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Bewertungen von Leser/innen

  • Beethoven von Kirsten Jüngling

    Diese Biografie gibt uns einen detailreichen Blick auf das Leben Ludwig van Beethovens. Sie bereitet die Leser auf die Flut von Büchern, die zu Beethovens 250. Geburtstag 2020 erscheinen werden.

    Ludwig wird 1770 in Bonn geboren. Vater Johann erkennt bald das musikalische Talent seines Sohnes und ermöglicht ihm eine fundierte Ausbildung. Allerdings ist Johann van Beethoven ein schwerer Alkoholiker. Dass dies in einer Zeit von chronischem Alkoholabusus erwähnt wird, sagt eigentlich alles. Natürlich prägt diese Kindheit einen Menschen. Dazu kommt, dass Ludwig in einer höchst dramatischen Zeit lebt: 1789 Revolution in Frankreich, 1793 werden König Louis XVI. und Königin Marie Antoinette geköpft, bis 1815 überzieht Napoleon ganz Europa mit Kriegen.
    Da ist es erstaunlich, dass überhaupt Platz für Kunst und Kultur sein kann.
    Ludwig hat nie gelernt mit Geld umzugehen und damit ist er ebenfalls ein Kind seiner Zeit. Schulden machen ist en vogue - Was kostet die Welt? Morgen schon kann alles vorbei sein!

    Auch das unstete Leben ist typisch für seinen bürgerlichen Stand und die Epoche. Als Künstler muss er dorthin reisen, wo seine Mäzene leben. Er wird von zahlreichen Adeligen finanziell unterstützt. Er lernt die Créme de la Créme des kulturellen Lebens kennen: Haydn, Albrechtsberger, Salieri, Goethe oder die Brentanos.

    Meine Meinung:

    Ich mag grundsätzlich Biografien, die viele geschichtliche Details enthalten, die aus Briefen zitieren. Doch das eine oder andere Mal war es mir fast zu viel. Da werden zusätzliche Anmerkungen, die reine Nebenfiguren betreffen, in Klammer oder zwischen Bindestriche gesetzt.

    Die aufwändige Recherchen der Autoren und das daraus gewonnene Wissen erschlagen den Leser beinahe. Nicht alles, was der Schriftsteller weiß, muss so detailliert an den Mann (Frau) gebracht werden.
    In insgesamt 27 Kapiteln zeichnet Kirsten Jüngling ein eher düsteres Bild des Komponisten.

    Der erbitterte Rechtsstreit um die Vormundschaft über seinen Neffen Karl füllt viele Seiten. Hier wird jede Menge Schmutzwäsche gewaschen. Das Motiv, seinem Neffen eine adäquate Erziehung angedeihen zu lassen, erscheint mir hier ein wenig vorgeschoben bzw. dann in einem Justament-Standpunkt zu enden. Gut hat mir gefallen, dass hier historische Details genannt werden, die sonst eher unbekannt wären: Zum Beispiel die unterschiedliche Gerichtsbarkeiten, die eine für die Adeligen, die andere (der Magistrat) für die Bürger.

    Die zahlreichen echten oder angedichteten Liebschaften finden zwar Erwähnung, aber ganz erschließt sich mit Beethovens Verhältnis zu den Frauen nicht.

    Einigen Lesern wird vielleicht unbekannt sein, dass es so etwas wie das Urheberrecht zu Beethovens Lebzeiten noch nicht gegeben hat. So konnte jeder – auch der Großmeister selbst – bei anderen Komponisten „abkupfern“. Musikverlage konnten die Notenblätter der Werke verkaufen, ohne dass der Schöpfer auch nur einen Cent an Tantiemen erhalten hätte – heute unvorstellbar.

    Ähnlich wie das Buch von Eleonore Büning „Reden wir über Beethoven“, hat mir ein wenig die Leichtigkeit in dieser Biografie gefehlt.
    Leider gibt es auch eine Reihe von Tippfehlern (z.B. „Geschäftsgebahren“ S.193), die mein Lesevergnügen ein wenig gestört haben.

    Fazit:

    Eine sehr detailreiche Biografie, der es ein wenig an Leichtigkeit fehlt. Dennoch gebe ich 4 Sterne, denn die viele Recherchearbeiten sollen auch belohnt werden.

  • Haben schon alle abgestimmt? von Eugen A. Freund

    Als der ORF-Moderator Eugen Freund unfreiwillig in die Pension geschickt wird, ist für ihn noch lange nicht Schluss. Er lässt sich als Spitzenkandidat der Sozialdemokraten Österreichs für die Europa-Wahl 2014 aufstellen und erhält als einer von 18 Vertretern Österreichs einen Sitz im EU-Parlament.

    Dieses Buch beschreibt seinen Werdegang zum Politiker und welche Herausforderungen die neue Position nach sich gezogen hat.

    Eugen Freund erzählt über seine Erfahrungen manchmal mit Augenzwinkern, manchmal blitzt ein wenig der Frust zwischen den Zeilen durch. Die Bilanz scheint ein wenig durchwachsen zu sein. Auf der einen Seite die unterschiedlichen Interessen der Mitgliedsstaaten unter einen Hut zu bringen und andererseits das Interesse der Menschen in den Heimatländern an der Arbeit der EU-Parlamentarier zu wecken. Als Bewährungsprobe sieht der Autor das Jahr 2015 und seine Flüchtlingssituation, die die Grenzen der europäischen Solidarität deutlich aufgezeigt hat.

    Dass es zwischen den Abgeordneten mehr Solidarität als zwischen den Ländern gibt, zeigt die nette Geschichte, wie Freund als Babysitter einspringt, als die Kindesmutter einen Vortrag hält (S.140/141). Wer hätte das gedacht?
    Das eine oder andere Schmankerl aus dem Inneren des EU-Parlaments findet sich auch in diesem Buch. Einige Kapitel sind mit einer knappen Seite (Papst-Besuch S. 60) recht kurz, in anderen werden einzelne Reden wortwörtlich abgedruckt.

    Fazit:

    Ein kurzer Rückblick auf eine Abgeordneten-Periode im EU-Parlament von dem ich mir etwas mehr erwartet habe. Daher nur 3 Sterne.

  • Hüttenkatz von Kaspar Panizza

    Eigentlich kann Steinböck diesem Klassentreffen nicht wirklich etwas abgewinnen. Nach 30 Jahren ein Wiedersehen und noch dazu auf einem Berg, der ihm die Aussicht auf den Gardasee versperrt? Nun gut, er fährt doch, Frau Merkel heimlich im Gepäck.

    Die Teilnehmer sind ziemlich überrascht, dass Elias, der seit 30 Jahren als tot gilt, als Initiator des Klassentreffens persönlich auftritt. Man hat sich einige zu erzählen. Die Wiedersehensfreude währt nicht lange, denn am nächsten Morgen sind Elias und Florian tot. Ermordet in der Sauna. Steinböck und Frau Merkel müssen anfangs ganz ohne das bewährte Team von Emil Mayer jr. und Ilona auskommen, weil ein Unwetter zu einem Stromausfall führt und die Berghütte von der Umwelt abgeschlossen ist.

    Zum Glück funktioniert die Materialseilbahn wieder und die Vorhut erscheint in Form von Emil Mayer jr. samt Rollstuhl und dem Kollegen von der Spusi.

    Warum wurden Elias und Florian ermordet? Wer ist das eigentliche Opfer, wer der Kollateralschaden? Noch bevor es eine entscheidende Spur gibt, stirbt der nächste Teilnehmer. Ist Steinböck auch in Gefahr?

    Meine Meinung:

    Autor Kaspar Panizza ist wieder ein kolossaler Regional-Krimi gelungen! Diesmal gibt es noch jemanden, der die Katze sprechen hört, ihre Statements aber nicht wirklich einordnen kann.

    Der Krimi besticht durch viele falsche Fährten, Sackgassen und überraschende Wendungen, so dass der Leser ziemlich an der Nase herumgeführt wird. Die Auflösung ist dennoch schlüssig. Obwohl das Setting, einsame Berghütte ohne Verbindung zur Außenwelt und einige Tote schon mehrfach beschrieben worden ist, findet sich die eine oder andere neue Facette.
    Wie heißt es doch so nett bei Wilhelm Busch? „Dieses war der erste Streich und der zweite folgt sogleich.“ Hier müsste es wohl heißen: „Dieses ist die erste und zweite Leich‘ und die dritte folgt sogleich!“ .

    Gut gelungen sind wieder die sozialkritischen Aspekte, die hier angebracht sind.

    Die Charaktere sind wieder ausgesprochen gut gelungen. Köstlich auch die Szenen mit der Modenschau! Steinböck in Tracht und Frau Merkel, die als „Drogenspürkatze“ eingeführt, einige Personen hektisch am Smartphone herumwischen lässt.

    Fazit:

    Wieder ein fesselnder Krimi, der mit seinen eigenwilligen Protagonisten punktet. Ich freu‘ mich schon auf Fall 5. Vorab natürlich wieder 5 Sterne für Frau Merkel & Co.

  • Alles gut?! von Andreas Sator

    Ich habe bereits einige Bücher zu den Themen Nachhaltigkeit, Klimakrise, Globalisierung etc. gelesen. Die meisten Autoren haben hierbei einen missionarischen Eifer entwickelt und die Ratschläge sind häufig nicht leicht in den Alltag berufstätiger Frauen integrierbar. Dieses Buch ist anders!

    Der junge österreichische Journalist Andreas Sator betrachtet die Dinge von beiden Seiten. Er hinterfragt neugierig das Wirken von Platzhirschen am Öko-Himmel wie „Fair Trade“. Sind die wirklich so fair zu ihren Vertragspartnern, wie sie uns vorgaukeln? Oder vielleicht doch nur ein „Öko-Schmäh“? Der Autor setzt sich sachlich kritisch mit dem Wirken von NGOs und Entwicklungshilfe auseinander. Er führt dazu pro und kontra an.

    In acht Kapiteln beschäftigt er sich auch mit seinem eigenen Einkauf- und Konsumverhalten. Er nimmt es streng unter die Lupe. Nach jedem Kapitel folgt ein Resumée mit folgenden Fragen/Anmerkungen:

    Was ich gelernt habe
    Wie du dich informieren kannst
    Was du machen kannst

    Und alles ganz ohne den Lesern ein schlechtes Gewissen einimpfen zu wollen, wie das viele tun.

    Die Überschriften zu den acht Kapiteln lauten übrigens:

    Beim Einkaufen die Welt retten? Es ist kompliziert.
    Ich habe eine Idee: Wie Österreich reich wurde.
    Warum es immer noch extreme Armut gibt
    Fast alles auf der Welt wird immer besser
    Die Politik rette die Welt: Einige Vorschläge
    So mache ich im Alltag einen Unterschied
    Der Kampf gegen die Klimakrise ist zentral
    Und jetzt? Was ich von diesem Buch mitnehme

    Bei seinen Recherchen ist er immer wieder auf Widersprüche und Probleme gestoßen, die er auch beim Namen nennt. Dennoch klingt das Buch optimistisch und ermuntert die Menschen einen kleinen Schritt in die richtige Richtung zu tun. Der Schreibstil ist eingängig, macht nachdenklich ohne zu belehren. Das möchte ich wirklich nochmals anmerken. Hier gibt es keinen erhobenen Zeigefinger, der die wohlhabenden Menschen verteufelt, weil sie mehr Klamotten kaufen, als sie je brauchen. Ich für meinen Teil, überlege, ob ich wirklich das fünfte schwarze T-Shirt brauche. (wahrscheinlich reichen sogar drei)

    Sehr gut gefallen mit die Hinweise auf weiter führende Literatur, die im Anhang aufgelistet sind.

    Fazit:

    Ein aufschlussreiches Buch für alle jene, die sich fragen, ob sie als Einzelne etwas ändern können? Yes, you can! Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung!

  • In seinem zweiten Fall für den Elsässer Mordermittler Antoine Sturni präsentiert Autor Stefan Böhm gleich mehrere Themen: Zum einem der ambivalente Umgang mit Atomstrom in Frankreich, dem Schicksal der Immigranten und der sehr patriotischen Haltung im Elsass.

    Sturni wird von seinem Chef nach Paris „weggelobt“, um in einer Gruppe von verschiedensten Ermittlern eine Untersuchungskommission zu bilden, die einen „Persil-Schein“ für die Atomlobby ausstellen soll. Denn die Atomkraftwerke in Frankreich sind längst nicht so sicher, wie die Betreiber das den Menschen vorgaukeln (wollen). Für viele Franzosen ist es wichtig, dass der Strom billig und stets aus der Steckdose kommt. Sicherheitsbedenken? Nicht bei uns in Frankreich. Schrottmeiler haben die anderen, die Russen, die Japaner usw.. Dass dem doch nicht so ist, und ausgerechnet das Atomkraftwerk im Elsass ein enormes Sicherheitsrisiko birgt, hat die junge ambitionierte Journalistin Zoé Le Coq herausgefunden. Wenige Minuten nachdem sie Sturni höchst brisante Informationen übergibt, wird sie mit ihrem Auto in die Luft gesprengt. Als dann noch die Untersuchungskommission aufgelöst und die Pariser Mordkommission hier nicht ermitteln darf, ist für Sturni klar, dass die Ermordete im Recht war. Und so begibt sich Antoine Sturni auf eine private Recherche. Mit von der Partie sind die Mitglieder seiner WG Sophia, Saba und Abdel.

    Der zweite Handlungsstrang um die algerischen Immigranten Saba und Abdel, die es auf ähnliche Weise nach Paris, der Stadt ihrer Träume verschlagen hat, zeigt die Probleme der illegalen Einwanderer. Besonders Frauen wie Saba sind häufig sexuellen Angriffen durch ihre Arbeitgeber ausgesetzt.

    Der dritte Handlungsstrang ist das komplizierte Privatleben Sturnis. Seit einem Jahr geschieden und mit seiner feschen Sekretärin Margeaux liiert, leidet er unter seiner dominanten Mutter Clothilde. Bei einem Besuch von Margeaux und Clothilde, die auch Sturnis Sohn Christian nach Paris mitbringen, kommt es zum Eklat.

    Meine Meinung:

    Wie schon im letzten Fall wird Sturni ein bisschen hinterwäldlerisch dargestellt, der in der großen weiten Welt verloren wirkt. So ist Antoine aber nicht. Bodenständig ja, er liebt seine Heimat das Elsass sehr und fühlt sich außerhalb anfangs nicht sehr wohl. Er ist durch und durch ein Genussmensch und so kann er über die lukullischen Speisen auch Paris etwas abgewinnen. Trotzdem, ein Gericht mit Elsässer Sauerkraut schmeckt ihm doch noch am besten.

    Autor Stefan Böhm erzählt die Geschichte mit feinem Humor und die Eigenarten einzelner Personen lässt die Leser schmunzeln. Clothilde Sturni ist, wie wir aus Band 1 wissen, sehr, sehr bodenständig, und so trägt sie beim Paris-Besuch Elsässer Tracht und wird für eine Touristenattraktion gehalten. Über diese ihre Empörung habe ich herzlich lachen müssen. Sonst ist die Dame ziemlich nervig. Ihre „Jetzt-komm-ich“-Mentalität ist ziemlich überzogen. Mehrmals müssen sich Antoine und der siebenjährige Sohn für Clothilde genieren. Ich hätte sie ja von den Flics abholen lassen.

    Lachen musste ich auch über die Abreiseszene und die Bahnreise. Der intensive Geruch des Munster-Käses die Mitreisenden aus dem Abteil vertreibt.
    Sehr gut ist die katastrophale Wohnungsnot in Paris geschildert. Da werden klitzekleine Verschläge als Wohnungen vermietet. Denn in Paris entscheidet oft die Adresse, ob man einen Job erhält oder nicht. Eine Innenstadt-Adresse ist hui, eine in den Banlieus pfui.

    Einen Stern muss ich trotzdem abziehen: Einiges wird mehrfach wiederholt. Auch wenn wir Leser manchmal mehrere Bücher parallel lesen, können wir uns Informationen merken. Ich hoffe, dass Clothilde im nächsten Fall, auf den ich mich übrigens freue, ein wenig zurecht gestutzt wird. Ihre Auftritte sind mir persönlich zu dominant.

    Fazit:

    Ein vergnüglicher Krimi mit ernsten Untertönen, dem ich gerne 4 Sterne gebe.

  • Von Tulpen zu Bitcoins von Torsten Dennin

    Von diesem Buch bin ich ein wenig enttäuscht. Es enthält jede Menge Ereignisse des Finanzsektors, aber „Finanzblasen“ im wahrsten Sinne des Wortes kommen eher weniger vor.

    Wir erfahren, unter anderem wie ein Aristoteles Onassis reich geworden ist oder wie mit Rohstoffen jongliert wird. Aber mehr schon nicht. Das lässt sich leicht im Internet recherchieren. Dazu bräuchte es dieses Buch nicht. Zumal der größte Teil der Inhalte ohnehin aus Online-Recherchen entnommen sind, wie die Quellenangaben verraten. Das finde ich ein wenig mager. Ich hätte mir ein ausführliches Literaturverzeichnis gewünscht.

    Der Schreibstil wirkt inkonsistent, als hätten mehrere Autoren hier ihre Recherchen zusammengefasst. Ach ja, Stichwort „Zusammenfassung“: Warum mussten die ohnehin schon kurzen Kapitel nochmals zusammengefasst werden? Mehrfache Redundanzen schmälern das Lesevergnügen ebenso wie die auffällige Werbung für des Autors Firma.

    Vermisst habe ich die Anleitung „wie man Finanzblasen erkennt“, die im Untertitel angekündigt ist.

    Fazit:

    Wer eine kompakte Geschichte verschiedener Börsenereignisse lesen möchte, kann diesem Buch bestimmt etwas abgewinnen. Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte, muss sich anderswo Informationen beschaffen. Leider nur 3 Sterne.

  • Schauspieler, Komödiant, Regisseur, Autor und Tausendsassa Felix Dvorak gibt in diesem, seinem neuesten Buch, eine veritable Sammlung von G’schichterln und Anekdoten zum Besten.
    Wir begegnen den Urvätern des Kabaretts wie Ernst Waldbrunn und Karl Farkas. Dürfen über Erlebnisse mit Legenden wie Gerhard Bronner, Peter Alexander und Otto Schenk schmunzeln.

    Der Autor erzählt aus seinem reichen Schatz an Erfahrungen als Schauspieler, Theater- bzw. Festspieldirektor und den Anfängen des Fernsehens.

    Im locker leichtem Plauderton hüpft Felix Dvorak ein wenig durch Zeit und Raum. Wie bei einem Gespräch bei Kaffee und Kuchen, bei dem ein Wort das andere ergibt und ihm immer wieder neue Anekdoten einfallen. Er stellt weniger sich selbst als eher seine Schaupielerkollegen ins Rampenlicht.

    Dazu passt ein Zitat aus Friedrich Schillers „Wallenstein“ perfekt: ‚Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze‘. Kränze flicht der Autor nicht, sondern erinnert mit dem ihm eigenen Humor an Kolleginnen und Kollegen, die leider nicht mehr unter uns weilen.

    Fazit:

    Dieses Buch ist amüsant geschrieben und enthält jede Menge auch höchst private Fotos der Familie Dvorak. Gerne gebe ich hier 4 Sterne

  • Albrecht Müller, einst Redenschreiber für Willy Brandt und seit 2003 Herausgeber der „NachDenkSeiten“ schließt mit diesem Buch an das 2009 erschienene „Meinungsmache: Wie Wirtschaft, Politik und Medien uns das Denken abgewöhnen wollen“ an.

    Akribisch listet er die 17 gängigsten Mittel der Manipulation auf, denen wir täglich ausgesetzt sind. Nur weil manche Statement ständig wiederholt werden, werden sie nicht wahrer, aber die Menschen glauben, dass sie wahr sind. Das Motto ist „Steter Tropfen höhlt den Stein“.

    Wie kann man dem nun entkommen? Hier hat der Autor mehrere Ideen parat: Unter anderem: Nicht nur einem Medium vertrauen, sondern versuchen alternative Meinungen einholen und sich mit anderen Menschen besprechen und austauschen. „Es hilft, wenn man sich mit andern zusammentut, also sich mit anderen Menschen über das Phänomen Meinungsmache und Manipulation austauscht. Viele Augen sehen mehr als zwei.“ (S. 10)

    Gut gefällt mir das Cover, das aus der Psychologie stammt. Man kann darauf entweder zwei Gesichter im Profil oder eine Vase sehen. Je nachdem wie man gepolt ist.

    Der Autor findet klare Worte, was heutzutage ja schon eher eine Seltenheit ist. Meistens lavieren Politiker um den heißen Brei herum, verschweigen oder verdrehen die Tatsachen.

    Wie sagte schon die österreichische Dichterin Ingeborg Bachmann „Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar!“ Diesem Zitat ist wohl wenig hinzuzufügen.

  • In diesem nunmehr vierten Fall für Claudia Harms und dem japanischen Austauschermittler Kenjiro Takedo bekommt der Mord an einem japanische Fußballstar eine überraschende Wende.

    Ryūtarō Matsumoto, genannt Matsu, gefeierter Fußballstar beim HSV wird in einem Gewerbehof tot aufgefunden. Die Haltung der Leiche erinnert Takeda an den rituellen Selbstmord, der in Europa als Harakiri bekannt ist, doch der Mann wurde durch einen Kopfschuss regelrecht hingerichtet.
    Die Ermittlungen führen Harms und Takeda zu einer obskuren japanischen Sekte, die in Hamburg große Unterstützung durch ewig gestrige Geschäftsmänner erhält.

    Zwar wird der Mörder recht bald entdeckt und der Akt geschlossen. Die Hintergründe bleiben weitgehend im Dunklen. Sowohl Claudia Harms als auch Ken Takeda fühlen sich brüskiert und beschließen spontan nach Japan zu reisen, um weitere Erkundigungen einzuziehen.

    Meine Meinung:

    Ich kann die Beweggründe der beiden Ermittler sehr gut verstehen. Trotzdem scheint mir die Vorgangsweise ein wenig unglaubwürdig. In nur einer knappen Woche kehren sie das unterste zu oberst, geraten an die Yazuka (die japanischen Mafia) und müssen mehr als einmal um ihr Leben fürchten. Das wirkt jetzt auch mich nicht so ganz machbar.
    Okay, die Vorzeichen kehren sich nun um: Ken ist in seiner gewohnten Umgebung und Claudia die Außenseiterin. Sie hat zwar ein paar Brocken japanisch gelernt, doch reichen die natürlich bei weitem nicht aus. Takeda nützt natürlich seinen Heimvorteil, aber dass die deutsche Ermittlerin so einfach Auskünfte erhält?

    Gut gefallen haben mir die Einblicke in die japanische Kultur und das Leben der Japaner. Interessant ist auch der geschichtliche Rückblick in den Zweiten Weltkrieg. Aus anderen Büchern weiß ich, dass „die heroische Rasse der Japanern der arischen, deutschen gleichgestellt“ war.

    Der Auftritt von Kens Ex-Frau hätte jetzt auch nicht unbedingt sein müssen. Oder vielleicht doch? Immerhin spricht sie aus, was Takeda in seinem Innersten schon weiß, aber nicht wahrhaben will. Schauen wir, was der Autor im nächsten Fall daraus macht.

    Fazit:

    Aufgrund einiger Ungereimtheiten kann ich diesmal nur 4 Sterne vergeben.

  • Ich bin Circe von Madeline Miller

    Circe ist die Tochter von Sonnengott Helios und der Okeaniden Perse. Sie gilt als hässlich, linkisch und steht im Schatten ihrer Geschwister Pasiphaë und Aietes - die genießen das Wohlwollen der Götter.
    Die aufmüpfige Circe wird von ihrem Vater auf die kleine Insel Aiaia verbannt. Dort verfeinert sie ihre Fähigkeiten als Kräuterhexe und lebt mit wilden Tieren und der ungezügelten Natur. Die Insel mausert sich im Laufe der Zeit als „Parkplatz“ für ungezogenen Nymphen. Doch auch Menschen landen an ihrer Küste. Eine alleinstehende Frau ist auch dann Freiwild, wenn es sich um die Tochter eines Gottes handelt...

    Doch im Laufe der Zeit wird Circe weiser, setzt ihre Zauberkräfte gezielt ein und lernt auch die Gesellschaft von Sterblichen wie Odysseus zu schätzen. Damit stellt sie sich allerdings gegen diverse Vorschriften der göttlichen Familie.


    Meine Meinung:

    Eigentlich müsste der Titel ja „Kirke“ lauten, denn so hieß die Tochter des Helios auf altgriechisch. Es hat sich aber die latinisierte Form mit „C“ eingebürgert, die häufig auch Zirze geschrieben wird. Sei es wie es sei. Der Autorin ist ein gut lesbarer Fantasy-Roman gelungen. Angelehnt an die Griechischen Sagen des Altertum begegnen wir einer Vielzahl von Göttern, Halbgöttern, Nymphen, Hexen und Sterblichen.

    Sehr gelungen finde ich die Idee, die Geschichte(n) aus Circes Perspektive zu erzählen. Der Schreibstil ist weit flapsiger als die Neubearbeitung der Sagen des Klassischen Altertums von Michael Köhlmeiers. Die Sprache ist stellenweise sehr modern und man begegnet Dingen, die in der Antike noch lange nicht bekannt waren, wie zum Beispiel den Paradeisern: „Hast du Tomaten auf den Augen?“ Das Nachtschattengewächs wurde erst mit Kolumbus & Co. so rund um 1500 n. Chr. nach Europa gebracht.

    Mir hat Circe gut gefallen. Sie ist alles andere als unfehlbar. Sie hat mehr mit den Sterblichen gemeinsam, als ihr bewusst ist. Sie kränkt sich, sie ist wütend und manchmal unentschlossen. Sehr energisch geht sie vor, als Athene ihren Sohn bedroht: Wie eine Helikoptermutter der Gegenwart, räumt sie Telegonos alle möglichen Gefahren aus dem Weg.

    Fazit:

    Wer gerne klassischen Stoff auf moderne Art dargebracht, liest, ist hier richtig. Gerne gebe ich 4 Sterne.