinias ist den Frauen des Ortes ein Dorn im Auge – sie wittern Konkurrenz, denn mit ihrem umwerfenden Aussehen und den oftmals viel zu knappen, sexy Outfits verdreht die Zugezogene so manchem Mann den Kopf. Außerdem ist sie doch viel zu jung für ihren betagten, dafür umso reicheren Ehemann – klarer Fall: sie muss auf sein Geld aus sein! Es wird fleißig getratscht und gemutmaßt. Zum Glück kann Lavinia auf Bee zählen, die aus eigener Erfahrung weiß, wie schwer ein Neustart in einem fremden Ort sein kann. Obwohl Bee schon seit Jahren in South Pendrick lebt, fühlt auch sie sich manchmal noch ausgeschlossen. Plötzlich muss Bee sich allerdings fragen, wie gut sie Lavinia wirklich kennt – als sie auf deren Grundstück über eine Leiche stolpert. Wenige Wochen später, auf einer Party, folgt der nächste Todesfall. Und so langsam weiß Bee nicht mehr, wem sie trauen kann…

    Auch wer den ersten Band nicht gelesen hat, braucht keinerlei Sorge haben, der Handlung nicht folgen zu können oder aufgrund von potentiellen Wissenslücken auf Ungereimtheiten zu stoßen - die Autorin hat gut vorgesorgt und lässt alle nötigen Informationen aus Teil 1 geschickt in die neue Story miteinfließen. Allen neuen Leser/innen möchte ich also zunächst Folgendes sagen:

    1. Herzlichen Glückwunsch, dass ihr diese herrliche Cosy Crime-Reihe entdeckt habt!

    2. Der erste Band ist keine Voraussetzung, da Teil 2 eine in sich geschlossene Handlung hat.

    3. An eurer Stelle würde ich mir trotzdem der ersten Band nicht entgehen lassen, da insbesondere die 66-jährige Bee so ein goldiges Persönchen ist, dass man sich gar nicht sattlesen kann an der Story!

    Erneut hat der bildreiche, einladende Schreibstil der Autorin mich von Anfang an gepackt und South Pendrick vor meinem inneren Auge zum Leben erweckt. Plötzlich ist man wieder mittendrin – als würde man nach Hause kommen. Die einzelnen Figuren – nicht nur die Hauptcharaktere – sind unheimlich facettenreich gestaltet worden und bleiben den Lesern auch nach der Lektüre im Gedächtnis. Karin Kehrer schreibt einfach sensationell! Trotz des ländlichen Idylls geht es heiß her und man verfolgt mit zum Zerreißen gespannten Nerven die Entwicklung der Ereignisse. Wie man es von einem ordentlichen Cosy Crime erwarten darf, bleiben einem gruselige Morddetails und Brutalität erspart, dafür kann man umso mehr bei der Tätersuche mitfiebern.

    Ich sehe Bee regelrecht vor mir, wie sie – von Neugier getrieben – dort herumschnüffelt, wo sie eigentlich nichts zu suchen hat und sich immer wieder in Gefahr begibt. Sie ist so liebevoll und gutmütig, dass man sie einfach nur in den Arm nehmen und knuddeln möchte!

    Kaum hatte ich diesen Roman, in dem die ganze Bandbreite der Emotionen aufgetischt und mit einer ordentlichen Portion Spannung garniert worden ist, ausgelesen, ist mir mit Entsetzen eingesunken, dass ich nun wieder die lange Zeit bis zum nächsten Werk überbrücken muss. Man will South Pendrick nicht verlassen! Sogar mein Mann, der längst von meiner Euphorie für Karin Kehrers Werke angesteckt worden ist, fragte mich neulich: "Wann kommt denn das neue Buch von Bee?" Dies ist mein einziger Kritikpunkt an Frau Kehrer: Wer so toll schreibt, sollte sich mit Beendigung eines Romans automatisch verpflichten, einen weiteren Band zu verfassen! So! Ich bin mir sicher, alle Fans der Autorin werden mir in dieser Hinsicht zustimmen.

    Fazit: Von mir gibt es eine uneingeschränkte und erneut zu 100% begeisterte Leseempfehlung. Ein kniffeliger, herzlicher, oftmals mit einem Augenzwinkern geschriebener Krimi ohne Blutvergießen, perfekt geeignet für Fans von Miss Marple, Agatha Christie und "Mord ist ihr Hobby".

  • Gesund leben trotz Strahlenflut von Ernst Schwarzhans

    Es lässt sich nicht leugnen: wir sind permanent umgeben von Strahlung: in unseren eigenen vier Wänden, auf der Arbeit, sogar unterwegs – in öffentlichen Verkehrsmitteln oder im Auto. Studien hin oder her, wirklich abschätzen, welchen Einfluss all die Strahlung auf uns hat (ob nun elektromagnetische Strahlung oder Erdstrahlen), weiß niemand so genau. Umso wichtiger ist eine kompetente Aufklärung zu diesem brisanten Thema, das in den Medien noch immer viel zu wenig Beachtung findet.

    Mit "Gesund leben trotz Strahlenflut", dem farbig bebilderten und mit allerlei anschaulichen Illustrationen ausgestatteten Ratgeber zum Thema Strahlenschutz, kann man absolut nichts verkehrt machen. – Auch jene Leser/innen, die sich noch nie mit der Thematik auseinandergesetzt haben, werden dem Inhalt mühelos folgen können, da alle Erklärungen überaus nachvollziehbar sind.

    Es gibt so viele Aspekte dieses Werks von Ernst Schwarzhans und Sabrina Mašek, die ich positiv hervorheben möchte!

    Der Aufbau ist sehr übersichtlich strukturiert. Der Ratgeber enthält nicht nur 7 umfangreiche und zugleich kompakte Kapitel, die alle wichtigen Informationen auf den Punkt genau erläutern, sondern auch einen Leitfaden zum Buch. Weiterhin inkludiert sind eine Definition zum Thema Strahlung, ein Anhang mit Quellenangaben sowie ein Verzeichnis über verwendete Literatur und Stichworte.

    Wir erfahren, was die häufigsten Strahlungsarten und -quellen sind und wie wir uns wirksam dagegen schützen können. Besonders gut hat mir gefallen, dass keinerlei Panikmache betrieben wird, z.B. dass nicht alle technischen Geräte direkt verteufelt werden. Stattdessen sprechen die Fakten für sich und es bleibt der Leserschaft selbst überlassen, wie sie mit den Erkenntnissen umgeht. Gerade die kritische Hinterfragung von 5G sowie die Erklärung des digitalen Stromzählers Smart Meter (- etwas, das selbst meinem digital-affinen Ehemann noch kein Begriff war -), hat mich schwer beeindruckt. Es werden zahlreiche Schutzmaßnahmen für alle verschiedenen Wohnräume genannt, vom Kinderzimmer bis hin zur Küche, inklusive nützlicher Extra-Tipps zur Wohnraumgestaltung - z.B. hinsichtlich Abschirmstoffen (Gardinen, Teppiche, etc.). Weiterhin zeigen drei Erfolgsgeschichten, dass wir den Strahlen nicht "hilflos ausgeliefert" sind.

    Auch wenn ich in der Vergangenheit bereits ein wenig Recherche zum Thema Strahlenschutz betrieben hatte, habe unheimlich viel dazugelernt, vor allem was den Umgang mit dem Handy angeht. Den Online-Dialog zum Thema 'Spezifische Absorptionsrate' (SAR) werde ich fortan im Auge behalten. Wie sollen die Werte, die bereits 1998 festgelegt worden sind, für heutige Technologie ausreichend bzw. verlässlich sein?! Es ist wirklich erschreckend, wie wenig wir über unseren Alltag mit dem Smart Phone nachdenken. Fakt ist, die Langzeiteffekte können von keinem Wissenschaftler der Welt mit 100%iger Sicherheit bestimmt werden – weil eben noch nicht genügend Zeit vergangen ist, seitdem die breite Masse der Bevölkerung Mobiltelefone benutzt.

    Fazit: Ein sehr informativer Ratgeber zum Thema Strahlenschutz, der mit nachvollziehbaren Erklärungen, anschaulichen Beispielen und gut umsetzbaren Strategien punktet.

  • Die Dirne und der Bischof von Ulrike Schweikert

    Autorin Ulrike Schweikert hat mit "Die Dirne und der Bischof" einen soliden Auftakt zur Elisabeth-Reihe erschaffen.

    Bereits das wunderschöne, farbintensive Cover lässt das Genre erahnen. Der Titel ist treffend gewählt worden und verrät bereits vor der Lektüre eine wichtige Information.

    Die Handlung ist schnell zusammengefasst. - Als eine junge Frau bewusstlos und halbnackt im Flussgraben der Stadt entdeckt wird, liegt die Vermutung nahe, sie stamme aus dem örtlichen Hurenhaus. Zwar kennt Hurenwirtin Else die hübsche Frau nicht, wittert allerdings eine großartige zusätzliche Einnahmequelle, denn das Mädchen ist umwerfend schön. Praktischerweise erinnert sich die junge Dame, der man spontan den Namen Elisabeth gibt, an nichts aus ihrer Vergangenheit und wird bald darauf von Else zur Arbeit gezwungen. Aufgrund ihres Bildungsstandes (– im Gegensatz zu den anderen Dirnen kann sie lesen und schreiben -), ihrer tadellosen Manieren und Gottesfürchtigkeit lässt sich erahnen, dass Elisabeth aus einem guten Hause stammen muss. Als ihr dämmert, womit sie ihre Schulden bei Else abarbeiten soll, ist das Mädchen entsetzt und verzweifelt, denn es gibt scheinbar keinen anderen Ausweg. Doch nach und nach beginnt Elisabeth sich zu erinnern, wer sie wirklich ist…

    Ort der Handlung ist Würzburg im 15. Jahrhundert. Der Alltag im Hurenhaus ist sehr intensiv und authentisch geschildert worden. Im Grunde hätten die Beschreibung der verschiedenen Mädchen und ihre Hintergrundgeschichten genügend Inhalt für einen eigenen Roman geliefert. Sehr gerne hätte ich mehr darüber erfahren, warum es die einzelnen Dirnen einst ins Hurenhaus verschlagen hatte; bis auf Ausnahmen wird dies nicht erwähnt. Das Mittelalter war keine frauenfreundliche Zeit, schon gar nicht, wenn man als Abschaum der Gesellschaft betrachtet wurde und sich als Dirne den widerwärtigsten Wünschen der Kundschaft beugen musste. Elisabeth tat mir anfangs unheimlich leid. Es ist bewundernswert, dass sie nie an Güte und Hilfsbereitschaft eingebüßt hat. Eine besonders interessant gestaltete Figur ist Else, die Eselswirtin, welche das Hurenhaus leitet; einerseits kümmert sie sich um ihre Mädchen, andererseits nutzt sie diese schamlos aus. In jedem Fall wirkte sie auf mich äußerst realistisch.

    Den Schreibstil der Autorin sowie die Kapitellänge habe ich als sehr angenehm empfunden. Für meinen Geschmack nahm die Referenz zu politischen Entwicklungen, Kriegsgeberichten und Machtspielen/Intrigen jedoch zu sehr Oberhand. Vor allem der Mittelteil des Romans hat dadurch an Dynamik und Mitfieber-Faktor verloren. Elisabeth wurde über viele Kapitel zu einer Nebenfigur und ihre persönliche Geschichte rückte in den Hintergrund, weil unheimlich viel Zeit darauf verwendet wurde, politisches Geplänkel in die Story miteinzubinden. Hier wäre weniger mehr gewesen; speziell bei solch einer sympathischen Protagonistin sollte der Fokus nicht von ihr abrücken. So habe ich zwar das Beste für Elisabeth gehofft, wirklich emotional berührt war ich letztlich aber nicht. Das Ende ist mir ein wenig sauer aufgestoßen – für mich war es kein runder Abschluss.

    Fazit: Super Grundidee, sympathische Hauptfigur, spannender Plot – leider etwas langatmig im Mittelteil und für meinen Geschmack zu Politik-lastig.

  • Unter der Mauer von Melanie Lahmer

    Pünktlich zum Jahr, in dem Deutschland das Jubiläum "30 Jahre Mauerfall" feiert, hat Autorin Melanie Lahmer mit ihrem Werk "Unter der Mauer" eine Geschichte erschaffen, die einmal mehr verdeutlicht, wie sehr das damals in der DDR 'eingesperrte' Volk unter den mit ihrer Heimat verbundenen Einschränkungen gelitten hat. Alles musste erst 'von oben' genehmigt werden. Urlaubsreisen in das nichtsozialistische Ausland waren ein Ding der Unmöglichkeit und allein ein Antrag auf dauerhafte Ausreise konnte die Zukunft der gesamten Familie ruinieren – zumal solche Anträge fast nie genehmigt wurden. Wer studieren durfte, wurde nicht anhand guter schulischer Leistungen entschieden, sondern basierte oftmals auf Vitamin B. 'Nicht negativ auffallen bei der Stasi', hieß die Devise.

    In diesem Alltag wachsen die Teenager Michaela und Annett Anfang der 80er Jahre auf. Vor allem Michi ist unzufrieden mit ihrer Situation, erhofft sich mehr vom Leben, träumt von der weiten Welt. Als sie eines Tages spurlos verschwindet, ist ihre entsetzte Familie am Boden zerstört. Niemand weiß, was Michi zugestoßen ist. Hat sie etwa 'rübergemacht', wie sie es in ihrem Abschiedsbrief angedeutet hatte? In jedem Fall hat ihr Verschwinden weitreichende Folgen für ihre Familie; insbesondere ihre jüngere Schwester leidet sehr unter dem Verlust – und unter den darauffolgenden Schikanen durch die Stasi. Aber warum meldet sich Michi auch Jahre nach dem Mauerfall nicht bei ihren Angehörigen?

    Siegen, Gegenwart. Als Psychologin Nike Klafeld beim Ausmisten eines Weltkriegsbunkers, der ihrer Band als Proberaum gedient hatte, zufällig eine Vielzahl loser Tagebuchseiten in die Hände flattert, ist ihre Neugier geweckt. Scheinbar sind die Notizen viele Jahre alt. Aber wer ist die Frau, die sie einst verfasst hatte? Interessiert an der Geschichte, die sich hinter diesen ominösen Schriftstücken verbergen mag, beginnt Nike, Nachforschungen anzustellen - nicht ahnend, dass sie mit ihrer Neugier in ein Wespennest sticht.

    Die Autorin hat sich intensiv mit dem Thema 'Leben in der DDR', quasi im Schatten der Mauer, auseinandergesetzt und ihre Rechercheergebnisse in dieses spannende Werk miteinfließen lassen. Erzählt wird auf zwei Zeitebenen, wobei man im Hinblick auf die Vergangenheitsebene lange Zeit im Dunkeln tappt und erst gegen Ende herausfindet, was Michaela widerfahren ist.

    Ein großer Anteil des Werks ist dem familiären Umfeld von Nike gewidmet worden, da dieser Band den Auftakt zu einer Buchreihe bildet und somit als Basiswissen fungiert. Die Ausarbeitung der Hauptfigur hat mir sehr gefallen, da Nike gleichermaßen authentisch wie sympathisch auf mich wirkt. Ihre Handlugen und Gedanken sind durch und durch nachvollziehbar; auch mich hätte es an ihrer Stelle in den Fingern gejuckt, mehr über den Verbleib der Tagebuchschreiberin zu erfahren – allerdings hätte ich mich nie in einen Bunker hineingetraut. Besonders beeindruckt hat mich die tiefgründige Schilderung der Gefühlswelt von Annett; nach Michis Verschwinden hatte sich im Familienkreis alles nur noch um den Verbleib der vermissten Tochter gedreht. Annett selbst schwankt zwischen Wut auf ihre Schwester und Unverständnis; sie möchte endlich die Wahrheit erfahren, um mit der ewigen Ungewissheit abschließen zu können.

    Sowohl Covergestaltung als auch die Wahl des Buchtitels sind perfekt auf den Inhalt abgestimmt und sehr treffend gewählt worden. Der Schreibstil der Autorin ist eine angenehme Mischung aus feinfühlig und dynamisch. Während man anfangs vielleicht das Gefühl hat, es könnte ruhig ein wenig flotter vorangehen, nimmt die Story jedoch immer mehr an Fahrt auf und gipfelt in einem actionreichen Ende. Wäre dieser Roman der Auftakt einer Fernsehserie, würde ich definitiv am nächsten Tag wieder einschalten. Als Fan von Cold Case-Ermittlungen und historischen Romanen, speziell vor dem Hintergrund der DDR, war ich natürlich extrem gespannt auf das Werk und ich bin nicht enttäuscht worden.

  • Die Kinder des Nordlichts von Linda Winterberg

    Da mich "Aufbruch in ein neues Leben" von Linda Winterberg sowohl im Hinblick auf Schreibstil als auch Handlungsaufbau restlos begeistert hatte, freute ich mich riesig, als ich dieses neue Werk von der Autorin entdeckte. Bei "Die Kinder des Nordlichts" handelt sich um einen Mini-Folgeroman zu "Das Haus der verlorenen Kinder," welches ich noch nicht gelesen hatte.

    Nach dem Tod ihrer geliebten Großmutter Betty verlässt Marie Norwegen und kehrt nach Deutschland zurück. Sie hat schwer an diesem Verlust zu knabbern, insbesondere, weil sie Betty erst kurz vor deren Tod kennengelernt hatte und den beiden Frauen nur wenig gemeinsame Zeit vergönnt gewesen war. Auch Maries Freundin Elin hat ihre Oma verloren; sie trifft der Verlust noch härter, denn zeitgleich verliert sie damit auch ihren Arbeitsplatz – sie hatten gemeinsam ein Café betrieben. Marie überzeugt Elin davon, ihren deutschen Großvater ausfindig zu machen und verspricht, ihr bei der Suche nach ihm zu helfen. Tatsächlich gelingt es Maries Freundin Gertrud, Elins Opa Wilhelm aufzuspüren – doch eine erste Begegnung verläuft für die junge Frau dermaßen enttäuschend, dass sie Deutschland am liebsten gleich wieder verlassen würde: Wilhelm leugnet, Elins Oma je gekannt zu haben. Zum Glück stehen Marie und Gertrud Elin bei und überzeugen sie davon, nicht gleich alle Hoffnung aufzugeben. Stattdessen wagen sie einen Neuanfang: die Eröffnung eines norwegischen Cafés, im Zentrum Wiesbadens. Keine leichte Aufgabe, mitten im Vorweihnachtstrubel…

    Ich habe mir während der Lektüre immer wieder in Erinnerung rufen müssen, dass es sich um einen Kurzroman handelt, um nicht unbegründet enttäuscht zu sein. Am besten lässt es sich wohl so ausdrücken: die Autorin schreibt viel zu sensationell, um auf solch ein kleines Format beschränkt zu werden – auf mehreren hundert Seiten, da können sich ihre Figuren unverwechselbar entfalten. Bei dieser Kurzausgabe bleibt ihr allerdings gerade mal Gelegenheit, die Charaktere halbwegs vorzustellen. Ich weiß, dass die Autorin wundervolle zwischenmenschliche Beziehungen aufs Papier zaubern und Figuren erschaffen kann, die einem noch lange im Gedächtnis bleiben. Leider war dies hier nicht möglich, was ich unglaublich schade finde. Wenn schon so wenig Seiten (- von denen ein gewisser Anteil dazu noch für Rückblicke / Erinnerungen verwendet werden muss, damit auch Leser ohne Vorkenntnisse der Handlung folgen können -), dann hätte auch hinsichtlich des Inhalts bzw. der verschiedenen Themen eine Kürzung vorgenommen werden müssen: z.B. ein Roman über zwei Freundinnen, die ein norwegisches Café eröffnen, fertig – ohne Familienhintergrund. Oder zwei Freundinnen, die gemeinsam nach einem verschollenen Verwandten suchen – ohne Café. So aber war es zu viel des Guten und wirkte an vielen Stellen etwas unglaubwürdig, gerade im Hinblick auf die chaotische Geschäftseröffnung. Sagen wir einfach, in einem Weihnachtsroman darf man die Realität gerne etwas verbiegen, um zum erhofften Happy End zu kommen; das ist schon okay. Mein Romanliebling war ganz klar die herzensgute Gertrud und ich hoffe, dass die Autorin uns in der Zukunft noch mit einem Roman über Elins Leben in Deutschland beglücken wird.

    Ein ganz großes Plus dieser Kurzgeschichte sind die detaillierten Beschreibungen des Cafés, von der Einrichtung bis hin zu den servierten Köstlichkeiten – gäbe es das "Café Farsund" tatsächlich, könnten sich die Betreiber gewiss nicht retten vor Kundschaft. Die vielen leckeren norwegischen Rezepte im Anhang (Pfefferkuchen, Kuchen, Glühwein) lassen einem auf jeden Fall das Wasser im Mund zusammenlaufen. Auch die in die Handlung eingeflochtene Weihnachtsstimmung hat zum Lesegenuss beigetragen.

    Fazit: Eine nette kleine Vorweihnachtsstory, die wohl größtenteils als Ergänzung zum Hauptroman zu sehen ist, von dem ich mittlerweile schon viel Positives gehört habe und der nach wie vor auf meiner Wunschliste steht.

  • Die Zeit der Töchter von Katja Maybach

    Katja Maybach hat mit diesem bewegenden, gut recherchierten Werk wunderbar den Zeitgeist der 50er Jahre eingefangen. Es ist schon erschreckend, wie oft Geschichte sich wiederholt – und dennoch scheint die Menschheit einfach nicht dazuzulernen. Viele der damaligen Probleme sind auch heute leider noch allgegenwärtig.

    Es ist das Jahr 1957. Der Krieg mag vorbei sein, doch noch immer gibt es Ausgrenzung und Hassparolen in Deutschland. Wie kann das möglich sein? Die Schwägerinnen Vivien und Maria verfolgen entsetzt, wie der Fremdenhass von der Partei 'Freunde der Heimat' wieder neu befeuert wird. Seit Jahren setzen sich die beiden Frauen für Flüchtlinge aus dem Osten ein. Auch Besatzungskinder haben es nicht leicht, werden oftmals schikaniert und angefeindet. Vivien freundet sich mit dem fünfjährigen Daniel an, dem Sohn eines dunkelhäutigen Amerikaners. Daniel hofft seit Jahren vergeblich auf die Heimkehr seines Vaters, während seine Mutter, eine junge Ostpreußin, Tag und Nacht schuftet und nie Zeit für den kleinen Jungen hat. Vivien ist wild entschlossen, dem Kind und seiner Mutter zu helfen und ahnt nicht, dass sie sich mit ihrem Mitgefühl selbst zur Zielscheibe macht… Währenddessen leben die Cousinen Anna und Antonia gemeinsam in München und beschließen, ihren Müttern eine große Überraschung zu bereiten: sie wollen die Frauen aufspüren, die einst von Maria und Vivien aus einem Lager gerettet worden waren.

    Ich hatte den Vorgängerband, "Die Stunde unserer Mütter", noch nicht gelesen, trotzdem habe ich dem Geschehen problemlos folgen können – mehr noch: die Autorin versteht es, die Leser von der ersten Seite an so gekonnt in den Bann zu ziehen und immer wieder subtil kleine Rückblenden und Erklärungen zur Vergangenheit der Figuren einfließen zu lassen, dass man sich von Anfang an 'mittendrin' fühlt. Alle Figuren sind intensiv ausgearbeitet und facettenreich gestaltet worden; so unterschiedlich die Frauen auch sind, so geeint sind sie in ihrem Mut, ihrer Hilfsbereitschaft und ihrer Güte. Erzählt wird aus mehreren Perspektiven, wobei auf eine sehr übersichtliche und stets nachvollziehbare Struktur geachtet worden ist. Auch die Kapitellänge habe ich als sehr angenehm empfunden. Neben den vier weiblichen Hauptfiguren erhält man zudem einen Einblick in die Gedanken von Veronika (- der hübschen jungen Ostpreußin, die als Kellnerin im Wirtshaus regelmäßig Avancen wie auch Feindseligkeiten abwehren muss -) und Marie-Luise (- einem Teenager, dessen Vater ein Kriegsverbrecher gewesen war -).

    Für mich stand hauptsächlich das Schicksal von Vivien und dem kleinen Daniel im Vordergrund (- viele Tränen habe ich darüber vergossen, wie herzlos manche Menschen selbst Kindern gegenüber waren -), auch wenn die anderen einzelnen Handlungsstränge ebenfalls interessant waren. Der emotionale Schreibstil der Autorin hat mich absolut begeistert – die Lektüre war eine regelrechte Achterbahn der Gefühle für mich, berührende Szenen wechselten sich ab mit Momenten der Wut und Fassungslosigkeit. Das Werk ist keine leichte Kost, wie das lebensfrohe Cover vielleicht suggerieren mag, aber zeitgleich ist es auch voller Hoffnung.

    Fazit: Ein ergreifender historischer Roman, dessen Thematik heute aktueller denn je ist.

  • Der Tod tanzt in Graz von Robert Preis

    Für mich war es das erste Mal, dass ich dem Ermittlerteam um Armin Trost begegnet bin, dennoch lässt sich das Werk gut auch ohne Vorkenntnisse lesen, da die wichtigsten Ereignisse der Vergangenheit kurz im Laufe der Erzählung umrissen werden und man ein Gefühl für die Zusammenhänge bekommt.

    Wer hier aufgrund des Volksmusik-Themas eine gemütliche Cosy Crime-Stimmung erwartet, irrt gewaltig. Auch in der schönen Steiermark, in dessen Hauptstadt Graz das größte Volksfest des Jahres ansteht (- das "Aufsteirern" -), ist nicht alles Gold was glänzt, schon gar nicht in der Musikbranche, die mit Schunkelrhythmen den Trachtenträgern und Biersüfflern eine heile Welt vorgaukelt. Bei einer Fanwanderung auf der Alm wird ein Musiker aus dem Hinterhalt erschossen und er wird nicht das einzige Mordopfer bleiben. Ermittlerin Annette Lemberg (eine zugezogene Deutsche) und ihr Kollege Hinterher (der den Spitznamen "Graf" hat und im wahrsten Sinne 'hinterher' ist, nämlich nach seiner hübschen Kollegin) müssen ohne ihren untergetauchten Abteilungsleiter auskommen, denn Armin Trost ist verschwunden – ab und zu erhalten sie eine kryptische Nachricht von ihm, sein Aufenthaltsort ist unbekannt. Dennoch ist Trost alles andere als untätig und mischt fleißig mit in den Ermittlungen, wenn auch zunächst undercover. Allen Bemühungen zum Trotz scheint der Mörder der Polizei immer einen Schritt voraus zu sein und alles steuert auf einen fulminanten Showdown hin, mitten in den Feierlichkeiten des Aufsteirerns – ein logistischer Albtraum.

    Die Kapitel sind recht lang, jedoch übersichtlich unterteilt. Die Spannung steigt bis zum Schluss kontinuierlich an und nie entsteht ein Eindruck der Langatmigkeit oder Langeweile. Meine Lieblingsfigur war Lemberg, in die ich mich prima hineinversetzen konnte. Im Anschluss an den Roman folgt ein Anhang, der über Wahrheit und Fiktion aufklärt und eine Vielzahl typisch steirischer Begriffe zum Thema Volksmusik erläutert. Der Schreibstil verlangt dem Leser definitiv Konzentration ab, was bei einem Krimi/Thriller auch völlig berechtigt ist. Einzig der konstant negative Touch, der unterschwellig immer mitschwang, war mir manchmal ein wenig zu viel; etwas mehr Humor (nicht nur rabenschwarzer) wäre toll gewesen. Das Cover allerdings ist äußerst treffend gewählt worden und fängt die düstere Stimmung perfekt ein.

    Fazit: Bestens geeignet zum Mitfiebern und Miträtseln!