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  • Ein Sohn ist uns gegeben von Donna Leon

    Wie der Titel leicht erahnen lässt, spielt hier eine Adoption eine Rolle. Doch nicht von einem Kleinkind, sondern von einem Erwachsenen, der sich als Nichtsnutz und gierig herausstellt.

    Es ist der betagte Kunsthändler Gonzalo Rodriguez de Tejeda, ein Freund von Brunettis Schwiegervater Orazio Falier und gleichzeitig Paolas Patenonkel, der seinen jungen Liebhaber an Sohnes Statt annehmen möchte. Dass das weder Gonzalos Familie noch seinen Freunden wie Falier gefällt, ist nachvollziehbar. Diesmal ist es Orazio, der bei Brunetti einen Gefallen einfordert - der Commissario soll das Leben des Adoptivsohnes durchleuchten...

    Noch während Brunetti Signorina Elettra die diversen Datenbanken nach Ungereimtheiten im Leben von Attilio durchforsten lässt, sterben Gonzalo und eine betagte Freundin, die zur Verabschiedung des Toten nach Venedig gekommen ist. Purer Zufall??

    Meine Meinung:

    Dieser 28. Kriminalfall für Commissario Brunetti ist bei Weiten nicht so gelungen wie seine Vorgänger. In der langen Reihe des Schaffens von Donna Leon hat es immer wieder Fälle gegeben, die ein wenig geschwächelt haben. Dieser wirkt zusätzlich noch ein wenig lieblos hingeschrieben. Klar, die fesselnden Themen wie Umweltverschmutzung, Mafia, Grundstücksspekulationen, Korruption, Nazi-Vergangenheit oder Kunstdiebstähle sind alle schon behandelt worden. Da kann es nicht mehr viel Neues geben. Was ich aber mehr bedauere ist, dass die spitzigen, amüsanten Wortgeplänkel, sei es mit Elettra oder Paola weitgehend fehlen.
    Auch die Szenen in Vice-Questore Pattas Wohnhaus wirken irgendwie gequält. Ein Achtjähriger, der Pattas Frau beschimpft und ihr die Schultasche aufs Schienbein drischt, und Patta reagiert hilflos. Das ist nicht leicht zu verstehen.

    In den Brunetti-Krimis steht im allgemeinen nicht die Jagd nach dem Täter im Vordergrund, sondern eher die Philosophie der Hintergründe. Diesmal liegen sie so klar und eindeutig vor, sodass es mir wenig Spaß gemacht hat, das Buch zu lesen. Brunetti scheint langsam auch zu altern, denn er liest seinen Euripides noch viel lieber als sonst. Alles wirkt ein wenig retardiert auf mich. Venedig
    ist auch nicht mehr das, was es einmal war: Sogar die Blumenhandlung Biancat, in der Sowohl Brunetti als auch Signorina Elettra die schönsten Blumen kauften, musste einem Souvenirladen weichen.

    Fazit:

    Leider nicht so amüsant wie die meisten seiner Vorgänger. Dieser 28. Fall hat mich enttäuscht zurückgelassen, daher nur mit Nachsicht 3 Sterne. Schade!

  • Tödliche Tatsachen von Rhys Bowen

    Als in Llanfair alle Schafe vorsorglich wegen der Maul- und Klauenseuche getötet werden sollen, flüchtet Evan Evans, der sympathische Dorfpolizist, nach Swansea. Er kann es nicht mitansehen, wie seine Mitbewohner um ihre Existenz gebracht werden sollen und er müsste hier mit der vollen Härte des Gesetzes einschreiten. So nimmt er sich den längst fälligen Urlaub und reist mit seiner Verlobten Bronwen vorerst einmal zu seiner Mutter. Die lebt nach dem gewaltsamen Tod ihres Ehemannes Robert einsam und zurückgezogen in ihrem Haus. Gleich bei der Ankunft erfährt Evan, dass Tony Mancini, der Mörder seines Vaters, der nach der Verbüßung seiner Jugendstrafe wieder auf freiem Fuß ist, beschuldigt wird, Alison ermordet zu haben.

    Viele Kollegen von Robert Evans haben die Strafe als viel zu gering erachtet und wollen Tony, wenn schon nicht hängen, so doch lebenslänglich hinter Gittern sehen. Diese Einengung der Sichtweise lässt die Polizisten nur in eine Richtung ermitteln. Eine andere Möglichkeit wird nicht einmal ansatzweise auch nur erwogen.

    Evan hat nach einem Gespräch mit dem Angeklagten Zweifel an der Schuld Mancinis. Deshalb beginnt er auf eigene Faust zu ermitteln. Anfangs lässt ihn die örtliche Polizei aus Respekt Robert Evans gegenüber seine Nachforschungen anstellen. Doch als Evan herausfindet, dass Alison nicht so ganz der strahlende Engel war, als der sie immer dargestellt wurde, und er seine gewagte Hypothese erläutert, reagieren die Kollegen zurückhaltend bis unwirsch. Alisons Vater ist nämlich einer der größten Arbeitgeber in einer von hoher Arbeitslosigkeit geprägten Gegend und will für das Bürgermeisteramt kandidieren. So jemanden kann man doch nicht mit solchen konfusen Verdachtsmomenten konfrontieren, oder?

    Meine Meinung:

    Abseits von Llanfair und seinen schrulligen Bewohner verliert der Krimi leider ein bisschen etwas von seiner Authentizität. Zwar erfüllen Evans Mutter und auch die Eltern von Bronwen ähnlich schräge Vorlagen, doch sind sie nicht ganz so humorvoll. An Stelle der nervigen Betsy tritt Evans Ex-Freundin Maggie, die ähnlich penetrant ist. Strafverschärfend kommt noch hinzu, dass Evans Mutter Maggie seinerzeit für oberflächlich und ganz unpassend für ihren Sohn gehalten hat, jetzt aber doch willkommen zu sein scheint. Mrs. Evans lehnt nämlich Bronwen als hinterwälderlisch ab, weil sie gerne walisisch spricht und in der Dorfschule unterrichtet. Dass Bronwen eigentlich aus einer angesehenen Familie kommt, erfährt Muttern erst später.

    Das Klischee der ekelhaften Schwiegermutter auf beiden Seiten ist für meinen Geschmack ein bisschen zu dick aufgetragen.
    Natürlich „muss“ sich Bronwen in die Ermittlungen einmischen! Gerne hätte ich sie mit blauer Borstenfrisur gesehen.

    Nachdem der Fall durch Evan Evans Intuition, zwar nicht zur Freude der Polizei von Swansea, gelöst worden ist, erwarten Evan und Bronwen bei seiner Rückkehr nach Llanfiar ein paar Neuigkeiten, die uns auf Band 8 „Cottage mit Mord“ neugierig machen.

    Meiner Ansicht nach „lebt“ diese Krimi-Reihe von den schrägen Charakteren wie den beiden Pfarrersfrauen, die sich ständig zu übertrumpfen versuchen, oder Eimer-Barry oder ähnlichen. Das Lokalkolorit, allen voran der Pub, in dem Betsy arbeitet, und die Landschaft fehlen auf Grund des Ortswechsels in diesem Buch natürlich.

    Fazit:

    Der Ausflug nach Swansea hat Bronwen und Evan ihrem Ziel, nämlich zu heiraten, näher gebracht, aber die Leser das liebgewonnene Umfeld vermissen lassen. Gern gebe ich 4 Sterne.

  • Dumm gelaufen, Martha von Erwin Kohl

    Lukas Born, suspendierter KHK und nunmehriger Privatermittler, wird von eine jungen, gut aussehenden Notarsgattin beauftragt, ihren verschwundenen Ehemann zu finden. Das ist eine angenehme Abwechslung in seinem eher spartanischen Leben. Denn die Suche nach vermissten Katzen, mit denen er sonst seinen Lebensunterhalt verdient, ist nicht ganz so prickelnd.

    Wenig später finden sein Hund Manolo und er die Leiche des Notars im Wald. Einer betagten Frau, die möglicherweise zweckdienliche Hinweise geben könnte, hat die Polizei wenig Beachtung geschenkt. Born spricht mehrmals mit der Zeugin und ihre Beobachtungen führen ihn zu einem Kollegen und einer Motorradgang.

    Meine Meinung:

    Erwin Kohl ist es wieder gelungen einen fesselnden Krimi zu schreiben, der viele humorvolle Details enthält. Wer den Autor kennt, weiß, dass er sich nicht mit dem Offensichtlichen begnügt. Daher ist klar, dass alle Hinweise auf den Mörder viel zu „aufgelegt“ sind. Die Puzzleteile passen viel zu gut zusammen. Daher muss es anders gelaufen sein.

    Herrlich wieder die Zusammenstellen der SoKo vom Campingplatz. Hund Manolo ist ja überhaupt der heimliche Star. Doch diesmal hat er Konkurrenz durch die Katzen, die ihrer betagten Gräfin entwischen.

    Lukas‘ Noch-Frau spielt diesmal keine so strahlende Rolle als Ermittlerin. Sie kann diesmal froh sein, dass Lukas die heißen Kastanien aus dem Feuer holt. Insgesamt kommt die Polizei nicht gar so toll weg. Zeugenaussagen ignorieren, sich manipulieren lassen, Ermittlungsergebnisse ausplaudern - auweia, da war die Truppe nicht ganz auf der Höhe. Gut, dass es Lukas Born gibt, der auch den einen oder anderen nicht immer ganz legalen Kniff anwenden kann.

    Die Charaktere sind wieder gut gezeichnet, denn alle haben ihre Ecken und Kanten.

    Fazit:

    Wieder ein verzwickter Fall für Lukas Born, der eigentlich wieder als KHK arbeiten sollte. Gerne gebe ich hier 4 Sterne

  • stressbefreit von Su Busson

    Yoga-Lehrerin und Coach Susanne Busson stellt in ihrem neuen Buch einige Thesen abseits des üblichen „Schluss mit Stress“-Themas auf.

    In 5 Kapiteln führt sie interessierte Leser in ihre Ideen ein. Wer nun bereit ist, sich auf diese Entdeckungsreise zu begeben, kann hier nachlesen.

    Stress oder Flow
    Vier Bewusstseinswelten
    Mehr oder weniger Stress
    Das Ende vom Stress
    Weniger denken, mehr sein

    Niemand soll sich mehr dem Stress hilflos ausgesetzt fühlen. Mit einigen, wenn auch manchmal radikal anmutenden Ideen, kann es gelingen, den Druck, den die Arbeit, die Freizeit oder die Familie erzeugt, abzubauen.

    Die Autorin erklärt, wie man mit einfachen Prinzipien und Erkenntnissen, Stress entweder gar nicht entstehen oder schnell wieder abflauen lassen kann.
    Dazu bedient sie sich fernöstlicher Weisheiten und Lebensgewohnheiten. Sie erklärt, wie Ernährung sich ungünstig bzw. günstig auf unser Stressempfinden auswirkt. Dieser Ansatz gefällt mir ganz gut, auch wenn es manchmal nicht einfach erscheint, lieb gewonnene Speisen vom Speiseplan zu eliminieren. Aber, wie heißt es so schön? Probieren geht über studieren.

    Das Buch aus dem Orac-Verlag ist in schöner Aufmachung erschienen. Das Cover in dezentem Weiß mit der goldfarbenen Schrift, hebt sich wohltuend von zahlreichen anderen Ratgebern zum Thema Stress ab. Es wirkt reduziert, beinahe asketisch und lässt den Leser sich auf das Wesentliche konzentrieren.

    FAzit:

    Ein etwas anderer Ratgeber zum Thema „Ist Stress notwendig?“ Folgen wir lieber der Freude - da haben alle etwas davon. Gerne gebe diesem Buch 4 Sterne.

  • Lebensklänge von Milan Turkovic

    Milan Turković ist ein bekannter Dirigent und begnadeter Solist an einem eher ungewöhnlichen Instrument, dem Fagott.

    In dieser Biografie beschreibt er seine Herkunft und aus dem Leben seiner Mutter, die mehrmals der Kollaboration bezichtigt wurde und aus dem damaligen Jugoslawien flüchtete.

    In vielen Anekdoten erfahren wir, was ihn geprägt hat und wie er das Fagott kennen und lieben gelernt hat.
    Einen großen Teil nimmt seine Arbeit bei den Wiener Symphonikern (nicht zu verwechseln mit den Wiener Philharmonikern), die Zusammenarbeit mit Musikgrößen wie Nikolaus Harnoncourt ein. “

    Wir erfahren, dass sein Leben nicht nur eine Sonnen- sondern auch eine Schattenseite hat.

    Dieses Buch habe ich gerne gelesen, da es einen dezenten Einblick in das Leben anderer Menschen gibt, der niemals voyeuristisch ist. Milan Turković ist ein stiller, genauer Beobachter. Seine Ausdrucksweise ist gepflegt und gebildet.

    Eine Vielzahl von auch höchst privaten Bildern bereichern diese gediegen ausgestattete Buch, das als Geschenk für Musikfreunde bestens geeignet ist.

    Fazit:

    Dieses Buch ist ein schönes Stück Zeit-, Familien- und Musikgeschichte, dem ich gerne 5 Sterne gebe.

  • Blut. Rausch. Gift. von Liv Morus

    Dieser Krimi von Liv Morus ist der vierte aus der „Elysium-Reihe“.

    Diesmal kommt die Liebesgeschichte zwischen Henri Wieland und Elisa Gerlach zur Unzeit ans Tageslicht. Denn Henri ist mit zwei Mordfällen ordentlich beschäftigt. Der eine, ein Doppelmord in einer Tischlerei und der andere ein Giftmord mitten auf dem Münchner Oktoberfest.

    Vor allem der „Wiesn-Mord“ hält die Polizei auf Trab. Wem hat der Schierlingsbecher gegolten? Dem Mordopfer oder doch dessen Ehefrau? Ein Einzelfall oder müssen sich die Besucher des Oktoberfest vor vergifteten Bierkrügen fürchten?

    Elisas Chef, der seine Mitarbeiterin schon seit längerem als seine Beute sieht, ist recht ungehalten, dass Elisa mit Henri zusammen ist, aber trotzdem keine Polizei-Interna ausplaudert. Solche Skrupel kennt Kollegin Jette nicht, die sich eines Maulwurfs im Polizeipräsidium bedient, um an Informationen zu kommen.

    Letzten Endes können beide Verbrechen durch akribische Polizeiarbeit aufgeklärt werden. Und nicht nur das, sondern die Recherchen von Elisa zum Thema „Schierlingsbecher“ fördern noch die Lösung in einem bislang unaufgeklärten, länger zurück liegenden Mordfall zu Tage.

    Meine Meinung:

    Ich kenne ja alle drei Vorgänger und deshalb erzeugt dieser Krimi ein Gefühl des „Nach Hause Kommens“. Jetzt, wo alle, auch Henris Mutter wissen, dass die beiden ein Paar sind, kann sich die Beziehung stabilisieren und entwickeln. Im Gegensatz zu mancher Polizisten-Ehe, die an den unregelmäßigen Arbeitszeiten der Ermittler scheitert, kann es hier gut gehen, da auch Journalisten eher im „stand by“-Modus leben.

    Der flüssige und lockere Schreibstil hat mich manchmal schmunzeln lassen. Die Bemühungen von Henri und Elisa, ihre Beziehung vor Henris Mutter geheim zu halten, ist schon stellenweise witzig gewesen, zumal die beiden ja im selben Haus wohnen.

    De Mischung aus Privatleben und Ermittlung ist gut gelungen. Das Berufsleben beider wird gut dargestellt.

    Der Krimi selbst enthält einige überraschende Wendungen.

    Fazit:

    Eine gut gelungene Fortsetzung dieser Krimi-Reihe, der ich gerne 5 Sterne gebe.

  • Stille Havel von Tim Pieper

    Als der Kunstexperte Helmut Lothroh erschlagen unter Bauschutt im Park von Sanssouci aufgefunden wird, ahnen die Ermittler noch nicht, in welche Abgründe sie dieses Mordopfer führen wird.

    Der Tote hat sich auffallend für ein Gemälde im Museum Barberini interessiert, das eine Witwe mit verschleiertem Antlitz zeigt. Niemand weiß, wer diese Frau ist. Die Ermittlungen gestalten sich ein wenig mühsam, da die Zeugen oder Verdächtigen alles samt wenig kooperieren. Und Verdächtige gibt es viele. Sei es ein Antiquitätenhändler, dessen Kundschaft auffällig an Nazi-Devotionalien interessiert sind oder eine Museumsdirektorin die in Internet-Foren ihren jüdischen Mädchennamen und im gesellschaftlichen Leben Berlins einen anderen führt. Und dann ist da noch Marie Hellström, die einer herrschaftlichen Villa an der Havel wohnt, die das Mordopfer mehrmals fotografiert hat. Was hat sie mit Helmut Lothroh zu tun?

    Richtig Schwung kommt in die Ermittlungen, als Marie auf dem Foto des Bildes mit der geheimnisvollen, verschleierten Frau ihre Großmutter erkennt. Und welche Rolle spielt die seltene Goldmünze?

    Meine Meinung:

    Wie wir es von Tim Pieper gewöhnt sind, sind einfache Charaktere oder Handlungsstränge seine Sache nicht. Der Krimi spielt auf zwei Zeitebenen.

    Diesmal tauchen wir tief in die Zeit der Nazis ein, in der Propagandaminister Joseph Goebbels das Filmstudio UFA in Babelsberg fest in seiner diktatorischen Hand hält: Kein Filmstoff, kein Drehbuch, kein Regisseur oder Schauspieler kann ohne sein Placet auskommen. Er missbraucht seine Macht und zwingt Schauspielerinnen ihm zu Willen zu sein. Wer ihm nicht gehorcht, hat keine Chance am Set und wird verfolgt. Dass die „Besetzungscouch“ auch heute noch nicht ausgedient hat, beweisen Anklagen und Berichte diesseits und jenseits des Atlantiks.

    Gekonnt verknüpft der Autor geschichtliche Fakten und Personen mit Fiktion. Dabei werden die historischen Details völlig unaufgeregt in die Handlung eingebettet, so dass bei den Leser niemals der Gedanke aufkommt, gerade eben Geschichtsunterricht zu erhalten. Da mag ich an Tim Piepers Art zu schreiben, besonders.

    Auch die Charaktere sind alles ander als einfach. Da haben wir einmal KHK Toni Sanftleben selbst: ein trockengelegter Alkoholiker, der immer auf der Hut sein muss, nicht wieder dem Dämon Alkohol zu erliegen. Sein Privatleben ist ein Trümmerhaufen, seit ihn seine Frau verlassen und der gemeinsame Sohn in Amerika lebt. Ein Lichtblick in seinem Leben ist Staatsanwältin Caren Winter, zu der er sich hingezogen fühlt. Diesmal taucht mit Marie Hellström eine neue Frau auf, die ihm interessant erscheint. Wie wird er sich entscheiden? MArie oder Caren heißt das Match.

    Sein Mitarbeiter Phong, ein EDV-Freak ist ebenfalls ein schwieriger Charakter. In den Vorgängerbänden hat er sich mit Junkfood und Süßem vollgestopft. Jetzt hat er zwar abgespeckt, aber die Kost aus teilweise blutigem Fleisch, hat sein Wesen nachhaltig verändert. Er ist anmaßend, präpotent und gebärdet sich wirklich unmöglich.

    Auch die Täter, Opfer und/oder Verdächtigen sind gut gezeichnet. Die Mitglieder der Familie Hellström zum Beispiel oder die Direktorin des Museums. Manche Figuren sin sehr zwiespältig angelegt und polarisieren bei den Lesern. Einige, wie Lydia, muss man im Kontext der Zeit und der Lebensumstände betrachten. Hier muss man aufpassen, diese Personen nicht mit dem Wissen von heute über die Nazi-Zeit zu beurteilen.

    Die Leser werden durch unterschiedliche Hypothesen auf so manche falsche Fährte gelockt. Doch eines ist bald klar: Es geht um viel Geld.

    Fazit:

    Ein Krimi, der bis zur letzten Seite fesselt und durch aufwändige Recherche besticht. Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

  • Teufelskrone von Rebecca Gablé

    Rebecca Gablé, Mutter aller Mittelalterromane entführt ihre Leser in die Zeit von Richard Löwenherz und seinem Bruder John Ohneland.

    Wir begleiten ein weiteres Brüderpaar durch die Jahre: Guillaume und Yvain von Waringham. Weil deren Vater sowohl bei Richard als auch bei John in der Gunst stehen will, ist findet sich Guillaume der ältere sich an Richards Hof wieder und Yvain verbringt seine Pagen- und Knappenzeit an Johns Seite.

    Der Bruderzwist im Haus Plantagenet ist so etwas wie der rote Faden durch das 928 Seiten starke Buch. Selbst Jahre nach Richards Tod, besteht die Feindschaft weite, da es Ritter gibt, die lieber Richards als Johns Gefolgsleute waren.

    Meine Meinung:

    Mit diesem 6. Band ist Rebecca Gablé wieder ein opulenter Mittelalterroman gelungen. Mir hat dieses Buch wieder sehr viel besser gefallen als „Der Palast der Meere“. Vielleicht weil mir Richard und John einfach bekannter sind?
    Wie immer flicht die Autorin gekonnt historische Details und Informationen zur Lebensweise im Mittelalter ein. Sehr spannend ist auch die Rolle des Papstes und der Kirche in diesem Jahrhundert. Während des Interdikt durften keine Messen gelesen und Tote christlich bestattet werden. Ich denke, das ist in der mittelalterlichen Welt der Menschen doch ein einschneidendes Erlebnis.

    König John wird als charakterlich schwierig dargestellt. Seine Paranoia, gepaart mit dem enormen Alkoholkonsum macht ihn unberechenbar. Die Unverfrorenheit mit der er die Verlobte eines anderen Königs heiratet, mit der er die Untertanen ausbluten lässt - auf den Schlachtfeldern genauso wie wirtschaftlich - ist authentisch dargestellt. Die Grausamkeiten, die John sein ganzes Leben begleiten, sind für uns heute kaum vorstellbar. Einfach die 28 Söhne von Rittern, die ihm als Geiseln überlassen worden sind, umzubringen, nur weil er sich von einem der Väter verraten glaubt?

    Sympathieträger wird John nicht mehr. Anders dagegen Yvain, der als zweitgeborener Sohn ebenfalls nur die Brosamen, die der älteren Bruder und Erbe überlässt, erhält, wirkt er auf mich jedenfalls aufrichtiger. Auch wenn er Amabel, die Frau seines Bruders liebt und damit Guillaume hintergeht.
    Lange Zeit hält er John unbedingt die Treue. Selbst als John seinen Neffen Arthur 1203 (vermutlich) eigenhändig ermordet hat, steht Yvain zu seinem König. Erst als Yvain von John zum wiederholten Male des Verrats bezichtigt wird und William Brasoe sowie seine Mutter Maude im Kerker verhungert sind, ändert Yvain langsam seine Meinung.

    Im Roman hat er auch einen großen Anteil an der Entstehung der „Magna Carta“, die die Barone dem König 1215 abgerungen haben. Besonderes Augenmerk wird hier dem Artikel 39 geschenkt:

    „Kein freier Mann soll verhaftet, gefangen gesetzt, seiner Güter beraubt, geächtet, verbannt oder sonst angegriffen werden; noch werden wir ihm anders etwas zufügen, oder ihn ins Gefängnis werfen lassen, als durch das gesetzliche Urteil von Seinesgleichen oder durch das Landesgesetz.“

    Dieser Artikel gilt natürlich nur für „freie Männer“, also Adelige. Der Großteil der Bewohner Englands in dieser Zeit sind Leibeigene, mit denen weiterhin nach Gutdünken verfahren werden durfte.

    Wirklich rechtskräftig wird die „Magna Carta“ erst einige Jahre nach Johns Tod, 1225.

    Der Schreibstil ist wie immer opulent und detailreich. Die Charaktere polarisiern häufig. Keiner ist vollkommen böse oder gut.

    Ein ausführliches Nachwort erklärt Fakten und Fiktion.

    Fazit:

    Ein dicker historischer Roman, in den ich für viele Lesestunden abgetaucht bin. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

  • Von Mussolini zu Salvini von Lorenz Gallmetzer

    Seit ich mich erinnern kann, ist Italien das Land der Regierungskrisen. Kaum ein Jahr, in dem nicht eine oder mehrere Regierungen ihren Platz räumen musste. Waren es früher Namen wie Aldo Moro, der von den Roten Brigaden entführt und ermordet wurde, Giulio Andreotti oder Bettino Craxi, so sind in der jüngsten Vergangenheit nach Silvio Berlusconi nun die von Beppe Grillo und Matteo Salvini.
    Dass diese recht eigenwillige Koalition von Nationalpopulisten und der Antisystem-Bewegung „Movimento 5 Stelle“ gescheitert ist, ist nicht verwunderlich.

    Woran krankt es in Italien?

    Einerseits ist der Faschismus unter Mussolini nie aufgearbeitet worden, sodass sich das Gedankengut bewahrt hat. Denn anders als Hitler hatte Mussolini keine
    Rassenwahnideologie im Kopf sondern „nur“ Rhetorik.

    „Der Ur-Faschismus kann in seiner unschuldigsten Form Verkleidung wieder auftreten. Wir haben die Pflicht, ihn zu entlarven und jedes seiner neueren Beispiele kenntnlich zu machen - an jedem Tag, an jedem Ort der Welt.“ (Umberto Eco, S. 97)

    Andererseits ist niemals ernsthaft versucht worden, die Gräben zwischen Nord- und Süditalien zu überbrücken. Im Gegenteil, in den letzten Jahren sieht es so aus, als ob sich dieses wirtschaftliche Auseinanderdriften noch beschleunigt hat. Bei einer Jugendarbeitslosigkeit von 32% im Norden bzw. 50% im Süden, ist es nur logisch, dass hier Zukunftsängste bekräftigt werden. Die rechtspopulistischen Parteien schüren mit ihrer Propaganda diese Furcht noch extra: Gegen die sogenannten Eliten, gegen Intellektuelle, gegen die EU, gegen Ausländer und Flüchtlinge.

    Dass der größte Teil des Übels hausgemacht ist, verschweigen Parteien wie die Lega geflissentlich. Sie profitieren von der Korruption, der Bürokratie und auch der langsamen Justiz, der Personal an allen Ecken und Enden fehlt.

    Ich kann Lorenz Gallmetzer hier nur zustimmen, wenn er meint, dass sich auch die nächste Regierung nicht dazu entschließen wird, mit Korruption und Bürokratismus aufzuräumen.
    Auch wenn Salvini derzeit nicht in der Regierung sitzt, zieht er fleißig im Hintergrund an den Fäden, denn viele seiner Getreuen sind nach wie vor im Parlament vertreten.

    Ich fürchte, ähnlich wie der Autor, dass einer Rückkehr Matteo Salvinis wenig entgegenstehen wird. Es sei denn, die aktuelle Regierung schafft es in kurzer Zeit, die wichtigsten Reformen wenigstens einzuleiten.

    "Die großen Reformen zur Bekämpfung der Bürokratie und der Korruption, zur Sanierung der maroden Infrastruktur, zur Modernisierung des Landes sind jedenfalls nicht in Sicht." (S. 189)

  • Nordseenebel von Heike Denzau

    „Nordseenebel“ ist der Auftakt zu einer neuen Krimi-Reihe rund um Rapahel Freersen von Krimi-Autorin Heike Denzau.

    Raphael Freersen, knapp über dreißig, ist das schwarze Schaf der Familie des sogenannten „Kaffee-Königs“. Er ist das Gegenteil seines Zwillingsbruders Johannes. Während der als Pastor seine Familie mit Stolz erfüllt, hat Raph nur Wein, Weib und Autos im Kopf. Nachdem er nun die letzte Chance, im Familienunternehmen Fuß zu fassen, versemmelt hat, dreht ihm der Vater und Firmenchef den Geldhahn zu.
    Da kommt ihm das Erbe seines Onkels Georg Rickmers, eine kleine Detektei und ein halbes Haus (die andere Hälfte erhält Johannes) gerade recht. Zwar würde er angesichts des Chaos in Haus und Büro beides gerne verkaufen, doch dann weckt ein ungelöster Fall sein Interesse.

    Gemeinsam mit Ava und Imme, den beiden Bürokräften der Detektei beginnt er zu „ermitteln“. Dazu bedient er sich erstens dem seit Kindheit an gepflegten Spiel, dass Zwillingsbrüder die Rollen tauschen, und manche nicht ganz Gesetzes konforme Recherche.

    Kaum ist eine Frage halbwegs beantwortet, tauchen zwei neue auf. Als Tüpfelchen auf dem I, entdeckt er, wie skrupellos sein Vater sein kann, wenn es um die Firma oder die Familie geht.

    Meine Meinung:

    Mit Raphael Freersen hat die Autorin einen Ermittler geschaffen, der alles andere als perfekt ist. Ohne Kenntnisse der Materie eine Detektivbüro zu übernehmen erscheint waghalsig. Zu Beginn ist Raph ja so gar nicht davon überzeugt, in Onkel Georgs Fußstapfen zu treten. Doch langsam entwickelt sich so etwas wie Ehrgeiz, den offenen Fall aufzuklären. Wie lange das anhält, oder ob das Ganze nur eine Art Strohfeuer ist, wird die Zukunft zeigen. Denn bisher scheint Raph, trotz seines Alters, ziemlich unbekümmert durchs Leben zu gehen. Nun lernt er Menschen wie Ava kennen, denen das Schicksal übel mitgespielt hat.
    Zu Beginn ist mir der Schnösel ein wenig unsympathisch gewesen, doch das hat sich im Laufe des Lesens geändert. Die Figur ist gekonnt blauäugig, zeitweise tollpatschig dargestellt. Doch das Aufschlagen in der Realität des Geld für den Lebensunterhalt verdienen zu müssen, setzt bislang unvermutete Eigenschaften frei.
    Dabei helfen ihm verschiedene andere Mitwirkende. Da sind zum einen Imme und Ava zu nennen, oder auch Sina oder die beiden Putzfrauen, die ziemlich skurril wirken. Ha, da fällt mir auf, dass es hauptsächlich Frauen sind, die Raph in seiner Charakterentwicklung unterstützen.

    Nachdem es sich hier um den Auftakt einer Krimi-Reihe handelt, sind noch nicht alle Geheimnisse rund um die Zwillingsbrüder gelüftet.

    Die Handlung enthält kleinere und größere Rätsel, die es zu entschlüsseln gilt. Immer wieder gibt es überraschende Wendungen, so dass dem Leser nicht langweilig wird.

    Der Schreibstil ist locker und flüssig.

    Fazit:

    Für diesen Reihen-Auftakt, der mich gut unterhalten hat, gebe ich gerne 4 Sterne.