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Nach Immerland ist vor Immerland. Zumindest für Mika, der nur wenige Monate nach seiner Flucht erneut in dieser verrückten Welt auf der anderen Seite der Erdkruste landet. Die Welt, in welcher nicht nur Kreaturen hausen, eine schräger als die andere. Sondern auch der Doktor weiter daran bastelt, seine Macht auf die Welt der Menschen auszuweiten.
Das Trotzdem ist eine Superpower. Es lässt Dinge passieren, die auf den ersten Blick unmöglich erscheinen. (Zitat S. 180)
Der Anfang ist zunächst ähnlich zum ersten Band: Eine Klassenkameradin wird auf einem Schulausflug verletzt und eine überaus hilfsbereite (wenn auch skurrile) Person bietet ihr an, sie zum Doktor zu bringen. Gegen eine lächerliche geringe Bezahlung. Natürlich will Mika dies um jeden Preis verhindern, da er nun weiß, dass das Immerland eine Falle ist. Und der Doktor kein richtiger Doktor. Zu seinem Pech (und unserem Glück) geht dies natürlich gewaltig schief und er landet in seinem eigenen, spektakulären Abenteuer voller fantastischer Wesen, einer erfinderischen Rebellengruppe sowie seinen Freunden in Immerland, die sich riesig freuen, ihn wiederzusehen. Denn im Kampf gegen den Doktor können sie seine besonderen Fähigkeiten gerade richtig gut gebrauchen. Und seine Klassenkameradin will er nebenbei auch noch retten.
Und wie soll das bitte gehen? - Trotzdem, Bumsbirne. Trotzdem. (Zitat S. 185)
Der zweite Band baut zügig eine Spannung auf, die sich konstant bis zum Ende hält. Es gibt jede Menge fantastische Abenteuer, ausweglos scheinende Situationen und den ein oder anderen zu bedienenden Controller (Mikas Spezialgebiet). Das Innere des Romans ist voller faszinierender Illustrationen passend zur Handlung; sämtliche Details auf dem Cover finden sich irgendwo in Mikas Abenteuer wieder. Und im titelgebenden Ozean der Ewigkeit ist eine für Mika ganz besondere Person verborgen. Lasst euch überraschen.
Das Buch hat seine volle Punktzahl sowas von verdient! Spannung, Ideenreichtum und Illustrationen, alles vom Feinsten!
Für ihre Freundin Yeongseo geht Hari auf ein Blind Date, welches Yeongseos Familie gegen ihren Willen arrangiert hat. Die beiden Frauen haben vereinbart, dass Hari sich dort als Yeongseo ausgeben und schön daneben benehmen soll, damit der Kerl jeglichen weiteren Kontakt zu Yeongseo und deren Familie ablehnt.
Taemus Großvater hat mal wieder ein Blind Date für seinen Enkel arrangiert. Als Chef einer Firma muss Taemu seiner Überzeugung nach endlich heiraten. Auch wenn Taemu da ganz anderer Meinung ist. Deswegen hat er sich vorgenommen, sein heutiges Blind Date zu heiraten, damit er endlich seine Ruhe hat und sich wieder auf seine Arbeit konzentrieren kann.
Taemu ist Haris Chef. Aber Hari ist heute Yeongseo.
Er würde die Falsche zur Richtigen machen. (Zitat S. 151)
Einige kennen die Story bereits als verfilmtes K-Drama. Auch ich habe vor dem Buch bereits einige Folgen gesehen und fand diese recht amüsant. Schon zu Beginn, als Hari sich in Yeongseos Namen wie das reinste Partygirl benimmt, bis sie realisiert, ihrem Chef gegenüber zu sitzen. Aber auch in späteren Szenen, wenn Hari und Taemu sich wiederholt in der Firma über den Weg laufen.
Der Roman ist nicht ganz so übertrieben lustig wie die Serie, am Ende des Buches ist auch ein Hinweis zu lesen, dass bewusst darauf verzichtet wurde, toxisches Verhalten zu romantisieren. Was an sich auch ganz interessant ist und vor allem ein wenig mehr von den Charakteren Hari und Taemu verrät. Hari ist insgeheim noch in ihren langjährigen Schwarm Minu verschossen, bei dem jede aufmerksame Leserin merkt: nein, der ist kein Boyfriend-Material! Die ganze Sache mit dem Fake-Blind Date wächst ihr zudem immer mehr über den Kopf. Taemu hingegen ist der reinste Worcaholic, der alles Zwischenmenschliche seinem Assistenten anvertraut. Zwar entwickelt er mit der Zeit ehrliches Interesse an Hari, hat jedoch eine fragwürdige (bzw. unbedarfte) Definition von Romantik, die in der Serie noch amüsant wirkt, im Roman eben unromantisiert gezeigt wird.
Würde man mich fragen, ob Buch oder Serie: Ich finde, die beiden Versionen ergänzen sich ganz gut, sind ansonsten vom RomCom-Level wirklich unterschiedlich. Der Schreibstil ist für Leute, die primär westliche Literatur lesen, zunächst wahrscheinlich ungewohnt, da er etwas distanziert wirkt. Das möchte ich nicht bewerten, da ich dies als eine Frage der Gewöhnung sehe. Was ich beim Roman etwas schade fand ist, dass die Freundschaft zwischen Hari und Yeongseo nicht so glaubhaft wirkt wie in der Serie, eher etwas einseitig. Dadurch kommt Yeongseo im Buch nicht ganz so gut weg als Charakter wie in der Serie.
Mein Fazit: Nicht nur für Fans der wunderschönen Serie eine etwas realistischer dargestelle Version der RomCom.
Das einzige, was der 11jährige Waisenjunge Fynn wollte, war irgendwo dazugehören. Endlich wird er adoptiert, wenn auch von einem grummeligen alten Seebär. Doch der wirft ihn nach kurzer Zeit einfach über Bord. Im Ernst?! Dass das wohl so geplant war merkt Fynn, als er in Akademar erwacht, einer Schule auf dem Grund des Meeres. Doch hier fällt negativ Fynn auf, nachdem sein Seelentier ihn erwählt hat. Regelrecht skandalös, ausgerechnet ein Oktopus! Dabei wollte Fynn doch einen starken Hai. Oder einen sportlichen Delphin. Doch vielleicht hat der Oktopus auch was unerwartet Gutes?
Das Buch ist von Beginn an der reinste Lesespaß. Schon das Cover macht richtig Laune auf mee(h)r. Fynns Abenteuer steckt voller fantastischer Details, die es zu entdecken gilt. Dabei ist er ein Junge, dessen Stärke es ist, sich in andere hineinfühlen zu können. Er hilft den Schwachen, hinterfragt Vorurteile und schafft es innerhalb kurzer Zeit, selbst mit den Kindern Freundschaft zu schließen, die ihn an der Akademie zunächst auf dem Kieker haben. Kurz: Fynn hat das Herz definitiv am rechten Fleck. Zudem gibt es natürlich verschiedene Geheimnisse rund um die Akademie sowie um Fynns Herkunft, welche ausreichend Material für eine Fortsetzung bieten. Und Dank der Illustrationen im Buch lassen sich die Unterwasser-Orte sowie die Seelentiere sehr gut vorstellen. An alle Lesebegeisterten ab 9 Jahre: Willkommen in Akademar!
Endlich Sommerferien! Irida und die Furchtlosen lassen es sich bei leckerem Eis gutgehen. Die Abenteuer bei den Norwegischen Trollen sind vorbei, Zeit für neue Rätsel, die es zu lösen gilt. Das erste Rätsel hat es auch sogleich in sich: Menschen verschwinden spurlos. Sogar die Anderswelt bittet die Kinder um ihre Hilfe, den Fall zu lösen.
Das neue Rätsel ist alt. Und gefährlich. Aber nicht unlösbar. Geschickt baut Markus Heitz eine Gruselatmosphäre auf, nimmt die Lesenden wiederholt mit zu genau dem Moment, in dem eine Person verschwindet. Ein paar Fakten zu alten Sagengestalten, geschickt platziert, sorgen buchstäblich für weiteren Knobelspaß. Für amüsante Auflockerung ist zwischen all dem Rätselraten und den gruseligen Szenen natürlich gesorgt.
Ein weiteres Highlight war für mich das Verschwinden eines der Kinder, welches ein ganz besonderes Abenteuer erlebt. Denn: ja, es geht endlich in die Anderswelt! Die ich als ziemlich durchdacht dargestellt beschreiben würde. Bei diesem Zweit-Abenteuer verschwimmen die Grenzen zwischen Freund und Feind und es gibt viele fantastische Details und Hintergründe. Und natürlich sind auch Quellgöttin Sirona und Nooba, Spitzel auf vier Hoppelpfoten, in Band drei wieder mit dabei.
Der Teamgeist der vier Kids ist klasse, Irida und ihre Freunde sowie die geretteten Kinder aus Norwegen sind die Freunde, die sich wohl jedes Kind wünschen würde. Entsprechend ist es beim Lesen fast, als wäre man selbst ein Mitglied der Furchtlosen. Die Mischung aus Grusel, Humor und dem Abenteuer in der Anderswelt, wo die Regeln ein wenig anders sind als bei uns, konnte mich auf voller Länge überzeugen und macht das Buch zu einem sehr spannenden Fantasyabenteuer samt faszinierender Sagengestalten. Und es wird ein persönliches Geheimnis aufgedeckt, mit dem niemand gerechnet hat.
Der dritte Band der Irida-Reihe bietet jede Menge atmosphärische Spannung und sorgt für so einige Überraschungen. Von mir volle Punktzahlt für ein packendes Lesevergnügen.
Es ist aus! Brian macht mit Stella Schluss. Sie würde ihn nur ausbremsen, sagt er, das hat ihm schließlich auch Dr. Love in ihrer Kolumne bestätigt. Kurzerhand macht Stella besagte Dr. Love ausfindig, sie soll dafür sorgen, dass Brian sich umentscheidet und zu Stella zurückkehrt. Schließlich sind die beiden doch wie füreinander bestimmt. Nur dass sich Dr. Love als Stellas grumpy Kollege Rowan entpuppt. Diese Spaßbremse, die ihr ohne mit der Wimper zu zucken den letzten Kaffee in der Zeitungsredaktion wegnimmt.
Stella ist eine wahnsinnig liebenswerte Person. Sie kann sich in andere Leute hineinversetzen, weiß mit Menschen umzugehen und selbst die Hunde, welche sie regelmäßig ausführt, lieben sie. Statt einem Riesenziel vor Augen hat sie ihre vielen kleinen Jobs und Aufgaben, in denen sie völlig aufgeht. Etwas, was ihr Ex nicht versteht, sie stattdessen lieber für seinen selbstverschuldeten Frust verantwortlich macht. Letztendlich, man ahnt es bereits, steht Rowan auf Stella und will, dass sie mehr an sich (oder an ihn) denkt statt es immer nur anderen recht zu machen. Wobei es einen Grund für Stellas Verhalten gibt, welcher im Laufe des Romans deutlich wird.
Auf gewisse Weise ist das Liebesdreieck zunächst recht amüsant: Rowan will Stella, Stella will Brian, Brian will weg. Und irgendwann ändern sich die Prioritäten. Und trotzdem konnte mich Saskias erster Band der New York Love Times nicht ganz so catchen wie ihre sonstigen Romane. Für meinen Geschmack trat die Story zu lange auf der Stelle, enthielt zuviel Füllmaterial, wird vorhersehbar. Das Grundthema, dass Stellas Bedürfnisse stärker gewichtet werden sollten, gefällt mir sehr, nur Rowan wirkte manchmal eher wie ein Mansplainer und hat zuletzt ähnliche Fehler gemacht wie Brian. Das ist einfach nicht so überzeugend, mit dem Finger anklagend auf andere zu zeigen, selbst aber auch nicht besser zu sein. Stellas Umorientierung hin zu Rowan konnte ich da auch nicht so richtig fühlen, egal wie gut er aussieht. Stellas sonstige Charakterentwicklung empfinde ich hingegen als wunderbar gelungen. Und der Humor der Autorin kommt ebenfalls nicht zu kurz.
Interessant sind übrigens auch Marlow und Leto, welche in Band 2 die Hauptrollen übernehmen werden und hier als die besten Freunde von Stella und Rowan auftreten. Zwei Charaktere mit starkem Potential für knisternden Funkenflug.
Im Übrigen heißt die Zeitung, bei welcher Stella und Rowan arbeiten, zwar nicht wirklich New York Love Times sondern Sunset Gazette, doch das Cover ist optisch einfach zauberhaft.
Pünktlich um 14.30 Uhr bleiben alle Uhren in Omas Haus stehen. Selbst die Oma ist stehengelieben. Das geht so natürlich nicht! Also macht Juli sich gemeinsam mit Zeitgeist Trim und dem alten Uhrmacher auf ins Land der großen Uhr, welche sich hinter der alten Standuhr im Keller verbirgt. Die dortige Welt gleicht einem großen Ziffernblatt, über welches die Zeiger am Himmel hinweg gleiten. Doch die Zeiger bewegen sich keinen Millimeter, seitdem der Zauberer das Uhrwerk manipuliert hat. Zu welchem Zweck bloß?
Während ihres Abenteuers treffen die drei auf weitere Zeitgeister, eine pfiffige Reporterin sowie auf die Hexe Unruh. Deren Riesenfledermaus ist allerdings nachtaktiv, was das Reisen um ständige 14:30 Uhr schnell problematisch macht. Zudem macht Juli sich weitere Gedanken, was es für Vor- und Nachteile mit sich bringen könnte, wenn es dauerhaft Mittagszeit bleibt. Von der stillstehenden Oma ganz zu schweigen. Ein interessantes Gedankenspiel.
Der Weltenbau ist als wunderschöne Illustration mitsamt aller relevanten Details und einiger Zeitgeister im Buch abgebildet; viele weitere kleine Illustrationen verschönern das Buch. Zeitgeist Trim ist das katzenartige Wesen auf dem Cover, das zurecht ziemlich sauer auf den Zauberer ist und eine amüsante Art zu fluchen hat. Auch sonst hat das Buch viele unterhaltsame Details zu bieten.
Kritisieren muss ich allerdings ebenfalls ein paar Punkte. Generell tendiert das Buch wiederholt zu einer leicht aggressiven Grundstimmung, bedingt durch die Verhaltensweisen einiger Charaktere. Das könnten einige Kinder als unangenehm empfinden. Trim gestehe ich zu, ab und an ein kleiner Wüterich zu sein, immerhin ist es seine Himmelsuhr, die da manipuliert wurde. Was mich jedoch störte war, dass einige Charaktere zu Handlungen gezwungen werden, die sie nicht wollen. Einmal betrifft es Juli (sie soll mit alten Damen Torte essen), wo ich mir gewünscht hätte, dass sie, statt brav mitzuspielen, ihre Grenzen aufgezeigt hätte, dass fremde Erwachsene nicht einfach alles mit ihr machen können. Sowas ist wichtig. Ebenso wie an anderer Stelle, als die Hexe Unruh, die optisch leider dem Klischee der bösen Hexe von Oz entspricht, mal ihre Fledermaus, mal einen Zeitgeist mit Gewalt zu etwas zwingt. Alle wissen, dass es falsch ist. Das fühlt man mit jeder Silbe. Doch niemand sagt etwas gegen ihre Übergriffigkeit. Das sind so Stellen, an denen das Buch falsche Signale sendet, über welche mit den Kindern geredet werden sollte.
Aufgrund der nicht allzu komplizierten Handlung, des lockeren Schreibstils und der recht niedlichen Illustrationen würde ich das Buch zum Vorlesen oder (je nach Lesestärke) Gemeinsamlesen je nach Kind ab 7 Jahren oder zum späteren Selbstlesen empfehlen. Der Verlag empfiehlt das Buch ab 9 Jahren.
Yrsa schreibt als Woman of Colour an ihrer Doktorarbeit an der Fakultät für Soziologie in Cambridge. Nebenbei unterrichtet und betreut sie Studentinnen und Studenten der ersten Semester. Schon früh wurde sie mit Vorurteilen einer misogynen und rassistischen Gesellschaft konfrontiert. In der Sonntagsschule z. B. mit Auflagen und Verboten, um als ehrbares und wohlerzogenes Mädchen zu gelten. Und zugleich die Erfahrung, wie sich in ihrer Jugend Männer auf einer Datingplattform schamlos bei ihr meldeten, die doppelt so alt waren wie sie und danach gierten, bei ihr zum Zug zu kommen.
[Er] hatte aus ihr ein Objekt gemacht, eine Ware mit zugeschriebenem Wert; machtlos. Und sie hatte ihn totgemacht. (Zitat S. 112)
Durch das Thema ihrer Doktorarbeit beschäftigt sich Yrsa stark mit der Ausbeutung der People of Colour (PoC), insbesondere der Frauen. Doch auch in ihrem eigenen Umfeld beobachtet sie, dass die Frau von vielen Männern als Konsumgut betrachtet wird. Frauen werden ausgebeutet bzgl ihres Körpers, ihrer Fähigkeiten, ihres Wissens, bei gleichzeitiger Ignoranz ihrer Sichtweisen. Nachdem ein Professor schamlos ihre Studienkollegin in mehrfacher Hinsicht ausgenutzt hat, besitzt Yrsa keine Skrupel die Gelegenheit zu nutzen, ihm zu schaden. Kein Mord, sie hat nur ein wenig nachgeholfen. Ein Tod, rein durch Zufall entstanden und offiziell als Unfall registriert. Eine Biene war Schuld. Etwas, was Yrsa eine unerwartete Befriedigung verschafft.
Bis zu diesem Punkt bietet der Roman eine brisante Aktualität aus Sicht einer Woman of Colour, die emotional gut mitzuverfolgen ist. Arroganz und Verhaltensweisen einiger männlicher Individuen lassen beim Lesen schnell die Alarmglocken schrillen. Möglich, dass dieser Moment mit der Biene der Wendepunkt in Yrsas Leben ist, ab welchem sie eine Kanalisation für ihre Wut findet. Im Verlauf des Romans vermischt sich die ganze misogyne Gewalt der Männer, welche Frauen im Laufe der Geschichte erfahren mussten (und mit welcher sie sich beruflich durchgängig befasst), in ihrem Kopf mit den Taten der Männer in der Realität. Immer mehr Wut staut sich in ihr auf, immer stärker ist ihr Wunsch nach tödlicher Vergeltung. Und immer größer wird die Gefahr, die eigene Objektivität, sich selbst zu verlieren.
Sie hasst sie alle. (Zitat S. 20)
Bis zu einem gewissen Punkt konnte ich Yrsas Entwicklung mitverfolgen. Ein paar Einblicke in die Thematik ihrer Doktorarbeit waren da hilfreich oder zumindest interessant. Und dennoch tat ich mich im Verlauf der Handlung immer schwerer damit, Yrsas Charakter zu verstehen, insbesondere der Verlauf ihrer tödlichen Obsession. Es ist nicht allein ihre Distanziertheit, sondern auch ihr Hang zur Unehrlichkeit sich selbst und anderen gegenüber. Sie wirkt über Längen wie emotionslos, nur um im nächsten Moment ihre angestaute Wut wie bei einem Vulkan ausbrechen zu sehen. Doch eine Auseinandersetzung mit gewissen Geschehnissen bleibt den Lesenden oft verwehrt. Auch fehlten mir ausreichend ehrliche Interaktionen, um sie als Charakter greifbar zu machen. Für mich ging die Mischung aus Provokanz, Fakten und Gesellschaftskritik final nicht auf, weil langatmige Abschnitte wiederholt die Handlung ausbremsten, ohne bei mir ein Gefühl des Mehrwertes erzeugen zu können. Für die für meinen Geschmack stellenweise zu langatmige Umsetzung einer gelungenen Idee gebe ich 3,5/5.
Ein Stipendium ist der Grund, warum Nicky an die Ashfield Academy kommt, ein Internat nahe eines urigen kleinen Ortes und voller reicher Schnösel. Sogar das Mittagessen besteht hier aus Schnösel-Gerichten! Bloß nicht negativ auffallen, den falschen Löffel benutzen oder so. Gemeinam mit ihren neugewonnenen (unschnöseligen) Freunden erfährt sie kurz darauf nicht nur, dass sie magische Fähigkeiten besitzt, sondern auch von einem uralten magischen Geheimnis, verschwundenen Kindern und einer Macht, die sie nur gemeinsam bekämpfen können.
Der Roman lebt stark von Erlebnissen und Interaktionen statt langer Beschreibungen und Grübeleien. Dadurch schreitet die Handlung schnell voran, ohne Langeweile auch nur den Hauch einer Chance zu bieten. Aussergewöhnlich ist die Freundesclique rund um Nicky, alle haben ihr Stärken, Schwächen, Macken oder Handycaps und müssen zunächst als Team zusammenwachsen. Die magischen Fähigkeiten der Magiebegabten sind ebenfalls vielfältig, wobei nur ein Bruchteil der Schülerinnen und Schüler Magie wirken kann. Und die Bedrohung, welche es zu besiegen gilt, fordert einiges an Mut, Vertrauen und Kreativität von den Jugendlichen. Die Gargoyles auf dem Cover bieten hier einen ersten Anhaltspunkt. Vor langweiligen Unterrichtsstunden wird mal beim Lesen verschont, dafür gibt es mit Norvilles Novitäten einen faszinierenden Laden der ganz besonderen Art, welchen die Kinder wiederholt im Ort aufsuchen.
Die Ashfield Academy ist für alle Magie- und Abenteuerfans einen Besuch wert und bietet ausreichend Material für eine ebenso gelungene Fortsetzung.
Dieser Roman ist eines der Asian Healing Bücher, welche der Leserschaft geschickt einen Weg zu anderen Denkweisen und Perspektiven aufzeigen. Gemeinsam mit einem Versicherungsvertreter, der von sich überzeugt ist, vom Glück verlassen worden zu sein, steigt man in ein ganz besonderes Taxi. Der Fahrer steuert daraufhin einzelne Zielorte an, welche dem Mann zu mehr Glück verhelfen könnten. Doch hierfür müssen Denk- und Sichtweise erst einmal neu ausgerichtet werden.
Anhand des zunächst mürrisch-frustrierten Shûichi Okada erfährt man hierbei auf unterhaltsame Weise, welche kleinen Details zu mehr Glück führen könnten. Wie gehe ich mit mir selbst und meinen Mitmenschen um? Wie mit Misserfolgen? Muss ich gar zunächst in späteres Glück investieren? Lauter Stellschrauben, die Shûichi Okada mit der Zeit lernt umzusetzen, bis er nicht nur mit sich selbst im Reinen und dadurch glücklicher ist, sondern auch seiner Familie eine Portion Glück beschert.
Der Taxifahrer bleibt angenehm besonnen, spricht nie mit fiktiv erhobenem Zeigefinger, sondern erklärt Zusammenhänge, die Gründe für Erfolge und Misserfolge und wie man selbst aus letzteren etwas Positives ziehen kann.
Ein hervorragend geschriebenes Buch mit einer sehr gut nachvollziehbaren Charakterentwicklung und vielen Denkanstößen, welche man für sich mitnehmen kann.
In einer Welt, in welcher es Magie und Naturgeister gibt, sucht Prinz Xian verzweifelt nach einem Heilmittel für seine Mutter, welche vor Jahren durch den Biss einer weißen Schlange erkrankte. Das Orakel prophezeit ihm, in Changle eine weiße Schlange zu finden, welche seine Mutter heilen könnte. In offiziell politischer Mission macht sich Xian also mit seinem Gefolge auf an den Hof von Changle.
Ebenfalls auf dem Weg dorthin sind Zhen und seine Schwester, um sich am Hof etwas Geld zu verdienen. Was niemand weiß: die beiden sind Schlangengeister. Und Zhen ist eine weiße Schlange.
Natürlich laufen die beiden jungen Männer sich über den Weg, und natürlich kommt es zu einer gewissen Anziehung zwischen den beiden, welche auch eine besondere Bedeutung hat. Ein großer Pluspunkt des Romans an dieser Stelle ist der Perspektivenwechsel zwischen den beiden. Zhen hat seine Geheimnisse, und eines davon bereitet ihm ein so schlechtes Gewissen, dass er mehr darunter leidet, als er überhaupt müsste. Sein emotionaler Part ist sehr einfühlsam und bewegend. Prinz Xian ist hin und hergerissen zwischen der Sorge um seine Mutter, seinen Gefühlen zu Zhen und den Forderungen des Hofmagiers, die Suche nach der Schlange voranzutreiben. Hier ist Xians Charakterentwicklung sehr interessant, welche seine Entscheidungen stark beeinflusst, wenn auch nicht immer in bester Weise, wie er später feststellen muss.
Ein schönes Extra sind die magischen Hintergründe, welche einige Geschehnisse sowie das Handeln mancher Charaktere verdeutlichen. Der Fokus liegt auf den Charakteren, weniger auf dem Weltenbau. Und das ist hier auch völlig ausreichend, da das emotionale Auf und Ab mitsamt allen HIndernissen für ausreichend Spannung sorgt. Eine emotional mitreissende SlowBurn-Romantasy vor fernostasiatischer, historischer Kulisse für Jugendliche und alle Junggebliebenen.
Neuer Thriller, neue Spannung. Mit der Reihe UNGELÖST lernen wir Luisa Menkhoff kennen, der auf einem Vermisstenplakat die einstige Partnerin ihres damaligen Entführers Dr. Lichner entgegenblickt. Kurzentschlossen geht sie zunächst privat der Sache nach und meldet einen ersten Verdacht bei der Münchener Polizei. Dort soll Ramin Brunner den Fall übernehmen. Ramin hat gerade die Zusage erhalten, eine neue Cold Case Abteilung aufbauen und leiten zu dürfen, dieser Fall soll sein letzter in seiner bisherigen Abteilung sein. Dabei staunt er nicht schlecht, als er erfährt, dass Medizinstudentin Luisa ein eidetisches Gedächtnis besitzt und sich an jedes Detail der einstigen Entführung in ihrer Kindheit erinnern kann. Und die simple Vermisstenmeldung entpuppt sich zudem schnell zu ein perfiden Verbrechen.
Mich konnten sowohl die Hauptcharaktere wie auch der Fall selbst überzeugen. Luisa beeindruckt mit ihrer Zielstrebigkeit ebenso wie mit ihrer Gedächtnisleistung, welche sie zugleich auch als Belastung beschreibt. Diese Differenzierung empfand ich als sehr wichtig für ihren Charakter. Wer Arno Strobels weitere Romane gelesen hat, dem wird der Name Menkhoff bestimmt ein Begriff sein, der u.a. auch in der Reihe Mörderfinder vorkommt. Ermittler Ramin Brunner ist nicht nur äusserst fokussiert, sondern kann auch sehr gut mit Menschen umgehen. So bekommt er einen Kollegen zur Seite gestellt, den alle als Problemkollege bezeichnen, während Ramin die Empathie und Toleranz aufweist, um mit ebendiesem Kollegen recht schnell ein gutes Team abzugeben. Zudem eiert Ramin gedanklich nicht so rum wie andere Ermittelnde sondern ist sehr zielgerichtet. Und der Fall selbst bietet ausreichend Spannung mit ein paar Verschnaufpausen und samt einigen gut platzierten Wendungen.
In meinen Augen ein gelungener Auftakt in eine neue Thriller-Reihe mit überzeugenden Charakteren und einer straffen und spanennd gestalteten Handlung.
Der Patriarch ist tot. Im Ferienhaus der Familie plant die Witwe Connie bei einem gemeinsamen Treffen mit ihren Töchtern mitsamt Partnern und Enkelkindern, diese über das Testament ihres Mannes zu informieren. Ein letzter Wille, der sie dazu zwingt, ein fürchterliches Geheimnis zu offenbaren. Nur ist Connie nicht die einzige, die ein schwerwiegendes Geheimnis mit zum Familientreffen bringt. Und manche Geheimnisse enden tödlich.
Die Autorin spielt zunächst mit mehreren Andeutungen, die zwar subtil, dennoch erkennbar auf Connies Geheimnis hinweisen. Eine später eingeschobene Rückblende, gekonnt platziert, schildert die Hintergründe des Geheimnisses aus Connies Perspektive, ohne jedoch zu früh zuviel zu verraten. Insgesamt werden die Personen so dargestellt, dass der erste Eindruck nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen muss, sich Gewalt hinter Charme verbirgt, Unsicherheit hinter Härte, Leid hinter Stärke. Positiv ist zudem, dass die Perspektiven sich abwechseln, das macht das Miträtseln etwas angenehmer.
Die Andeutungen und Wendungen sind für meinen Geschmack gut gewählt, so dass einige Vermutungen sich bewahrheiten, während andere sich als Irrtum herausstellen können. Bei manchen Personen fand ich die Charakterentwicklung recht gut gelungen, einige konnten mich sogar überraschen, während andere Personen leider etwas blass blieben. Ja okay, und gewisse Probleme hätten in dem Ausmaß vermieden werden können, hätten die Personen rechtzeitig miteinander kommuniziert. Am bewegendsten ist allerdings, wie männliche Gewalt hier seine Wellen schlagen kann bis in die Folgegeneration und wie das Ganze mit dem Treffen im Ferienhaus in einem tödlichen Höhepunkt mündet.