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„Feine Risse“ ist nach „Dunkle Momente“ das zweite Buch der in Berlin lebenden Autorin und Professorin für Strafrecht Elisa Hoven mit der Strafverteidigerin Eva Herbergen. Die Bücher können unabhängig voneinander gelesen werden.
Eva Herbergen ist eine sehr engagierte Strafverteidigerin, die hier nacheinander sieben sehr unterschiedliche Fälle aus ihrem Berufsleben schildert. Außerdem gibt es noch einen sehr persönlichen Fall, der die Familie ihres Mannes Peter betrifft und der sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht. Durch diesen und immer wiederkehrende Einblicke in das Privatleben des Paares bekommt die Handlung eine Romanform.
Die Fälle sind jeder für sich erschreckend und erstaunlich zugleich. Die dargestellten Verbrechen erschüttern. Eva ist jedes Mal mit viel Einsatz dabei. Sie verlässt sich nicht allein auf die ihr zur Verfügung gestellten Unterlagen, sondern sie ermittelt, bringt Dinge zu Tage, mit denen ich niemals gerechnet hätte und die den Fall jeweils in einem völlig neuen Licht erscheinen lassen.
Die Darstellung der Diskrepanz zwischen Recht, Ethik und Moral ist hier wirklich gut gelungen.
Dadurch ist ein packender Roman entstanden, der das Dilemma zwischen Recht und Gerechtigkeit treffend abbildet.
Mir hat das Lesen des Buches wirklich viel Spaß gemacht, ich bin immer wieder überrascht worden, habe gestaunt, war entsetzt, wütend, erschüttert und fassungslos. So viele Emotionswechsel in so kurzer Zeit habe ich sonst nur selten erlebt.
„Träume aus Feuer: Der Alchemist von der Pfaueninsel“ ist ein faszinierendes Buch über den Glasmacher und Alchemisten Johannes Kunckel des in Berlin lebenden Autors, Journalisten, Kunsthistorikers und Kurators Florian Illies.
Die Handlung beschränkt sich auf einen Ausschnitt des Lebens von Johannes Kunckel. Der Protagonist ist Glasmacher und steht hoch in der Gunst des Kurfürsten Friedrich Wilhelm. Dieser schenkt ihm aufgrund seiner Begeisterung für die Werke Kunckels die Pfaueninsel, damit er dort in aller Ruhe mit seinen Arbeitern experimentieren kann .
Der Schreibstil von Florian Illies ist ruhig, dicht und intensiv. Er vermittelt die Atmosphäre der Zeit, thematisiert neben der Arbeit des Glasmachers, das Leben der Menschen, politische Intrigen, die hohe Kindersterblichkeit und malt gleichzeitig mit seinen Worten die Landschaft der Pfaueninsel vor den Augen seiner Leser.
Die Handlung baut sich immer weiter auf, bis sie zu einem dramatischen und emotionalen Ende kommt. Im Anschluss gibt es in dem Kapitel „Nachglühen“ nochmals gesammelte Fakten, die einiges aus der Handlung wieder aufgreifen.
Mich hat das Buch gut unterhalten und gleichzeitig hat es mir interessante Einblicke in vergangene Zeiten und die Glasbrennerei vermittelt.
Insgesamt ein kleines, aber feines Buch, das trotz seiner Kürze durch eine faszinierende Thematik und eine hohe Informationsdichte überzeugt.
„Die Wagners: Eine Familie zwischen Musik und Macht“ ist eine interessante und umfassende Familienbiografie des Autors und Kulturwissenschaftler Michael Lemster.
Richard Wagner wird so gut wie jedem ein Begriff sein, da kommen direkt die Assoziationen zu den Bayreuther Festspielen, „Tristan und Isolde“ oder „Der Ring des Nibelungen“. Aber das war es dann auch schon, zumindest bei mir. So richtig viel wusste ich bisher über den Künstler - der als einer der bedeutendsten und einflussreichsten deutschen Komponisten der Romantik gilt - nicht.
Mit diesem Werk von Michael Lemster hat sich das geändert. Er gibt nicht nur umfangreiche Einblicke in das Leben von Richard Wagner, sondern in das seiner gesamten Familie.
Dabei beschränkt er sich keineswegs nur auf die Musik, sondern betrachtet die Familie im Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Gegebenheiten, historischen und politischen Ereignissen.
Der Schreibstil des Autors ist angenehm eingängig zu lesen und es ist ihm gut gelungen, historische Fakten lebendig am Familienleben zu vermitteln. Dabei kommen sie nicht immer gut weg, aber er schreibt auch, dass es eines seiner Anliegen war, alles authentisch und ungeschönt darzustellen.
In dem Buch befinden sich Zeichnungen und Fotos, die den Zeitgeist gekonnt einfangen und die Familie regelrecht zum Leben erwecken.
Abschließend gibt es eine Zeittafel, die von 1770 bis in die Gegenwart reicht und damit nochmals den Einfluss der Familie Wagner bis in die heutige Zeit verdeutlicht.
Wer sich für Künstler, Musik und Familiengeschichten – eingebettet in historische Begebenheiten – interessiert, der liegt mit diesem Buch genau richtig.
„The Artist: Die Farben des Lichts“ ist das beeindruckende Debüt der Autorin Lucy Steeds.
Die Autorin entführt ihre Leser in das Jahr 1920. Der Künstler Édouard Tartuffe - genannt Tata - lebt mit seiner Nichte Ettie in einem abgelegenen Landhaus zwischen duftenden Lavendelfeldern in der französischen Provence. Joseph Adelaide - ein britischer Journalist - reist zu dem Maler, um ein Interview zu führen. Schon mit seiner Ankunft merkt Joseph, was für ein schwieriger Mensch Tata ist und dass in Ettie viel mehr steckt als die Nichte, die sich um den Haushalt des Künstlers kümmert.
Lucy Steeds malt mit Worten wie ihr Protagonist mit Farbe. Schon mit den ersten Seiten bin ich in der Provence angekommen, hatte die Lavendelfelder vor Augen, konnte die Hitze spüren und den Duft des Sommers riechen.
Mit ihren drei Protagonisten hat sie sehr unterschiedliche Charaktere erschaffen. Jeder von ihnen ist gleichermaßen interessant, hat etwas Besonderes und eine Vergangenheit, die Fragen aufwirft.
Obwohl der Verlauf der Handlung nicht wirklich überraschend und die Atmosphäre ruhig ist, war ich beim Lesen gefesselt und habe gespannt die Entwicklung der Charaktere verfolgt.
Lucy Steeds fängt das Flair der Provence ebenso gut ein wie den Zeitgeist der Gesellschaft. Spannend fand ich, dass sie historische Persönlichkeiten mit Fiktion verbunden hat.
In dem Roman geht es nicht nur um das Leben von Tata, Ettie und Joseph, sondern auch um Kunst, Gesellschaft und das Rollenbild der Frau zur damaligen Zeit.
Obwohl ich zum Ende hin gewünscht hätte, dass das Buch ein paar Seiten mehr hat, war ich begeistert und bin gespannt auf weitere Werke der Autorin.
„Fliegt, Wilde Schwäne“ ist ein außergewöhnlicher Roman der in London lebenden chinesischen Autorin Jung Chang.
Da mich bereits der vorherige Band „Wilde Schwäne“ sehr beeindruckt hat, war ich gespannt, wie die Autorin mit diesem an die Geschichte ihrer Familie und an die Chinas anknüpfen würde. Vorwissen aus dem Vorgänger ist nicht zwingend notwendig, da Jung Chang die historischen Hintergründe verständlich erklärt und vorab auch eine Zeittafel mit wichtigen Daten zu finden ist, die eine weitaus größere Zeitspanne umfasst als die Kapitel des Buches.
Anhand ihrer eigenen Familiengeschichte erzählt die Autorin die Geschichte ihres Landes bzw. des Landes, in dem sie geboren wurde. Inzwischen lebt sie in London, da sie durch Gesetze des derzeitigen Staatschef Xi Jinping aufgrund ihrer Veröffentlichungen bei ihrer Rückkehr eine Gefängnisstrafe riskieren würde.
Der Schreibstil ist nüchtern aber auch emotional packend zugleich. Diese ungewöhnliche Kombination entsteht dadurch, dass sie hier Biografisches mit historischen, sachlichen Fakten vermischt. Die Kombination aus Alltagsszenen, Grausamkeiten durch Folter, Traditionen, Landschaftsbeschreibungen und vieles mehr bieten ein umfassendes Bild des Landes und geben einen guten Einblick in das Leben der Bevölkerung über Jahre hinweg.
Durch Fotos ihrer Familie fängt Jung Chang die Atmosphäre gut ein und rundet damit ihr Werk gelungen ab.
Dieses außergewöhnliche Buch ist kein Roman im klassischen Sinne, es ist aber auch kein Sachbuch und keine Biografie, sondern eine Darstellung der Geschichte Chinas - in allen Facetten: politisch, familiär, kulturell, landschaftlich… - anhand der Familie der Autorin.
Mich hat das Lesen bereichert und wer sich für andere Kulturen oder die historische Entwicklung Chinas interessiert, der liegt hier bestimmt richtig.
„Weil sie lügt“ ist wieder ein spannender Thriller der Autorin Caroline Seibt und gleichzeitig ein Familiendrama, das unter die Haut geht.
Juli ist verschwunden. Die Polizei geht davon aus, dass sie ermordet wurde. Hauptverdächtiger ist ihr Vater. Eine Situation, die für jede Familie unerträglich sein dürfte. Anna, die jüngere Schwester von Juli, versucht alles, um die Familie zusammenzuhalten. Leon, ihr jüngerer Bruder, hat das Ausmaß der Ereignisse noch nicht erfasst. Er ahnt nicht, dass Juli nie wieder zurückkehren wird.
Die Ereignisse werden im Wechsel aus der Perspektive von Anna und der von Katharina Engels - der leitenden Ermittlerin - berichtet. Katharina ist sehr ambitioniert und arbeitet professionell, allerdings hat sie auch ihre eigenen Probleme.
Anna wünscht sich nichts mehr als Normalität. Aber ihre Mutter ist psychisch labil und die Vorwürfe, denen ihr Vater gegenübersteht, machen dies unmöglich. Sie ist innerlich komplett zerrissen und versucht alles, um die Wahrheit herauszufinden.
Spannung ist hier durchgehend vorhanden. Die Atmosphäre ist angespannt und bedrohlich. Beim Lesen habe ich mir so sehr gewünscht, dass für Anna und den kleinen Leon alles gut wird. Annas Verhalten fand ich nicht immer korrekt, aber durchaus nachvollziehbar.
Es gab Wendungen, die ich nicht kommen gesehen habe. Beim Lesen wurden bei mir zahlreiche Emotionen hervorgerufen und das Ende hat mich dann überrascht.
Für mich hat hier alles gepasst. Der intensive Schreibstil, der durchgehend für eine beklemmende Atmosphäre gesorgt hat, gut ausgearbeitete Charaktere, deren Handlung ich nachvollziehen konnte, keine unnötige Brutalität und trotzdem Spannung ohne Ende, wie sie in einen guten Thriller gehört.
„Au revoir und tschüss“ ist ein atmosphärischer und sommerlicher Roman der Autorin Gudrun Lochte.
Die 45-jährige Caro steht mitten im Leben, als ihr bewusst wird, wie festgefahren ihre Situation ist. Für ihren Mann Holger dreht sich alles nur noch um seinen Job und sie soll sich kurzfristig um das Abendessen für seine Gäste kümmern. In Caro regt sich Widerstand. Sie will das nicht mehr und beschließt, gegen Holgers Willen, spontan einen Sprachkurs in Uzès - einer Kleinstadt in Südfrankreich - zu besuchen.
Dort angekommen entdeckt sie sich neu. In ihr kommen Fragen hoch über die Vergangenheit und die Zukunft und sie beginnt sich neu zu sortieren.
Der Schreibstil von Gudrun Lochte liest sich leicht und flüssig. Caros Gedanken und Gefühle sind nachvollziehbar. Sie hinterfragt sich und ihr Leben, sieht Chancen und will diese nutzen.
Mit Uzès hat die Autorin einen atmosphärischen Wohlfühlort gewählt. Ich hatte fast das Gefühl mit ihr durch die Straßen zu gehen und konnte das sommerliche Flair der Kleinstadt einatmen.
Caro ist eine sympathische Protagonistin, die ihr Leben in die Hand nimmt. Sie reflektiert, beginnt die Dinge neu zu bewerten und lernt das Leben neu zu schätzen. Nach vier Wochen in Uzès hat sie sich verändert, ihre Lebensfreude kehrt zurück. Sie hat neue Menschen kennengelernt und tief in sich hineingehört.
Ich fand es schön, an Caros Gedanken teilhaben zu können und ihre Entwicklung zu verfolgen.
Das Buch ist ein ruhiger Wohlfühlroman, dessen sommerliche Vibes direkt bei mir ankamen und dessen sympathische Protagonistin an sich selbst gewachsen ist.
"Seven Rules For A Perfect Marriage" ist ein frischer und unterhaltsamer Roman der in London lebenden Autorin, Journalistin und Kolumnistin Rebecca Reid.
Die Protagonisten Jessica und Jack sind von außen betrachtet das perfekte Paar und haben - passend zu ihrem Instagram-Kanal - gemeinsam ein Buch mit den sieben Regeln, die zu einer perfekten Ehe führen, veröffentlicht. Der Erfolg ist riesig, sie haben 50.000 Vorbestellungen und es gibt sogar Angebote zur Verfilmung ihres Buches. Jessica und Jack sind allerdings weit davon entfernt, ihre Ehe als perfekt zu bezeichnen, dennoch ist ihre Beziehung das Wichtigste, was es für sie im Leben gibt.
Während Jessica rundum glücklich über ihren gemeinsamen Erfolg ist, hadert Jack damit, dass er seinen Job für ihr gemeinsames Projekt aufgegeben hat. Dadurch kriselt es zwischen ihnen ein wenig und sie beschließen, nach ihren eigenen sieben Regeln zu leben. Ob sie damit die Harmonie wiederherstellen können?
Der Schreibstil von Rebecca Reid liest sich angenehm leicht und enthält eine gute Portion Humor. Die Kapitel führen durch die sieben Regeln und sind abwechselnd aus der Perspektive von Jessica und Jack geschrieben. Dabei gibt es immer wieder Rückblicke in die Vergangenheit und die Entstehung des Ratgebers.
Durch die Perspektivwechsel hatte ich Verständnis für beide Seiten. Man merkt auch, wie wichtig den beiden ihre Beziehung ist und dass ihnen wirklich viel daran liegt, diese wieder hinzubekommen. Aber ganz so leicht, wie sich die Theorie liest, ist es in der Realität eben leider nicht.
Ich hatte das Buch schnell gelesen und es hat mich gut unterhalten. Allerdings hätte ich mir bei der Ausarbeitung der Charaktere ein wenig mehr Tiefe gewünscht. Dennoch ist es ein interessanter Blick hinter die Kulissen einer Beziehung und in das Leben zweier in der Öffentlichkeit stehenden Influencer.
„She’s a Star!“ ist ein düsteres und zugleich humorvolles Werk der in Vancouver lebenden Autorin Meredith Hambrock.
Der größte Traum von Jessamyn St. Germain ist es, ein Star zu werden und sie ist überzeugt davon, dass sie bereits einer ist, nur hat es noch keiner erkannt. Bisher arbeitet sie als Platzanweiserin im Theater, aber sie ist sich sicher, dass die Hauptrolle in dem weltberühmten Musical „The Sound of Music“ ihr gehören muss. Leider ist sie die Einzige, die davon überzeugt ist, die Rolle der Maria bekommt Samantha. Jessamyn wird für die Betreuung der Kinderdarsteller eingesetzt. Ganz klar muss das ein Zeichen sein, damit sie direkt vor Ort ist, wenn Samantha ausfällt.
Die Handlung wird aus der Perspektive von Jessamyn erzählt. Sie ist wirklich eine ganz unglaubliche Protagonistin, die in einer Welt jenseits der Realität lebt. Sie würde alles tun, um ein Star zu werden und ihr verzerrtes Weltbild in Bezug auf sich selbst hat mich im Wechsel erschreckt und amüsiert.
Selbstreflexion ist ihr unmöglich.
Tragische und komische Momente wechseln sich ab. Mal war ich entsetzt über die Protagonistin und dann hatte ich wieder ein unglaubliches Mitleid mit ihr. Jessamyn ist einfach total durchgeknallt, anders kann ich es nicht sagen. Auf ihrem Weg zum Ruhm ist sie total verblendet, regelrecht besessen von ihrem Traum.
Der Roman gibt einen tiefen Einblick in die Untiefen der menschlichen Psyche. Wer schwarzen Humor und Satire mag und in eine Welt, die alles andere als heil ist, abtauchen möchte, den könnte dieses Buch gut unterhalten.
„Chasing Hearts“ ist der erste Band der „Love at Full Speed“-Reihe der Autorin Grace Newman.
Georgia Dubois brennt für den Motorsport und träumt davon, Formel-1-Weltmeisterin zu werden. Dass dieser Sport von Männern dominiert wird, bekommt sie bei jedem Rennen zu spüren.
Luca Rossi - einer ihrer Konkurrenten - ist gerade dabei sich seinen Ruf als verantwortungsvoller Fahrer zu ruinieren. Nachdem die beiden zusammen von einem Paparazzi fotografiert werden und die PR-Teams merken, dass sie die Chance nutzen können, um Lucas Ruf zu retten und um Sponsoren für Georgia zu bekommen, sollen Georgia und Luca eine Fake-Beziehung spielen. Das ist keine leichte Aufgabe für die beiden Konkurrenten.
Der Schreibstil von Grace Newman ist lebendig und mitreißend. Da die Handlung im Wechsel aus der Perspektive von Georgia und Luca erzählt wird, bekommt man schnell einen guten Überblick über die Ereignisse. Dabei werden auch interessante Informationen rund um den Motorsport vermittelt.
Georgia ist eine großartige Protagonistin. Man merkt von Beginn an, dass sie für den Motorsport brennt, ihre Begeisterung und ihr Kampfgeist kamen direkt bei mir an. Dabei wird auch deutlich, wie hart sie sich in dieser Männerdomäne behaupten muss.
Luca ist verschlossener als Georgia, entwickelt sich aber schnell zu einem Protagonisten, den man ebenfalls mögen muss. Es macht einfach Spaß, die Dynamik zwischen den beiden zu verfolgen.
Ich bin weder begeisterter Formel-1-Fan, noch gehören Fake Datings zu meinen bevorzugten Genres, aber an diesem Buch hatte ich Spaß. Es ist eine rasante Story, die zeigt, dass Gleichberechtigung längst noch nicht überall angekommen ist.
„Rosen im Asphalt“ ist ein berührender Roman über eine tiefe Freundschaft von der Autorin Felicitas Fuchs.
Die Handlung beginnt im Januar 1956 in Hamburg in einem Krankenhaus. Dort kommt Belinda Weinstock acht Wochen zu früh auf die Welt. Unbemerkt verlässt ihre Mutter das Krankenhaus und lässt sie zurück. Dadurch wächst Linda unter schwierigen Bedingungen und ohne feste Bezugsperson auf.
Zeitgleich kommt in Köln die kleine Irmi Rohndorf auf die Welt. Sie wird in eine wohlhabende Familie hineingeboren, aber ihre Mutter kann sich aus gesundheitlichen Gründen nicht um sie kümmern. Deswegen wird sie für ihre ersten Lebensjahre zu Verwandten ins Ausland gebracht.
Ich denke, dass bereits jetzt klar wird, dass die beiden Mädchen keinen einfachen Start ins Leben hatten. Als sie sich in ihrer Grundschulzeit kennenlernen, entsteht zwischen ihnen ein festes Band und eine tiefe Verbundenheit, die sie über Jahrzehnte durch ihr Leben begleiten wird.
Die Handlung wird aus unterschiedlichen Perspektiven beschrieben. Dadurch habe ich schnell einen guten und umfassenden Blick auf die Charaktere bekommen. Diese werden lebendig und authentisch beschrieben. Mir fiel es leicht mich in die Gefühlswelt der Protagonistinnen hineinzuversetzen.
Felicitas Fuchs schildert über vier Jahrzehnte das Leben während der Nachkriegszeit. Zeitgeschichtliche Ereignisse sowie das damalige gesellschaftliche Leben sind eng mit der Handlung verwoben. Alles wirkt gut recherchiert, passt in die Zeit, so wie man sie aus Geschichtsbüchern kennt oder auch in Erinnerung hat.
Die Freundschaft zwischen Linda und Irmi hat mich berührt. Sie geben sich gegenseitig Kraft und stehen füreinander ein.
Mich hat der Roman ausgesprochen gut unterhalten und zutiefst berührt. Die Charaktere sind toll angelegt, was mich nach dem Nachwort der Autorin keineswegs verwundert. Der Roman ist fiktiv, aber die Personen, deren Leben sie hier in Ausschnitten erzählt, gab es wirklich und ihr Leben ist die Grundlage für diese Geschichte.
Ich kann das Buch Lesern, die historische Romane mögen, sich für die Deutsche Nachkriegszeit interessieren oder gerne Bücher über Freundschaft und Familie lesen, nur empfehlen.
„Die unendliche Sehnsucht der Haushaltsgeräte“ ist ein außergewöhnlicher Roman des in Calgary lebenden Autors Glenn Dixon.
Handlungsort ist der Haushalt von Harold und Edie. In diesem gibt es eine ganze Menge Haushaltsgeräte. Eines davon ist Scout, ein kleiner Staubsaugerroboter, der genau weiß, was wann im Haus zu tun ist. Nach Edies Tod macht sie sich - gemeinsam mit einigen anderen Haushaltsgeräten - daran, Harold aus seinem Tief herauszuholen.
Was sich zunächst nach einer putzigen Story anhört, wird zu einer unheimlichen Dystopie, die bei mir für Gänsehaut gesorgt hat. Nicht alle Geräte haben so menschliche Züge wie Scout.
Neben dem Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine geht es auch um Einsamkeit im Alter, Sicherheit versus Entscheidungsfreiheit, Überwachung und viele weitere Themen, die das Leben in unserer technisierten Welt mit sich bringt.
Mich hat das Buch positiv überrascht. Es ist emotional, berührend, aber auch dystopisch und erschreckend. Hier steckt eine Menge zwischen den Zeilen.