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Bewertungen von Leser/innen

  • Der Sprung von Simone Lappert

    Eine junge Frau steht auf dem Dach eines Wohnhauses und wütet. Eine Nachbarin, die die Szene beobachtet verständigt die Polizei und löst damit eine Welle von Ereignissen aus, die das Leben von vielen Menschen stark verändern...

    Bei diesem Buch handelt es sich meiner Meinung nach um eine ganz spezielle Erzählkonstruktion. Der Leser begleitet elf Personen am gegenständlichen Tag und rollt sich damit nicht nur deren eigene Geschichte, sondern auch der Fortlauf des Polizeieinsatzes langsam auf. Dies geschieht im Wechsel und derart subtil, dass sich eine extreme Spannung aufbaut.

    Die handelnden Personen sind aus meiner Sicht sehr gut gezeichnet, zugänglich und realistisch. Trotzdem, dass es sich doch um eine Vielzahl von Charakteren handelt, wusste ich immer genau, wer nunmehr am Zug ist und kommt keine Verwirrung auf. Auch die Beziehungen in denen die einzelnen Leute zueinander stehen ist toll gewählt und ergibt sich Schritt für Schritt für den Leser.

    Für mich handelt es sich bei diesem Buch um ein absolutes Lesehighitlight, dass ich jedem nur ans Herz legen kann!

  • Hippocampus von Gertraud Klemm

    Helene Schulze, die verkannte feministische Autorin, ist tot. Deren Freundin Elvira wird von Helenes Exmann gebeten, sich um ihren Nachlass bzw. ihr Haus zu kümmern. Doch aufgrund von zahlreichen aufgewühlten Erinnerungen und um der Freundin Tribut zu zollen, verfolgt Elvira einen ganz anderen Plan...

    Das Buch ist aus zwei verschiedenen Perspektiven geschrieben, welche sich in längeren Kapiteln abwechseln. Die Sprache ist modern und direkt, ja fast schonungslos, was mir sehr gefällt und perfekt zu den Charakteren passt. Diese selbst sind sehr markant und trotz ihrer Eigenarten für mich als Leser gut zugänglich und authentisch.

    Thematisch werden sehr viele Punkte aufgeworfen, die das Publikum geradezu zum Nachdenken zwingen. Die Rolle der Frau steht hier in all ihren Facetten zentral im Mittelpunkt, aber auch zwischenmenschliche Beziehungen werden in verschiedensten Formen schön beleuchtet. Mich selbst hat aber vor allem die Frage beschäftigt, inwiefern man für seine Überzeugungen kämpft bzw. welchen Weg man hier zu gehen bereit ist oder vielleicht sogar gehen darf. Das ist natürlich toll, wenn ein Roman einen Leser derart zum Grübeln bringt und - wie mich persönlich trotz an sich gleicher Denkweise - zur Selbstrefklektion einlädt!

    Die Autorin hat hier meiner Meinung nach auch in der heutigen Zeit noch extrem wichtige Themen perfekt in Romanform verarbeitet, ohne direkt Kritik am Leser zu üben bzw. ohne diesem eine Meinung aufzudrücken.

  • Mittwoch also von Lotta Elstad

    Hedda ist Mitte 30, wurde von ihrem Liebhaber verlassen und hat ihren Fixauftrag als Journalistin verloren, als sie beschließt alleine und sehr kurzfristig eine Reise anzutreten. Doch als sie ein unerfreuliches Flugerlebnis hat, beschließt sie auf dem Landweg wieder nach Hause zu fahren und lernt hierbei Milo kennen...

    Ich hatte dieses Buch schon länger auf meiner Wunschliste und mich sehr auf dieses gefreut. Besonders deshalb, da es wenig wirklich offene und ehrliche Bücher gibt, die sich mit der Thematik ungewollte Schwangerschaft bzw. -abbruch befassen. Auch gerade die direkte und fast schon schonungslose Erzählweise macht dieses Buch zu etwas ganz besonderem. Auch wenn es sich um ein schwieriges Thema handelt, das sicherlich Kontroverse hervorruft, hat die Autorin es geschafft, der ganzen Geschichte viel Humor beizumischen. Überrascht war ich etwas über die starke Politisierung in diesem Roman, auch wenn mir das gefallen hat. Einzig und allein die doch etwas langatmigen Fachausführungen bzw. -diskussionen waren mir stellenweise zu hoch, sodass ich einen Stern abziehen musste.

    Wer sich offen auf das Thema ungewollte Schwangerschaft und diesbezüglich mögliche Handlungen einlassen kann, auch bei solchen Angelegenheiten nicht gänzlich seinen (schwarzen) Humor verliert und auf etwas skurille Bücher steht, ist mit diesem sicherlich gut bedient!

  • Otto von Dana von Suffrin

    Bei diesem Buch handelt es sich um eine doch eher untypische jüdische Familiengeschichte, insbesondere derjenigen von Otto dem Vater und seinen beiden Töchtern.

    Die Protagonisten blieben mir leider im ganzen Buch etwas fremd und konnte ich viele Handlungen nicht nachvollziehen. Die Personen waren größtenteils nur sehr leicht umrissen, wie z.B. der Lebensgefährte, sodass diese gar nicht wirklich greifbar waren. Otto selbst hat mich mit seiner skurrilen Art jedoch gut unterhalten. Auch seine Pflegerinnen haben mir von den Beschreibungen her sehr gut gefallen.

    Die Sprache des Romans ist angenehm zu lesen. Schwierig waren für mich anfangs die Zeitsprünge und dass das Erzählte keinen wirklichen Zusammenhang zueinander zu haben scheint.

    Trotzdem habe ich dieses Buch im Großen und Ganzen gern gelesen, obwohl ich mir auch ein wenig mehr Hintergrundinformationen zum Judentum gewünscht hätte.

  • Gespräche mit Freunden von Sally Rooney

    Francis und Bobbi sind zwei junge Studentinnen Anfang 20. Die beiden waren in der Vergangenheit ein Paar, mittlerweile sind sie jedoch lediglich beste Freundinnen. Bei einer Veranstaltung lernen sie das weitaus ältere Ehepaar Nick und Melissa kennen. Sie ist Schriftstellerin und zieht Bobbi sofort in ihren Bann. Auch zwischen Nick, dem gutaussehnden Schauspieler und Francis entwickelt sich eine besondere Verbundenheit...

    Das Buch ist extrem modern und spielt sehr realistisch in der Jetzt-Zeit. Die Sprache ist dem angepasst und für mich perfekt, da sie sehr locker daherkommt, die Geschichte so dahinplätschert und einen trotzdem sehr fesselt. Auch wird viel per Nachrichten, E-Mails oder soziale Netzwerke kommuniziert, was meiner Meinung nach wunderbar die Entwicklung von zwischenmenschlichen Beziehungen wiederspiegelt. Auch ist die Geschichte streckenweise wirklich pikant und sexy, was mir auch sehr gut gefallen hat.

    Ich habe dieses doch umfangreiche Buch wirklich sehr gerne gelesen. Mein einziger Kritikpunkt besteht darin, dass mir Frances als Protagonistin im Laufe der Geschichte leider unsympathischer und immer weniger greifbar geworden ist. Auch wenn dies prinzipiell zum Erzählten passt, lässt es einen doch ein wenig demotiviert zurück.

    Es gibt von mir aber eine ganz klare Leseempfehlungen für alle, die an offeneren Lebensentwürfen interessiert sind und gerne gute, moderne, aber anspruchsvolle Bücher lesen.

  • Sommernachtsreigen von Anna Herzig

    Eine Frau betrügt ihren Ehemann - Pawel ist Künstler und birgt einige Geheimnisse - Bertl ist unglücklich verheiratet und gefrustet - zwei Männer treffen sich auf einer Bushaltestelle und beginnen ein Gespräch - drei Geschichten, drei Leben, eine Sommernacht in Wien und eine unbeteiligte Erzählerin...

    Gleich vorweg muss ich mitteilen, dass ich dieses Buch in weniger als einem Tag geradezu verschlungen habe. Dies vor allem aufgrund des besonderen Schreibstils. Nicht nur, dass in diesem Roman eine außenstehende, unbeteiligte Erzählstimme zu Wort kommt, was für mich bisher ein ganz unbekanntes Stilmittel ist, mir aber sehr gut gefallen hat. Auch die Sprache an sich ist besonders, nämlich besonders "österreichisch" und somit kurz, knapp, teilweise plump, aber aus dem Leben gegriffen. Weiters hat mir die Gliederung gut gefallen, da die Autorin zwischen dem gegenwärtigen Geschehen hinsichtlich des Zusammentreffens der beiden Männern und Rückblenden in die Leben der handelnden Personen springt. Auch der Bezug zu Wien hat das Buch für mich besonders gemacht und liebe ich die wahren Ausführungen im Zusammenhang mit dieser Stadt.

    Die Geschichte selbst plätschert so dahin, wird aber im Laufe des Gelesenen immer intimer, direkter und fast schon vulgär, jedoch ohne wirklich anstößig zu werden, da für mich das Geschriebene einfach in diesem Rahmen realistisch wirkt. Das Ende kommt dann für mich doch eher unerwartet und mit ein wenig Interpretationsspielraum daher. Das Buch ist aber jedenfalls überaus spannend, da man so inmitten des Geschehens ist und unbedingt wissen will, welche Wendungen alles noch nimmt. Ich kann die Lektüre nur wärmstens empfehlen und bin sehr froh, diesen Schatz entdeckt zu haben!

  • All die unbewohnten Zimmer von Friedrich Ani

    In München wird auf offener Straße eine Frau erschossen und ein Polizist verletzt. Ein weiterer junger Polizist wird am Tag einer rechten Demonstration mit einem Stein erschlagen. Beide Fälle stellen die ermittelnden Beamten vor ein Rätsel, sodass nicht nur das Spezialkommando verlegt wird, sondern sich auch sonst aus allen Reihen Spezialisten beteiligen...

    Der Aufbau dieses Buches hat mir sehr gut gefallen. Da aus verschiedendsten Perspektiven erzählt wird, bekommt man viel Einblick in die unterschiedlichen Protagonisten und die Geschichte baut sich langsam auf. Der Nachteil an dieser Erzählweise ist jedoch leider, dass man sehr lange keinen Durchblick hat, weder in der Story selbst, noch bei den Charakteren oder wie diese zueinander stehen. Deshalb war es mir bei leider so, dass die ersten 150 Seiten nicht so wirklich Spannung aufgekommen ist. Danach hatte dieser Stil jedoch für mich bezüglich der Spannung und der versteckten Zusammenhänge nur Vorteile.

    Die Sprache gefällt mir sehr gut. Der Roman ist flüssig zu lesen und spricht trotzdem sehr wichtige, gesellschaftspolitische Themen an. Gerade diese unterschwelligen Denkanstöße finde ich ganz toll.

    Alles in allem habe ich dieses doch fordernde Buch - trotz anfänglicher Durchhänger - sehr gerne gelesen und werde sicher noch weitere Bücher des Autors entdecken.

  • Der Zopf meiner Großmutter von Alina Bronsky

    Der namenlose Ich-Erzähler wächst bei seinen Großeltern auf, die mit ihm von Russland nach Deutschland auswandern. Seine Oma behütet ihn und will ihn vor irrwitzigsten Gefahren schützen, sodass der Junge ein sonderbarer Einzelgänger wird. Als jedoch eine junge Frau mit ihrer Tochter ins Wohnheim einzieht gerät das Familienleben gehörig aus der Bahn...

    Ich habe diesen Roman als ersten der Autorin gelesen und weiß jetzt schon, dass sicherlich noch einige Lektüren folgen werden. Selten hat mich ein derart ruhiges Buch so gefesselt. Die Sprache ist angenehm klar und unverschnörkselt. Die Erzählung an sich ist auch eher leise und baut sich nach und nach eher langsam auf. Trotzdem konnte ich diesen Roman so gut wie gar nicht aus der Hand legen. Besonders toll finde ich die Figuren, da diese von Anfang an für den Leser greifbar sind und alle ihren eigenen Charme versprühen. Auch der Grundgedanke dieses Romans ist toll. Hier fließen sehr viele Überlegungen und Denkanstöße ein, die ich in der Form noch in keinem Buch verarbeitet gesehen habe. Auch das Ende hat mir sehr gut gefallen, da für mich alle offenen Punkte nochmals aufgegriffen wurden. Von mir gibt es daher eine klare Leseempfehlung ohne jeglichen Kritikpunkt!

  • Kaschmirgefühl von Bernhard Aichner

    Ein Mann ruft bei einer Telefonsexhotline an und es stellt sich bald heraus, dass er nicht die typischen Absichten hat. Daraus entwickelt sich ein reges und persönliches Gespräch zwischen den beiden Protagonisten in mehreren Abschnitten, das man bei einem solchen Anruf nicht erwartet...

    Das Buch ist durchgehend in einer direkten Reden zwischen den beiden handelnden Personen geschrieben, sodass man als Leser im Prinzip "Mithörer" des Telefonats ist. Diesen gewählten Stil finde ich sehr besonders und passt er perfekt. Die Charaktere sind sympathisch und zugänglich, auch wenn man sie nicht genau einschätzen kann.

    Die Auflösung war für mich wirklich unerwartet, auch wenn sie nach meinem Geschmack ein wenig zu schnell abgehandelt wurde. Alles in allem handelt es sich um ein gelungenes Büchlein, dass mich sehr gut unterhalten hat!

  • Rückwärtswalzer von Vea Kaiser

    Lorenz ist Mitte 30, gescheiterter Schauspieler und in einer komplizierten Fernbeziehung. Zum Glück ist er aber in seiner Familie voll umsorgt, nicht nur von seinem Vater, sondern vor allem auch von dessen drei jüngeren Schwestern, Hedi, Mirl und Wetti. Als Lorenz Leben finanziell und beziehungstechnisch zu scheitern droht unternimmt er mit seinen Tanten einen Roadtrip um einem Onkel den letzten Willen zu erfüllen...


    Ich habe bisher noch kein Buch der Autorin gelesen und war vorweg eher auf seichte österreichische Landhumoristik eingestellt. Schon nach ein paar Seiten war ich jedoch positiv überrascht vom Tiefgang dieses Buchs. Es ist sehr unterhaltsam, stteift aber gekonnt Zeitgeschichte und beschäftigt sich auch durchaus mit ernsteren Themen wie z.B. Politik.

    Der Schreibstil ist dabei aber durchwegs angenehm und gar nicht schwer zu lesen. Besonders gut hat mir die Charakterisierung der Personen gefallen, da sie sich alle stark unterscheiden und extrem authentisch wirken. Die Form der Zeitsprünge und das Eingehen auf die Vergangenheit jedes einzelnen Protagonisten war für mich auch toll ausgeführt. So ergibt sich wunderbar konstruiert langsam das große Ganze. Dass das Buch zum großen Teil in meinem näheren geografischen Umfeld spielt, war noch dazu ein Pluspunkt fùr mich!

    Alles in allem war dieses Buch für mich ein Lesehighlight der besonderen Art, mit dem ich viele spannende und unterhaltsame Stunden verbracht habe!