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Die Wut, die bleibt von Mareike Fallwickl

Banner Fallwickl - Die Wut, die bleibt

 

 

Mareike Fallwickl

Die Wut, die bleibt

 

Über die Last, die auf den Frauen abgeworfen wird, und das Aufbegehren dagegen.

 

Helene, Mutter von drei Kindern, steht beim Abendessen auf, geht zum Balkon und stürzt sich ohne ein Wort in den Tod. Die Familie ist im Schockzustand. Plötzlich fehlt ihnen alles, was sie bisher zusammengehalten hat: Liebe, Fürsorge, Sicherheit.

 

Helenes beste Freundin Sarah, die Helene ihrer Familie wegen zugleich beneidet und bemitleidet hat, wird in den Strudel der Trauer und des Chaos gezogen. Lola, die älteste Tochter von Helene, sucht nach einer Möglichkeit, mit ihren Emotionen fertigzuwerden, und konzentriert sich auf das Gefühl, das am stärksten ist: Wut.

 

Drei Frauen: Die eine entzieht sich dem, was das Leben einer Mutter zumutet. Die anderen beiden müssen Wege finden, diese Lücke zu schließen. Ihre Schicksale verweben sich in Mareike Fallwickls aufwühlendem und hellsichtigem Roman darüber, was es heißt, in dieser Gesellschaft Frau zu sein.

Unsere Leseeindrücke

 

 

Mareike Fallwickl

Das Licht ist hier viel heller

 

Mareike Fallwickl hat es ein zweites Mal geschafft! Sie hat nach "Dunkelgrün fast schwarz" wieder ein Buch geschrieben, das ich kaum aus der Hand legen konnte. Dieses Mal ist ein alternder Schriftsteller, der den Höhepunkt seines Erfolges längst überschritten hat, dies aber nicht wahrhaben will, die Hauptfigur, und wieder ist es ein unsympathischer Blödmann, für den man einerseits Mitleid, andererseits jede Menge Fremdscham empfindet. Die Kapitel, die aus Maximilian Wengers Sicht erzählt werden, zählen passenderweise von 10 bis 0 herunter. Die andere Sichtweise auf die Handlung liefert die andere Hauptfigur, Wengers 18-jährige Tochter Zoe. Ihre Kapitel sind mit Hashtags wie #partyhard oder #loveofmylife betitelt. Die Beschreibung dieser unglücklichen Vater-Tochter-Beziehung ist unglaublich intensiv. Man möchte den Wenger schütteln oder ohrfeigen für all das, was er bei Zoe und ihrem Bruder falsch gemacht hat, für all das, was er in seiner Selbstherrlichkeit nicht erkennen oder wahrhaben will. Ein weiterer wichtiger Punkt sind die geheimnisvollen Briefe, deren Adressat der Wenger nicht ist, die er aber trotzdem liest - warum auch nicht?!

 

Ich möchte eigentlich gar nicht mehr verraten, außer dass Mareike Fallwickl es wirklich großartig versteht, Charaktere so zu zeichnen, dass man meint sie zu kennen. Und wie sie die ganze Literaturbranche, obwohl selbst ein Teil davon, ein kleines bisschen auflaufen lässt, ist einfach großartig. Als bittere, aber keineswegs neue Erkenntnis bleibt für die Leserin die Tatsache, dass die arschigsten (sorry, aber so ist es) Typen fast immer mit einem blauen Auge davonkommen.
Maxie Bantleon

Von Maxie aus unserer Tyrolia-Filiale in Innsbruck (Maria-Theresien-Straße)

 
Barbara Kumpitsch - rund

Von Barbara aus unserer Tyrolia-Filiale in Innsbruck (Maria-Theresien-Straße)

 

 

 

Mareike Fallwickl

Dunkelgrün fast schwarz

 

Dunkelgrün, fast schwarz sind die Farben, die Raphaels Aura umgeben. Und das Schwarz greift immer mehr um sich, je grausamer er seine Mitmenschen behandelt. Moritz wird von ihm benutzt und er kann sich seiner Anziehungskraft nicht entziehen. Auch Jo, die ein Teil dieser Dreiecksgeschichte wird, Marie und Raphaels Familie leiden unter Raphaels zerstörerischem Blick. Die Farben, die Mareike Fallwickls Romanfiguren umgeben, leuchten umso strahlender im Hinblick der makellosen Sprache der Autorin. Dieser Debütroman wirkt wie eine Droge, der man sich nicht mehr entziehen kann und Österreich gewinnt eine neue Autorin, die man unbedingt entdecken muss!

Mareike Fallwickl über ihr neues Buch

Foto Mareike Fallwickl

Foto: Gyöngyi Tasi

 

„Die Wut, die bleibt“ ist dein dritter Roman, der mit sehr viel Schwung die weibliche Wut in unserer Gesellschaft aufzeigt. Wie kam es zu der Idee?

Anfang 2021 habe ich oft Nachrichten erhalten von Müttern, die geschrieben haben: Ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr, ich springe vom Balkon. Da habe ich gedacht: Was, wenn eine das wirklich tut? Wenn ich vom krassestmöglichen Punkt ausgehe und anfange zu erzählen, was geschieht dann, welche Geschichte entsteht? Also habe ich diesen hypothetischen Satz literarisch in die Tat umgesetzt.

 

Im Buch treffen wir auf verschiedene weibliche Perspektiven. Welche sind das?

Der Roman spielt mit den Erwartungen und Rollenbildern in Bezug auf Frausein und Mutterschaft. Indem die Mutter sich entzieht, kann ich aufzeigen, wie groß die Lücke, die sie hinterlässt, tatsächlich ist, und warum. Erzählt wird aus der Sicht ihrer besten Freundin, die keine Kinder hat, und aus der Sicht der Tochter, die sich radikalisiert. Hier leuchtet vor allem die Frage heraus: Wohin mit der weiblichen Wut, die in unserer Gesellschaft keinen Platz hat?

 

Schon das Cover zeigt, mit wie viel Wucht das Buch auf uns zukommt. So auch die Geschichte um die Frauen in deinem Buch. Wieso ist weibliche Wut immer noch so schwer für die Gesellschaft anzunehmen?

Die Wut von Frauen wurde schon immer dämonisiert, pathologisiert und sexualisiert. Frauen durften niemals aufbegehren, sie sollten schwach, hilflos, den Männern unterlegen sein, und die Maßnahmen gegen ihre Wut reichten von grausamen Behandlungen ihrer „Hysterie“ in psychiatrischen Anstalten bis hin zur Hexenverbrennung. Noch heute wird kleinen Mädchen vermittelt, dass es sich für sie nicht schickt, aufbrausend zu sein und ihrer Wut freien Lauf zu lassen, und das zieht sich durch – wütende Frauen werden massiv abgewertet. Das ist natürlich praktisch, denn wer nicht zornig sein darf, zettelt auch keine Revolution an.

Familien im Lockdown, keine Ausweichmöglichkeit, unzählige verzweifelte Eltern. Du erzählst die Geschichte von Helene, eine Mutter, die aufgibt und vom Balkon springt. Eine drastische Geschichte für ein Thema, dass dringend Aufmerksamkeit benötigt?

Das Tabu der Mutterliebe ist so groß, dass es uns schwerfällt, daran zu rühren. Würde der Roman damit beginnen, dass der Vater sich entzieht, wäre das viel weniger radikal. Weil die Kinder ja noch die Mutter hätten, die es irgendwie hinkriegt, auch wenn sie dann doppelt und dreifach überlastet wäre. Das Narrativ des sich entziehenden Vaters, der abhaut oder sich in der Scheune erschießt, ist allgegenwärtig und literarisch auserzählt. Es braucht diesen drastischen Auftakt, diese absolute Verblüffung, damit man als Leser:in die eigenen Glaubenssätze konfrontieren und hinterfragen kann. Wir benötigen Aufmerksamkeit und die Möglichkeit für Mütter, sagen zu dürfen: ich bin überfordert, ich kann nicht mehr, ich weiß nicht weiter. Mütter brauchen einen Safe Space.

 

Für wen ist dieses Buch?

Für Eltern und Kinderlose. Für sehr junge Frauen, die sich dem Patriarchat entgegenstemmen, aber auch für jene, die es sich gemütlich gemacht haben in der vermeintlichen Gleichberechtigung und dem Gedanken „was wollt ihr denn noch, mehr geht eben nicht“. Für Väter, die sich mit den Müttern die Fürsorgearbeit teilen, und für alle, die es nicht tun. Am meisten wünsche ich mir, dass Frauen dieses Buch mit der Erkenntnis lesen, dass uns in Wahrheit eine intensive Schwesterlichkeit verbindet. Dass wir keine Feindinnen oder Konkurrentinnen sind, sondern zusammenhalten müssen, um etwas zu bewegen.

 

Lola ist eine der Erzählstimmen. Eine junge Frau, die ihre Mutter verliert und sehr wütend durchs Leben geht. Ist Lola Sinnbild für die nächste Generation, der du mit deinem Buch zurufst, dass sie wütend sein dürfen?

Das rufe ich nicht nur der nächsten Generation zu. Das rufe ich allen Frauen zu.

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