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  • Terra di Sicilia ist ein opulenter Familienroman rund um die Figur von Barnaba Carbonaro, der in armen Verhältnissen in einem archaischen Sizilien aufwächst und davon träumt, reich zu werden. „Der magische Prozess des Reichwerdens“, wie dieser Prozess in dem Roman bezeichnet wird, ist für den jungen Barnaba das Hauptmotiv für sein Handeln. Mario Giordano schreibt geschickt und elegant von diesem Traum, der sich eher als eine Vision und weniger als Flucht aus der Trostlosigkeit von Barnabas Alltag entpuppt.
    Deutschland übt eine große Anziehungskraft auf ihn, der sich in Sizilien so gehemmt fühlt, aus: „Die Deutschen, denkt Barnaba, verehren die Jugend und den Fortschritt. Das gefällt ihm. In seiner eigenen Welt ist es genau anders herum. In seiner Welt verehrt man die Weisheit des Alters und schmäht den Fortschritt. [.. ] Es ist eine Welt, in der sich Ehrgeiz nicht lohnt.“ (S. 129). Und von diesem Ehrgeiz besitzt Barnaba, der weder lesen und schreiben, jedoch ausgezeichnet rechnen kann, mehr als genug.
    Mario Giordano ruft in seiner Erzählung Bilder hervor, die jenen, die nach Italien reisen, vertraut sind: wer kennt nicht Häuser aus der Jahrhundertwende mit ihren prachtvollen Fassaden? Wer kennt nicht ein Hotel auf der Promenade mit einer Palme davor und den sehnsüchtigen Blick auf das endlose Meer? Wer kennt nicht die Pracht der Zitrusfrüchte mit ihren Farben und Düften, die mit dem Schicksal und Aufstieg von Barnaba eng verbunden sind? Das Erzeugen von bildhaften und sinnlichen Szenen durch sprachliche Mittel gelingt Mario Giordano natürlich hervorragend, denn er ist auch als Drehbuchautor erfolgreich tätig.
    Terra di Sicilia ist für mich neben diesen Stimmungsbildern ein emanzipatorischer Roman, in dem nicht nur die Niederlagen und Erfolge von Barnaba geschildert werden, sondern auch seine Suche nach sich selbst. In diesem Prozess der Identitätsfindung begleiten wir Barnaba zuerst als jungen Mann in Sizilien und dann als Mann in München. Somit ist Terra di Sicilia auch eine Migrationsgeschichte. Fasziniert hat mich auch der Wiederspruch, den Barnaba erlebt. Er will sich von seinem Familie lösen, aber selbst eine Dynastie gründen. Barnaba ist später zerrissen zwischen seiner Heimat und München, zwischen der Treue gegenüber seiner Familie und dem Leben, das er in München führt: diese „Zerrissenheit ist der Preis der Freiheit“, schreibt Giordano.
    Es handelt sich bei Terra di Sicilia um einen vielfältigen unterhaltsamen Roman mit mythologischen und historischen Elementen, in dem auch das Fantastische eine Rolle spielt: dass die Toten am Tisch sitzen, wie es im Roman geschieht, ist nämlich Teil einer uralten Tradition.
    Barnaba hat eine unglaublich schöpferische Kraft, die ansteckend ist und fordert jede*n auf, sich trotz aller Widrigkeiten für die eigenen Ziele einzusetzen. Ich werde Barnaba vermissen.
    Eine große Leseempfehlung!

  • Stunden des Aufbruchs von Nina Konstantin

    Dank der Protagonistin, der jungen Charlotte, erleben wir die Stimmung und die Geschichte von Berlin der 50er Jahre. Durch ihren flüssigen und mitreißenden Schreibstil gelingt der Autorin uns eine spannende und willensstarke Frauenfigur vorzustellen, die mich überzeugt hat. Das ist ein großes Plus des Romans. Eine Lektüre für all jene, die auf der Suche nach einem lebendigen Roman voller Ereignisse, Gefühle und frischer Wind aus der Vergangenheit sind.