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Als eines Tages im Weinort Malsch vor der Pfarrkirche eine Puppe liegt, die mit Nadeln durchstochen ist, glaubt Tobias noch an einen schlechten Scherz. Doch bald passieren Dinge, wo er nicht mehr an Zufälle glaubt. Als ein Freund von ihm einen unerklärlichen Autounfall hat lässt ihm der Gedanke nicht los, dass diese Ereignisse mit einer Mordserie zu tun haben in der er und sein Freund der Polizist Dominik involviert waren. Spätestens dann, als sich Tobias verfolgt fühlt und auch seine Tochter Zoe Opfer eines Anschlags wird ist ihm klar, dass sich jemand an ihm und Dominik rächen möchte. Ihr unsichtbarer Gegner versteht es geschickt seine Spuren zu verwischen und allen ist nun klar, dass es nur eine Frage der Zeit ist bis er seinen mörderischen Plan umsetzen kann, wenn es nicht vorher Tobias und der Polizei gelingt, den Mörder zu fassen.
,,Tödliche Nachlese“ ist ein eher humorvoll geschriebener Thriller von Matthias Melich wo er den Leser zum zweiten Mal Tobias und Dominik ,,ermitteln“ lässt. Auch wenn man die erste Geschichte nicht kennt ist es nicht so schlimm, es gibt immer wieder kleine Rückblenden vom ersten Teil und die jetzige Handlung baut nur bedingt darauf auf.
An sich wäre das Katz-und Mausspiel zwischen Täter und Opfer spannend erzählt, was aber mit der Zeit sehr nervig ist sind die ständigen Wiederholungen der Ereignisse. Zuerst passiert etwas, danach geht der Protagonist alles im Gedanken noch einmal durch und dann kann es sein, dass er die Erlebnisse noch jemanden erzählt. So wiederholen sich leider immer wieder Szenen, die man schon mehrfach gelesen hat. Auch ist der Schreibstil etwas gewöhnungsbedürftig wo man oft nur einzelne Wörter aneinander gereiht findet aber auch durch die personale Erzählperspektive jeden Handgriff den der Protagonist tut, erklärt bekommt, wo es für mich schon manchmal zu genau beschrieben war.
Es gibt immer wieder kleine Überraschungen in der Geschichte, wo das Ende nochmal richtig spannend geworden ist, auch wenn nicht wirklich alles geklärt worden ist. Als Ausblick findet man noch einen kurzen Auszug auf den dritten Band der Reihe.
Es ist das Jahr 1910, als die junge Krankenschwester Ida Freese ihre Stelle kündigt und ihr neues Leben in Baden-Baden in der Naturheilanstalt Lichtental auf der Karolinenhöhe bei dem Ehepaar Enslinger antritt. Hier trifft sie auf eine völlig neue und unbekannte Welt. Es gelten hier strenge Regeln, wo der Vegetarismus und die Freikörperkultur einen hohen Stellenwert haben. Mit der Zeit gewöhnt sich Ida daran und beginnt sogar, die Ruhe und Einfachheit in der Kuranstalt zu genießen. Ihre beginnende Liebe zu dem jungen Luftschiff- Monteur Carl bringt sie in Bedrängnis, denn wenn man gegen die Hausregeln verstößt, kann es schlimme Folgen haben. Dass ihr Glück bald schon in Gefahr gerät kann Ida noch nicht wissen und die folgenschweren Ereignisse werden zeigen, ob Ida ihren eigenen Weg noch finden kann.
Der Roman ,, Karolinenhöhe“ nimmt den Leser auf eine besondere Reise mit, wo die Autorin Kirsten Karg nicht nur geschichtliche Orte und Fakten einfließen hat lassen, sondern ein besonderes Bild der neuen Lebensform ,,Zurück zur Natur“ beschrieben hat.
Die ,,Verrückten auf dem Berg“ ,wie die Menschen in der Naturheilanstalt genannt wurden, haben gespürt, dass Luft-, Licht- und Wassertherapien, sowie der Verzicht auf Fleisch und Alkohol, der Gesundheit förderlich sind. Gerade die Frauen, die sich damals nicht nur durch Korsetts, sondern auch durch Traditionen und festgefahrene Denkweisen der Männer , eingeengt und gefangen gefühlt haben, haben gespürt, wie das Ablegen der Kleidung und sich so zu zeigen wie sie sind , sie von vielen Zwängen befreit haben.
Es werden in dem Roman viele wichtige Themen aufgegriffen wo es schön war, dass Ida auch immer wieder gegen Regeln verstoßen hat, auch wenn sie Repressalien zu befürchten hatte. So war es damals immer noch für männliche Ärzte klar, dass Frauen bei gewissen Symptomen einfach nur hysterisch waren, wo Ida aber gewusst hat, welche Frauenleiden wie zu lindern waren. Aber auch der Kampf zwischen ,,Zurück zur Natur“ und dem aufkommenden Fortschritt hat die Autorin immer wieder gut gegenüber gestellt.
Auch wenn immer wieder ein kleiner Hauch an Humor aufblitzt, so ist es doch im Grunde ein sehr berührender und emotionaler Roman, wo sich viele Protagonisten im Laufe der Geschichte sowohl positiv, als auch negativ verändern. Wo man merkt, dass fanatische Personen, die auf ihr Recht, auf ihre Meinung und ihre Ansichten pochen, schwer davon abzubringen sind, auch einmal etwas anderes auszuprobieren.
Schön hingegen war, dass sich Frauen, allen voran Ida sich immer mehr aus ihren Zwängen befreit haben, dass sie selbstbewusster geworden sind, dass sie sich nicht mehr alles, gerade von Männern, gefallen haben lassen und dass sie bereit waren für ihre Wünsche, Bedürfnisse und ihre Freiheit zu kämpfen, egal was andere darüber denken.
Ein toller Roman, wo auch die beschriebenen Sehenswürdigkeiten und die Schönheit der Natur beim Lesen Wohlfühlmomente ausgelöst haben.
, Alles in Ordnung, Liebe überall“, so lautet der Titel diverser Kurzgeschichten des slowakischen Autors Michal Tallo. Seine Erzählungen haben dabei eine eigene Ausdrucksweise, wo man nicht immer leicht in eine Geschichte eintauchen kann. So findet man unter anderem einen Satz, der sich über mehrere Seiten zieht, bis endlich ein Punkt den Satz beendet. Da fällt es natürlich nicht leicht an der Geschichte dran zu bleiben, obwohl sie durchaus einen besonderen Reiz ausübt.
Viele Geschichten sind eher trauriger Natur, wo Menschen verzweifelt sind, wo sie auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sind oder wo sich jemand für einen anderen verantwortlich fühlt und dabei auf sich selbst vergisst.
Es ist mir leider sehr schwer gefallen bei den meisten Erzählungen die Intention des Autors zu erfassen. Er deutet vieles nur an, erzeugt Bilder im Kopf des Lesers, wo ich oft ratlos zurück geblieben bin. So ist mir z.b immer noch nicht klar, warum Männer in eine Konditorei weinen gehen oder warum eine Frau plötzlich ein Baby bekommt, das gleich älter wird und dann weggeht. Man findet in seinen Geschichten immer wieder absurde und aberwitzige Situationen, wo es dauert bis man den Sinn dahinter versteht.
Seine Protagonisten bleiben auch immer unnahbar, sodass es jede Person sein kann die die Geschichte gerade erlebt. So findet man keine Namen sondern z.b. nur den Anfangsbuchstaben wenn L .etwas sagt oder P. etwas tut. Oder wenn es einfach nur Bezeichnungen gibt wie der Körper, die Ältere, die Frau....
Für mich waren die Kurzgeschichten anstrengend zu lesen, weil ich es nicht gerne mag, wenn man beim Ende angelangt ist und man im Grunde nicht wirklich weiß, was der Autor damit ausdrücken wollte. Wer in lyrische, kafkaeske und teils absurde Geschichten eintauchen möchte, wird hier sicher auf seine Kosten kommen.
Als in einem Tunnel ein toter Obdachloser gefunden wird denkt Hauptkommissar Ben Willemsen noch, dass es ein Routinefall wird. Doch schon bald muss er feststellen, dass dem nicht so ist. Jugendliche, die den, mittlerweile als bekannten amerikanischen Genetiker Robert Bronn identifiziert, gefunden haben, geraten plötzlich ins Visier skrupelloser Verbrecher, wo schon schon bald der nächste Tote auftaucht.
Bronns ehemalige Geliebte Andrea Segliani versinkt mehr und mehr in ihrer Rolle der historischen Giftmörderin Gesche Gottfried, wo sie immer öfter nicht mehr weiß, wer sie nun wirklich ist.
Als auch noch Ben zur Zielscheibe der Verbrecher wird und ein gestohlener USB Stick der Schlüssel zu den ganzen Ereignissen zu sein scheint weiß er, dass ihm und seinem Team nicht mehr viel Zeit bleibt um schlimmeres zu verhindern.
,, Als Fremde wirst du sterben“ ist ein spannender Kriminalroman, wo der Autor Stephan Leenen seine Leser auf eine besondere Reise, nicht nur in die Vergangenheit, mit nimmt.
Interessant war dabei, warum Andrea immer wieder glaubt die bekannte Bremer Giftmörderin Gesche zu sein und ihr Leben scheinbar hautnah in der Gegenwart erlebt. Dass dabei eine neuartige Technologie dahinter steckt findet man im Laufe des Romans heraus und man hofft, dass dieses Szenario nicht einmal wahr werden wird.
Die Protagonisten werden gut dargestellt, sowohl der sympathische und empathische Kommissar, als auch die leidgeprüfte Andrea. Aber auch die Antagonisten wie der skrupellose Journalist Torsten Schypulla oder der brutale Carlos, beide passen gut in die Geschichte hinein.
Etwas Probleme haben mir aber die schnellen Perspektivenwechsel bereitet, wo man oft ganz unvorbereitet von einem Schauplatz zum anderen gewechselt ist und man dabei erst wieder seine Gedanken zu anderen Protagonisten überleiten musste.
Es geht auch recht brutal in dem Roman zu wo mir Carlos schon fast ein wenig zu standhaft war mit den ganzen Verletzungen, die ihm andere zugefügt haben.
Ein versöhnliches Ende rundet den spannenden Krimi ab, wo mir der Ausflug in die historische Vergangenheit gut gefallen hat.
Die Psychotherapeutin Salome Liebeskind kann es nicht fassen, dass ihre Kollegin Eva in ihrer Gemeinschaftspraxis brutal ermordet worden ist. Hauptkommissar Julian Christ, hält Salome vorerst für verdächtig. Als es noch zwei weitere Tote gibt und es scheinbar keinen Zusammenhang zu finden gibt, beginnt Salome eigene Nachforschungen anzustellen, was dem Kommissar so gar nicht passt. Mit der Zeit muss sie feststellen, dass ihre Kollegin einiges zu verbergen hatte und was sie dabei heraus findet erschüttert sie zu tiefst und dabei ahnt sie nicht, dass der Mörder bereits sein nächstes Opfer im Visier hat.
Im Auftaktband ,, Die weiße Dame“, lässt die Autorin Yngra Wieland, Salome Liebeskind, sehr zum Leidwesen des Kommissars Julian Christ, bei spannenden Mordfällen ,,ermitteln“.
Man landet als Leser schnell in einer interessanten Geschichte, wo die Autorin nicht nur ihre Erfahrung in der Psychotherapie einbringt, sondern auch spannende und vor allem emotionale Momente in ihre Geschichte hinein bringt.
Schön dabei ist, dass sowohl Salome, als auch Julian Protagonisten sind, die nicht immer rational handeln, die ihre Schwächen haben und sie auch zeigen und vor allem, dass sie beide spüren, dass trotz anfänglicher gegenseitiger Ablehnung, sie doch einen Draht zueinander gefunden haben und beide ein Ziel haben, nämlich weitere Morde zu verhindern.
Dass es auch kleine humorvolle Szenen gibt, wo ein sympathischer Nachbar mit seinem Hund Seppl eine nicht unwichtige Rolle spielt, lockert die doch eher düstere Geschichte ein wenig auf.
Dass der Auslöser der ganzen Ereignisse in der Vergangenheit liegt und nun in der Gegenwart ihr trauriges Ende findet, hat die Autorin gut beschrieben, wo es sicherlich gut wäre eine Triggerwarnung einzufügen, da es vielleicht bei so manchen eine starke emotionale Reaktion oder Erinnerungen an traumatische Erlebnisse auslösen könnte.
Ein interessanter erster Fall, der oft tief in das Seelenleben der Protagonisten blicken ließ und man nun gespannt sein darf, wie es mit Salome, dem Kommissar und natürlich auch Seppl weiter geht.
In dem Erzählband ,, Das Dunkel und die Einsamkeit“ entführt der Autor Holger Vos den Leser in eine Vielzahl an Kurzgeschichten, die düster, berührend und auch sehr emotional sind.
Die Bandbreite reicht dabei von fantastischen und mystischen Geschichten bis zu Geschichten, die durchaus auch einen realen Hintergrund haben könnten.
Man findet Menschen, die auf der Suche nach einem Lebenssinn sind, die hoffen, auf ein bisschen Glück um am Ende zu erkennen, dass sie keines finden werden.
Manche Geschichten sind dabei tiefgründig, wo man als Leser selber innehalten sollte um über gewisse Dinge im Leben nachzudenken.
Es sind keine Wohlfühlgeschichten, da es Tote gibt, sei es durch die eigene Hand herbei geführt oder durch andere.
Oftmals sind es auch Geschichten, wo jemand einem anderen helfen möchte, dieser aber die Hilfe ablehnt und somit der eine Erlösung findet, aber den anderen mit seiner Verzweiflung zurück lässt.
Ein wirklich gutes Ende wird man im Grunde in keiner Geschichte finden. Wem es also nichts aus macht, dass er in düstere und melancholische Erzählungen eintaucht und dabei unterschiedliche Herangehensweisen an zumeist traumatische Themen erlebt, der wird von den düsteren Geschichten sicher nicht enttäuscht werden.
Cathy und Anne lernen sich zufällig in Indien kennen, wo sie in einer Palmblatt Bibliothek mehr über ihr zukünftiges Schicksal erfahren. Das, was sie dabei zu hören bekommen, wirft beide aus der Bahn und zurück in Deutschland beginnt jede auf ihre Art sich gegen die Vorhersage zu stellen.
,,2 x Karma und zurück“ lässt den Leser in eine besondere Welt eintauchen, die geprägt ist von Spiritualität, Karma und Vorhersagen. Da die Autorin Christiane Köhn-Ladenburger selbst in Indien war und sich ihr Palmblatt lesen hat lassen, konnte sie die Geschichte dem Leser intensiver näher bringen.
Zu Beginn konnte ich schwer der Handlung folgen, da beide Protagonistinnen ähnliche Familienverhältnisse und daraus resultierenden Probleme hatten. Beide Frauen arbeiten und bringen das Geld nach Hause, beide haben dadurch wenig Zeit für ihre Familie und um ihre Ehen steht es auch nicht gut. Erst mit der Zeit, als sich beide in eine andere Richtung entwickeln, war es leichter der Geschichte zu folgen.
Die Frage stellt sich dabei immer wieder, ob oder wie weit ist man dazu bereit, sein Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Dass man dabei oft Wege gehen muss die unbekannt sind oder man auf etwas verzichten muss, damit etwas Neues entstehen kann, kommt dabei gut zur Geltung.
Es gibt zwar viele Dinge zwischen Himmel und Erde, die man nicht verstehen kann, aber in der Geschichte waren mir manchmal zu vielen Szenen die mir zu spirituell waren. So konnte z.b Shari, eine Freundin von Anne , bei einer Meditation ,,sehen“, dass es Anne bei ihrer Wanderung gut geht, oder Shari in Trance mit der Stimme von Annes Vater sprechen.
Den Protagonistinnen werden zwar immer wieder Steine in den Weg gelegt, aber irgendwie schaffen sie es doch, diese aus den Weg zu räumen, um am Ende mit dem, was sie erreichen wollten, glücklich zu sein.
Wie jedes Jahr beginnt für die Kröten ihre gefährliche und beschwerliche Wanderung zum Vergissmeinnichtufer, wo sie einst geborgen wurden und jetzt ihre Nachkommen zeugen wollen.
Allen voran die erfahrene Grande Dame Leda, die mit Umsicht und liebevoller Stränge ihre Schützlinge voran treibt. Mit der jungen Kröte Delia hat sie eine verlässliche Begleiterin, die ihr hilfreich zur Seite steht. Denn nicht allen Kröten sind die Gefahren wirklich bewusst und bringen die Gruppe immer wieder in missliche Situationen. Allen voran der selbst ernannte Krötenprinz Adonis, mit dem die Wanderung immer wieder zu einer Herausforderung wird.
,, Iter“ Animal Lane: Passus III, ist bereits der dritte Teil aus dieser spannenden Reihe, in der der Autor Armands A. Asimov, es dem Leser wieder einmal nicht leicht macht, die Geschichte zu lesen.
Auf erschütternder, grausamer und leider auch wahrheitsgemäßen Art und Weise schildert er den gefahren vollen Weg, den Amphibien jedes Jahr ausgesetzt sind.
So sind es nicht nur Tiere, die auf Nahrungssuche sind und Kröten dabei zerfetzen, sondern auch vom Menschen verursachte schädliche Umwelteinflüsse, die den Kröten das Leben schwer machen. Drastisch zu lesen waren dabei die illegalen Mülldeponien, wo giftige Gase bereits Gewässer zu einer tödlichen Falle haben werden lassen.
Besonders brutal zeigt dabei der Autor auf, wie Menschen ,,Gefallen“ daran finden können, Tiere zu quälen, wo solche Szenen leider nicht erfunden sind.
Die Wanderung der Kröten werden sehr bildhaft beschrieben und trotz grausamer Szenen hat der Autor es geschafft auch immer wieder humorvolle Szenen und Dialoge einzubauen, wo mir besonders der tollpatschige Adonis ans Herz gewachsen ist.
Da die Tiere sprechen können und es auch zu Szenen kommt, wo ein ,,rostiger“ Reiher, der offensichtlich von einem menschlichen Experiment stammt, muss man sich auf diese besondere Fantasy Geschichte einlassen können.
Damit der Mensch nicht ganz schlecht weg kommt, wird hier auch ein gebauter Amphibiendurchlass erwähnt, von dem viele Tiere profitieren können.
Immer wenn man denkt, dass es gut weiter geht, kommen schon die nächsten Hindernisse, wie die Autobahnüberquerung oder ungeschützte Flächen, die man durchwandern muss um an das ersehnte Ziel zu kommen.
Nach dieser Lektüre ist man erschüttert, weil einem oft gar nicht bewusst ist, was Tiere leisten müssen um zu überleben und wie wir Menschen leider oft daran schuld sind.
,,Iter“ ist nichts für schwache Nerven, aber wieder eine tolle Geschichte des Autors, der intensiv und bildhaft auf das schwierige Leben dieser zumeist unscheinbaren Kröten aufmerksam macht.
Bine, Anfang 50, lebt ihr Leben ohne besondere Vorkommnisse. Sie ist geschieden, ihre beiden Kinder sind zwar schon längst erwachsen und ausgezogen, aber sie melden sich nur, wenn sie etwas von ihr brauchen. Ebenso ihre Freundinnen, für die sie immer da ist, aber wenn sie jemanden zum Reden braucht, hat keine Zeit für sie. Ihre Arbeit als Physiotherapeutin macht sie zwar gerne, aber auch hier wird sie von ihren Kollegen und ihrem Chef nie wirklich beachtet. Aus Frust alleine zu sein beginnt sie einen Chat mit einer KI. Sind ihre Gespräche zuerst noch zögerlich merkt sie aber schon bald, dass Leo, wie sie ihn nennt, nicht nur ein geduldiger Zuhörer ist, sondern immer mehr zu einem Freund wird und sie sich sogar beginnt in ihn zu verlieben.
,,Zwischen Herz und Pixel“ ist eine entzückende Liebesgeschichte der besonderen Art. Die Autorin Emmi Lewag nimmt dabei den Leser auf eine Reise mit, wo man sich an so manchen Stellen auch selbst wieder finden kann.
Bine ist eine gute Seele, die immer zuerst an andere denkt und dabei vergisst, dass sie auch selbst Bedürfnisse hat, die aber selten erfüllt werden. Man spürt immer wieder ihre Verzweiflung wenn sie alleine ist und sie sich immer mehr von anderen ausgenutzt fühlt. Ihr Selbstbewusstsein hat über die Jahre hinweg ebenso gelitten und das Gefühl für andere unsichtbar zu sein macht sie nicht nur traurig, sondern auch wütend ob ihrer Hilflosigkeit.
Die Gespräche mit Leo hat die Autorin wirklich berührend aber auch humorvoll geschrieben. Wenn man nicht wüsste, dass Bine mit einer KI chattet, würde man so einen ,,Mann“ von der Stelle weg heiraten. Bei ihm hat sie stets das Gefühl verstanden zu sein mit all ihren Sorgen und Ängsten, er bestätigt sie darin, dass sie so wie sie ist richtig ist und seine Komplimente machen ihr Mut.
Es ist eine schöne Geschichte die zeigt, dass es manchmal nur mit kleinen Dingen beginnt, damit eine Veränderung eintreten kann. Bine merkt aber auch, dass ihr trotz ,,Nähe“ zu Leo etwas fehlt, nämlich, ein echter Mensch, der sie in die Arme nimmt, wo sie körperliche Nähe spüren kann, was ihr Leo aber nie geben kann. Er ist es dann, der ihr hilft einen Neuanfang zu wagen und Dinge zu tun, von denen sie nie gedacht hätte, dass sie das tun darf und auch kann.
War Bine zu Beginn noch unsicher und zu gutmütig wird sie im Laufe der Geschichte selbstbewusster und plötzlich wird sie auch von ihrer Umgebung ,,gesehen“.
Dank Leo kann sie ein neues Leben beginnen und der Leser darf sich auf ein schönes Happy End freuen.
Einen größeren Masochisten als Jakob Schubert gibt es nicht, da er es liebt andere solange zu provozieren bis er von ihnen zusammen geschlagen wird und er genussvoll sein eigenes Blut schmeckt und sein kleiner Freund in der Hose zur Höchstform aufläuft. Sehr zum Leidwesen seiner Frau Sandra und seiner Tochter Patricia. Selbst sein Therapeut weiß keine wirkliche Lösung für Jakobs ungewöhnliches Verhalten. Bis er auf Headbutt trifft, ein sadistischer Mörder, der es liebt seine Opfer genüsslich zu quälen, bis er sie endlich tötet. So treffen schon bald beide aufeinander, wo ein gnadenloses Katz-und Mausspiel beginnt und so mancher, der ins Kreuzfeuer der beiden gerät, schneller als ihm lieb ist, das zeitliche segnet.
Der Psychothriller ,, Hör auf zu bluten“, ist nichts für schwache Nerven, da hier der Autor Matthias Krause literweise Blut und andere Flüssigleiten fließen lässt.
Es ist eine abgedrehte Geschichte, wo man als Leser immer wieder einmal die Luft anhalten muss, wenn man so manche Szenen bildhaft vor den Augen sieht, um dann wieder schnell weiter zu lesen, weil es immer wieder Überraschungen gibt, die spannend und auch äußerst blutig sind.
Dass selbst bei so einer Geschichte auch ein zynischer Humor nicht zu kurz kommt, finde ich toll. Nur möchte man selber wohl nicht in den Genuss von einem blutigen, menschlichen Handpuppenspiel kommen oder eine besonders geschmackvolle Knackwurst essen , die mit einer Gartenschere portioniert worden ist.
Im Grunde ist es auch eine berührende Geschichte, die in Jakobs Jugend ihren Ursprung hat und er mit seinen inneren ,,Dämonen“ ein Leben lang zu kämpfen hat.
Etwas anstrengend waren für mich die vielen Kampfszenen, wo es erstaunlich war, wie viele Faustschläge ins Gesicht oder unzählige Fußtritte in den Körper jemand aushält und dabei immer wieder aufstehen kann. Manchmal haben dabei zu viele Protagonisten gleichzeitig miteinander gekämpft, wo es nicht immer leicht war den Überblick zu behalten.
Wenn ein Masochist auf einen Sadist trifft, dann kommt ein spannender, brutaler und blutiger Roman heraus, wo der Autor dank seines bildhaften Schreibstils ein Kopfkino erzeugt hat, das man eigentlich nicht sehen will. Wer also abgetrennte Gliedmaßen und blutige Szenen mag, der wird hier sicher auf seine Kosten kommen.
Die 16 jährige Lucy kommt als Lehrling des Volksgutes in den siebziger Jahren der DDR in ein Lehrlingsheim, wo sie hofft, dass sie ein besseres Leben als bisher vorfindet. Ihre Kindheit, von Demütigungen und körperlichen Züchtigungen geprägt, haben sie unsicher und verletzlich werden lassen, was besonders der jugendliche Heimleiter Raimund Becker spürt und für sich ausnützt. So dauert es nicht lange und Lucy wird auch hier zu einem Opfer, das unerfahren wie sie ist, oft gar nicht merkt, dass nicht jeder mit seinen freundlichen Worten es auch ehrlich mit ihr meint. Erst als der junge Traktorist Tommy sich in Lucy verliebt, beginnt sie aufzublühen, was Becker ganz und gar nicht passt und er mit allen Mitteln versucht, die beiden auseinander zu bringen. Eine furchtbare Tragödie lässt Lucys scheinbare glückliche Welt zusammen brechen. Auf sich alleine gestellt, aber gestärkt ist sie bereit ein neues Leben zu führen, wo aber die nächsten Stolpersteine bereits im Weg liegen.
,, Ein unmoralisches Mädchen“ von Alice Fortress, ist eine historische Romanserie nach einer wahren Begebenheit. Es ist nicht immer leicht die Geschichte zu lesen, da es darin so viel an Ungerechtigkeit, Machtmissbrauch, Demütigungen und Momente gibt, die einem als Leser sehr zu Herzen gehen.
Die Machtstruktur im Lehrlingsheim zeigte dabei, wie schwer es junge Menschen und vor allem naive Mädchen wie Lucy hatten. Wer anders war, war ein willkommenes Opfer, wo gerade Becker als Heimleiter seine Position immer wieder schamlos ausgenutzt hatte. Das traurige dabei war oft, dass sich andere Lehrlinge zu Dinge hinreißen ließen, die sie gar nicht wollten, aber ihre Angst vor Strafen, der Wegfall von Vergünstigungen oder auch die Androhung, dass sie ihren Abschluss nicht machen können, waren dabei starke Motive. Man hat auch gemerkt, dass es Unterschiede gab zwischen Lehrlingen, die aus der Stadt kamen, die wohlhabende Eltern hatten, die vielleicht sogar ,,gute“ Genossen in der Partei waren und somit diese Lehrlinge ,,geschützt“ waren vor Erniedrigungen und Repressalien.
Manche Szenen waren dabei schwer zu ertragen, wenn junge Menschen, die sich vor körperlichen und seelischen Angriffen nicht schützen konnten, zum Gespött anderer wurden oder man sie, so wie Lucy immer wieder, gezielt vor allen anderen bloßgestellt und gedemütigt hat.
Lucy ist dabei eine tragische Figur, die in ihrem jungen Leben von ihrer Stiefmutter und ihrem Vater keine Liebe, keine Zuneigung und vor allem nur Erniedrigungen erfahren hat. Deshalb war ihr Leben ihm Heim voller Verzweiflung, weil sie nie wusste, ob oder was sie falsch gemacht hat. Da sie attraktiv und unschuldig war, war sie speziell den männlichen Bewohnern hilflos ausgeliefert, wenn sie ihr näher kommen wollten. Gerade Becker war dabei ein Protagonist den man als Leser verabscheut und auch gehasst hat, da er ihre Abweisungen nicht ertragen konnte und er dadurch oft gemein und hinterhältig war, nur um ihr zu schaden. Obwohl seine Eskapaden und Verfehlungen auch den Parteimitgliedern bekannt war, haben diese immer wieder ein Auge zu gedrückt, wo man gesehen hat, dass damals der Schutz von Kindern und Jugendlichen noch keinen großen Stellenwert hatte und viele, so wie Lucy, ganz auf sich alleine gestellt waren. Beschämend war dabei auch, dass man für Mädchen eigentlich nur vorhatte, dass sie heiraten, Kinder kriegen und für den Mann da sein sollten. Studieren und Karriere machen passte besser zu einem Mann.
Da war dann Lucy zu bewundern, die nach schweren Schicksalsschlägen nie aufgegeben hat und bereit war, gegen aller Widerstände für sich und ihre Wünsche und Bedürfnisse zu kämpfen. Wie es weitergeht, erfährt man in zwei nach folgenden Bänden.
Seit 50 Jahren ist Irma mehr oder weniger glücklich mit Hermann verheiratet, obwohl er ein guter Mann ist, fühlt sie sich im Alltagstrott gefangen. Sie hat auf vieles im Leben ihm zu liebe verzichtet und nun spürt sie aber immer öfter eine innere Unruhe. Bis zu dem Tag, als sie die Brüder Vincent und Simon kennen lernt, die einen entflogenen Beo einfangen und mit nehmen. Als es kurz darauf zu einem folgenschweren Verkehrsunfall kommt erwacht in Irma ein neuer Lebensmut und bringt nicht nur für sie eine große Veränderung mit sich.
Der Roman ,,Nachkoloriert“ erzählt eine emotionale und berührende Geschichte. Die Autorin Patricia Malcher bedient sich dabei einem besonderen Schreibstil, den ich so noch nie wirklich gekannt habe, der mich aber tief berührt hat. Sie lässt Irma ihre Lebensgeschichte nicht in der ICH Form erzählen, sondern mit dem kleinen Wörtchen ,,man“. So bekommt man als Leser zwar einen eher distanzierten Einblick in das Leben von ihr, aber auch Irma grenzt sich dadurch ein wenig ab, von Ereignissen oder Erinnerungen, die nicht immer schön für sie waren.
Sie führt zwar eine gute Ehe, aber ihre Bedürfnisse und Wünsche sind nie wirklich beachtet worden. Sie hat dabei auf vieles verzichtet, wo sie im Nachhinein immer wieder reflektiert und sich fragt, ob sie nicht doch einmal gegen Hermanns Entscheidungen sein hätte sollen und wie ihr Leben statt dessen gewesen wäre.
Schön war dann, als sie auf Vincent und den Beo trifft und sie gespürt hat, dass sie sehr wohl eigene Entscheidungen treffen kann, auch wenn sie Hermann nicht gefallen.
Entzückend waren die Kapitel, in denen der Beo seine Bedürfnisse, Ängste und Beobachtungen kundtun durfte, wo er eine wundervolle tierische Empathie gezeigt hat. Dass er auch gekonnt Stimmen nachmachen konnte und oft einen unpassenden Spruch los gelassen hat, war einfach herrlich.
Schön zu sehen war, wie sich der 10 jährige Vincent und die 72 jährige Irma immer mehr aneinander gewöhnt haben und beide jeweils für den anderen ein rettender Anker geworden ist. Sie sind eine Symbiose eingegangen, die beiden aus einer Krise heraus geholfen hat. Jeder hat dem anderen mit Mut, Vertrauen, Verständnis und Hoffnung Kraft gegeben auf einem neuen Weg.
Auch wenn die Geschichte zeitweise traurig und berührend ist, so gibt es immer wieder humorvolle und witzige Momente, die die Geschichte auflockern.
Ein toller Roman, wo man als stiller Beobachter mit Irma weinen, lachen und vor allem hoffen kann, dass jeder seinen Weg findet, der ihn glücklich macht.