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Bewertungen von Leser/innen

  • Der größte Spaß den wir je hatten ist ein umfangreicher, amerikanischer Familienroman in der Folge von Jonathan Franzen. Marilyn und David, ein eher konservatives Ehepaar haben 4 Töchter, die sehr unterschiedlich sind und auch ganz unterschiedliche Probleme haben.
    Man erfährt viel von den 4 Schwestern Wendy, Violet, Liza, Grace.
    Die Entwicklung der Familie verdeutlicht sich auch mit den Rückblicken auf Marylin und David in die siebziger Jahre und wie die ersten Kinder geboren werden. Diese frühe Zeit ist für die Familie der größte Spaß, den sie je hatten. Diese Passagen gehören zum Besten des Buches.
    Weiter geht es durch die achtziger und neunziger Jahre. Auch da werden besondere Momente herausgearbeitet.
    Der Jonas-Part hat bei mir nicht so gut funktioniert, dabei ist er wichtig für den Verlauf der Handlung für fast alle Figuren. Das hätte man konfrontativer gestalten können.

    Der Roman ist wirklich nicht schlecht, aber für meinen Geschmack zu lang. Über 700 Seiten trägt die aufgebaute Spannung nicht, da auch die Beschreibungen von Claire Lombardo erstaunlich verhalten bleiben. Ein wenig Straffung hätte schon viel bewirkt.
    Die Dialoge sind aber ganz gut gemacht, auch wenn wenig Ironie eingesetzt wird.
    Ich mag amerikanische Familienromane, doch bei diesem bin ich streckenweise nicht so tief eingetaucht, wie erhofft, dennoch würde ich von der Autorin auch künftige Bücher eventuell lesen.

  • Die Zeit der vergessenen Kinder von Charlotte Kliemann

    Die Zeit der vergessenen Kinder ist ein Roman mit einem spezifischen Ton, der dem gediegenen Stil geschuldet ist, in dem das Buch verfasst ist. Das Buch lebt sehr von Stimmungen. Meistens sind sie Martin geschuldet, der sensiblen Hauptfigur. Ebenso empfindsam ist Claudia, die Frau, in der er sich verliebt. Beide haben eine Kindheit gehabt, die sie geprägt hat. Das führt zu Martins Mutter, die als Roma in Deutschlands schlimmster Zeit überlebt hat. Diese Vergangenheitsabschnitte in den vierziger Jahren haben einen eigene Sound. Obwohl mich das atmosphärische am Buch mich fasziniert, gibt es aber auch viele Sätze, die mich verblüffen. Ich will nicht so weit gehen, dass viele schiefe Bilder entstehen, aber ungewöhnliche schon. Ein Beispiel: „Sofort schlug der Wind auf mich ein.“ oder „Aus der Ferne rollte ein Geräusch heran.“
    Dann gibt es auch Sätze, die zu gestelzt sind, z.B. „Während wir an den offenen Türen vorbeigingen, hinter deren sonnigen Rechtecken sich heute nichts regte, ...“

    ,Ganz gut gemacht ist, wie die Familienbeziehungen eingebunden werden, zum Beispiel ist Martin geschieden und hat zwei Kinder, Claudia hat eine Stieftochter, die ihr eine Freundin ist.
    Thematisiert wird auch, wie schwer es ist, über die Vergangenheit zu sprechen. Martin hat immerhin darüber geschrieben. Aber loslassen ist etwas anderes.

    Streckenweise empfinde ich das Buch leider als zu verworren, aber gute Ansätze gibt es.

  • Die Weihnachtsgeschwister von Alexa Hennig von Lange

    Die ehemalige Pop-Literatur-Ikone Alexa Hennig von Lange ist inzwischen eine der profiliertesten deutschen Autorinnen, wenn es gilt, gesellschaftsrelevante Themen zu beschreiben, insbesondere das familiäre ist im Mittelpunkt.
    Hier sind es 3 sehr unterschiedliche Geschwister, die zu Weihnachten bei ihren alten Eltern zu Besuch kommen.
    Die eine ist eher hart und zynisch, die jüngste Schwester weich und harmoniebdürftig. Der Bruder steht irgendwo dazwischen.
    Wie sie zu diesem Fest aufeinanderprallen, hat Alexa Hennig von Lange präzise beschrieben und sie lässt die kleinen Sticheleien sichtbar werden.
    Ursachenforschung findet sich zum Teil in einer gewissen Ernüchterung der Lebensumstände.

    Mich hat das Buch beeindruckt, wie auch schon der letzte Roman Kampfsterne, aber man hätte noch mehr aus dem Buch machen können, wenn etwas mehr Raum gegeben würde. Die 160 Seiten sind rasch ausgelesen.

  • Vicious - Das Böse in uns von V. E. Schwab

    V.E.Schwab hat mit Vicious einen faszinierenden Roman geschrieben, der gut strukturiert ist und eindrucksvolle Protagonisten besitzt.
    Da ist der Handlungsstrang, 10 Jahre zurück, mit Victor und Eli, 2 Studenten, die einem außergewöhnlichen Phänomen auf der Spur sind: Die Erlangung von Fähigkeiten durch Nahtoderfahrung. Etwas musste ich da an den Film Flatliners denken.

    Durch den häufigen Wechsel von Gegenwart und Vergangenheit, bei dem man allmählich mehr erfährt, wird die Spannung aufrechterhalten. Das ist wirklich gut gemacht.

    Außerdem interessieren mich die Figuren, insbesondere Victor, der einige Schwächen aufweist und Eli. Erst sind sie ein Team, später Gegner.
    Weitere Figuren wie die Schwestern Sydney und Serena sowie Vics Sidekick Mitch teilen sich entsprechend auf.

    Was mir gut gefällt, ist dass die Handlung immer im Flow bleibt und gut ausbalanciert ist.

  • Sorolla von V. E. Schwab

    Der spanische Impressionismus ist in Deutschland nicht so bekannt wie der französische, aber Joaquin Sorollas wundervolle Gartengemälde könnte ich stundenlang ansehen und in den hellen Farben schwelgen. Die Bilder mit den Spiegelungen der Gebäude und Bäume im Wasser beeindrucken mich besonders.

    Häufiges Motiv von Sorolla sind seine Frau und die Töchter in den Gärten.
    Gerne zeichnet er auch Brunnen.

    Ich bewundere den Detailreichtum mancher Bilder, z.B. Das Nähgen der Segel oder Palast La Granja, den man im Bild eigentlich nur in der ferne sieht.

    Wenn man die Bilder die Gärten in Sevilla und Granada sieht, bekommt man Lust, einmal nach Andalusien zu reisen.

  • Das Ritual des Wassers von Eva Garcia Saenz

    Das Ritual des Wassers ist nach Die Stille des Todes der zweite Teil der Kraken-Reihe. Die baskische Autorin Eva Garcia Saenz setzt gerne zwei Erzählebenen (Gegenwart und Vergangenheit) ein und lässt die Hauptfigur Inspector Unai Ayala immer persönlich in die Fälle involviert sein.
    Jetzt ist seine Jugendfreundin Annabel ermordet aufgefunden worden.
    Als Experte für Fallanalyse wirkt er an der Ermittlung mit, obwohl er nach der schweren Verletzung aus dem dem letzten Fall eigentlich noch nicht wieder im Dienst ist.
    Neben diesem Fall beschäftigt Ayala auch die Schwangerschaft seiner Chefin Alba, denn das Kind könnte von ihm sein.

    Die Autorin lässt den Leser dicht an den Figuren dran sein, insbesondere natürlich Ayala, dessen Gedanken man folgt. Er ist eine gute Hauptfigur, der den Roman trägt.
    Zu den guten Nebenfiguren gehört neben Alba auch Ayalas Großvater, der zwar alt ist, ihn dennoch unterstützt, wo er nur kann.
    Auffällig auch, dass viele Figuren eine schwierige Jugend hatten, die sie prägte.

    Im Vergangenheitsplot 1992 ist Ayala noch ein Jugendlicher. Ereignisse von damals haben auch noch aktuell Bedeutung. Die Kombination der Erzählzeiten passt gut.

    Das Ritual des Wassers ist nicht so stark wie der erste Teil, was Beschreibungen der Umgebung angeht, dafür ist er geradliniger und das Privatleben des Protagonisten wird intensiver.

  • Flirting with Fire von Piper Rayne

    Ich habe dieses Buch als Hörbuch gehört.
    Piper Rayne schreibt normalerweise grenzwertige Romane, aber Flirting with Fire ist relativ gemäßigt und die Liebesgeschichte zwischen Madison und dem Feuerwehrmann Mauro Bianco ist eher romantisch. Ihre Annäherung erfolgt vorsichtig. Dazu gibt es am Anfang schon die Begegnung, als sie noch zur Schule gingen. Daran kann sich Madison noch gut erinnern, doch Mauro nicht.
    Statt dessen haben sie jetzt als Erwachsene erst einmal eine geschäftliche Beziehung. Sie haben gemeinsam ein Haus ersteigert, das sie wieder herrichten wollen. Es ist sogar Madisons Elternhaus, doch sie hatte eine schwierige Jugend.
    Eine psychologische Note begleitet die komplette Handlung.

    Leider gibt es kaum Beschreibungen von Einsätzen der Feuerwehr, das wird dann doch der Beziehungsgeschichte untergeordnet. Doch dann gibt es im Finale doch noch ein paar wenige Szenen dazu. Dennoch verschenkte Potentiale.

    Was auch gut funktioniert ist, die Handlung aus wechselnder Perspektive von Maddy und Mauro erfolgen zu lassen. Im Hörbuch gibt es deswegen auch zwei Sprecher, Lisa Stark und Sven Macht. Die Tracks sind relativ kurz, passen aber.

  • Unter uns Pastorentöchtern von Claudia Hagge

    Claudia Hagge wirf einen Blick darauf, wie es war, in den sechziger Jahren in Schleswig Holstein als Pastorentochter aufzuwachsen. Und es ein überwiegend gelassener und liebevoller Blick auf ihr Zuhause und ihre Eltern, manchmal etwas spöttisch gegenüber den Bewohnern des Städtchens, insbesondere die Frauen, die den Pastor anschmachten.Der geht ganz in seiner Arbeit als Seelsorger auf. Claudias Mutter ist etwas spröder, aber auch sie ist engagiert.

    Für Claudia ist es manchmal nicht einfach. In der Schule wird sie anders behandelt, weil sie Pastorentochter ist. Das prägt sie, macht sie eigenwillig und selbstständiger.

    Zum Ende schreibt Claudia Hagge noch über berühmte Pastorentöchter: Merkel, Jane Austen, die Bronteschwester. Am längsten hält sie sich mit Theresa May auf und setzt manche Eigenschaften als typisch für Pastorentöchter.

    Ein amüsantes autobiografisches Buch.

  • Wut von Felix Huby

    Der inzwischen 80jährige Felix Huby gilt als wichtiger Autor von Drehbüchern für das Fernsehen und Kriminalromane. Ich hatte ihn zufälligerweise noch nie gelesen. Also wollte ich mal sehen, ob der Autor was für mich ist.

    Man merkt dann aber doch schnell deutlich, dass Wut nur ein Teil einer Reihe ist. Das Ermittler-Ehepaar Peter und Hanna Heiland steht im Mittelpunkt. Eigentlich mag ich die beiden auf Anhieb, aber ihre Geschichte miteinander ist ja weit fortgeschritten und bietet nicht so viel Spannungselemente. Auch die Idee mit dem Karate zündet weniger als erwartet. Es wird ein solider Krimi, aber als Leser erwartet man ja eigentlich mehr.

    Mich hat das Buch aufgrund seiner Durchschnittlichkeit überhaupt nicht überzeugt, aber Fans der Reihe sind vielleicht zufrieden.

  • Frieda von Dagmar Fohl

    Mit Frieda hat Dagmar Fohl einen historischen Roman geschrieben, der sich den Konventionen des historischen Unterhaltungsroman entzieht, einfach nur deswegen, weil auch ihre Heldin Elfriede Lohse-Wächtler (Frieda) sich den familiären und gesellschaftlichen Konventionen entzog. Frieda ist 1899 geboren. Als sie 16 Jahre alt war, kämpft sie für ihre Eigenständigkeit als Malerin. Aber es sind auch die Kriegsjahre, und die sind hart.

    Frieda lebt für ihre Kunst. Dafür muss sie einen Preis zahlen, aber ich sehe die Figur nicht als tragisch oder gescheitert an. Dafür lebt sie zu leidenschaftlich und ganz und gar.
    Als Leser ist man nahe bei ihr, ihren Gedanken und Emotionen. Das hat die Autorin wundervoll gestaltet, man ist als Leser dankbar, eine Figur so sehr zu begegnen.

    Doch ihre Emotionen nehmen überhand. Sie ist so überreich an Empfindungen, das sie sich nicht mehr kontrollieren kann und wird in eine Irrenanstalt eingewiesen.
    Doch sie malt wie besessen weiter.Ihre avantgardistische Bilder sind bemerkenswert.

    Die Intensität nimmt immer mehr zu. Für den Leser streckenweise schwer zu ertragen, aber man kann sich auch nicht entziehen.

    Frieda ist ein Buch, auf das man sich ganz einlassen muss und es ist ein beeindruckendes Portrait einer Malerin, deren Werk zum Großteil als entartete Kunst vernichtet wurde und die doch noch nicht ganz vergessen wurde. Umso wichtiger dieses Buch. Preisverdächtig!