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  • Pina fällt aus von Vera Zischke

    Nach dem erfolgreichen Debüt "Ava liebt noch" von Vera Zischke hat der List Verlag nun "Pina fällt aus", den neuen Roman der Autorin, veröffentlicht.

    Pina Luxen ist Mitte vierzig, gelernte Floristin und arbeitet in einem Callcenter. Seit 20 Jahren kümmert sich die Alleinerziehende liebevoll und aufopfernd um ihren Sohn Leo, der autistisch ist und in seiner eigenen Welt lebt, zu der nur seine Mutter Zutritt hat. Sein Alltag besteht aus festen Routinen und Ritualen. So steht er morgens erst auf, wenn eine grüne Blase in seiner Lavalampe aufsteigt, als Frühstück akzeptiert er nur Frosties. An jedem Werktag wird er vom Busfahrer Harry abgeholt, der ihn zur Werkstatt fährt, in der Schrauben und Muttern miteinander verdreht werden. Einmal pro Woche kauft Pina für ihre 86-jährige Nachbarin Inge ein, währenddessen passt diese auf Leo auf. Bei einem dieser Einkäufe bricht Pina mitten auf der Straße zusammen und wird ins Krankenhaus eingeliefert. Ihre Nachbarin macht sich Sorgen, als sie nach 1 1/2 Stunden immer noch nicht zurück ist, und auch Leo wird zunehmend unruhig. Als die Polizei ihr mitteilt, dass Pina sich einer Notoperation unterziehen musste und noch lange im Krankenhaus bleiben muss, stellt sich die Frage, wer sich um Leo kümmert.

    Außer Pina und Leo lernen wir die drei Nachbarn kennen, die ganz plötzlich einer neuen Aufgabe gegenüberstehen. Da ist die 86-jährige, des Lebens müde gewordene Inge Russeck, die seit fünf Jahren verwitwet ist und das Haus nicht mehr verlässt, und da ist der eigenbrötlerische Wojtek Borszcykowski aus dem Erdgeschoss, der sich im Internet in die Russin Jurika verliebt hat und ihr überteuerte Kristalltiere abkauft. Eine wesentliche Rolle spielt die 16-jährige Zola Sentheimer, die eigentlich Alina heißt. Sie hat die Schule abgebrochen und ihre Ausbildung im Backshop gar nicht erst angetreten. Ganze Nächte hindurch spielt sie Computerspiele in der Wohnung, in die sie ihr wohlhabender Vater, dem das Mietshaus gehört, einquartiert hat.

    Die Geschichte ist in schöner klarer Sprache mit viel Empathie und feinem Humor erzählt und liest sich sehr flüssig. Die Autorin, die selbst ein autistisches Kind hat, beschreibt liebevoll ihre Protagonisten mit all ihren Eigenarten und Sehnsüchten. Es war schön zu lesen, wie die Hausbewohner über sich selbst hinauswachsen und sich ihrer neuen Aufgabe stellen, nachdem sie anfangs abweisend und hilflos reagiert haben. Jeder bringt sich auf eine andere Art ein, sie ergänzen sich und wachsen immer mehr zusammen. Ich hatte großes Mitgefühl mit Leo, der ganz plötzlich aus seinem gewohnten Alltag herausgerissen wird und lernen muss, ohne seine Mutter zurechtzukommen. Die Entwicklung der Figuren ist großartig dargestellt, ganz besonders die von Leo und der rebellischen und zornigen Zola.

    Das Buch, in dem es um Nächstenliebe und Fürsorge, Zusammenhalt, Inklusion und Verantwortung geht, hat mir sehr gut gefallen. Es hat mich von Beginn an gefesselt und berührt, und es zeigt einmal mehr mit aller Deutlichkeit auf, wie belastend pflegerische Tätigkeiten innerhalb der Familie sind und welche gravierenden Lücken unser Versorgungssystem aufweist. 

    Absolute Leseempfehlung!

  • Zum Buch:

    Georgia lebt bei ihrem Onkel, aber sehr im Verborgenen, denn niemand darf ihren echten Namen erfahren. Dann stirbt ihr Onkel, Luca Ombriani kommt um Schutzgeld abzuholen und plötzlich schwebt Geogias in Gefahr ihr Geheimnis zu verlieren.



    Meine Meinung:

    Normalerweise lese ich Mafia-Dark-Romance zwischendurch mal ganz gerne, auch wenn es natürlich nicht meinem Lebensstil und meiner Meinung entspricht, wie mit den Frauen umgegangen wird, aber es ist fiktiv, es entspricht nicht dem wahren Leben. Dieses hier konnte mich aber überhaupt nicht mitnehmen.

    Die ersten 80 Seiten passierte gefühlt nichts. Goergia hat ihr Geheimnis und große Angst das Luca es entdeckt und taucht daher in sich selbst, was Luca extrem stört. Und das war es schon? Es wird dermaßen um den heißen Brei drumrum geredet, das für mich keine Spannung aufkam. Auch Lucas Vergangenheit wird nur angedeutet. Kurzum, die Story hätte durchaus Potenzial, wenn ein wenig in die Tiefe gegangen wäre. Es wird nichts richtig auserzählt und das tatsächlich bis zum Ende nicht, bei dem es immerhin zu einem großen Showdown kommt. Aber letztendlich konnte mich die Story einfach nicht unterhalten und blieb weit hinter meiner Erwartung zurück.

  • Red Star Rebels von Amie Kaufman

    "Red Star Rebels" ist ein Scince Fiction Roman von Amie Kaufman, von dem ich nach Klappentext und Leseprobe dachte, dass er Potential zu einem Jahreshighligt haben könnte. Leider wurden meine Erwartungen jedoch nicht erfüllt und ich blicke mit gemischten Gefühlen auf dieses Buch zurück.

    Begeistert haben mich von Anfang an das schöne Cover, welches einen atmosphärisch direkt auf den Mars fliegen lässt.
    Auch die Aussage, dass das Setting und die Umstände von NASA-Wissenschaftlern als glaubwürdig eingestuft wurden und durchaus in der Zukunft so passieren könnte, fand ich sehr interessant und ließen mich gespannt auf das Buch blicken.

    Die ersten 50 Seiten haben einen dann auch direkt mitten in die Geschichte geschmissen. Die Basis auf dem Mars muss evakuiert werden und durch unglückliche Umstände werden Cleo und Hunter zurückgelassen und bangen direkt mal ums Überleben. Der Einstieg ist gut gelungen und lässt einen zwar zügig in die Geschichte eintauchen, aber nicht das Gefühl haben mit dieser überfordert zu sein.

    Danach geht es dann aber los mit Längen, dann wieder viel zu viel Hektik die das technische Verständnis außen vor lässt und zum Schluss ein Ende, welches hastig in viel zu wenig Seiten abgearbeitet wird.
    Ich kam teilweise echt nicht hinterher, es wurde sich einfach viel zu wenig Zeit für die technischen und baulichen Gegebenheiten genommen und meiner Meinung nach zu viel als Gegeben vorausgesetzt.

    Über die Protagonisten erfährt man zwar im Laufe der Geschichte einiges, auch was ihre Vergangenheit betrifft, trotzdem hatte ich das Gefühl, dass sie mir beide eher fremd geblieben sind.
    Auch die Liebesgeschichte der beiden wirkte auf mich eher erzwungen, die Wendung von Abneigung zu völliger Zuneigung kam sehr plötzlich.

    Was mich beim Lesen leider extrem gestört hat ist das Gendern mit Gendersternchen. Ich Zitiere hier einmal kurz:
    "Mir ist gerade klar geworden, dass wir hier (...) über unsere Zwei-Personen-Rebellion gegen ein Top-Söldner*innenteam reden und dabei Kekse essen. Wir sind keine Actionheld*innen."
    Ich hoffe wirklich, dass sich das nicht auf Dauer in Romanen durchsetzt. In wissenschaftlichen Texten mag das ja seine Berechtigung haben, aber in der Unterhaltungsliteratur stört es einfach ungemein den Lesefluss.
    Und wenn es schon Gendergerecht sein soll, warum schaut man dann nicht, dass man eine Lösung ohne unnötige Sonderzeichen sucht? Statt Geldeintreiber*innen könnte man z.B. Geldeintreibende nutzen und ansonsten erfüllt das generische Maskulinum meiner Meinung nach immernoch seinen Zweck.

    Insgesamt hat mich "Red Star Rebels" zwar nicht schlecht unterhalten, die Geschichte hatte aber definitiv ihre Schwächen und hat ihr Potential bei weitem nicht ausgenutzt. Sehr schade, denn die Grundidee und Storyline zusammen mit den wissenschaftlichen Hintergründen ist echt klasse!

  • Auf dieses Buch war ich sehr gespannt, auch wenn ich die Reihe und Nora bisher nicht kannte. Da bin ich dann immer im Zweifel, ob ich noch gut reinkomme. Hier ist mir der Quereinstieg aber bestens gelungen und ich würde sagen, dass man dieses Buch sehr gut lesen kann, ohne die Vorgänger zu kennen. Auch wenn mich das Buch gleichzeitig neugierig darauf gemacht hat, was Nora bisher so alles erlebt hat. Aber das kann ich ja noch nachholen.

    Der Titel sagte mir nichts, ergibt sich dann aber aus dem Inhalt des Buchs und das hat mir sehr gut gefallen. Ich mag es, wenn Cover, Titel und Inhalt so schön zusammenpassen, wie es hier gelungen ist. Ich selbst bin keine große Gamerin, aber durch meinen Bruder kenne ich einiges und da war es natürlich umso spannender, hinter die Kulissen zu schauen.

    Ich bin selbst altersmäßig eher nicht die Zielgruppe, aber aus meiner Perspektive, ist das Buch toll geschrieben. Die Jugendsprache passt gut, scheint nicht übertrieben oder seltsam und passt auch zum Inhalt bzw. Thema. Ich fand es etwas seltsam, dass Nina hier eher eine Randfigur ist, aber wirklich gestört hat mich das nicht. Die Geschichte selbst ist spannend und ein bisschen verschlungen, sodass man nicht sofort kapiert, was alles im Hintergrund wirklich passiert. Das fand ich toll und spannend bis zum Ende. Auch eine Prise Humor und ein bisschen Lovestory sind dabei, sodass man einen tollen Gegenpunkt zur actionreichen Hauptgeschichte hat. Für mich rundum gelungen, gerne möchte ich mehr von Nora erfahren!

  • Wie schon beim ersten Buch dieses Autors habe ich immer und immer wieder beim Lesen gedacht, dass jeder dieses Buch lesen sollte. Es hat soviel Wissenswertes, Weises und Hilfreiches in sich - da wird der Alltag auf jeden Fall einfacher. Manchmal wünschte ich mir, wir hätten in der Schule solche Themen behandelt oder solche Bücher gelesen. Es wäre so wichtig zu verstehen, wie wir und unsere Mitmenschen ticken, warum man manchmal auf der falschen Fährte ist, und wie es so einfach sein könnte, wenn man manche Mechanismen kennt und umschiffen oder austricksen kann.

    Mir hat auch die Aufmachung des Buchs sehr gut gefallen. Das sehr persönliche Vorwort des Autors, die vielen praktischen Beispiele, die leicht verständlich erklären, worum es genau geht. So kann man schnell verstehen, was gemeint ist. Unter den Überkapiteln Alltag, Psyche, Gesellschaft und Gesundheit finden sich so viele Tipps, dass man das Buch immer wieder zur Hand nehmen kann. Man muss es nicht chronologisch lesen, sondern kann sich das Kapitel heraussuchen, das einen gerade am meisten interessiert, oder das hilfreich sein könnte.

    Fasziniert hat mich eigentlich alles, auch wenn ich natürlich manche Abschnitte ganz besonders genossen und regelrecht aufgesaugt habe. Mein Interesse für die menschliche Psyche besteht schon lange und ich habe sogar im Nebenfach Psychologie studiert, das aber nie beruflich weiter verfolgt. Dafür begeistern mich solche Bücher umso mehr.

    Für mich ein absolutes Highlight, das ich nur empfehlen kann. Gerade wenn es um Nachsicht mit sich selbst und anderen, um Verständnis und Verantwortung, aber auch ein angenehmes Leben geht, kann dieses Buch viele hilfreiche Tipps geben. Vieles spielt sich in unserem Kopf ab und da können wir dann immer ein bisschen Hilfestellung gebrauchen. Ich freue mich schon jetzt darauf, das Buch nochmal zu lesen!

  • Der Tag, an dem ich sterbe von Federico Axat

    Anna de Marchi ist verliebt in ihren Freund Oliver Cohen und trotzdem ermordet sie ihn im Haus seiner Eltern. Nach dem Mord verschwindet die junge Frau, hinterlässt nur eine Notiz mit einem Datum.

    Zwei Jahre später und genau an dem notierten Datum wird sie gefunden. Bewusstlos am Ufer eines Sees. Ihr fehlt die Erinnerung an den Mord, überhaupt kann sie sich nicht mehr an die Vergangenheit erinnern.

    Anna wird in die psychiatrische Klinik Lavender Memorial eingewiesen. Doch die behandelnde Ärztin, Dr. Julia Katz, ist überzeugt, dass die Antwort, weshalb Anna gemordet hat, ausserhalb der Klinik zu finden ist. Dr. Katz schafft Anna auf eine Farm, was Annas Erinnerungen beeinflusst.


    Ich benötigte 200 Seiten bis ich den Plot einigermassen verstanden habe. Die ersten 200 Seiten empfand ich als wirr und undurchschaubar. Ich hatte ständig das Gefühl, der Geschichte nicht folgen zu können. In diesem Teil musste ich mich ganz schön durchbeissen. Ich mag es nicht, wenn die Zeitebenen nicht klar sind oder ich ganze Passagen nicht einordnen kann. Ohne zu viel zu verraten, liegt genau hier das Zentrum dieses Psychothrillers, wie ich dann Mitte Buch begriffen habe. Was dann kommt, ist genial und habe ich so noch nie gelesen in einem Thriller. Aber eben, bis ich an diesem Punkt angelangt war, musste ich mich durchkämpfen. Es lohnt sich allemal.

    Vorahnungen, Erinnerungen, Realität, Träume, Zukunftsvisionen, Einbildung: damit spielt der Autor und als Leser ist man ständig damit beschäftigt, alles entsprechend einzusortieren. Es geht leicht in die Richtung Fantasy und man sollte sich auf Grundthema Vorahnungen einlassen können. Es vermischen sich Passagen, die Anna im Jetzt erlebt mit Szenen aus der Vergangenheit und Erlebnissen in der Gegenwart. Das konnte ich nicht immer klar einreihen und manchmal war die Verwirrung gross.

    Die Figuren, die im Mittelpunkt stehen, konnte ich sehr lange nicht einschätzen. Allen voran Anna, die ihren Freund ermordet haben soll und sich nun in der psychiatrischen Klinik befindet. Spielt sie ihrem Umfeld etwas vor oder hat sie wirklich keine Ahnung, was vor zwei Jahren geschah?

    Ebenfalls ein Mysterium für mich war Dr. Julia Katz. Was verbirgt sie vor ihrer Patientin? Was steckt hinter der Beziehung zu ihren drei Kindern? Carla, die aus der ersten Ehe ihres Mannes stammt. Der neunjährige Martin, der spürt, dass seine Mutter zu ihm auf Distanz geht. Oder dem Nachzügler, Baby Aaron, dem sie die meiste Aufmerksamkeit schenkt. Sachen, die erst beim "Blick in die Zukunft" nachvollziehbar werden und ein Highlight der Geschichte sind.

    Federico Axat spielt in diesem Psychothriller mit den Zeitebenen. Wo die Geschichte in der Handlung steckt, war mir nicht immer ganz klar. Dazu hätte ich mir, anstelle dieser kryptischen Zeitangaben, klare Ansagen bei Kapitelbeginn gewünscht.

  • "Guten Morgen, schönes Wetter heute" von Tanja Kokoska hat ein farbenfroh gestaltetes Cover. Man sieht darauf viele kleine Fenster von Wohnungen, mit unterschiedlich ausgemalten Wänden im Hintergrund. Damit stimmt das Buch schon gut auf sein Thema ein: es geht um die Menschen in einer Straße, nämlich "Am Kastanienbaum", und ihre individuellen Schicksale, die teils nebeneinander und teils immer mehr miteinander verflochten sind.

    Da gibt es Ina, alleinerziehend mit ihrem jugendlichen Sohn Henry, die gerade die Wohnung ihrer verstorbenen Eltern ausräumt. Eine türkischstämmige Familie, bei der die Großelterngeneration zurück in die Türkei gegangen ist, nie in Deutschland wirklich heimisch werden konnte und nun aufgrund der Distanz, steigender Flugpreise und wenig Urlaub auch nur wenig besucht kann, während eine der erwachsenen Töchter sich für Gedichte interessiert und diese in Produktverpackungen im Supermarkt versteckt.

    Henry lebt eine unkonventionelle Seite aus und lässt sich spontan seine Nägel in einem neu eröffneten Nagelsalon machen, dort arbeiten ausgebeutete Thailänderinnen, die erst einmal die Kosten, um sie ins Land zu bringen, wieder hineinwirtschaften müssen, eine davon gefällt ihm gut. Dann gibt es noch ein paar weitere Charaktere. Und irgendwo wird gegraben, vielleicht nach einem Schatz, vielleicht findet sich auch eine Bombe?

    Es ist ein liebevoll erzähltes Buch, das sich sehr gut als locker-leichte Sommerunterhaltung ohne besonders viel Tiefgang eignet. Es sind größtenteils liebenswerte Charaktere aus der Durchschnittsbevölkerung, die hier vorgestellt werden, die aber wiederum dann auch so gar nicht diversen Klischees entsprechen. Man merkt, dass die Autorin sich Mühe gegeben hat, vielfältige Menschen mit individuellen Lebensweisen zu beschreiben, die eben in keine Schublade passen... außer vielleicht in diese des Zeitgeistes, der sich um Vielfalt und Toleranz bemüht.

    Ich persönlich bin mit dem Buch nur teilweise warm geworden, was aber vermutlich eher an meinen sonstigen Lesegewohnheiten als an diesem Buch liegt. Stellenweise war es mir dann doch zu sehr Unterhaltung und zu wenig literarischer Anspruch. Letzten Endes waren mir manche Charaktere dann vielleicht doch zu alternativ und damit ein Stück unglaubwürdig und manches war nicht mein Humor. So richtig hineingezogen hat mich die Erzählweise mit diesen vielen Geschichten auch nicht, eine besondere Sprache, wie ich sie an anspruchsvoller Literatur schätze, habe ich auch nicht entdecken können. Es ist also klar ein Werk der Unterhaltung, was es ja auch sein darf.

    Wer gerne leichte Sommerlektüre, Humor und eine warmherzige Erzählweise mag, wird mit diesem Buch sicherlich seine Freude haben können.

  • Widdersehen von Leonie Swann


    Wortspiele wie diese machen den Charme des neuen Schafkrimis aus. Ich gebe zu, dass ich skeptisch war. Eine Fortsetzung 20 Jahre nach Glennkill? Passend zur Verfilmung des Kultbuches? Das klang mir zu sehr nach Marketing und Gewinnoptimierung. Doch ich wurde eines Besseren belehrt. Der dritte Teil ist witzig und charmant geschrieben, die Einfälle um die Schafherde ideenreich und wenn dann die Schafe „Take a chance on mäh“ trällern, muss man einfach grinsen. Dazu kommt noch, dass die Geschichte raffiniert auch alltägliche Probleme wie Fremdenhass, Flucht und Integration aufgreift. Der Roman ist gewohnt kurzweilig, die Charaktere muss man einfach lieben und die Konfrontation der Schafe mit der menschlichen Existenz halten uns auch immer ein wenig den Spiegel vor. Eine wahrlich gelungene und gerechtfertigte Fortsetzung...mäh.

  • Ochsenkopf von Manik Sarkar

    Seltsam – zuerst fiel mir eine gewisse Ähnlichkeit zwischen dem Rinderkopf auf dem Cover und der Stirn auf dem Autorenfoto auf. Und dann habe ich mit Vergnügen den Roman über einen recht sturen, aber sehr begabten Metzger gelesen. Begabt ja, für das Fleisch und seine Be- und Verarbeitung, aber der zwischenmenschliche Bereich fällt dem jungen Rensing halt verflixt schwer. Zwar hat er mit seiner Frau eine kluge Person an seiner Seite, aber das anzuerkennen, fällt ihm schwer. Doch es gibt eine gewisse Handlung, die ihm die Kraft für die richtigen Entscheidungen gibt…
    Ich habe mich beim Lesen öfters köstlich amüsiert. Der unaufgeregte, ruhige Stil hat mich davongetragen, die Bilder sind stark und eindrücklich, die Charaktere eingängig gestaltet. Zudem interessieren mich Menschen am Rand der sogenannten „Normalität“ ohnehin viel mehr als alle anderen. Rensings Kampf gegen den Supermarkt bzw. seinen abgewanderten Kundenstock nimmt groteske Ausmaße an. Die Vernunft ist zwar bei seiner Frau durchaus beheimatet, doch es fällt ihrem Gatten schwer, das anzuerkennen. Einerseits der ruhig fließende Erzählton, andrerseits das viele Neue, das den Metzger zum Umdenken zwingen will, ihm immer mehr zusetzt und ihm innere Stürme beschert.
    Von mir aus hätte auf die junge, praktisch veranlagte Metzgerstochter und nun Ehefrau Jacomine und auf eine andere Außenseiterin, Jans, mehr eingegangen werden können.
    „Sturkopf“ ist lustig und traurig zugleich, weil ein so hingebungsvoller, begabter Mensch immer wieder scheitert. Auf jeden Fall ein ungewöhnliches Thema, kurzweilig und lesenswert, mit Blick auf die Einzelheiten, gestaltet. Der Einblick in das Metzgerhandwerk und wie ein Handel dabei vonstattengehen kann, hat mein bescheidenes Hausfrauenwissen überdies erweitert.
    Von diesem Autor möchte ich mehr lesen. Gern empfehle ich den Roman weiter.

  • Claire hat Krebs und nur mehr wenige Monate Lebenszeit. Sie lebt mit ihrem Mann Elias in einem schönen Haus, ihre Kinder sind beide erwachsen. Die Tochter Abby ist verheiratet und lebt mit Mann und Töchtern weiter fort, auch der Sohn Josh ist nicht in der Nähe. Eliot kümmert sich um Claire, man kann sagen, dass sich das Leben in den letzten Jahren hauptsächlich um Claire und ihre Krankheit gedreht hat. Als ihre Freundinnen Holly und Michelle anreisen, äußert Claire den ungewöhnlichen Wunsch, dass Eliot ausziehen möge, sie wollte die letzten Wochen nur mit den Freundinnen verbringen. Als Begründung gibt sie an, dass sie das ebenso gemacht hätte, als damals eine andere Freundin erkrankt war, die sie bis zum Tod begleitet hätten. Eliot ist wie vor den Kopf gestoßen, doch er möchte den letzten Wunsch seiner Frau nicht abschlagen und zieht in Hollys Haus. Kurz darauf bemerkt er, das er auch als Besucher nicht willkommen ist ...

    Das Buch war überhaupt nicht meins und hat mich richtig runtergezogen. Nich wegen der Krebserkrankung und dem drohenden Tod, sondern weil ich Claires Verhalten in keiner Weise nachvollziehen konnte. Die Geschichte ist in der dritten Person aber ausschließlich aus Eliots Sicht geschrieben, ich hatte tiefes Mitgefühl mit dem Mann. Dass die Partnerin es vorzieht, die letzte Zeit mit Freundinnen zu verbringen, anstatt mit dem Lebenspartner, war für mich unverständlich und traurig. Eliot leidet darunter und ich musste zeitweise das Buch weglegen, weil ich das Gefühl hatte, Claire schütteln zu müssen. Krankheit hin oder her, sie verhält sich egoistisch und verrückt. Leider erfährt man nichts von ihren Gedanken und Gefühlen, vielleicht hätte ich sie dann besser verstehen können, so konnte ich das nicht. Allerdings muss ich auch sagen, dass Eliot schwach wirkt, er nimmt alles hin, ohne sich wirklich zu wehren.
    Die zwei Freundinnen blieben mir unsympathisch, zeitweise schien es, dass sie richtig Freude daran hatten, dass Eliot ausgeschlossen wurde und sie nun in Claires Leben die Nummer eins waren. Der Roman plätschert dahin, bleibt für mich oberflächlich, keine Gespräche, die die Eheleute näherbringen, wie es oft im Angesicht des nahenden Todes ist. Gegen Schluss tut Claire zusammen mit ihren Freundinnen etwas, das Eliot tief verletzt, weil er erneut ausgegrenzt wurde.
    Ich begreife nicht, was uns die Autorin damit sagen wollte, denn eine Entwicklung der Figuren kann ich nicht feststellen.
    Auch der Schluss blieb schwammig, es erschien mir, als wollte sich die Autorin mit dem »danach« nicht auseinandersetzen. Dieses Thema, das mich normalerweise tief berührt und das ich in vielen Büchern hautnah ergreifend erleben durfte, konnte mich hier nicht abholen.

  • 00-Laschet von David Safier

    Armin Laschet als Geheimagent? Ob das eine so gute Idee ist? In "00-Laschet" ist das (leider?!) Realität. Ich kann mir nur wenige andere vorstellen, die für die Rettung der Welt noch schlechter geeignet wären. Aber durch überzeichnete Charaktere und absurde Situationen entfaltet sich im Laufe der (eher kurzen) Lesezeit eine humorvolle Politsatire und ein gar nicht so übler Agent 00-Laschet.

    Durch den sehr lockeren, humorvollen Schreibstil und die sehr kurzen Kapitel lässt sich das Buch wirklich schnell lesen. Es ist weder anspruchsvoll noch beinhaltet es unerwartete Wendungen, sondern überzeugt hauptsächlich durch seinen Humor. Diesen würde ich eher als stumpf bezeichnen, trifft bei mir aber genau ins Schwarze.
    Die Rolle, die Laschet hier einnimmt, ist amüsant mit anzusehen und hat mir immer wieder ein Schmunzeln hervorgelockt. Seine Begleitung, die junge Agentin 12, bringt dabei frischen Wind mit. Als junge Leserin, die der Gen Z zugehörig ist, hatte ich fast etwas Sorge, dass das Buch eher Boomer-Humor bedient, doch dem war gar nicht so! Gerade das Aufeinandertreffen der Generationen, was überraschend akkurat und ohne Vorverurteilung von statten ging, war tatsächlich einfach gut geschrieben.
    Die Geschichte wird jedoch in ihrem Verlauf immer abgedrehter, schneller und hat am Ende mit der Realität nur noch wenig zu tun. Gerade das ist absolut Geschmackssache. Da ich bei dem Buch mit der Haltung rangegangen bin, einfach gut unterhalten zu werden, war das für mich vollkommen in Ordnung.

    Wer also ein Buch sucht, das man einfach mal zwischendurch lesen kann, ohne sich dabei groß anzustrengen, wird mit "00-Laschet" sehr wahrscheinlich glücklich! Damit es keine bösen Überraschungen gibt (18€ sind ja schon nicht ohne), empfehle ich jedem, der etwas unsicher ist, einen Blick in die Leseprobe zu werfen. Dort wird gleich auf den ersten Seiten sehr deutlich, worauf man sich mit "00-Laschet" einlässt.

  • REM von Annika Strauss

    Barbara Pernter aus der Athesia-Filiale in Bozen

    Horror als Genre in der Literatur zielt darauf ab, im Leser das Gefühl von Angst, Beklemmung und Abscheu hervorzurufen. Dass mit der Angst und der Beklemmung kann Sebastian Fitzek in seinen Thrillern wirklich gut. Aber diese Geschichte sollte ein richtiges Horror-Buch werden, deshalb hat das Buch auch Annika Strauss, Spezialistin für das Genre geschrieben. Der Name Fitzek auf dem Cover hilft sicher dabei, die richtigen Leser für die Geschichte zu finden. Denn wenn man sich vom Gefühl der Abscheu nicht abschrecken lässt und auch für unerklärliches in der Handlung offen ist, findet man hier ein gut lesbares und mitreißendes Buch. Ich fand die Geschichte nicht gar zu düster aber schon unheimlich und auch wenn es nicht ganz ein Fall war, konnte ich mich dem Sog nicht entziehen.