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Bewertungen von Leser/innen

  • „Die Nachbarin. Lass sie nicht in dein Haus.“ ist ein rasanter Thriller der Autorin Nova Winter.

    Nachdem das erste Kapitel für Fragezeichen in meinem Kopf gesorgt hat, geht es direkt rasant los. Smilla entdeckt beim Joggen ein Kind, das droht, im See zu ertrinken. Ohne nachzudenken springt sie ins Wasser und rettet es ans Ufer. Dort trifft sie eine unglaubliche Erkenntnis: Dieser Junge ist ihr Sohn. Gleichzeitig ist ihr klar, dass dies nicht sein kann. Die Mutter des Jungen kommt herbeigeeilt. Statt eines Dankes verhält sie sich unfreundlich sowie abweisend und verschwindet direkt mit ihrem Kind. Smilla ist verwirrt.

    Die Kapitel sind kurz und wechseln immer wieder die Perspektive. Dadurch wird eine enorm hohe Spannung erzeugt und man erhält einen guten Einblick in die unterschiedlichen Charaktere. Das Erzähltempo ist hoch und ich habe immer wieder gedacht, dass ich wüsste in welche Richtung die Handlung geht. Aber schon kam die nächste Wendung und ich musste meine Gedanken neu sortieren. Es gibt auch immer wieder Hinweise, denen ich zunächst nicht viel Bedeutung beigemessen habe und die dann auf einmal ein anderes Licht auf die Ereignisse geworfen haben.

    Die Grundstimmung bleibt durchgehend düster und geheimnisvoll. Die Anzahl der Charaktere ist sehr überschaubar, was ich aufgrund der rasanten Handlung als sehr angenehm empfunden habe. Im Wesentlichen dreht sich alles um Smilla und ihren Mann Jonas und Lou – die Mutter des Jungen – und ihren Mann Quentin. Über jeden von ihnen kommen nach und nach Dinge ans Licht, wodurch ich sie dann wieder anders wahrgenommen habe als zuvor.

    Es ist ein leicht zu lesender Thriller, der vor allem durch seine psychologischen Aspekte besticht. Die Auflösung ist überraschend, aber stimmig und hat für mich perfekt gepasst.

    Nova Winter zieht ihre Leser in ein dunkles Netz aus Lügen und falschen Fährten. Insgesamt ist es ein rasanter Thriller, der die Grenzen zwischen Realität und Wahnsinn perfekt verschwimmen lässt.

  • Deal with the Devil von Kyra Parsi

    „Deal with the Devil“ ist der erste Band der Bad-Billionaire-Reihe der kanadischen Autorin Kyra Parsi.

    Ria Sanchez hat Adrien Cloutier zum Gespött der Stadt gemacht. Dumm, dass dieser der Sohn Kanadas größter Hoteliersfamilie ist, ihre Schwester Alba für ihn arbeitet und Adrien sich nun rächen will. Damit Alba nicht ihren Job verliert, bleibt Ria nichts anderes übrig, als nach seinen Regeln zu spielen. Allerdings ist sie dabei keineswegs bereit, sich kampflos geschlagen zu geben, sie bleibt trotz allem ausgesprochen selbstbewusst und lässt sich keineswegs einschüchtern.

    In 38 kurzen Kapiteln geht es ausgesprochen lebendig zur Sache. Ria und Adrien sind einfach zwei tolle Protagonisten. Die Dialoge zwischen den beiden sind sehr erfrischend und haben mich immer wieder zum Lachen gebracht. Auch die Nebencharaktere haben mir hier gut gefallen. Insbesondere Adriens Familie hat mich überrascht. Trotz ihres Vermögens wirkt sie unglaublich sympathisch und nahbar.

    Neben vielen humorvollen Momenten gab es auch einige emotionale Situationen, die der Story mehr Tiefe verliehen als ich erwartet hatte. Die ungewöhnlichen Ideen der Autorin – wie z.B. ein rappender Papagei – haben den Ereignissen etwas Einzigartiges verliehen.

    Die Handlung wird mit einem Blick in die Zukunft gelungen abgerundet, so dass ich das Buch zufrieden zugeklappt und zur Seite gelegt habe.

    Mich hat diese RomCom großartig unterhalten und wer gerne lacht, nach leichter, humorvoller Lektüre sucht, der liegt mit diesem Roman genau richtig. Ich bin jedenfalls schon gespannt auf den zweiten Band der Bad-Billionaire-Reihe, der allerdings leider erst für den Dezember angekündigt ist.

  • Summer Heat von Solveig-Marie Kastner

    „Summer Heat“ ist das Debüt der Autorin Solveig-Marie Kastner.

    Die Handlung ist in Portugal in einem Luxushotel - dem Platô Beach Resort - das auf einem Plateau an der Steilküste liegt, angesiedelt. Mia hat ihren sicheren Job als Bankangestellte aufgegeben, um dort als Animateurin zu arbeiten. Dabei geht es ihr nicht darum neue Erfahrungen zu sammeln, sondern sie hat ihre eigenen ganz persönlichen Gründe, die lange im Dunklen bleiben. Schon bei der ersten Begegnung mit dem Barmann Yanis fühlt sie sich zu diesem hingezogen und kann sich gedanklich kaum noch von ihm lösen.

    Solveig-Marie Kastner versteht es die Atmosphäre des Luxusresorts lebendig werden zu lassen. Man merkt, dass sie die Umgebung an der Algarve sehr gut kennt, da durch ihre Beschreibung diese direkt Bilder vor meinen Augen entstanden sind.

    Ihr Schreibstil lässt sich angenehm leicht lesen. Es dauert allerdings ziemlich lange, bis sich Spannung aufbaut. Warum Mia ihren sicheren Job in der Heimat aufgegeben hat und was sie sich von ihrem Job als Animateurin verspricht, bleibt lange im Dunklen. Stattdessen lassen wechselnde Perspektiven die Charaktere immer wieder in einem anderen Lichte erscheinen.

    Während zunächst mehr die Affäre zwischen Mia und Yanis im Vordergrund steht, steigt ab der Mitte des Buches die Spannung deutlich.

    Es ist kein klassischer Thriller, bei dem von der ersten Seite an Hochspannung aufgebaut wird. Vielmehr ist es ein atmosphärischer Sommerroman mit Thrillerelementen, der mit dem Unwissen der Lesenden spielt und durch undurchsichtige Charaktere und Misstrauen am Lesen hält.

    Mir gefiel das Setting und der damit verbundene Kontrast zwischen dem Luxusleben der Urlauber und den Angestellten des Resorts.

    Wer noch einen atmosphärischen Roman mit Urlaubsflair und Geheimnissen für den Sommer sucht, der liegt hier richtig, wer von Beginn an Hochspannung erwartet, könnte enttäuscht werden.

  • Magisch von Annika Büsing

    „Magisch“ ist ein aktuelles und intensives Buch der in Bochum lebenden Autorin Annika Büsing.

    Die Handlung ist in einem Dorf am Rande des Ruhrgebiets im Spätsommer angesiedelt.
    Paul Magisch ist nach fünfzehn Jahren in seine Heimat zurückgekehrt. Damals waren er und Marie ein Paar. Nun treffen sie sich wieder und zwischen den beiden ist alles wie früher. Allerdings hat sich auch viel verändert und für Paul wird die Bedrohung durch die rechte Szene im Dorf und Maries Bruder Andi spürbar.

    Der Schreibstil von Annika Büsing ist lebendig, direkt, klar, ohne Schnörkel und damit angenehm leicht zu lesen.
    Die Ereignisse werden aus der Perspektive von Marie erzählt. Marie ist inzwischen 36 und durch ihre Erinnerungen erfährt man Stück für Stück, wie sie und Paul in ihrer Jugend das unangepasste Punk-Pärchen des Ortes wurden. Diese Rückblicke haben etwas angenehm Leichtes und stellen einen gelungenen Kontrast zu den aktuellen Ereignissen im Dorf dar.

    Der Rechtsextremismus nimmt überall zu und mit Andi begegnet Marie diesem in ihrem direkten Umfeld. Entsprechend schwierig ist der Umgang in ihrer Familie.

    Mit Marie und Magisch hat die Autorin zwei wirklich großartige Protagonisten erschaffen. Insbesondere Magisch fand ich toll, er ist unangepasst, aber dabei auch total charmant und humorvoll. Ich habe die Momente zwischen den beiden geliebt.
    Auch die Dynamik in der Dorfgemeinschaft wirkt authentisch. Sie zeigt zwei Seiten, da ist zum einen ein starker Zusammenhalt, aber zum anderen dann auch wieder tiefstes Misstrauen.

    Für mich war es das erste Buch von Annika Büsing aber keinesfalls das letzte, da ich ihren Schreibstil einfach genial fand.

  • Laura Clark ist dann mal weg von Helen Russell

    „Laura Clark ist dann mal weg“ ist ein lebensnaher und humorvoller Roman der Journalistin und Autorin Helen Russell.

    Die Handlung beginnt im Juni 2026. Die vierzigjährige Laura Clark erscheint nicht im Büro und wird von ihren Kollegen vermisst. Da sie ansonsten sehr zuverlässig und gut organisiert ist, sind sie ein wenig ratlos. Ihr Abwesenheitsassistent sorgt für Irritation bei ihren Kollegen. Aber nicht nur bei diesen wird sie vermisst, auch ihre Tochter Sian, ihr Mann Mark, ihre Mutter und ihre Nachbarn vermissen Laura. Dabei wird sehr schnell deutlich, dass sie nicht Laura vermissen, sondern einfach nur feststellen, dass sie etwas in ihrem Leben vermissen, das Laura ansonsten erledigt hat.

    Der Schreibstil von Helen Russell ist sehr lebendig, einfühlsam und humorvoll zugleich. Sie zeichnet anhand der Kollegen und der Familie von Laura ein Bild von ihrer Protagonistin, das den wenigsten von uns unbekannt ist. Laura ist ein Mensch, der immer für alle da ist, die Strippen im Hintergrund zieht, für Ordnung sorgt, vorausschauend denkt und selbst nur wenig Aufmerksamkeit erhält.

    In kurzen Kapitel - 70 auf 416 Seiten - wird im Wechsel von den Personen berichtet, denen Laura nun zum Fehlen kommt. Dadurch liest sich das Buch locker und abwechslungsreich.

    In dem Roman steckt so viel Wahres und ich kann ihn allen Frauen, die sich schon mal unsichtbar vorkamen nur ans Herz legen. Selten habe ich über so viel Wahrheit so gelacht und gleichzeitig so mitgefühlt und innerlich „Ja, genau so ist es!“ gedacht.
    Mir wird das Buch noch lange im Gedächtnis bleiben und ich kann es allen Laura Clarks der Welt nur ans Herz legen.

  • Mord ohne Vorwort von Freya Sampson

    „Mord ohne Vorwort: Ein Buchclub ermittelt“ ist ein unterhaltsamer Cosy-Crime der in London lebenden Autorin und Fernsehproduzentin Freya Sampson.

    Die Handlung ist in einem fiktiven Küstendorf St Tredrock in Cornwall angesiedelt.
    Nova Davis lebt erst seit fünf Monaten dort und ist die neue Leiterin des Buchclubs im Gemeindezentrum. Dieser besteht aus ziemlich unterschiedlichen und äußerst eigenwilligen Charakteren: der über 70-jährigen Phyllis, dem hünenhaften Arthur, der auch schon über 80 Jahre alt ist und dem schlaksigen Teenager Ash. Da ihre Lesevorlieben äußerst unterschiedlich sind, ist es für Nova eine ziemliche Herausforderung, allen gerecht zu werden. Zusätzlich taucht als neues Mitglied Michael auf, der die Runde zunächst nur wortlos begleitet und sich erst beim zweiten Treffen - als es um „Der Gesang der Flusskrebse“ geht - unvermittelt das Wort ergreift. Ebenso unvermittelt springt er auf und verlässt die Runde. Danach kommt es zu einer Reihe von Ereignissen, die dafür sorgen, dass der Buchclub seine in den Büchern angelesenen Fähigkeiten anwenden kann.

    Die Ereignisse werden in kurzen Kapiteln aus den unterschiedlichen Perspektiven der Protagonisten geschildert. Dadurch lernt man diese schnell und gut kennen. Jeder der Charaktere ist einzigartig, nicht unbedingt auf Anhieb sympathisch, aber dennoch durchaus liebenswert.
    Wie auch schon in den vorherigen Büchern der Autorin lebt die Geschichte von den Figuren, die nicht viel gemeinsam haben, aus unterschiedlichen Generationen stammen und ein gemeinsames Ziel verfolgen: Hier das Lösen des Kriminalfalls.
    Ich habe dabei gerne mitgerätselt und fand das Vorgehen durchaus spannend und auch amüsant.
    Mir gefielen die Anspielungen auf bekannte Werke aus der Literatur ebenso wie die Atmosphäre des kleinen Küstendorfes.

    Es ist kein Buch, dessen Spannung dafür sorgt, dass man es nicht aus der Hand legen mag, sondern eines, das unterhält, nachdenklich macht und dabei auch so einige amüsante Momente bereithält.

    Ich kann das Buch Lesern, die Cosy Crime mit eigenwilligen Charaktere mögen und gerne über die Ereignisse rätseln, durchaus empfehlen.

  • Perfect Little Monsters von Cindy R. X. He

    „Perfect Little Monsters“ ist das Debüt und ein spannender Jugend-Psycho-Thriller der Autorin Cindy R. X. He.

    Dawn Foster ist neu an der Sierton Highschool und möchte zunächst nicht weiter auffallen. Aber sie möchte auch dazugehören und in das Team der Cheerleader. Tatsächlich gelingt ihr dies und sie findet Zugang zu der sogenannten sozialen Elite der Schule. Zu dieser gehören u. A. die drei Cheerleaderinnen und Freundinnen Ella, Lucy und Naomi. Die drei halten sich für etwas Besseres und lassen das gerne alle anderen spüren. Bei einer von Ella organisierten Poolparty kommt Ella zu Tode und plötzlich stehen alle unter Verdacht. Jeder hätte einen Grund gehabt sie umzubringen. Um ihre Unschuld zu beweisen, beginnt Dawn nachzuforschen.

    Der Schreibstil von Cindy R. X. He liest sich leicht und flüssig, so dass ich regelrecht durch die Seiten geflogen bin. Die Kapitel sind kurz und die Spannung extrem hoch, wodurch beim Lesen ein regelrechter Sog entsteht.
    Die Handlung wird aus der Perspektive von Dawn erzählt und hin und wieder aus der von Hannah. Dabei ist unklar, um wen es sich bei Hannah handelt. Man erfährt lediglich, dass diese in der Vergangenheit an der Sierton High von Ella und ihren Freundinnen gemobbt wurde.

    Hier werden zahlreiche aktuelle und schwierige Themen wie z.B. Mobbing, Bodyshaming, Depression, Oberflächlichkeit, Essstörung, Unfall und Mord behandelt.

    Ich habe durchgehend gerätselt, was hier passiert ist und wer für den Mord verantwortlich sein könnte. Letztendlich kam es zu Wendungen, die ich so nicht vorhergesehen habe und die mich die Luft anhalten ließen.

    Auch wenn hier einige Klischees bedient wurden, ich fand diesen Thriller einfach nur genial und bin gespannt auf weitere Werke der Autorin.

  • Tage am Fluss von Jochen Mariss

    „Tage am Fluss“ ist der Debütroman des Autors Jochen Mariss.

    Im Mittelpunkt der Geschichte steht die naturverbundene Fährfrau Sara Harmsen. Ihr Leben ist ruhig und zurückgezogen. Als ein junger Mann – Leon – mit einer Kopfverletzung bei ihr auftaucht, verarztet sie seine Wunden, nichts ahnend, dass dieser gesucht wird. Als Gegenleistung möchte sie, dass er ihr bei einigen Reparaturarbeiten hilft.

    Sara und Leon sind zwei sehr unterschiedliche Charaktere. Während Sara sehr heimatverbunden ist, hält es Leon nirgends. Aber sie haben auch eine wichtige Gemeinsamkeit: beide lieben die Natur und sorgen sich um unseren Planeten. Sie kommen sich langsam näher.

    Der Schreibstil von Jochen Mariss ist ruhig, aber eindringlich und atmosphärisch. Er beschreibt seine Charaktere ebenso lebendig und authentisch wie die Umgebung. Ich hatte das Gefühl, alles direkt vor meinem inneren Auge zu haben und konnte die sommerliche Stimmung direkt spüren.

    Obwohl sich das Buch schön liest und eine angenehme Sommerlektüre ist, macht es auch auf wichtige Themen aufmerksam, da es um den Klimawandel, Natur- und Klimaschutz geht. Es steckt eine Menge zwischen den Zeilen, was nachdenklich macht und dafür sorgt, dass mir dieses Debüt noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

  • Böse Stunde: Thriller von Catherine Shepherd

    „Böse Stunde“ ist der sechzehnte Thriller aus der Zons-Reihe der Autorin Catherine Shepherd, die selbst mit ihrer Familie in Zons am Rhein lebt und in dem sie gekonnt Gegenwart und Vergangenheit miteinander verknüpft. Das Buch lässt sich unabhängig von den vorherigen Bänden lesen. Es sind keine Vorkenntnisse notwendig. Da aber die Entwicklung der Protagonisten durchaus interessant ist, lohnt es sich die anderen Bücher ebenfalls zu lesen.

    Wie es für diese Reihe typisch ist, gibt es zwei Handlungsstränge. Einen in der Gegenwart und einen vor fünfhundert Jahren in der Vergangenheit. Der Handlungsort ist jeweils Zons.

    Bereits der Prolog hat bei mir für Gänsehaut gesorgt, da sich der Ich-Erzähler in einer lebensbedrohlichen Situation befindet und sein Countdown tickt.

    Im Anschluss geht es in die Vergangenheit. Der Staatssoldat Bastian Mühlenberg wird von seinem besten Freund Wernhart zu einer Leiche am Rheinufer geholt. Bei der Toten handelt es sich um die junge Magd Agathe. Bei ihr entdeckt er eine abgelaufene Sanduhr und der Arzt findet im Mund der Toten ein Zahnrad. Was will der Mörder damit zum Ausdruck bringen?

    In der Gegenwart wird der Kriminalkommissar Oliver Bergmann zu einer Leiche auf einem Parkplatz an der Bundesstraße vor Zons gerufen. Der Anblick, der ihn dort erwartet, ist nichts für schwache Nerven. Auch im Mund dieses Toten wird ein Zahnrad gefunden.

    Die Handlung wird im Wechsel in der Gegenwart und der Vergangenheit erzählt. Durch diese Wechsel und Cliffhanger an den Kapitelenden, kommt eine unglaubliche Dynamik auf. Zudem gibt es immer wieder Einschübe, in denen der Countdown aus dem Prolog weiter tickt. Dadurch baut sich eine unerträgliche Spannung auf, die es mir regelrecht unmöglich gemacht hat, das Buch aus der Hand zu legen.
    Ich wollte stets mehr erfahren, wie es in dem anderen Erzählstrang weitergeht und vor allem, wie Gegenwart und Vergangenheit miteinander verknüpft sein könnten.
    In meinem Kopf sind immer mehr Fragezeichen entstanden und irgendwann erschien mir so ziemlich jeder verdächtig. Allerdings musste ich meine Ideen auch immer wieder verwerfen.

    Der Schreibstil von Catherine Shepherd ist leicht und flüssig zu lesen. Durch detaillierte Beschreibungen der Umgebung und der Ereignisse entsteht beim Lesen direkt Gänsehaut und ein tolles Kopfkino. Den Handlungsort Zons hatte ich dabei stets vor Augen und der Ortsplan im vorderen Innencover verdeutlicht die Gegebenheiten auch für nicht Ortskundige.

    Die düstere und beklemmende Atmosphäre war in beiden Zeitebenen für mich durchweg zu spüren.

    Mich hat die Geschichte vom Anfang bis zum Ende gefesselt. Diese Reisen in die Vergangenheit sind immer wieder faszinierend und die Autorin verwebt diese jedes Mal grandios mit der Gegenwart.
    Die Auflösung war auch hier vollkommen überraschend und für mich keineswegs vorhersehbar. Dennoch war sie in allen Punkten schlüssig und passend.

    Mich hat dieser Band genauso gefesselt und gut unterhalten wie die vorherigen Bände. Ich bin jedes mal erneut überrascht, wie es der Autorin gelingt schlüssige Zusammenhänge mit über 500 Jahren Distanz zu erschaffen. Ich bin jetzt schon wieder gespannt auf den nächsten Thriller der Zons-Reihe.

  • Luft nach unten von Tamara Štajner

    „Luft nach unten“ ist eine vielschichtige Familiengeschichte der slowenischen, in Wien lebenden Autorin Tamara Štajner.

    Die Handlung führt an den Ohridsee. Nach drei Jahrzehnten mit fast 37 Jahren kehrt Iva aus einem traurigen Anlass an diesen Ort zurück. Ihr Kindermädchen Marija - mit der sie viel Zeit verbracht hat – ist gestorben. Am Grab ihres ehemaligen Kindermädchens entdeckt sie auf dem Grabstein einen zweiten, ihr unbekannten Namen. Dieser veranlasst sie dazu, sich auf Spurensuche zu begeben und sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen.

    Der Schreibstil von Tamara Štajner ist ruhig und atmosphärisch. Er lebt von seinen Charakteren, die vielschichtig und authentisch beschrieben werden, sowie der Umgebung, die bildhaft dargestellt wird.
    Iva, die durch eine Kinderwunschbehandlung mit ihrem Freund Felix eine Familie gründen möchte, beginnt sich mit ihrer Vergangenheit und der ihrer Familie auseinanderzusetzen. Dabei werden die Frauen ihrer Familie jede für sich vielschichtig und interessant beschrieben. Es geht um Familienkonflikte, die eigene Identität und Verluste. Iva beginnt durch ihre Nachforschungen ihr Leben neu zu überdenken.

    So wie in der Familie vieles unausgesprochen bleibt, bleibt hier vieles zwischen den Zeilen und regt somit zum Nachdenken an.

    Diese Familiengeschichte macht deutlich, wie sehr uns unsere Familie und unsere Kindheit prägen, dass sie Spuren hinterlassen und sich nicht abstreifen lassen. Mir wird dieser ruhige Roman noch lange im Gedächtnis bleiben.

  • Die Träume, die wir hatten von Christiane Hoffmann

    „Die Träume, die wir hatten“ ist ein persönliches und politisches Buch der Autorin, Journalistin und Osteuropa-Expertin Christiane Hoffmann.
    In ihrem Buch greift die Autorin die jüngsten politischen Entwicklungen auf und verbindet persönliche Erfahrungen mit dem deutschen, ukrainischen und russischen Ereignissen.
    Durch ihre persönlichen Beziehungen erfährt man von den Träumen junger Menschen, die wenig später durch den Krieg und die politische Weltlage zunichte gemacht wurden.
    Der Schreibstil der Autorin ist sehr ruhig und wechselt gekonnt zwischen sachlichen Fakten und persönlichen Erfahrungen. Dafür geht Christiane Hoffmann immer wieder in die Vergangenheit und sorgt so für ein umfangreiches Bild, das die Ausmaße der aktuellen Situation gelungen einfängt.
    Dabei merkt man, dass die Autorin über ein immenses Fachwissen verfügt und Expertin für Osteuropa ist.
    Obwohl der analytische und politische Anteil überwiegt, wird das Schicksal der betroffenen Frauen berührend greifbar. Ihre Geschichten bewegen, erschrecken und machen ihre Zerrissenheit deutlich.
    Das Buch ist keine einfache Lektüre, dafür ist es inhaltlich einfach zu tragisch. Dennoch ist es ein wichtiges, aktuelles Zeitdokument, das lange nachwirkt und zum Nachdenken anregt. Ich kann es jedem empfehlen, der die Hintergründe der heutigen Konflikte auf einer tieferen, menschlichen Ebene verstehen möchte.

  • Über Grenzen von Margot Flügel-Anhalt; Titus Arnu

    „Über Grenzen – Freiheit kennt kein Alter“ ist ein spannender Bericht über eine ungewöhnliche Reise von der deutschen Reiseschriftstellerin und Abenteurerin Margot Flügel-Anhalt.
    Ich reise unglaublich gerne und kann das Fernweh, von dem die Autorin schreibt, ausgesprochen gut nachvollziehen. Allerdings fand ich es unglaublich, was es in ihr ausgelöst hat und mit welchem Mut sie mit einer kleinen 125er Enduro ohne jegliche Fahrerfahrung aufgebrochen ist.
    Hier schildert sie nun in kurzen Kapiteln ihre Reise von Deutschland durch Polen, die Ukraine, Russland, Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Turkmenistan, Iran, Türkei, Bulgarien, Montenegro und Kroatien. Ihr Ziel ist dabei der Pamir-Highway.
    Ihre Erlebnisse beschreibt sie lebendig und authentisch. Nicht alles verläuft reibungslos. Das Motorrad streikt, sie verletzt sich, sie lernt die unterschiedlichsten Menschen kennen, erlebt fremde Kulturen und sieht die Natur. Sie berichtet so flüssig und ergänzt ihre Erfahrungen durch passende Fotos, so dass ich direkt das Gefühl hatte, bei ihren Erlebnissen dabei gewesen zu sein.
    Es ist ein mitreißender und emotionaler Reisebericht, der weit über eine klassische Routenbeschreibung hinausgeht. Margot Flügel-Anhalt beweist, dass Mut und Entdeckergeist keine Frage des Alters sind und ermutigt dazu, seine Komfortzone zu verlassen.
    Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und kann es unabhängig davon, ob man nach Reiseinspirationen sucht, oder sich einfach nur in die Ferne träumen möchte, uneingeschränkt empfehlen.