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  • 100 Jahre Salzburger Festspiele von Malte Hemmerich

    Gerade rechtzeitig zum bevorstehenden 100. Gründungstag der Salzburger Festspiele am 20. August 2020 hat der Salzburger (!) Ecowin Verlag dieses interessante Kompendium herausgegeben.

    Wie es sich für ein Theaterstück gehört, ist auch die Geschichte der wohl bekanntesten Festspiele Österreichs in fünf Akten und Szenen angelegt. Eine nette Idee!

    Im 1. Akt erfahren wir einiges über die Beweggründe diese Festspiele ins Leben zurufen. Mysterienspiele haben in Salzburg schon seit langem Tradition.

    Im 2. Akt fegen die politischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts mit dem Nationalsozialismus und dem Zweite Weltkrieg alles hinweg - Schauspieler, Sänger, Musiker und Zuschauer.

    Mit Karl Böhm und vor allem Herbert von Karajan, der den 3. Akt dominiert, steigen die Salzburger Festspiele wie der Phönix aus der Asche. Man kann Karajan mögen oder nicht, sein Anteil am Erfolg ist unbestritten, seine Dominanz ebenso.

    Im 4. Akt erleben die Festspiele nach Karajans Tod eine tiefe Krise. Künstlerische und finanzielle Probleme, die nach einer Erneuerung schreien. Es wird kein Stein auf dem anderen bleiben und so manch einer, hat den Festspielen das AUS prophezeit. Doch wir sind hier in Österreich und frei nach dem Motto „ein bisserl was geht immer“, ist es durch eine gewaltige Kraftanstrengung gelungen, die Festpiele zu modernisieren.

    Der 5. Akt zeigt, dass es notwendig und gut war, die Festspiele zu erneuern, auch wenn das eine oder andere nicht ganz friktionsfrei abgelaufen sein wird.

    Ein Theaterstück zieht sich wie ein roter Faden durch die 100 Jahre: „Jedermann. Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ Hugo von Hofmansthal. Für die Schauspieler ein Highlight in der Karriere als Jedermann, Tod, Teufel oder Buhlschaft auftreten zu dürfen.

    Wie sagt der Teufel so treffend, als er Jedermann doch nicht bekommt:

    „Die Welt ist dumm, gemein und schlecht
    Und geht Gewalt allzeit vor Recht,
    Ist einer redlich, treu und klug,
    Ihn meistern Arglist und Betrug.“

    Fazit:

    Eine penibel recherchierte und ansprechend erzählte Geschichte der ersten (?) Jahre der Salzburger Festspiele, die mit vielen Abbildungen versehen ist. Ein tolles Geschenk, nicht nur für Musik- und Theaterliebhaber. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

  • Martins Adventkalender von Maria Köchler

    Dieses entzückende Buch ist ein Mix aus Adventkalender und weihnachtlichem Vorlesebuch.

    Jedem der 24 Tage bis Weihnachten sind jeweils 2 Doppelseiten gewidmet. Einerseits mit hinreißenden Illustrationen andererseits mit netten Geschichten, die Protagonist Martin erlebt. Sei es, dass er sich mit der kleinen Schwester auf dünnes Eis begibt oder Geschenke bastelt.

    Das Buch ist hochwertig verarbeitet und verfügt über ein Lesebändchen. Wer einen Adventkalender abseits der Schokolade oder mit allerlei Krimskrams gefüllten möchte, ist hier gut bedient.
    Er lässt sich auch das darauffolgende Jahr wiederverwenden.
    Allerdings ist das Buch eher zum Vorlesen als zum Selberlesen für Leseanfänger gedacht. Die Schrift ist für diese einen Hauch zu klein geraten.

    Für eine eigene Geschichte oder ein Keks-Rezept oder vielleicht einen heimlichen Wunschzettel ist Platz am Ende dieses vorweihnachtlichen Wegbegleiters.

    Fazit:

    Gut gemacht und eine Alternative zu den üblichen kommerziellen Adventkalendern. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

  • Mord ohne Ende von Rhys Bowen

    Auf Evan Evans und seiner Bronwn kommen starke Veränderungen zu. Bronwen muss nun genauso wie Evan eine fast einstündige Anfahrt in die Arbeit auf sich nehmen. Da bleibt wenig Zeit für Wanderungen.
    Evan ist zusätzlich noch zu einer neu geschaffenen Einheit für Gewaltverbrechen zugeteilt, deren Leiter Bragg ein echtes Ekel ist. Er glaubt die Weisheit mit dem Löffel gefressen zu haben und behandelt seine Mitarbeiter denkbar schlecht. Die erste Bewährungsprobe steht sogleich an, als innerhalb weniger Tage drei Männer aus unterschiedlichen Schichten mit ein und derselben antiken Waffe erschossen werden. Was ist der gemeinsame Nenner?

    Gleichzeitig zieht in das leerstehende Gemischtwarengeschäft eine pakistanische Familie ein. Die wird, obwohl so ein Laden dringend gebraucht wird, natürlich scheel angesehen. Alle Befürchtungen und Vorurteile scheinen sich zu bewahrheiten, als sich der Sohn als glühender Islamist entpuppt, und seine Schwester in Pakistan mit einem deutlich älteren Mann verheiratet werden soll.

    Meine Meinung:

    Die beiden Hauptthemen, häusliche Gewalt und religiöse Eiferer machen diesen Krimi sehr spannend. Bei der Mordserie an den Männern bin ich lange Zeit im Dunklen getappt. Gut gemacht!

    Nicht so zufrieden bin ich mit dem Lektorat. Wie schon bei den letzten Krimis, lässt dies zu wünschen übrig. Es scheint, als hätte man hier mehr auf Quantität (10 Bücher im Jahr) als auf Qualität geachtet. Wir Leser hätten die Reihe auch auf zwei oder mehrere Jahre verteilt gelesen.

    Diesmal leiden wir gemeinsam mit Evan Evans unter seinem neuen Vorgesetzten Bragg. Ein so ein Ekel! Es scheint, als müsste er seine Unzulänglichkeit mit überbordender Strenge kaschieren. Dass er seine Mitarbeiter respektlos behandelt, fällt mir besonders ungut auf. Mir ist die ganze Reihe schon aufgefallen, dass vor allem Evan als „Junge“ angesprochen wird. Sorry, aber diesmal ist es mir einfach zu viel. Evan ist ein verheirateter Mann. Er hat Erfolg (auch wenn das so manchen Vorgesetzten nicht passt und sich mit fremden Federn schmückt) und hat sich daher Respekt und Akzeptanz verdient.

    Interessant finde ich, dass dies der letzte Band sein soll. Für mich ist die Geschichte rund um Evan Evans und Bronwen nicht zu Ende erzählt. Irgendwie ist etwas offen geblieben. Ich habe beinahe erwartet, dass die beiden den Gemischtwarenladen übernehmen.
    Apropos, Gemischtwarenhandlung: Man kann über die Figur der nervigen Pfarrersfrau geteilter Meinung sein, diesmal hat sie mir gut gefallen. Sie ist über ihren Schatten gesprungen, indem sie der pakistanischen Familie Essen bringt. Das hat mich mit dem offenen Ende wieder versöhnt.

    Fazit:

    Vom Inhalt her gut gelungen, gerne gebe ich hier 4 Sterne.

  • Mord im Hotel Sacher von Beate Maxian

    Wo ein Mordopfer ist, ist Journalistin Sarah Paul nicht weit. So auch in ihrem neunten Fall. Während des Frühlingsfestes im Traditionshotel Sacher beobachtet Pauli eine Frau, die sich etwas seltsam verhält - kurz daraufhin ist diese tot. Neugierig beginnt die Journalistin zu recherchieren und entdeckt, dass Iris, die Tote, eine kunstfertige Zuckerbäckerin war, die unweit des Sachers in einer Patisserie gearbeitet hat.
    Iris‘ on/off-Beziehung mit ihrem Chef Max Brücker, lässt diesen ziemlich rasch in den Fokus der Ermittler rücken. Doch wie könnte es anders sein, glaubt Sarah Pauli nicht an eine simple Beziehungstat. Es muss etwas anderes hinter der Tat stecken, doch was?

    Meine Meinung:

    Ich kenne alle neun Fälle mit Sarah Pauli und mag die eher unblutigen Krimis, die die Leser an interessante Orte Wiens führen. Sarah Pauli ist nicht nur eine Journalistin mit Leib und Seele, sondern hat auch ein Gespür für Zwischentöne, die sie immer wieder „um die Ecken denken“ und schon einige Mordmotive aufdecken hat lassen. Allerdings bringt sie sich dadurch immer wieder in Gefahr, was ihrem Chef und Lebenspartner David natürlich nicht sonderlich gefällt. Ihr Faible für Bräuche und Aberglauben, das sie in ihrer Kolumne bestens ausleben kann, hilft ihr bei der Suche nach dem Mordmotiv auch hier auf die Sprünge. Iris hat nämlich durch Zucker- bzw. Marzipanblumen Botschaften in ihren Torten versteckt, die sie gerne an ihre Freunde verschenkt. Dieser Freundeskreis entpuppt sich als interessanter Zirkel. Besonders Anja fällt auf: sie bezeichnet sich als „beste Freundin der Toten“ und reagiert höchst seltsam, als sie erfährt, dass Iris doch das eine oder andere Geheimnis vor ihr hatte. Sie ist in ihrer Fürsorge extrem dominant und manipulativ. So will sie auch bei den Begräbnisfeierlichkeiten mitreden, obwohl das eigentlich Sache von Iris‘ Familie ist.

    Die Sprache der Blumen hat die Autorin subtil und gekonnt in den Krimi verpackt.

    Mit ihren unkonventionellen Ideen kann Sarah Pauli der Polizei, in Person von Chefinspektor Stein, den einen oder anderen Hinweis geben. Die beiden schätzen einander und sind beinahe so etwas wie Freunde. Die Auflösung des Krimis erweist sich als überraschend, wird aber schlüssig und kongruent dargestellt.

    Gut gefällt mir der Schreibstil von Beate Maxian, der durch lockere Schreibweise und viel Lokalkolorit einen fixen Platz in der österreichischen Krimiwelt hat. Die Charaktere sind gut gezeichnet und haben so ihre Ecken und Kanten. Für die sympathische Journalistin hat sich die Autorin einige Veränderungen ausgedacht, die im nächsten Krimi „Der Tote im Fiaker“ (erscheint im März 2020) bestimmt eine Rolle spielen.

    Fazit:

    Wieder ein gelungener Krimi mit viel Wiener Schmäh und einer außergewöhnlichen Ermittlerin. Gerne gebe ich 5 Sterne.

  • Die Autorin entführt uns in das London von 1908. Die Kluft zwischen arm und reich ist größer denn je. Emily und Liam reisen gemeinsam mit ihren Kindern von ihrem Landsitz nach London, um Tochter Margery in die Gesellschaft einzuführen. Während Margery als Debütantin dem König vorgestellt wird, entdeckt Nesthäkchen Ines die Suffragetten und ihre Anliegen für sich. Doch auch Sohn Victor betritt eine völlig neue Welt und gefährdet mit seiner Liebschaft nicht nur sich selbst.

    Als wäre das alles noch nicht genug, kommen längst vergangen geglaubte Dämonen wieder ans Tageslicht. John Pike, inzwischen Chefinspektor bei Scotland Yard, wird aus dessen Dienst entlassen, weil er wieder einmal anderer Meinung als seine Vorgesetzten ist.

    Meine Meinung:

    In diesem nunmehr dritten und letzten Band rund um Christine und John Pike werden nun alle losen Fäden der vorhergehenden Bände zusammengeführt. Damit ist Tabea Koenig ein toller Abschluss ihre Trilogie gelungen.

    Wie schon zuvor legt die Autorin auch großen Wert auf historische Details. So darf Isabella Duncan gleich zweimal auftreten und das die Tragödie um den Tod ihrer Kinder ist elegant eingeflochten. Großen Raum wird den Suffragetten eingeräumt, jenen unerschütterlichen Frauen, die für das Wahlrecht für ihre Geschlechtsgenossinnen eintraten. Nachdem gutes Zureden und ziviler Ungehorsam keine Früchte trugen, haben sich einige der Gewalt verschrieben. Wer dazu mehr wissen will, kann dies im Buch „Die Suffragetten. Sie wollten wählen und wurden ausgelacht“ von Antonia Meiners nachlesen.

    Der Schreibstil von Tabea Koenig ist locker, flüssig und der Zeit angepasst. Neben den historischen Details kommen auch familiäre Dramen und Gefühle nicht zu kurz. Der Abstecher nach Wien und der Besuch beim Gustav Klimt gefällt mir besonders gut.

    Fazit:

    Ein gelungener Abschluss dieser Debüt-Trilogie, dem ich gerne 5 Sterne gebe.

  • Ihr letzter Fund von Marlene Kilga

    Auch in ihrem zweiten Feldkirch-Krimi lässt Autorin Marlene Kilga einen bekannten Literaten auftreten. Diesmal kommt nicht Geheimrat Goethe vorbei sondern der Schöpfer von Sherlock Holmes und Dr. Watson: Arthur Conan Doyle. Dieser hat nämlich einige Schulzeit in der Stella Matutina, dem ehrwürdigen Jesuitenkolleg in Feldkirch verbracht.

    Doch nun zur Handlung:

    Hayley, eine junge Engländerin wird in der Üble-Schlucht tot aufgefunden. Recht bald ist klar, dass sie ermordet wurde. Doch warum? Chefinspektor Heinrich Finster und sein Team gehen jeder noch so kleinen Spur nach und entdecken ein veritables Motiv, das sie auch in Martha Kellers neu eröffneten Buch-Cafe führt: So soll Hayley ein bislang unveröffentlichtes Manuskript von Arthur Conan Doyle gefunden haben. Dafür sind einige Personen mehr als bereit, zu morden.

    Meine Meinung:


    "Ihr letzter Fund" ist die sehr gelungene Fortsetzung von "Dr.Faust in der Marktgasse". Der Auftritt von seltsamen Figuren, die ähnlich wie Sherlock Holmes und Dr. Watson heißen, lassen mich schmunzeln. Wer sind die beiden? Gauner oder doch englische Polizisten?

    Dieser Krimi lässt sich ebenso flott wie der erste Krimi lesen. Ein hoher Spannungsbogen sorgt dafür, dass sie Seiten nur so dahinfliegen. Man will doch wissen, wer tatsächlich dahinter steckt! Einige unerwartete Wendungen bergen so manche Überraschung in sich. Nicht zu kurz kommt auch die Stadt Feldkirch und ihrer Umgebung.

    Besonders wohltuend empfinde ich, dass die Protagonisten trotz einzelner Schicksalsschläge nicht dem Alkohol verfallen oder sonst irgendwie exzentrisch werden. Die Ermittler Heinrich Finster und Fleur „Blümchen“ Günther agieren souverän. Finster interessiert sich für Martha Keller und die scheint ihm ebenfalls zugetan. Schauen wir einmal, was daraus wird. Der dritte Band “Die Chimäre der Schattenburg“ wartet schon darauf, gelesen zu werden.ö

    Fazit:

    Wer einen eher ruhigen Krimi mit literarischem Hintergrund lesen möchte, ist hier genau richtig. Gerne gebe ich 5 Sterne.

  • Das weiße Gold der Hanse von Ruben Laurin

    Dieses Buch entführt uns in das mittelalterliche Lübeck.

    Der wohlhabende Kaufmann und Ratsherr Bertram Morneweg besucht 1275 die Baustelle des Heiligen Geist Hospitals. Der junge Maler Johannes soll das Gebäude mit Fresken ausstatten. Doch leider ist er verliebt und die Angebetete soll mit einem anderen verheiratet werden. Um ihn abzulenken, erzählt Morneweg die Geschichte eines Jungen, der 1231 bei einem Piratenüberfall nicht nur seinen Vater sondern auch das Gedächtnis verloren hat. Nur ganz knapp entgeht er dem Tod, weil er von einem Kauffahrer aus dem Wasser gefischt wird, in dessen Haushalt er als Knecht aufgenommen wird. Man nennt ihn Moses und dieses Leben ist kein Zuckerschlecken. Es lässt sich nur ertragen, weil er in Rebecca, der jüdischen Sklavin, so etwas wie eine große Schwester hat.



    Meine Meinung:

    Dieser historische Roman hat mich in den Bann gezogen. Zwei opulente Handlungsstränge sind ineinander verwoben. Zum einen jener aus 1275 und der andere, der die Geschichte des Waisenknaben erzählt.
    Wir erfahren viel über die damaligen Lebensumstände der Menschen in Lübeck. Wie sie leben, leiden und sterben. Da musste ich über das heimliche Gebet von Morneweg schmunzeln, das er gemurmelt hat als sich Burchard, der wichtigtuerische Bischof der Marienkirche, darüber darüber aufregt, dass die armen Leute ihren kirchlichen Beistand bei den Minderen Brüder (=Franziskaner) suchen, deren Gebühren geringer sind.

    „..Schenke diesem zornigen und stolzen Mann endlich einen Kardinalshut. In Rom kann er unserem schönen Lübeck keinen Schaden zufügen. In Deiner grenzenlosen Güte, Amen. (S.40).“€œ

    Dem Autor ist abwechslungsreicher, spannender und opulenter Historienroman gelungen. Auch wenn wir eher die dunklen Seiten des Lebens als seine Sonnenseiten kennenlernen. Gut gelungen ist dem Autor die Balance zwischen Gottesfürchtigkeit, Glauben und Zweifel zu halten. Am Beispiel der Jüdin Rebecca wird die Judenfeindlichkeit der Zeit anschaulich dargestellt. So findet das Progrom von 1221 in Erfurt Eingang in die Geschichte. Die Gespräch über den rechten Glauben und die Warnung Rebeccas an Moses etwas über ihre jüdische Herkunft verlauten zu lassen, prägen den Jungen. Deswegen wird er immer wieder gedankliche Zwiesprache mit Gott halten - ein schöner Gedanke.

    Das mag ich, wenn historische Details so subtil in einen Roman eingebaut werden, dass niemand merkt, dass es hier ein wenig Nachhilfe in Geschichte gibt.
    In einer Zeit ohne Krankenversicherung oder Pensionsvorsorge sind arme Menschen auf Barmherzigkeit von Kirche und den Wohlhabenden angewiesen. Nachdem die Kirche in der Gestalt von Burchard hier eher auslässt, zeigt Morneweg Mitgefühl und Tatkraft. Er gibt nicht nur Almosen, sondern auch Hilfe zur Selbsthilfe.

    Die Beschreibung der (See)Reisen nach Schweden, Kiew oder Nowgorod, um Handel zu treiben, sind gut dargestellt und in den geschichtlichen Kontext eingewoben. Ähnliches kenne ich aus anderen hist. Romanen. Hier scheint die Quellenlage gut zu sein. Überhaupt ist dieser Roman penibel recherchiert. Auch die Sprache ist der Zeit angepasst. Sehr spannend ist die Umrechnung der unterschiedlichen Währungen. Das lässt Rubin Laurin immer wieder Moses oder einen anderen der Kaufleute machen, so das diese Informationen Teil des Romans sind.

    Einzig den Titel finde ich nicht ganz passend. Als „Weißes Gold“ wird immer Salz bezeichnet. Doch das kommt als Handelsgut nicht wirklich vor. Vielleicht sind die seltenen weißen Tiere, die an den diversen Königshöfen gerne gesehen sind?

    Bertram Morneweg und andere Mitspieler sind historisch belegte Figuren, wie wir aus dem Nachwort erfahren. Das Glossar bietet eine Menge interessanter Informationen über die Hanse und ihre Handelsbeziehungen. Eine Zeittafel, eine historische Landkarte sowie ein Personenverzeichnis zu Beginn des Buches, ergänzen diesen historischen Roman.

    Fazit:

    Ein penibel recherchierter und fesselnd erzählter historischer Roman aus dem 13. Jahrhundert, dem ich gerne 5 Sterne gebe.

  • Starmord am Wörthersee von Roland Zingerle

    Berufsdetektiv Heinz Sablatnig soll sich „unauffällig“ darum kümmern, wer Saskia Frenzen, dem umjubelten Star, der „Starnacht am Wörthersee“ einen Drohbrief geschrieben hat. Kontaktiert wird er wieder vom Chef der „Fiducia“-Versicherung, für die er in der Vergangenheit schon einige Fälle erfolgreich gelöst hat und die die Ausfallshaftung für dieses Event trägt. Doch diesmal ist Heinz nicht ganz bei der Sache. Er wirkt unkonzentriert und ausgepowert. Dabei war er doch erst in Südamerika auf Urlaub.

    Es gelingt recht bald den Urheber des Drorbriefes ausfindig zu machen. Als Saskia, Heinz und die Visagistin Anne in eine weiße Stretchlimousine steigen, wissen sie noch nicht, dass eine der beiden Frauen ermordet werden wird.

    Meine Meinung:

    Roland Zingerle nimmt in diesem Krimi das Show-Business ein wenig auf’s Korn. Egal welche Schlagzeilen, Hauptsache überhaupt Schlagzeilen - alles ist gut für’s Geschäft. Auch dass manche Stars ein bestimmtes Image pflegen (lassen) und in WIrklichkeit ganz anders sind, kommt zur Sprache.

    Neben der Hauptfigur Sablatnig begegnen wir wieder seiner Schwester Sabine, die ja Kriminalbeamtin ist und in diesem Entführungsfall ermittelt. Das scheint jetzt ein wenig unglaubwürdig, da sie ja als Schwester befangen sein könnte. Doch die Personaldecke bei der österreichischen Polizei ist dünn, also lassen wir sie ermitteln.
    Auch Beinahe-Freundin Verena Bacher und der Journalist Willi Egger haben wieder ihre Auftritte.

    Wie dann der Drahtzieher ausgeforscht und überführt wird, ist wieder gut gelungen. Auf die Auflösung, warum Heinz Sablatnig diesmal nicht ganz so souverän agiert, müssen die Leser länger warten.

    Gut gefällt mir, dass die traumhafte Kulisse des Wörthersees wieder eine Rolle spielen darf.

    Fazit:

    Ein Kärnten-Krimi, der das Showbusiness und die „Starnacht am Wörthersee“ ein wenig auf die Schaufel nimmt. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

  • Die Bildermacherin und der böse Wolf von Christiane Omasreiter; Kathrin Scheck

    In diesem zweiten Krimi kehrt die Bildermacherin, wie Amalia im Dorf genannt wird, endgültig (?) nach Pfunders, in die Heimat ihrer Großmutter zurück. Bevor sie sich noch häuslich eingerichtet hat, findet sie die von Wölfen zerfleischte Leiche von Celina, jener Biologin, die gemeinsam mit ihrer Chefin Dr. Sommer, für die Wiederansiedlung von Wölfen in Pfunders und Umgebung einsetzen. Damit hat Celina einen Großteil der Dörfler gegen sich aufgebracht.
    Allerdings ist recht bald klar, dass die Wölfe nicht an Celinas Tod schuld sind.

    Um sich und die dörfliche Neugier von ihrem Privatleben abzulenken, beginnt Amalia sich vorsichtig umzuhören. Immerhin gehört Michl, der Ehemann ihrer besten Freundin Eva, zu jenen Verdächtigen, die mit Celina ein Verhältnis hatten. Als sich dann noch heraus stellt, dass die Tote schwanger war, wird es für Michl, aber auch für Eva eng.

    Meine Meinung:

    Wie schon im ersten Band handelt es hier um einen eher ruhigen Krimi, der durch schöne Sprache, fein gezeichnete Charaktere und Südtiroler Lokalkolorit punktet. Herrlich sind auch die vielen Dialektworte, die passend in den Text integriert sind. Für Leser, die eine Übersetzung dieser Begriffe brauchen, findet sich im Anhang ein ausführliches Glossar.


    Den Autorinnen gelingt es sehr gut, die Südtiroler Lebensart subtil unterzubringen. Da darf natürlich die lebende Dorfzeitung in Form von Nanne, natürlich nicht fehlen. Geschickt werden die Leser auf falsche Spuren gelockt. Lange stehen Michl und Eva im Fokus von Maresciallo Marchetti, einem sympathischen Ermittler, den die Dörfler, wie alle Carabineri abschätzig „Karpf“ nennen. Dass er sich mit Amalia zum Abendessen trifft, wird natürlich genauso beobachtet, wie alles andere im Dorf.

    Letztendlich ist die Auflösung nicht ganz überraschend, aber schlüssig und gut herausgearbeitet.
    EIne Fortsetzung, in dem Maresciallo Marchetti, den das eine oder andere Geheimnis umgibt, eine weiter Rolle spielt, ist für mich gut vorstellbar.

    Fazit:

    Zwischen all den blutrünstigen Krimis und Thrillern ist dieser Krimi ein wahres Lesevergnügen. Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

  • Der kleine Kaiser ist zurück von Romain Puértolas

    Der Autor dieses Buch lässt diesmal niemand geringeren als Napoleon Bonaparte, der zuvor als Eisblock im Meer schwimmt und aufgetaut werden muss, in der Gegenwart aufwachen.

    Diese Idee ist nun nicht wirklich neu, sondern greift nur jene von Timur Vermes („Er ist wieder da“) oder Colette Deluxe („Im Bett mit Marilyn“) wieder auf.
    Anfangs konnte ich über die Missverständnisse, die Napoleon in der für ihn völlig fremden Zeit hat, herzlich lachen. Doch im Mittelteil ist die Geschichte ziemlich langatmig.
    Erst das Ende hat mich wieder ein bisschen versöhnt, allerdings nicht wegen des (angekündigten) Humors, sondern mit der völlig irren Idee, wie man IS-Kämpfer und Terroristen „umprogrammieren“ kann.

    Sprachlich ist das Buch keine Meisterleistung. Rund ein Dutzend Mal wird erklärt, dass Napoleon (also der echte) besonders intelligent war. Immerhin ist es dem Autor in zweiten Hälfte auch aufgefallen, dass der er sich hier mehrfach wiederholt und hier dadurch die Geduld der aufmerksamen Leser strapaziert.

    Leider konnten auch die in den Text eingeflochtenen geschichtlich verbürgten Teile nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Buch nur ein müder Abklatsch von Timur Vermes‘ Idee ist. Den hoch gelobten Humor konnte ich nur rudimentär in kleinen (Cola Light) Dosen finden. Schmunzeln musste ich, dass einige von Napoleons Marotten, wie das Mitschleppen der Badewanne, eingeflossen sind. Ansonsten kann ich dem Buch leider nur mit gutem Willen knappe 3 Sterne geben.