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Bewertungen von Leser/innen

  • Feuer von Aleš Šteger

    Der bedeutende slowenische Autor Aleš Šteger schreibt in seinem Roman Feuer über das Leben einer Frau.
    Die Kindheit mit einem tyrannischen Vater und einer schwachen Mutter zwingt sie dazu, innere Stärke zu entwickeln. Mit 17 wird sie von Partisanen aufgenommen, Zora genannt und sie übernimmt 1942 die Versorgung des organisierten Widerstands gegen die Besatzer. Nach dem Krieg wird sie Mitglied der kommunistischen Partei, geht schließlich nach Belgrad. Der Autor folgt ihrem Lebensweg.

    Aleš Štegers Stil ist konzentriert und intensiv. Unbedingt lesenswert!

  • Ist doch schön hier von Miriam Burdelski

    Liesels Großmutter stammt aus Ostpreußen. Sie erzählt ihrer neunzehnjährigen Enkelin Geschichten aus der alten zeit, auch nach der Flucht nach Deutschland.
    Noch im Pflegeheim spürt man der inzwischen alten, dementen Emmi die Sehnsucht nach der verlorenen Heimat an.
    Gemeinsam mit einem Freund wagt Liesel die Reise mit ihrer Großmutter nach Polen.Es wird nicht einfach.
    Es geht dann auch viel um Familie und Beziehungen und es gibt auch ein großes Geheimnis aus der Vergangenheit. Das hatte einfluß auf alle Familienmitglieder.
    Miriam Burdelskis Erzählstil erlaubt ein starkes Mitfühlen. Nicht jedes Buch ist so emotional und dennoch ausgewogen.

    In der Danksagung betont die Autorin noch, dass die Figuren dieses Romans nicht die ihrer Familie sind und dennoch hatte die Fluchtgeschichte ihrer Großmutter mit beeinflusst.

  • Die Dichterin von Özge Inan

    Die Dichterin ist ein Roman, der einen Teil des Literaturbetriebs zeigt.
    Der Clou des Buches wird bereits früh angedeutet. Für die Spannung des Buches hätte man das auch mehr im unbestimmten lassen können.
    Die Dichterin Emma Rodenstock wird verdächtigt, ihre Texte von jemand anders kopiert zu haben. Eine Journalistin deckt das auf.
    Eine These ist, dass die Gedichte auch wegen der Persönlichkeit der Dichterin so ein Erfolg wurden. Dass die Dichterin so eine große Ausstrahlung hatte, wie behauptet, konnte ich beim Lesen nicht sehr spüren. Schlecht gemacht ist die Figur der Emma Rodenstock tatsächlich nicht. Sie hat mich mehr überzeugt als z.B. die Journalistin.
    Während die Handlung in der ersten Hälfte mehr oder weniger vor sich hin plätschert, wird es später interessanter.
    Özge İnan ist insgesamt eine vielversprechende Autorin, bei der man auf kommende Veröffentlichungen gespannt sein kann.

  • Wirf einen Schatten von Elena Fischer

    Wirf einen Schatten ist das zweite Buch nach Elena Fischer großartigem Debütroman Paradise Garden.
    Die Handlung ist interessanterweise in den frühen sechziger Jahren angesiedelt und thematisiert das Leben eines Mannes.
    Joseph wurde von seiner Frau und kleinem Sohn verlassen. Er hat sich daher innerlich sehr zurückgezogen. Nur mit seiner Schwägerin Ada versteht er sich noch gut.
    Eine Änderung in seinem Leben bewirkt die Begegnung mit der 20jährigen Birdie, die er bei sich aufnimmt, als sie in Not ist. Es dauert eine Weile, bis Birdie ihre Geschichte erzählt.
    Zwischendurch gibt es immer wieder mal kurze Rückblicke auf die Zeit, als Joseph noch mit seiner Frau zusammen war. So erschließt sich einiges nach und nach.

    Ich halte viel davon, wie die Autorin ihre Figuren aufbaut. Sie behandelt sie fair und macht sie zu realen Menschen.
    Es ist intelligent gemachtes Buch, sprachlich ansprechend. Ich halte es für möglich, dass auch dieser Roman auf die Longlist zum Deutschen Buchpreis gelangt.

  • Das Klimpern der Schlüssel von Anne Goscinny

    Das Klimpern der Schlüssel ist ein Erinnerungsbuch von Anne Goscinny an ihren berühmten Vater Rene Coscinny, Texter von Asterix und Luky Luke sowie weiterer.
    D.h. viel erfährt man nicht vom Vater. Im Mittelpunkt ist das Erleben des neunjährigen Mädchens. Ihre Gefühlswelt beim Verlust, der auch Jahre später sich noch auswirkt. Die frühen Passagen sind die Stärke des kurzen Buches.
    Aber ich denke, die Gefühle gleichen sicher auch anderen Menschen, die früh ihre Liebsten verlieren.

    Anne Goscinny vermag auf sensible Art einige Passagen der Trauer und des Verlustes zu gestalten.

  • Die Yakuza-Prinzessin von Akira Otani

    Shindo ist eine toughe Frau, aber das sie von der Yakuza auf brutale Art gezwungen wird, die Tochter des Yakuza-Chefs als Leibwächterin zu dienen, hätte sie nicht gedacht.
    Doch nach anfänglichen Fremdeln zwischen den beiden Frauen, baut sich langsam ein Vertrauensverhältnis auf.
    Das Buch lehnt sich an A.J.Quinnells Man of Fire an, das mehrfach verfilmt wurde. Immerhin eine gute Variante.

    Obwohl es krass gewalttätige Szene in dem Buch gibt, ist es in erster Linie ein Plädoyer, sich gegen patriarchale Gewalt zu wehren.

    Fazit: Starke, feministische Literatur aus Japan, getarnt als Yakuza-Thriller.

  • Dem Meer entgegen von Lidija Hilje

    Der Roman Dem Meer entgegen handelt an der kroatischen Küste und zeigt das Leben von Ivona. Sie hatte mit Vlaho eine tiefe Beziehung, doch sie trennte sich von ihm. Ivona leidet auch 10 Jahre später noch daran. Vlaho ist inzwischen verheiratet und Vater. Doch sie sind noch in Kontakt und alte Gefühle gibt es noch.

    Lidija Hilje gestaltet ihr Buch einfühlsam und beschreibt eine Beziehung in allen Facetten, dabei auch das Aus und das Weitermachen.
    Die Autorin ermöglicht dem Leser Zugang zur Hauptfigur. Man sieht ihre Gedanken und Emotionen.
    Man sieht auch ihre Zweifel, wie sie hin- und hergerissen ist. Das gilt dann schließlich auch für Vlaho.
    Vielleicht ist der Roman ein klein wenig zu lang. Zu den Entscheidungen hätte die Beteiligten auch eher gelangen. So waren es auch verlorene Jahre für Ivona.
    Mit dem Ende bin ich ganz einverstanden und finde es folgelogisch.
    Die kroatische Schriftstellerin Lidja Hilje schafft viel Atmosphäre. Sie kann erzählen und ist für mich ein gute Entdeckung.

  • Querfeldein von Alex Capus

    Alex Capus gestaltet seinen neuen großen Roman mit seiner gewohnt lässigen, manchmal lakonischen Art.
    Es beginnt zur Jahrhundertwende und zeigt einen Schweizer Gastwirt und seine Frau sowie seine Kinder über einen langen Zeitraum. Dabei betrachtet Alex Capus auch die politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen der Zeit.

    Es ist ein historischer Stoff und wirkt aufgrund der eigenwilligen Figuren wie ein Schelmenroman. Aus meiner Sicht sehr gelungen! Alex Capus ist ein zuverlässiger Autor, dessen Bücher immer ein gutes Niveau haben.

  • Annie Robot von Sierra Greer

    Sierra Greer hat mit diesem Roman den Arthur C.Clarke Award 2025 gewonnen. Es ist ein bemerkenswerter Roman um Annie, einem Roboter. Sie ist Eigentum und praktisch Sklavin von Doug, der sie rücksichtslos behandelt. Es gibt verstörende Passagen. Schließlich ist sie für ihn nur eine Maschine.
    Die Beziehung ist problematisch
    Sie suchen sogar die Hilfe einer Psychologin für eine Therapie auf.

    Doch mit Hilfe von KI verändert Annie sich. Es ist eine Art Entwicklungsroman.
    Und am Ende stellt sich die Frage für Annie, ob sie Doug lieben kann, oder ob sie gehen soll.

    Ob man es als feministisches Buch oder als Science Fiction liest, bleibt die Entscheidung des Lesers.

  • Dabei waren wir uns immer so nah von Jette Kötschau

    Dabei waren wir uns immer so nah ist der Debütroman von Jette Kötschau, in der sie über die Freundschaft von drei Frauen schreibt.
    Katharina, Merle und Henri haben viel gemeinsam, sind aber auch unterschiedliche Charaktere.
    Für Merle, zum Beispiel, zählt ihr Dasein als junge Mutter im Moment am meisten, Katharina hat Probleme in der langjährigen Beziehung mit ihrem Freund Ole. Und Henri ist die extrovertierteste unter ihnen.
    Die Autorin setzt auf ein undramatisches Erzählen und thematisiert die alltäglichen Schwierigkeiten, die die Frauen haben, ohne Übertreibungen und ohne Pathos. Ihr Schreibstil ist dabei einfach und direkt gehalten. Es fehlt dabei aber leider auch an Raffinesse.
    Auch hatte ich erwartet, dass die Brüche in den Freundschaften mehr gezeigt werden. Streckenweise fehlt es an Spannung.
    Vielleicht gewinnt das Buch, wenn man sich mit den Figuren identifizieren kann.

  • Mädchen allein zu zweit von Daniela Dröscher

    Mädchen allein zu zweit ist ein Jugendbuch, zu dem ich gegriffen habe, weil es von Daniela Dröscher geschrieben wurde. Das Buch hat nicht den autofiktionalen Charakter von Dröschers anderen Büchern, aber es besitzt trotzdem eine hohe Glaubwürdigkeit der emotionalen Lage der Protagonistin Issa.
    Sie ist 16 Jahre alt.
    Man erfährt von Issas Leben und von ihrer Freundin Grace. Beide gehen sie auf eine Schule, sind aber finanziell schlecht gestellt.
    Dröscher baut geschickt ein paar Gedichte in den Text ein, die Issa viel bedeuten.
    Das sind z.B. Gedichte von Sarah Kirsch, Inger Christensen, Christine Lavant.

    Es ist bedrückend zu lesen, wie Issa Existenzängste hat, da die Mutter nicht viel Geld verdient. Auch ihre jüngere Schwester ist sensibel und fast verstummt.
    Daniela Dröscher gelingt es, ihre Figuren auf einfühlsame Art zu gestalten, so dass die Leser leicht mit ihnen mitfühlen können.

  • Andrej Kurkow schreibt erneut tagebuchartig über die Situation der Ukraine. Der betrachtete Zeitraum umfasst April 2024 bis April 2025.
    Die Ukrainer leben ein Leben im nicht endenden Krieg zwischen Verzweiflung und Alltag.

    Die Kapitel wirken ein wenig wie Kolumnen über verschiedene Aspekte des Kriegsgeschehens. Das gibt dem Leser tiefe Einblicke. Kurkow ist realistisch, auch illusionslos, aber nicht ohne Hoffnung. Er nennt sich selbst einen pragmatischen Optimisten. Ihm gelingen auch einige bemerkenswert gute Beschreibung von Teilen der Ukraine. Beispielhaft nenne ich hier das Kapitel Der Dniprow im Krieg.

    Jahre im Feuer ist auch ein höchst politisches Buch. Kurkow beobachtet genau die Reaktionen des Westens, insbesondere der USA unter Trump. Darunter auch die Demütigung Selenskyjs im weißen Haus.

    Das Buch schließt mit einem Nachwort mit Datum September 2025.
    Es ist also zu vermuten, dass ein weiteres Buch dieser Art von Andrej Kurkow folgen wird.