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Yorkshire 1952: Inspector Grasby raubt seinem Vorgesetzten regelmäßig den letzten Nerv, da er von einem Missgeschick ins nächste stolpert. So kommt es, dass er zur Strafe ins kleine Dorf Elderby versetzt wird. Was soll, bis auf einige Diebstähle, in dem idyllischen Ort schon passieren? Frank Grasby wird allerdings sogleich bei seiner Ankunft mit einem Toten im Kamin konfrontiert. Und die nächste Leiche lässt nicht lange auf sich warten.
Der Winterkrimi vom 2025 verstorbenen Autor Denzil Meyrick ist überaus angenehm erzählt, mit einem Humor, der dem Leser regelmäßig ein süffisantes Lächeln ins Gesicht zaubert.
Die perfekte Lektüre für die kalte Jahreszeit.
Wir befinden uns im Jahr 1952 im verschneiten Yorkshire und begleiten Inspector Frank Grasby in das verschlafene Elderby. Alles spielt kurz vor Weihnachten und ist weiß überzuckert, könnte also zusammen mit Creamtea eine wirklich romantische Geschichte werden. Tatsächlich trifft Frank allerdings auf so viele unerwartete mysteriöse Vorfälle, daß man auch als Leser kaum zu Atem kommt. Eine kleine Romantik könnte sich mit der jungen Praktikantin im Polizeirevier, Mrs. Daisy Dean, oder liebevoll Deedee ergeben, mit der, der Inspektor in der gleichen Pension wohnt. Wer denkt, das sich das Buch zu einer "Schnulze" entwickelt, der liegt weit daneben. Der Roman ist tatsächlich super spannend und noch dazu politisch aktuell! Mehr will ich gar nicht verraten!
Dies ist mein erster Roman des Autors und mich hat einfach dieses wunderbare Cover in warmen Tönen angesprochen. Ich versprach mir einen Cosy Krimi angesiedelt im ländlichen England. Ich wurde überrascht.
Protagonist ist Inspector Grasby. Ein Mann mittleren Alters ohne Frau und Kinder, der mit seinem Vater zusammenlebt. Er hat sich mit einem unglücklichen Zwischenfall unbeliebt gemacht. Bei einem Einsatz lässt er versehentlich sehr wertvolle Pferde entkommen. Für ihn heißt es deshalb: Versetzung nach Elderby, ein abgelegenes Dorf, das zunächst unscheinbar scheint. Ganz unglücklich ist er nicht, es hätte schlimmer kommen können und er hofft einfach ein paar ruhige Monate in diesem Nest verbringen zu können. Aber kaum ist er da, geschieht der erste Mord. Dieser scheint auf den ersten Blick einfach zu klären, aber nichts ist in diesem Dorf wie es scheint und der Inspector tappt in einen riesigen Fall.
Frank Grasby wird nicht als allwissender, übermenschlicher Ermittler präsentiert, sondern als jemand mit Fehlern, Unsicherheiten und menschlichen Schwächen. Dadurch wirkt er nahbar und sympathisch. Die Erzählweise profitiert von britischem Humor, kleinen Szenen skurriler Dorfbewohner und Eigenheiten, die das Setting lebendig machen. Die junge Praktikantin Deedee bringt zusätzlich frischen Wind in die Ermittlungen und sorgt für ein gutes Gegengewicht zu Grasbys Besonnenheit und gelegentlicher Ungeschicklichkeit.
Meyricks Stil verbindet klassisches Cosy Crime mit historischen Elementen, das Nachkriegsengland, die winterliche Kälte, die Dörflichkeit und die sozialen Hierarchien werden gut eingefangen.
Das Tempo schwankt: Der Einstieg ist bedächtig, Grasby wird eingeführt und kurz nach seiner Ankunft im Dorf nimmt die Handlung an Fahrt auf, sobald die ersten Toten und merkwürdigen Ereignisse auftreten. Die Verwicklungen sind zahlreich, die Verdachtsmomente verwirrend, man kann niemanden wirklich vertrauen und genau das macht die Spannung aus. Für mich ein ungewöhnlicher Krimi, der sich völlig anders entwickelt hat als gedacht. Der Plot war für mich etwas weit hergeholt, mich hat vor allem der Charakter Grasby überzeugt, weshalb ich gerne mehr über ihn lesen möchte.
Der Tote im Kamin - Ein Fall für Inspector Frank Grasby von Denzil Meyrick (Dumont)
„Was für ein hübscher Kerl“, bemerke ich lächelnd.
„Wie bitte?“, fragt Wally einigermaßen verdutzt.
„Ihr Hund. Er heißt Bill, nicht wahr?“
„Meine Güte, Inspector, Sie sind ja auf Zack. Kaum hier angekommen, und Sie kennen schon die Namen der Haustiere im Dorf. Jemanden wie Sie haben wir gebraucht.“
„Was meinen Sie damit?“
„Na ja, hier herrscht ein ausgewachsenes Chaos, und Bleakly ist wohl kaum in der Lage, allein einen Mord aufzuklären.“ S.183
Ja, schnell eingelebt hat sich der Inspector ins beschauliche Elderby. Doch die all zu schnell aus dem Kamin gepurzelte Leiche bestätigt den Anschein vom beschaulichen Landleben keineswegs. Denn Grasby, seine amerikanische Praktikantin Miss Dean oder einfacher Deedee und der allzeit müde Sergeant Bleakly haben alle Hände voll zu tun, als kurze Zeit später eine zweite Leiche auftaucht. In dieser ruhigen vorweinachtlichen Atmosphäre im Jahr 1952 ist reichlich kriminelle Energie vorhanden. Hier gilt es den Dorfbowohnern einmal genauer auf die Finger zu schauen.
Mit gewieften Dailogen, einer Portion schwarzhumoriger Episoden und liebenswert schrägen Charakteren erzählt Denzil Meyrick einen spannenden Cozy-Crime-Roman. In einem angemessenen Tempo und der Zeit entsprechend besticht die Geschichte durch angenehmen Lokalkolotit. Man spürt den Zeitgeist und erkennt beim Lesen gesellschaftliche Besonderheiten und Probleme.
Die Figuren konnten mich voll überzeugen und bestechen durch ihre typischen Charaktereigenschaften und teils schrägen Besonderheiten. Genauer der Inspektor mit seiner liebenswert tollpatschigen und doch direkten Art konnte mich mit seinen Aktionen fesseln.
Der Autor wählt Grasby bewusst als Ich-Erzähler aus. Basierend auf Tagebucheinträgen, Notizen, Polizeiberichten und Erinnerungen sowie Erzählungen entfaltet sich das abenteuerliche Leben des Frank Grasby nun vor den Augen der Leserschaft. Und zum Glück hat das alles Denzil Meyrick in seinen Roman zusammengefasst. Denn der leicht sonderbare Ich- Erzähler verleiht dem Gesagten einen besonderen Stil, den ich sehr mag.
Fazit: Ein wunderbarer Fall! Sehr lesenswert! Und einen Dank an den britischen bsw. schottischen Humor!
Danke und Chapeau Denzil Meyrick!