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  • Im 3. Teil der Reihe ist es so weit: die Grause-Kinder Wolfi und Muh dürfen in die Schule! Unterstützung bekommen sie von ihrer Nachbarin und Freundin Ottilie Schmidt. Die kleine Husch würde auch gerne mit, doch sie ist noch zu klein und darf nicht.
    Klar, dass nicht nur die unsichtbare Husch für jede Menge Chaos sorgt! Denn Wolfi mit den spitzen Zähnen und Muh mit seinen Hörnern sind keine normalen Kinder und wissen demnach nicht, wie sie sich richtig zu verhalten haben. Das wird von den drei unsympathischen Mona-Lisas auch total ausgenutzt.
    Und dann ist da ja auch noch die Krähe, die bei jedem Verstoß einen grauen Punkt für die Familie setzt und so die Gefahr droht, dass die Familie wieder zurück muss. Und der grummelige Opa Schrat trägt leider auch nicht dazu bei, dass die Punktebilanz ausgeglichen ist - ganz im Gegenteil sogar.

    Ich finde die Geschichte mit der chaotischen Außenseiterfamilie so liebenswert!! Die Darstellung der Kinder, die einfach anders sind als normale Menschenkinder, und somit nicht akzeptiert werden, spiegeln leider das wahre Leben wider.
    Somit ist der Schulalltag mit all seinen Höhen und Tiefen authentisch gezeichnet: einerseits Freundschaft und Spaß, aber auch Mobbing durch Mitschüler und unfaire Behandlung durch Lehrer. Und wie es durch Missverständnisse zu Streit und Zerwürfnis kommen kann.
    Sehr schön ist das Happy End, das zeigt, dass man mit Ehrlichkeit, Authentizität und Zusammenhalt (fast) alles erreichen kann!
    Auch Band 3 hat den wundervollen Kern: urteile nicht nach dem Äußeren (denn ein schönes Äußeres kann oft täuschen!!), wenn jemand anders aussieht und/oder sich anders verhält als du selbst; wichtig ist ein liebevoller Charakter, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Weitere wichtige Themen sind Familie, Akzeptanz, Mut.
    Die wunderschönen schwarzweiß Illustrationen peppen die Geschichte zusätzlich auf.


    Fazit:
    Eine fantasievolle, magische und humorvolle, leicht-schräge Geschichte über den Schulalltag von Kindern einer Familie, die mal so GANZ anders ist.

  • Das Signal von Ursula Poznanski

    Ich mochte alle Bücher, die ich bisher von Ursula Poznanski gelesen habe, total gerne. Aber dieses hier ist ein Jahreshighlight!
    Nicht nur ist die Schreibweise wie gewohnt fesselnd, auch der Plot ist außergewöhnlich und packt einen total; und mir gefällt, wie aktuelle Technik eine große Rolle spielt. In diesem Fall: Highend GPS-Tracker.

    Denn Viola Decker, die vor kurzem mit ihrem Mann Adam in ein neues, großes Haus mit Weinkeller an den Stadtrand von Wien gezogen ist, verliert bei einem Unfall im sanierungsbedürftigen Keller ein Bein.
    Adam hat nach ihrer Rückkehr aus dem Spital eine Pflegerin organisiert; Olga wurde ihm von einer Bekannten empfohlen. Doch Viola kommt sich von Olga überwacht vor und nachdem sie nicht aus dem Haus kann, da sie auf Rollstuhl und Krücken angewiesen ist, bestellt sie aus Spaß kleine Tracker, um die Wege ihres Mannes zu verfolgen, damit sie auf diese Weise virtuell "aus dem Haus kommt" und so ein bisschen an seinem Leben - das ja weitergeht wie bisher - teilhaben kann.
    Doch bald merkt sie: Adam belügt sie! Denn wenn er ihr erzählt, wo er war: die Tracker sagen etwas anderes.

    Die gesamte Stimmung ist sehr beklemmend, man fühlt richtig mit Viola mit. Einerseits ihre Schmerzen und die Schwierigkeiten aufgrund des fehlenden Beins, dann die Überwachung durch die Pflegerin, die still und abweisend ist, und die gefühlte Bedrohung durch ums Haus schleichende Personen. Und dann ist da ja auch noch Adam, der sie anlügt.
    Warum macht er das? Das psychologische Spiel, das Adam spielt, ist beklemmend.
    Die Auflösung hat sich mir dann zwar mit der Zeit erschlossen, war dennoch authentisch und überzeugend.


    Fazit:
    Eine sympathische Protagonistin mit Handycap kämpft gegen das Psychospiel ihres Mannes. Ein Highlight!

  • Giftiger Grund von Thomas Knüwer

    4,5 Sterne

    In dieser außergewöhnlichen Geschichte begleiten wir zwei junge Menschen, die irgendwann aufeinandertreffen: einerseits ist das der 26jährige Joran, der fast 7 Jahre im Gefängnis saß. Wegen einer Jugenddummheit, durch die ungewollt ein Mensch verletzt wurde.
    Und dann ist da Charu, die aus Geldmangel bei ihrer älteren Schwester eingezogen ist und ihr weniges Geld mit Social Media verdient: sie postet Aufnahmen von Sonnenaufgängen an Lost Places im Zeitraffer, dekoriert immer mit einer selbst gebastelten Glitzerkatze, ihrem Markenzeichen.

    Als Charu genau jene Tankstelle für ihr nächstes Video auswählt, bei der vor 7 Jahren Joran das Pech ereilt hat, nimmt die Geschichte ihren Lauf.
    Denn Joran, von seinem Vater verstoßen und ohne Glück in der Jobsuche, will in einem Schacht in der Nähe der Tankstelle nach dem Geld suchen (heiße 700 Euro), das er damals dort versteckt hat. Ohne zu ahnen, dass der Schacht bereits von seinem einen Freund "belegt" ist, der vor 7 Jahren mit dabei war. Und der von Marvin, dem dritten im Bunde von damals bereits, dort gefunden wurde.

    Und Charu entdeckt auf ihren Aufnahmen ein kleines Mädchen, das mitten in der Nacht in die Waschanlage der Tankstelle kommt und es sich dort auf einer Matratze gemütlich macht. Wo sie auch Charus Glitzerkatze entdeckt und mitnimmt. Sie muss ständig an das Kind denken, und warum es mitten in der Nacht zu einer verlassenen Tankstelle geht.

    Die Geschichte zieht einen so in ihren Bann, denn sie ist nicht nur lebendig und mitreißend geschrieben, mit einer durchgehend beklemmenden Atmosphäre, sondern hat auch so einen außergewöhnlichen Plot, der einem noch nie untergekommen ist.
    Die Figuren sind auch alle so detailliert gezeichnet, wie es mir noch nicht oft untergekommen ist. Man kann sich in alle so gut hineinversetzen (auch in die unguten, leider.)
    Charu hat es auch nicht leicht im Leben; sie musste gezwungenermaßen bei ihrer Schwester einziehen und hat Stress mit deren Freund. Ich fand soo traurig, als die Schwester ihr nicht geglaubt hat.
    Aber ganz besonders habe ich mit Joran mitgefiebert, denn man bekommt an seinem Beispiel sehr gut vorgehalten, dass verurteilten Straftätern misstraut wird. Dass man ihnen nicht glaubt. Egal, wie gut und ehrlich sie es meinen. Und dass diese dann oft ungewollt (aber von der Umwelt dazu "gezwungen") doch wieder in alte Verhaltensmuster verfallen. Doch ich hätte ihn sooo gerne öfter mal geschüttelt: wach auf! Lass dir doch nicht alles gefallen! Verteidige dich (verbal)!
    Zu Edda, dem kleinen Mädchen, bekommt man nur langsam Zugang. Sie verhält sich auch sehr abweisend - den Grund dafür erfährt man im Laufe der Geschichte.
    Und dann entwickelt sich die Geschichte in eine Richtung, mit der ich nicht gerechnet hätte, und es gibt einen spannenden und actionreichen Showdown (und auch ein paar Leichen ;)
    Nur den Schluss hätte ich mir ein klein wenig abgeschlossener gewünscht. Dennoch hat mich die Geschichte so gefesselt, dass ich unbedingt mehr von diesem Autor lesen möchte!


    Fazit:
    Diese Geschichte überzeugt mit einem spannenden und außergewöhnlichen Plot, lebendigen Charakteren und einer überraschenden Wendung am Schluss.

  • Mordseeparty von Emmi Johannsen

    Der 40. Geburtstag von Caro Falk steht an, und dafür ist eine große Party geplant! Sogar ihre Schwestern reisen schon eine Woche vorher an - und zwar genau an dem Tag, an dem eine nackte männliche Leiche auf der Seehundbank vor dem Nordstrand gefunden wird.
    Klar, dass Caro und Jan wieder ermitteln; sehr zum Missfallen von Kommissar Bachmann, der jedoch in jedem Band etwas mehr auftaut. Ich denke, Caro und er können tatsächlich irgendwann sowas wie Freunde werden!
    Schnell stellt sich heraus, dass der Tote Uwe Petersen ist, ein auf der Insel verhasster Borkumer, der nach einer schlimmen Kindheit ganz aus eigener Kraft ein erfolgreicher Geschäftsmann wurde, doch kürzlich in Insolvenz gehen musste.
    Er wurde eigentlich von allen Insulanern gehasst, denn er war unhöflich, arrogant, egoistisch und auch gewalttätig; vor allem Frauen gegenüber; auch seinen Angestellten. Der Fund auf der Seehundinsel ist auch sehr aussagekräftig, denn er wurde mal beschuldigt, die Seehunde vergiftet zu haben.
    Somit bekommt man eine große Menge Tatverdächtiger (sowohl männlich, als auch weiblich) präsentiert. Man selbst schwenkt immer von einer/m Verdächtigen zur/m nächsten, denn viele hatten ein stichhaltiges Motiv.

    Ich fand das Buch wieder toll, der Schreibstil ist so lebendig und mitreißend, und die Einschübe aus Tätersicht (auch gleich im Prolog) sind wieder spannend, aus denen man sich trotzdem keinen Reim machen kann.
    Leider fand ich diesmal das Hin- und Her zwischen Caro und Jan etwas zäh - gerade aus Sicht von Caro! Denn ihre Schwester Conny findet Jan toll und flirtet viel mit ihm. Was Caro zwar nicht passt, aber trotzdem ist sie sich immer noch nicht (!!) über ihre Gefühle Jan gegenüber sicher.
    Caros Gedanken übers Älterwerden konnte ich nachvollziehen, die hatte ich vor dem 40er auch. Aber ich finde sehr gut, dass sie zu dem richtigen Ergebnis kommt: die inneren Werte zählen! (und auf Borkum hält eine aufwändige Frisur im starken Inselwind sowieso nicht ;)

    Toll finde ich auch die Zeichnung des Opfers: ein Mann, der auf der ganzen Insel nicht gemocht bzw. sogar gehasst wird; der eine schwere Kindheit hatte, von den anderen Kindern gemobbt wurde; auch in beruflicher Hinsicht hat er sich alles erarbeiten müssen, wurde sehr erfolgreich, um dann plötzlich vor dem Nichts zu stehen.
    Ich kann die negativen Gefühle der anderen Inselbewohner nachvollziehen: auch wenn Uwe Petersen mir richtig leid tut, was er als Kind erleben musste, aber wie er sich als Erwachsener verhalten hat, geht gar nicht.
    Leider hat mich die Auflösung bzw. das Motiv für den Mord nicht so ganz überzeugen können.


    Fazit:
    In Band 7 feiert Caro runden Geburtstag und ist zuvor mal wieder live bei einem Leichenfund dabei. Die sympathischen Protagonisten, die süße Hündin Aila, der lebendige Schreibstil, die Urlaubsatmosphäre und der Humor dieser Reihe überzeugen! Die Auflösung hat mich leider nicht ganz abholen können.

  • Die Geschichte um Frankensteins Monster ist wohl jedem bekannt; und hier wird dieses Thema witzig und kindgerecht aufgearbeitet, und zwar in Form von Nelly - Penelope Frankenstein, die 12jährige Ur-ur-ur-Enkelin DES berühmten Dr. Frankensteins. Auf deren Familie natürlich seitdem ein Trauma liegt.
    Grusel kommt auch noch hinzu, denn Nelly lebt mit ihren Eltern auf einem etwas abgelegenen Schloss, in dem es spukt.
    Bis eines Tages eine von Nellys Erfindungen - dann doch klappt (naja, zumindest teilweise so, wie sie sich das vorgestellt hat): sie hat ihr rotbraunes Lieblings-Alpaka von der Weide nebenan wiederbelebt, indem sie es im Gewitter unter eine Eiche gezogen hat, in die dann auch der Blitz eingeschlagen hat. Juhu, es hat geklappt! Das Alpaka lebt wieder! Doch womit Nelly nicht gerechnet hat: das Tier kann nun plötzlich sprechen!
    Es heißt Montserrat und möchte stäääändig Kokos-Limetten-Cocktails haben, das ist nämlich Montserrats Lieblingsgetränk. Klar, dass mit einem aufgeweckten, tollpatschigen und dauer-plappernden Alpaka sehr viel Chaos entsteht! Ich mag Montserrats lustigen und chaotischen Charakter und ihren trockenen Humor total gerne!
    Und auch klar, dass Nellys Eltern alles andere als begeistert sind, denn sie wollen überhaupt nicht, dass Nelly Dinge erfindet (aus Angst vor dem, was in der Vergangenheit passiert ist - was man ja auch irgendwie nachvollziehen kann). Doch Nelly erfindet keine schlechten oder bösen Dinge, nur ihre Erfindungen funktionieren halt leider nie so, wie sie sich das vorgestellt hat.
    Sehr witzig sind die Einschübe ihres Erfinderinnen-Tagebuchs, die - ebenso wie die restliche Geschichte - mit lustigen Illustrationen geschmückt sind. Natürlich gehen viele Erfindungen schief, nichts klappt so, wie sie sich das vorgestellt hat. Dabei sollten diese Dinge doch ihres und das Leben ihrer Eltern erleichtern, zB der Hausaufgabenstift oder die magische Wäscheleine.
    Dann sind da noch Nellys beste Freunde Lou und Jamal, die sich wegen des Geistes nicht auf ihr Schloss trauen. Doch die beiden halten immer zu ihr, besonders als Montserrat in Gefahr gerät. Gemeinsam sind sie nämlich die Kokos-Limetten-Gang!
    Tja und der Geist... ohne Montserrat hätten sie wohl nie erfahren, warum er im Schloss spukt! Ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung!
    Die Themen Freundschaft, Familie, Hilfsbereitschaft und Mut sind wesentliche Themen in dieser Geschichte - und sich so zu lieben, wie man ist und das beste aus sich herausholen zu wollen.


    Fazit:
    Ein klassisches Thema humorvoll und kindgerecht umgesetzt; mit witzigen Illustrationen. Nelly ist ein tolles Mädchen, aber Alpakadame Montserrat ist einfach göttlich!

  • Die weiße Nacht von Anne Stern

    4,5 Sterne

    Berlin, Dezember 1946: Die Fotografin Marielouise Faber, von allen nur Lou genannt, findet bei ihren morgendlichen Spaziergängen durch das zerstörte, winterliche Berlin, auf der Suche nach Fotomotiven, eine weibliche Leiche in einer Ruine. Die Hände wie zum Schlaf gefaltet.
    Kriminalkommissar Alfred König, der kürzlich erst zum Leiter der neu gegründeten Kriminalpolizei ernannt wurde, benötigt zur Aufklärung des Falls Lous Fotos.
    Und es tauchen noch weitere Leichen auf.

    Der Schreibstil ist so mitreißend, vor allem die Atmosphäre nach dem Krieg ist so lebendig dargestellt und ausführlich beschrieben, dass der Fall der ersten toten Frau total in den Hintergrund rückt. Das hat mich überhaupt nicht gestört, denn ich konnte mich so gut in das Nachkriegs-Berlin hineinversetzen! Man friert und hungert mit den Bewohnern Berlins, denn es gibt kaum etwas zu essen. Selbst mit Lebensmittelmarken erhält man fast nichts. Der Strom geht nur sporadisch, es ist klirrend kalt, sämtliche Bäume wurden schon gefällt und sogar in den Wohnungen ist es kalt.
    Das zerstörte Berlin ist auch bildlich beschrieben mit den zerfallenen Ruinen, dazwischen einige intakte Häuser. Und überall darauf weißer Schnee. Und die vielen Suchtexte nach Verwandten und Bekannten. Man spürt richtig die Trostlosigkeit, und dass kaum jemand Hoffnung hat.
    Der Schwarzmarkt hingegen blüht, und dort lernt man den wiffen Lauser Justus kennen, der mit amerikanischen Lucky Strikes handelt. Justus hab ich sofort in mein Herz geschlossen!
    Lou natürlich auch, sie ist eine willensstarke Frau und hat ihr Herz am rechten Fleck. Genau deshalb geht ihr die Tote, und besonders deren Haltung bei der Aufbahrung in der Ruine, nicht mehr aus dem Kopf, und sie will König unbedingt helfen, den Fall zu lösen. Sie findet auch viele Puzzlestückchen, da sie die Leute im Grätzel kennt.
    König hat zwar Macken, die aber nicht verwunderlich sind bei seiner Vergangenheit. Die Wege der beiden kreuzen sich auch so immer wieder.
    Wobei ehrlich gesagt Lous Mitarbeit gar nicht nötig gewesen wäre, denn König ist auch auf die Lösung gekommen, als Lous Hinweise ihn nicht erreicht haben. Trotzdem war die Zusammenarbeit der beiden wundervoll zu verfolgen.
    Die Auflösung ist sooo traurig, authentisch, bewegend und nachvollziehbar. Ich kann den Grund für die Taten tatsächlich verstehen.
    Man kann in diesem Buch zwar nicht richtig Täter und Motiv miträtseln, ist aber beim Aufdecken der einzelnen Puzzlestückchen dabei und ich fand es sehr spannend und realistisch.
    Das Einzige, was mich etwas gestört hat (und deshalb auch der halbe Stern Abzug) ist, dass sehr oft Königs Gedanken über seine Vergangenheit und seine Schuldgefühle wiederholt wurden.


    Fazit:
    Eine authentische und lebendige Zeichnung des klirrendkalten Winters 1946 im Nachkriegsberlin; zwei sympathische Protagonisten; ein authentischer und bewegender Fall. Ich freue mich schon auf eine Fortsetzung!

  • Game of Scandal von Laura Wood

    4,5 Sterne

    London, 1900: Felicity Vane, die Schwester von Max, Duke of Roxton, ist ein As in Mathematik und verdient sich ihr Geld bei illegalen Kartenspielen. Denn sie will keinesfalls heiraten, sondern Mathematik studieren und ein selbstbestimmtes Leben führen (was zur damaligen Zeit nicht einfach ist bzw. eher unmöglich).
    Doch Ash, der Besitzer des Casinos, in dem sie ihre Fähigkeiten ausspielt, beschuldigt sie des Betrugs. Dabei wird auch die Aufmerksamkeit von Edward Laing auf Felicity gelenkt. Doch dieser ist schon seit längerem im Visier des Finkennests. Jedoch konnte ihm bisher nichts nachgewiesen werden.
    Als Felicity mit Ash in eine kriminelle Verschwörung gezogen wird, kommen sich die beiden näher.

    Felicity erzählt ihre Erlebnisse in ich-Form, daher ist es noch lebendiger und man kann sehr gut in ihre Gedanken- und Gefühlswelt eintauchen.
    Man trifft natürlich wieder auf alle Bekannten aus dem Finkennest, hier natürlich besonders auf Felicitys Bruder Max und seine Ehefrau Izzy (die Geschichte der beiden erfährt man in Band 1 "Agency for Scandal").
    Die Ermittlungen lassen sich auch wieder sehr spannend verfolgen, denn Edward Laing, den es offiziell erst seit 6 Jahren gibt, will Felicity heiraten. Doch dieser ist angeblich ein Mörder - das Finkennest will ihn überführen. Was führt er im Schilde?

    Die Thematik der damaligen Zeit, dass Frauen keinerlei Rechte hatten und den Männern, v.a. ihren Ehemännern, ausgeliefert waren, wird eindrücklich dargestellt. Auch das historische Setting und die Darstellung der Standesunterschiede zwischen dem Adel, der in Pomp Feste feiert, und waisen Straßenjungen ist sehr gut gelungen.
    Und Mrs Finch und ihre Finken sind es, die gegen diese Ungerechtigkeiten ankämpfen und den Frauen zu Gerechtigkeit verhelfen. Und dies war wundervoll dargestellt. Alle Mitarbeiterinnen in der Agency of Scandal haben unterschiedliche Charaktere und Eigenschaften, die für den Kampf für Gerechtigkeit für Frauen eingesetzt werden.
    Spannend ist hier die Mathematik verarbeitet, eine doch eher ungeliebte Wissenschaft. Doch durch Felicity wird sie lebendig und es ist natürlich nützlich für das Kartenspiel im Casino, denn durch das Zählen kann Felicity laufend gewinnen.
    Die Romantik kommt auch nicht zu kurz, in diesem Band war es mir manchmal sogar ein klein wenig zu viel (v.a. weil oft wiederholt wurde, dass Ash wie ein Pirat aussieht - dann musste ich immer an Captain Jack Sparrow denken ;)


    Fazit:
    Ein toller dritter Fall der historischen Cozy Crime-Reihe für Jugendliche mit einer taffen Protagonisten, einer großartigen Spannung, britisch-historischem Feeling, Humor und einem mitreißenden Fall.

  • Die 17-jährige Toni freut sich auf den Schreibworkshop beim berühmten Kriminalschriftsteller Richard Giffard auf seinem abgelegenen Anwesen außerhalb Londons.
    Nur eine kleine Gruppe von sechs Jugendlichen wurde zu dem Workshop eingeladen, der eine Woche dauern soll.
    Doch gleich bei der Begrüßung werden die jungen Menschen überrascht! Es gibt nicht nur ein Preisgeld, der Gewinner mit dem größten Talent wird auch sein Erbe antreten! Das Anwesen, Geld und die Rechte an seinen Büchern. Klar, dass alle sprachlos sind.
    Doch während die Jugendlichen an den von Mr Giffard gestellten Aufgaben arbeiten, schneidet ein schlimmes Unwetter das Herrenhaus ab, es geschehen mehrere seltsame Dinge und dann verschwindet auch noch der Bestsellerautor...

    Der Schreibstil ist in ich-Form aus Sicht von Toni, wodurch man tief in ihre Gefühls- und Gedankenwelt eintauchen kann. Sie ist eine starke junge Frau, für die man gleich Sympathie hegt. Sie hat vor Kurzem ihre Mutter verloren, eine Kriminalbeamtin, wodurch sie ihre Ermittlungen an ihre Mutter anlehnt: "wie hätte Mom das gemacht" - fand ich echt gut und authentisch. Man leidet aber auch mit ihr mit, denn seit dem Tod ihrer Mutter plagen sie Alpträume, sie schlafwandelt und liegt mit ihrem Vater im Dauerstreit (den größten Grund dafür erfährt man später und da bin ich voll bei ihr!!) Das ist auch der Grund, warum sie unbedingt bei diesem Workshop bei Richard Giffard mitmachen will. Die vielen Einspielungen ihrer (Alp-)Träume gefielen mir persönlich jedoch nicht so gut.

    Das Setting hingegen ist grandios! Und so lebendig! Ein altes, zugiges, gruseliges Herrenhaus, das abgeschieden liegt; Geistererscheinungen; Angestellte, die sich seltsam verhalten... Und dann noch die dazu passende Atmosphäre mit Regen und Wind - man fühlt das Unwetter richtig!
    Alle handelnden Personen, sowohl die Jugendlichen als auch die Angestellten, sind lebendig gezeichnet mit Ecken und Kanten und man findet sie sympathisch oder eben nicht.
    Mr Giffard selbst lernt man ja nur kurz kennen, aber er ist von Anfang an ein unsympathischer Griesgram, dessen Entscheidung, plötzlich einen jungen Schriftsteller/in als Erben haben zu wollen, den/die er aber überhaupt gar nicht kennt, war etwas unglaubwürdig. Doch gegen Ende lernt man Ereignisse aus seinem Leben besser kennen und kann sein Verhalten eher nachvollziehen.
    Auch kann man super bei allem miträtseln, sowohl bei den Geschehnissen als auch dem Täter - dabei helfen Tonis Aufzeichnungen, die alles auflockern.
    Die Schnitzeljagd in Mr Giffards Arbeitszimmer hat mir sehr gut gefallen, das war wie ein Escape Room. Das kam fast zu kurz.
    Übrigens finde ich das Wortspiel im Titel grandios! Auch Humor und Romantik kommen nicht zu kurz.
    Die Auflösung hat mich ob der Komplexität überrascht, aber so ganz glücklich war ich damit nicht, denn ich finde doch einige Punkte unglaubwürdig (auf die ich leider nicht näher eingehen kann, ohne zu spoilern), wodurch es sich etwas konstruiert angefühlt hat.


    Fazit:
    Die Geschichte war super spannend, etwas gruselig, man konnte toll miträtseln, aber die Auflösung war mir dann teilweise zu drüber und unglaubwürdig.

  • Ungelöst - Die erste Zeugin von Arno Strobel

    3,5 Sterne

    Die 22-jährige Münchner Medizinstudentin Luisa Menkhoff, die als Fünfjährige von einem irren Psychiater entführt wurde und von ihrem Vater, einem Polizisten, gerettet wurde, erkennt eine verschwundene Frau auf einem Flyer. Obwohl ihre Entführung 17 Jahre her ist, kann sie sich noch genau an das Gesicht erinnern: es ist Nicole Klement, die damalige Freundin des Psychiaters Dr. Joachim Lichner - ihres Entführers.
    Sie wendet sich sofort an die Polizei, und Kriminalhauptkommissar Ramin Brunner zieht sie als externe Beraterin in diesem Fall hinzu.

    Der Beginn liest sich super spannend, denn Luisa ist eine starke Person mit einem außergewöhnlichen eidetischen Gedächtnis - d.h., sie erinnert sich an alles jemals Erlebte; wie auf einer Fotografie. Und dadurch soll sie helfen, Nicole Klement zu finden.
    Auch der Kommissar ist sofort sympathisch, er ist ruhig, natürlich und hat Ehrgeiz, den jeweiligen Fall zu lösen. Als dann auch noch ein kleines Mädchen verschwindet und der Psychologe erst kurz zuvor aus der Haft entlassen wurde, ist die Aufregung groß. Die Mitbewohnerin von Nicole Klement, die sie als vermisst gemeldet hat, kommt einem sofort suspekt vor. (ebenso wie Ramin).
    Man fiebert mit und hofft, dass das Mädchen rechtzeitig gefunden wird. Und auch in Sachen Täter ist man am Rätseln: ist es Lichner? Oder doch die verschwundene Nicole Klement? Und welche Rolle spielt deren Mitbewohnerin?

    Doch mit der Zeit wird es etwas langatmig. Der Fall tritt auf der Stelle; es gibt auch viele Wiederholungen; und Luisas Mitarbeit erscheint manchmal rechtlich unglaubwürdig. Auch das Kribbeln zwischen Luisa und Ramin ist mir manchmal zu viel. Und vor allem - und das ist, was ich bei einem Spannungsroman absolut nicht mag - wenn man das Motiv, die Intention des Täters nicht nachvollziehen kann. Aus welchem Grund entführt(e) Lichner die jungen Mädchen? Welche Rollte hat(te) Nicole dabei?
    Der Psychologe bleibt so blass, man kann ihn einfach nicht greifen - und dadurch erscheint er einfach nicht echt.
    Die Auflösung hat mich nicht überrascht, denn genau damit hatte ich gerechnet.
    Und leider - auch wenn der Fall einen Cold Case aus Luisas Vergangenheit beinhaltet - kommt mir hier der Cold-Case-Aspekt zu kurz (Ramin ist ja noch nichtmal zur neuen Einheit gewechselt).


    Fazit:
    Nach einem sehr starken und packenden Beginn leider abgeflacht. Auch die Auflösung konnte mich nicht überraschen.

  • Mumien morden mittwochs nie von Tatjana Kruse

    Polly (Dr. Apollonia Obermoser) scheint einen Höhepunkt ihrer Karriere erreicht zu haben, als sie bei der Ausstellungseröffnung im Museum die Artefakte aus der siebenten Dynastie um Pharao Teti III. präsentieren darf.
    Doch dann stirbt einer nach dem anderen, die Ausgänge sind verschlossen - gibt es den Fluch der Mumie tatsächlich, so wie Daphne, die Tochter der Museumsinhaberin, fest davon überzeugt ist?

    Die Story ist, wie man es von Tatjana Kruse kennt, humorvoll-unterhaltsam. Nicht umsonst nennt sie ihr Genre "Krimödie".
    Sowohl die Figuren, als auch die Handlung, sind oftmals sehr überzogen, aber genau das macht den Charme aus.
    Manche Personen handeln so unlogisch, dass man Pollys Verzweiflung auch richtig spüren kann - vor allem im Umgang mit der naiv-dümmlichen, millionenschweren Daphne (über deren feste Überzeugung, dass eine Mumie mordend durchs Museum schleicht, man nur den Kopf schütteln kann).
    Doch nichts und niemand ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Daphne hat mich wirklich überrascht!

    Man fiebert mit Polly mit, als das Museum versperrt ist und kein Kontakt zur Außenwelt möglich ist. Und dann noch die übernatürlichen Phänomene, wo man manchmal wirklich denkt: hat Daphne Recht? Gibt es den Fluch des Pharaos tatsächlich?
    Man kann bei diesem Museums-Locked-Room-Krimi sehr gut miträtseln und es macht großen Spaß!


    Fazit:
    Eine manchmal überzogene, doch humorige, gruselig-mystische und wundervoll unterhaltsame Krimödie mit skurrilen Figuren und einer taffen Protagonistin, mit der man einfach mitfiebern muss - und einer Mumie!

  • Wem du traust von Petra Johann

    Eva Kramer und ihr Mann Daniel leben gemeinsam mit ihrem 5-jährigen Sohn Linus in einer idyllischen Reihenhaussiedlung.
    Sofia, die 15-jährige Tochter von Evas bester Freundin Susanne, die beiden vor kurzem umgezogen sind, und zwar zu Susannes neuem Freund, babysittet oft bei den Kramers.
    Bis eines nachts Sofia verschwindet - nachdem Daniel sie nach dem Babysitten nach Hause gebracht hat.
    Der Verdacht fällt sofort auf Daniel, doch Eva schwört, das ihr Mann nichts mit Sofias Verschwinden zu tun hat. Bis sich immer mehr und mehr Ungereimtheiten auftun - ist ihr Mann wirklich unschuldig? Kann sie ihm trauen?

    Petra Johann weiß zu fesseln! Ich finde sowohl ihren Schreibstil packend, der zwar teilweise etwas nüchtern ist, dafür jedoch eindrücklich die mühsame Kleinarbeit der Polizisten wiedergibt, die jedes kleinste Detail, und sei es scheinbar noch so unwichtig, ans Licht bringen und überprüfen müssen. Das ist sehr authentisch, und mir gefällt so etwas sehr gut bei einem Krimi. Denn im echten Leben müssen auch Unmengen an Spuren ausgewertet werden, wovon oft nicht mal eine davon ans Ziel führt. Und der Autorin ist es gelungen, diese Spurensuche interessant und richtig spannend darzustellen.
    Auch die Verstrickung der Ermittlerin Heidi Westphal ist gut gelungen! Denn sie ist - als Mutter einer gleichalten Tochter - besonders daran interessiert, Sofia zu finden. Noch dazu geht Sofia nach ihrem Umzug nun auf das gleiche Gymnasium wie ihre Tochter.

    Auch die Figurenzeichnung überzeugt, denn jede handelnde Person ist so unterschiedlich im Charakter, detailliert ausgearbeitet, und man fühlt sofort eine Bindung zu den Personen - oder findet sie unsympathisch.
    Man kann auch gut selbst miträtseln und überlegen, was denn mit Sofia geschehen sein könnte. Und falls sie entführt wurde - wer der mögliche Täter sein könnte (von denen es einige gibt und man seinen Verdacht immer zwischen diesen Personen wechselt).
    Auch wenn ich dann schon recht schnell den richtigen Riecher hatte, was einige Dinge betraf, konnte mich doch auch einiges überraschen.


    Fazit:
    Ein spannender Plot, ein fesselnder Schreibstil, lebendige Charaktere und eine authentische Auflösung machen diesen Krimi für mich zu einem Highlight!

  • Fünf Fremde von Romy Fölck

    3,5 Sterne


    Im Jahr 1995 verschwinden die beiden Teenager Isa und Janosch am Ende der Schullandwoche auf der Insel Neuwerk. Die Lehrerin Charlotte Hahnel macht sich Vorwürfe, da die beiden unter ihrer Aufsicht verschwunden sind, und bleibt auch noch auf der Insel, nachdem die Suche nach den beiden bereits aufgegeben wurde - und eines Tages taucht Isa plötzlich wieder auf.
    30 Jahre später anlässlich des Gedenkens an Janoschs Verschwinden begeben sich einige Personen auf die Insel Neuwerk zurück...

    Leider finde ich den Titel nicht ganz passend, denn von den fünf Personen, die auf Neuwerk reisen, kennen sich vier aus der Vergangenheit - sind also keine Fremden, auch wenn sie seither keinen Kontakt hatten.
    Es gibt zwei Handlungs- bzw. Zeitstränge: Sommer 1995 und 10., 11. und 12. Oktober 2025; in der Gegenwart jeweils abwechselnd aus Sicht von Lehrerin Charlotte Hahnel, die die damaligen Vorkommnisse nicht losgelassen haben, sodass sie einem Orden beigetreten ist; Annika Lundt, die damals auf der Insel gelebt hat und sich den Jugendlichen angeschlossen hat, und nun eine beurlaubte Polizistin ist, die sich um ihre demente Mutter kümmern will; Mats Nilsson; ehemaliger Schüler auf der Schullandwoche; Sinje Bianchi, die damals mit ihren Eltern auf Urlaub auf Neuwerk war, sich den Jugendlichen aber nicht abschließen durfte; und Michelle Welm, die einen Job als Vogelwartin auf der Vogelinsel antreten will.
    Und in der Vergangenheit liest man aus Sicht von Isa. Erst nach und nach bauen sich die Vorgänge langsam auf; und was tatsächlich passiert ist, erfährt man erst ganz zum Schluss. Man fragt sich also die ganze Zeit, wie die Dinge zusammenhänge, welche Rollen die einzelnen Personen gespielt haben und wie die junge Michelle ins Bild passt.

    Ich mag den Erzählstil von Romy Fölck, auch wenn es sprachlich teilweise leider etwas holprig war und es Wiederholungen gab; aber die Beschreibung des starken Sturms, der immer heftiger wird, war sehr bedrückend.
    Auch ist die Insel Neuwerk so detailliert dargestellt, dass man alle Schauplätze und Wege genau vor Augen hatte und mit allen Personen mitgefiebert und mitgelitten hat. Auch die Trecker-Fahrt zur Vogelinsel ist so lebendig beschrieben. Auf Neuwerk scheint die Zeit stillzustehen; es gibt keine Hektik - es geht um die Elemente und die gewaltige Natur.
    Besonders gelungen fand ich die Charakterzeichnungen. Alle handelnden Figuren waren unterschiedlich, authentisch, mit Kanten und Ecken, und dadurch so lebendig. Man konnte sofort eine Bindung aufbauen - oder fand sie unsympathisch.
    Dass man immer abwechselnd aus der unterschiedlichen Sicht der fünf Personen, und auch noch teilweise aus der Vergangenheit liest, macht es interessant und hält den Spannungsbogen konstant aufrecht. Man lernt erst die Personen kennen und erfährt nur nach und nach kleinste Puzzleteilchen, die sich erst langsam zu einem ganzen Bild zusammenfügen. Es war faszinierend, wie fest das Damals das Heute noch im Griff hat. Und es hat sich wieder bewahrheitet: wenn man Dinge verschweigt und nicht miteinander spricht, kann nichts Gutes dabei herauskommen.
    Es wurde am Ende dann alles aufgelöst, was im Jahr 1995 vorgefallen ist; leider hat mich die Auflösung dann enttäuscht; es war für mich so unrealistisch und absolut nicht nachvollziehbar. Leider kann ich auf kein Detail eingehen, da ich sonst alles spoilern würde. Jedenfalls hat diese für mich konstruiert gefühlte Erklärung das schöne Leseerlebnis von zuvor zerbröckeln lassen.


    Fazit:
    Sehr spannendes Leseerlebnis auf zwei Zeitebenen und aus Sicht von fünf (bzw. sechs) verschiedenen Personen in einem wunderschönen, jedoch stürmischen Setting, das einen mitfiebern lässt. Leider hat mich die Auflösung enttäuscht zurückgelassen.