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Bewertungen von Leser/innen

  • Noch fünf Tage von Helena Falke

    Die Autorin Helena Falke wählt für ihren Thriller zwei Stilelemente, die ich in anderen Büchern schon gelesen habe. Zum einen ermittelt das Opfer im eigenen Fall, zum anderen ist die Zeit dazu der wesentliche Faktor. Das hat sowohl seinen besonderen Reiz als auch einen wesentlichen Nachteil.
    Zum Geschehen: Lis Castrop, eine Köchin von Weltrang, wird gemeinsam mit ihrem Arbeitgeber, der Milliardärsfamilie Harman, mit einer tödlichen Dosis Polonium 210 vergiftet. Das Festmahl in der Silvesternacht überlebt die vierköpfige Familie nicht. Lis bleibt noch eine Frist von fünf Tagen, die sie im Pflegebett und am Tropf verbringt. Da sie die einzige Zeugin ist, wird sie von der Polizei verdächtigt. So fühlt sie sich gezwungen, auch um ihre minderjährige Tochter zu schützen und eine gesicherte Zukunft für sie zu erreichen, selbst aktiv zu werden. Sie muss ihre Unschuld beweisen und den Mörder finden.

    Ich fand diesen Ansatz spannend. Fünf Tage! Und diese Vergiftung! Wie würde sich diese Story abspielen? Meine Neugier war geweckt.
    Die fünf Tage sind gleichzeitig die Überschriften: Tag 1, Tag 2... und dazu sind die Kapitel mit der digitalen Uhrzeit versehen. Es beginnt mit 04:38 und der Einlieferung von Lis in die Luxusklinik. Ich habe schnell ins Geschehen reingefunden und ich muss sagen, dass ich sehr erstaunt war, wie gefasst Lis ihrem sicheren Tod in fünf Tagen entgegensieht. Die Uhr mit der digitalen Zeitangabe in ihrem Krankenzimmer sieht sie zunächst als ihren Freund bzw. Verbündeten an.
    Die Geschichte verliert sich leider recht bald in endlosen Beschreibungen des Umfeldes der Spitzenköchin, der verschiedensten exentrischen Speisen, Zutaten und Zubereitungsarten. Die Welt der Superreichen, der Lifestyle, der Luxus und ihre Befindlichkeiten, ihre Neurosen... Lis berichtet ausführlich aus der Vergangenheit. Und das bei diesem Zeitdruck! Durch ihre Erzählung konnte ich keine verdächtigen Menschen in ihrem Umfeld herausfiltern, bis auf einen, der zum Ende wie Kai aus der Kiste bei ihr am Sterbebett erscheint.
    Das Ende empfand ich als sehr fragwürdig. Ich kann es nicht glauben, dass das real war. Ich interpretierte es für mich so, dass Lis sich in den Uhrzeiten mit Fragezeichen im Sterbeprozess befand und die Abläufe in ihrem Gehirn stattgefunden haben, nicht in der Realität. So konnte sie in Ruhe sterben.

    Trotz des Ernstes der Lage, ist dieses Buch recht ruhig erzählt, unblutig. Es ist kein Thriller. Dafür fehlt etwas für mich ganz Wesentliches – der durchgängige Spannungsbogen. Vielleicht kann man es als Milieustudie bezeichnen. Ich hab es trotzdem gern gelesen und kann es empfehlen, aber meine Bewertung liegt bei drei von fünf Sternen.


  • Statt aus dem Fenster zu schauen von Anna Katharina Scheidemantel

    „Das Leben ist kurz. Und ich muss gar nichts, außer zu leben.“ Das sind die beiden letzten Sätze in dem Roman und verdeutlichen, wie die Hauptperson in einer relativ kurzen Zeit (etwa drei Monate im Frühling und Sommer) über sich hinausgewachsen ist.

    Dieses Buch hat mich geradezu fasziniert. Die Geschichte einer jungen Frau, die sich holterdipolter eine Auszeit von Praktikum und Studium nimmt und kurzentschlossen über Kleinanzeigen eine Bruchbude in der nordostdeutschen Provinz kauft, füllt tatsächlich in spannender Art und Weise die 340 Seiten. Fast ihre gesamten Ersparnisse gehen drauf bei ihrem Spontankauf. Sie bricht alle Zelte hinter sich ab und zieht allein los ins Nirgendwo mit einem Fahrrad und Riesenrucksack.
    Warum soll Sophie die Erwartungen anderer erfüllen? Das fragte sie sich immer wieder. In dem teilweise verfallenen Haus findet sie dort langsam zu sich selbst, zu Erkenntnissen, wozu sie in der Lage ist, was sie wirklich alles kann, wenn sie nur auf sich gestellt ist.
    Anna Katharina Scheidemantel schreibt sehr anschaulich, fokussiert sich auf ihre Hauptperson. Der Roman ist in vier Abschnitte gegliedert und trägt die Überschriften Konfusion, Koexistenz, Konstruktion, Konklusion. Der Text fließt ohne Unterbrechungen, nur ab und zu ein Absatz. Das Verwunderliche ist, es wurde mir nie langweilig. Ich wollte wissen, wie die 25jährige sich weiter zurechtfindet. Es ist wirklich nicht einfach. Doch sie zeigt große charakterliche Stärke, Durchsetzungsfähigkeit, Erfindergeist, Mut und aktive Gestaltung ihres neugewählten Lebens.
    Obwohl mich von Sophies Alter rund 50 Jahre trennen, konnte ich sie bestens verstehen und ich wünschte mir sehr, dass sie ihren Ausstieg nicht bereut und fieberte bei ihren einzelnen Aktionen richtig mit. Wie die Geschichte endet finde ich real und lässt vieles offen. Ich bin mir sicher, aus Sophie wird wirklich was, wie einige behaupten...Sie hat die richtige Richtung ihres Weges gefunden!

    Ich vergebe die Höchstbewertung und meine unbedingte Lese- und Kaufempfehlung für alle Altersklassen!



  • Moorgold - Ein Erzgebirgskrimi von Anett Steiner

    Der vorliegende Band ist bereits der siebente der Erzgebirgskrimireihe, aber für mich war es der erste. Trotz dieser Tatsache kam ich sehr gut mit der Geschichte und den Personen zurecht. Aufmerksam geworden auf dieses Buch bin ich durch das ansprechende Cover in seiner düsteren, geheimnisvollen Ausstrahlung.

    Zu dem Fall in der aufgegebenen Siedlung Pfaffengrün auf der böhmischen Seite des Erzgebirges, das Skelett eines seit 30 Jahren vermissten Mannes wurde entdeckt, gesellt sich der zunächst rätselhafte tödliche Absturz des Puppen- und Leierkastenspielers Jakub Miler in der Wolkensteiner Schweiz in Sachsen. Kommissarin Annalena Krest von der Chemnitzer Kripo übernimmt die Ermittlung, die allerdings nur langsam in Gang kommt, dann sehr gefährlich wird und mit einer Überraschung in Cliffhangermanier endet.
    Die Kommissarin wird als Mensch aus Fleisch und Blut vorgestellt; sie bringt ihre vielfältigen persönlichen Themen in die Handlung ein. Empathisch fand ich ihren Umgang mit ihrem zweijährigen Sohn Patrick, mit dem pausierenden (Ralf Lorenz) und dem aktuellen Kollegen (Nikolas Bremer). Sehr schön das Kaffeeritual in der Dienststelle Chemnitz mit Bremer.
    Die Ermittlungen werden in beiden Ländern, Tschechien und Deutschland, durch ausgezeichnete Beziehungen und in guter Zusammenarbeit geführt. Es stellen sich viele Fragen. Gehören die beiden Todesfälle zusammen? Was hat der vor 30 Jahren verschwundene wie ein Verrückter nach Schätzen suchende Knut Heinze mit Jakub Miler zu tun? Wo liegt das Mordmotiv an dem freundlichen Puppenspieler?

    Die Autorin erzählt die Story in teilweise mystischer, geheimnisvoller und unheimlicher Art, eingebettet in die umfangreiche Sagenwelt des Erzgebirges sowie unter Einbeziehung der schönen Landschaften diesseits und jenseits der Grenze. Der Miriquidi feiert seine Auferstehung!
    Marzebilla und Schakagerl werden als Sagengestalten genannt. Ich als sehr reife, geborene Chemnitzerin hatte von ihnen noch nie gehört und musste googeln. Hier das Ergebnis: Marzebilla ist die berühmteste Legende des Erzgebirges, mal eine junge, mal eine alte Frau, in unterschiedlicher, aber freundlich erscheinender Gestalt, aber immer wird sie mit dunklem Haar und von einem Schleier feinen Nebels umgeben, beschrieben. Schakagerl ist der erzgebirgische Schutzgeist der Kinder. Ich nehme an, dass durch die Vertreibung der deutschen Bevölkerung, die auch den Ausgangspunkt für diesen Krimi darstellt, auch die vielen alten, märchenhaften Erzählungen der Gegend mehr und mehr in Vergessenheit geraten sind und nicht mehr weitergetragen werden. Inzwischen kümmern sich Heimatvereine auf böhmischer und sächsischer Seite um den Erhalt und die Pflege des kulturellen Erbes. Das wird immer schwieriger, da die Zeitzeugen aussterben.

    Ich wurde durch Moorgold gut unterhalten und bewerte mit vier von fünf Sternen und vergebe meine Lese- und Kaufempfehlung.

  • Tiere und Pflanzen lebensgroß von Daniela Strauß; Dr. Hannes Petrischak; Holger Haag; Felix Weiss; Katrin Hecker

    Die neue Reihe heißt FAMILIE ERLEBT NATUR und stellt das gemeinsame Entdecken der Natur in den Vordergrund. Es ist das große Entdeckerbuch für die ganze Familie und stellt zahlreiche Pflanzen und Tiere vor, mehr als 100 Arten. So heißt es im Klappentext.
    Vom Hardcover grüßt Igel, Rotkehlchen und Schmetterling, auf der Rückseite ein Fuchs.

    Mir gefällt der neue Naturführer aus dem KOSMOS-Verlag, obwohl ich schon ähnliche Bücher kennengelernt habe. Der vorliegende Band zielt wirklich auf die ganze Familie ab, die Kinder sind nicht im Vordergrund. Sie sollten an die Hand genommen und gelenkt werden. Das zeigen mir schon die Texte, die Wissen enthalten, was den Heranwachsenden erklärt werden muss.
    Der Naturführer beginnt mit einem Inhaltsverzeichnis, das unterteilt wurde in die vier Jahreszeiten. Frühling, Sommer, Herbst und Winter mit ihren jeweiligen Besonderheiten. Sie werden jeweils hervorgehoben durch eine eigene Kapitelfarbe.
    Dazu gibt es als nächstes einen Farbcode für die Arten in zusammengefasster Form für die Tiere und Pflanzen, die im Buch vorgestellt werden. Jede Art wurde einmal in Lebensgröße abgebildet, was ich schön finde. Deutlich, detailreich, nah dran. Als Beispiel möchte ich hier das Gefieder der Elster und des Eichelhähers nennen, sowie nicht so bekannte Arten wie das Taubenschwänzchen oder die Blaugrüne Mosaikjungfer.
    Schöne Fotos begleiten das ganze Buch. Der gesamte Naturführer wurde optisch attraktiv gestaltet und mit detaillierten Beschreibungen versehen.
    Es gibt zahlreiche Anregungen zur Verwendung von eßbaren Wildpflanzen, Heilkräutern, die eigentlich in unserer Zeit, wo es alles gibt, sonst wenig Beachtung finden. Das sind wertvolle Hinweise, wie Vieles aus der Natur genutzt werden kann. Man findet Rezepte und Mitmach-Ideen vom Ohrwurmhotel bis zum Regenbogensalz (beeindruckende Farbigkeit !), die Wiesenapotheke, Blütensirup, Kräuterpesto, Wurzelkaffee u.v.m. Ich fühlte mich angesprochen und zum Ausprobieren animiert.

    Zusätzlich findet man eine kostenlose App mit Tierstimmen. Darauf wird man am Anfang des Buches aufmerksam gemacht.

    Fazit:
    Ich empfinde das Buch als gelungenens Konzept, um Natur erlebbar zu machen!
    Der Ratgeber wurde sehr attraktiv aufbereitet und vermittelt eine Menge an Wissen, Ratschlägen und wichtigen Hinweisen in übersichtlicher Form.

    Ich bewerte mit fünf von fünf Sternen und empfehle Tiere & Pflanzen Lebensgroß auch als Geschenk, gerade jetzt zum Osterfest.

  • Der Tod der Löwenbändigerin von Bernd Richard Knospe

    Mit diesem Buch der Kurzgeschichten und Erzählungen habe ich mich längere Zeit beschäftigt. Durch meine Krankheit war und bin ich im Moment nicht so mit dem Lesen ausgefüllt, wie ich es lebenslang gewohnt war. Die Zeit ist noch knapper geworden und die Ablenkung ist groß. Für den Band „Der Tod der Löwenbändigerin“ braucht es jedenfalls eine Menge an Aufmerksamkeit.

    Der Autor verarbeitet in den 16 verschiedenen Erzählungen berührende Erlebnisse und Gedanken, wobei sehr viele Themen angesprochen werden. Es sind für mich Geschichten, die ich nicht so nebenbei lesen konnte. Sie sind nicht gefällig, wie ich es von einem Kurzgeschichtenband erwartete. Hintereinander weglesen und gut. So ging es nicht. Nein, Bernd Richard Knospe schreibt über Leben und Tod, Wahrheit und Lüge, Traum und Wirklichkeit. Klischees kommen genauso vor wie das negative Gefühl der Rache oder die Bedeutung der kleinen Momente im Leben. Einen großen Raum widmet er dem Thema Liebe, gleichermaßen wie dem Sex und der Trauer bzw. der Verzweiflung über verpasste Gelegenheiten. Nicht alle Storys berührten mich gleichermaßen, manche habe ich wahrscheinlich auch gar nicht verstanden. Es ist im wesentlichen eine maskuline Sichtweise auf die Dinge des Lebens, liegt ja nahe bei einem Autoren! Auf keinen Fall empfand ich etwas Misogynes in seinem Schreibstil. Das Buch beschäftigte mich und regte zum Nachdenken an.


    Fazit:

    Es werden eine große Bandbreite von Themen behandelt. Einen roten Faden darf man nicht erwarten. Es sind vollkommen verschiedene Erzählungen, die auch mal skurril, geheimnisvoll, düster und ungewöhnlich daherkommen.


    Ich bewerte mit vier von fünf Sternen. Zu empfehlen für Liebhaber von ausgefallenen Kurzgeschichten.

  • Als erstes fiel mir die schöne Gestaltung des Buches auf, einschließlich des Farbschnitts und des geheimnisvollen Titels: DIE JAGD NACH DEN MAGISCHEN MÜNZEN! Wobei sich im Laufe der Geschichte herausstellen wird, dass die Bezeichnung Münze nicht ganz korrekt ist.
    Nachdem die Themse mit Bo Delavort gesprochen hatte, findet das 12jährige Schulmädchen im Schlamm der Themse eine Kostbarkeit, einen Miniaturvollmond. Gemeinsam mit Billy River, der wie aus dem Nichts auftaucht, erlebt sie weitere wundersame Dinge am Wasser. Sie erfahren von einer 500 Jahre alten Ballade und einer weiteren Münze und der Magie, die ihnen innewohnt und einer Sonnenfinsternis...Das Flussmädchen Bo und Billy, der Schattenjunge sind dazu bestimmt die Rätsel zu lösen. Bo ist die Auserwählte!

    Die fantasievolle Story lässt sich gut lesen und hält spannende Momente bereit. Ich fand die Geschichte kindgerecht erzählt. In einem Vor- bzw. Nachwort hätte man allerdings noch erklärende Worte finden sollen zur Einordnung in die Zeit, in der sie spielt. Es werden historische Ereignisse wie der erste Weltkrieg und die Schlammsucherei (engl. Mudlarking) in der Themse erwähnt.

    Das Buch behandelt eine Menge Themen, positive wie negative: Freundschaft, Liebe, Vertrauen, Verlust, Verrat und Täuschung, aber auch Treffen von Entscheidungen. Es ist eine Lektüre über Tod und Leben.

    Ich bewerte mit vier von fünf Sternen und gebe meine Empfehlung für Kinder ab 10 Jahren.

  • Halber Stein von Iris Wolff

    Friedesine, genannt Sine, kehrt nach 20 Jahren an den Ort ihrer Kindheit zurück. Der Anlass ist der Tod ihrer Großmutter Agneta. Gemeinsam mit ihrem Vater Johann (der ältere Sohn Agnetas) fährt sie zum Begräbnis nach Siebenbürgen ins kleine Michelsberg unweit von Hermannstadt.
    Aus der Ich-Perspektive der jungen Frau erfährt man die Gedanken über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eines Landstrichs mit einer deutschen Minderheit, deren reiche Traditionen zu verschwinden drohen und ihre spannende Historie mehr und mehr in Vergessenheit gerät.
    Ich bin dieser Geschichte gern gefolgt. Ausdrucksstark und in lebhaften Farben und schönen Bildern schildert die Autorin in dem Roman ein Sommerende in den Südkarpaten.
    Poetisch erfolgen die vielfältigen Beschreibungen der Landschaft. Auf die Protagonistin Sine prasseln eine riesige Menge an Erinnerungen ein, die sie immer wieder mit der verstorbenen Großmutter verbinden. Sie war eine starke Persönlichkeit, die sich in ihrem wechselvollen Leben immer wieder zu behaupten wusste. Ihr Sohn Johann vermisst sie sehr und er versucht in ihrem Haus mit der geheimnisvollen Architektur die Endlichkeit der Erinnerungen und den Schmerz über den Verlust der Mutter in einem Bild zu verarbeiten, das er von ihr malt.
    Sehr aufschlussreich fand ich eine Sache, die fast am Ende des Buches erzählt wird. Jinni, eine Freundin von Agneta vergleicht sie mit der Epischen Seite. Das ist die Kehrseite einer Stickseite. Beim Sticken im Sächsischen (Siebenbürgen!) besteht die Herausforderung, dass sich die Vorderseite nicht von der Rückseite unterscheidet. Jinni vergleicht Agneta als Mensch mit der epischen Seite, weil sie strikte Prinzipien hat.

    Mir gefällt die erzählerische Kraft von Iris Wolff. Sie zeichnet mit winzigen Details Situationen, Begebenheiten, eine Realität, die ich nachvollziehen kann. Den halben Stein verstehe ich als Sinnbild für die Vergänglichkeit. Er bleibt, während sich vieles andere wandelt oder verschwindet.
    Den Roman empfinde ich als warm, behutsam und liebevoll erzählt. Allerdings, wer Spannung erwartet, ist hier falsch. Es wird sehr ausführlich berichtet.

    Bei mir bleibt die Frage: Wo ist Heimat?

  • To Cage a Wild Bird von Brooke Fast

    Dieses Buch wollte ich lesen, obwohl ich wusste, dass es nicht mein Genre sein wird und ich auch wegen meines fortgeschrittenen Alters nicht unbedingt die Zielgruppe bin. Ich tat es wegen meiner bald 21jährigen Enkelin. Sie liest das sehr gern und ich wollte wissen, warum.
    Beginne ich mit dem Positiven: Mir gefällt die Aufmachung des Covers und des Buches mit seinem rotem und dennoch dezenten Farbschnitt sehr gut. Da ist die rote und damit sehr optimistische Farbe des Umschlages, dagegen im Kontrast ziert den Hardcovereinband schwarzer Stacheldraht auf weißem Grund. GELUNGEN! Das passt zum Inhalt.

    To Cage a Wild Bird ist der Debütroman der Amerikanerin Brooke Fast und Band 1 der dystopischen Fantasy-Romance über die Kopfgeldjägerin Raven. So wird das Buch vorgestellt. Für mich war es nur Dystopie, Fantasy gar nicht und von Romance habe ich auch eine andere Vorstellung.

    Die Voraussetzungen für eine spannende, interessante Story sind durchaus vorhanden, aber die Umsetzung gefiel mir nicht. Bis zur letzten Seite konnte ich mich nicht für diese Geschichte begeistern. Bis zum Ende wusste ich nicht, was mit der Dystopie vermittelt werden soll. Es gibt für mich keinen Erkenntnisgewinn! Eine Story ohne „Hand und Fuß“, aus der Luft gegriffen, ohne Hintergrund, ohne detaillierte Beschreibungen. Angesiedelt im Niemandsland? Ohne Bezug zu vergangenen Zeiten! Gibt es keine anderen Länder mehr? Nur noch dieses Dividium? Die meisten der Gefangenen sind so unverhältnismäßig abgeklärt und gehen zu den irren Jagden, wo es schließlich ums nackte Überleben geht, wie die Tiere zur Schlachtbank. Es wird mir zu vieles behauptet, nicht begründet. Vieles erschien mir unlogisch.
    Die Lebensverhältnisse sind wie sie sind (im unteren Bezirk die Armen und im oberen die Reichen) und wer gegen die Gesetze verstößt, endet in diesem KZ-ähnlichen Gefängnis. Dafür reichen auch geringste Vergehen. Gerichtsbarkeit oder Barmherzigkeit gibt es nicht.
    Die Figuren der Autorin zeigen keine Entwicklung. Dafür ist dieses Gefängnis Endlock auch nicht der geeignete Ort, dort wird ja eigentlich nur gestorben. Wie sich da die Liebe zwischen der Kopfgeldjägerin und dem Wachmann Vale entwickeln konnte, ist mir auch ein Rätsel. Das heiße Rumgemache in der menschenfeindlichen Umgebung ging mir auf den Zeiger. Total fehl am Platz!

    Für die jugendlichen Leser ist vielleicht interessant, wie es mit Raven und Vale im Band 2 weitergeht. Für mich war es eine konstruierte Story ohne Tiefgang.
    Ich werde den zweiten Band nicht verfolgen.

  • Verstummte Narben: Thriller von Catherine Shepherd

    Wie so oft bei Catherines Thrillern wird man schon im Prolog spannend eingeführt ins Geschehen. Ich war sofort wieder im Lesefluss.

    Was geschieht in Verstummte Narben?
    Auf einem Kölner Friedhof wird mitten im Winter eine nur mit Nachthemd bekleidete tote, junge Frau gefunden. Unter ihrer Leiche befindet sich das Foto einer weiteren Frau mit einem Datum. Die Frist bis dahin setzt die Kommissare unter starken Ermittlungsdruck. Bei der Obduktion findet die Rechtsmedizinerin Julia Schwarz auf dem Hüftknochen der Toten drei parallele Kratzer, das Markenzeichen eines Serienkillers, der seit Jahren weggesperrt ist. Dieses Detail bringt sie fast aus der Fassung, handelt es sich doch um den Täter, der ihren Bruder im Alter von 12 Jahren grausam umbrachte. Der Verurteilte beginnt mit Julia ein perfides Katz- und Maus-Spiel und sie begibt sich wieder einmal in Gefahr...

    Der Autorin gelang ein äußerst spannender 10. Teil der Reihe und die Rechtsmedizinerin Julia Schwarz war der Gefahr so nah wie niemals zuvor. Es war sehr persönlich und auch deshalb hoffe ich für die nächsten Folgen, dass sie sich mehr als Teil eines gemeinschaftlichen Teams begreift und Alleingänge lässt. Was bringt es, wenn der Fall zwar gelöst ist, aber die Kleine keine Mutter mehr hat? Julia muss sich zurücknehmen! Nicht so spontan handeln!

    Auch wenn die Romane von Catherine Shepherd alle nach einem gewissen Muster aufgebaut sind, kann ich mich jedes Mal wieder aufs Neue darauf einlassen. Die Mörder sind so gut in der jeweiligen Story eingebunden, dass ich meistens einer falschen Spur folge bzw. mich verwirren lasse.
    Und erneut fühlte ich mich von der ersten bis zur letzten Seite hervorragend unterhalten. Ich wollte wie immer nicht aufhören mit dem Lesen, aber der Alltag lässt das ja nicht zu.

    Nun freue ich mich auf das nächste Buch aus der Feder der Autorin.

  • Jetzt gerade ist alles gut von Stephan Schäfer

    Ein kleiner Schnitt in den Finger! Unbeachtet, schnell abgetan, fast vergessen! Wie oft passiert so ein Missgeschick im Alltag. Hier erzielt diese winzige Ursache eine große Wirkung. Soeben war das Leben noch in Ordnung. Die Familie freute sich auf drei Wochen Urlaub am Atlantik, war schon auf dem Sprung, die Koffer gepackt. Fertig zum Starten. Doch von einem Moment auf den anderen steht die Welt Kopf. Der Familienvater schwebt in höchster Lebensgefahr. Diese Geschichte wollte ich gern weiterverfolgen. Sie erschien mir so vollkommen unabgehoben, so natürlich, so alltäglich. Und tatsächlich bereitete mir das Lesen dieses Büchleins Freude. Ich habe es zum großen Teil gelesen, als ich meinen Mann zu einer längeren Untersuchung ins Krankenhaus begleitete. Der Schreibstil gefällt mir und bereits die Leseprobe ließ sich flott lesen. Das Cover vermittelt Optimismus mit dem Blick übers Meer zum Horizont. Auch das gefällt mir. Ich liebe solche kleinen Bücher, die vom normalen Leben erzählen. Auf nur 176 Seiten führt Stephan Schäfer in kurzen, episodenhaften Kapiteln aus, wie vergänglich unser Dasein ist.

    Die Überschriften enthalten die Tagesangabe und die Uhrzeit. Es beginnt an einem Mittwoch. Der Erzähler hatte überlebt, entdeckt die Menschen neu und wird zum Sammler kostbarer Momente. Diese Momente sind manchmal nur winzige Augenblicke oder auch wunderbare und prägende Erinnerungen wie im Kapitel LIEBLINGSRESTAURANT (bei der Oma) oder DER BADETAG. Er entdeckt das Lachen, das Unbeschwertsein. Die ganz normalen, alltäglichen Mitteilungen machen das Leben aus. Gefallen hat mir auch das Kapitel DER KNACKS. S. 138 Das ist mir auch schon passiert und ich konnte ebenfalls nicht mehr sagen, wann der Knacks erfolgte. Besondere Erlebnisse widerfahren ihm in der Landschaft, in Feld und Wald mit einem Freund, der Biologe ist. Das Werden und Vergehen. Die Natur. Das immer Wiederkehrende!

    Die ganze Erzählung zeigt uns, was das Leben ausmacht, dass auch angeblich Belangloses bedeutend und wichtig werden kann.

    Ein Buch zum Innehalten! Meine Empfehlung mit vier von fünf Sternen!


  • Zwei Leben: Das Versprechen von Astrid Korten

    „Zwei Leben – Das Versprechen" berührte mich genauso wie der erste Band, der den Titel „Zwei Leben - Hinter dem Schweigen“ trägt.
    Auch dieser historische Familienroman von Astrid Korten bewegt sich auf zwei Handlungsebenen, die Vergangenheit und Gegenwart in feinfühliger Weise miteinander verbinden.
    2014 - Wie das Leben so spielt, führt es die junge Juna und den schon sehr betagten Vincent Molen zusammen. Juna kümmert sich um den alten Mann. Sie braucht eine sinnvolle Aufgabe, nachdem ihr zehrender Job eine Auszeit verlangte. Nach und nach kommt Vincent aus seinem Schneckenhaus und erzählt Juna, was ihm in jungen Jahren widerfahren ist.
    1942 – 1944 Vincent und Ester arbeiten in einer Diamantschleiferei in Antwerpen. Sie lernen sich kennen und lieben. Es ist eine verbotene Liebe, die vor allem für Ester als Jüdin lebensgefährlich ist. Vincent versucht alles, um sie zu schützen. Doch die Zeiten sind barbarisch und trennen die beiden jungen Leute. Erst am Ende seines langen Lebens wird Vincent die ganze Wahrheit erfahren...

    Auch dieser Roman ging mir wieder sehr nah. Die Autorin berichtet sehr einfühlsam, sehr ergreifend aus der eigenen Familie. Auf 307 Seiten entfaltet sich vorwiegend mit leisen Tönen eine unfassbare Geschichte. Durch ihr schriftstellerisches Können wurden die Charaktere für mich fassbar, richtig lebendig. Die Ereignisse aus der Vergangenheit erschütterten mich in besonderem Maße. Es wurden viele Szenen entwickelt, die sehr intensiv sind, Bilder in mir entstehen ließen und tief nachwirken. Die Grausamkeiten, die Unmenschlichkeit auf der einen Seite durch die Nazis, aber auf der anderen Seite auch Liebe, Hoffnung, kleine Glücksmomente und Menschlichkeit in aussichtsloser Lage. Toll erzählt!
    Einen Satz möchte ich zitieren, der in seiner Aussage für sich spricht. Vincent richtet an Juna diese Worte:
    „Vor dem Krieg lebten fünfundzwanzigtausend Juden in Antwerpen, danach nur noch etwa tausend.“ (S. 75)
    Beide Bände sind wichtige Zeitzeugnisse. Das, was den Millionen Juden und den anderen Opfern des Nationalsozialismus angetan wurde, soll nie in Vergessenheit geraten. Ich erinnere an die Worte von Bertolt Brecht:
    „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“

    Für mich ist auch dieses Buch ein Lesehighlight 2025! Deshalb von mir die Höchstbewertung!

  • Meine zauberhafte Dekowelt von Michaela Waldl

    Ich möchte Michaela Waldl herzlich danken für dieses schöne Anleitungsbuch. Der Titel „Meine zauberhafte Dekowelt" passt ausgezeichnet.
    Das Inhaltsverzeichnis weist daraufhin, was einem im Buch erwartet, gegliedert in Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Die selbst gefertigten vielfältigen Dekorationen, die alle vier Jahreszeiten bedienen, fanden meine einhellige Begeisterung. Besonders in der Weihnachtszeit verbreiten diese eine herrliche, behagliche Atmosphäre.
    Gleich zu Beginn des Buches verweist die Autorin auf Basiswissen und auf die Wichtigkeit von gutem Werkzeug. Beides ist Voraussetzung für das Gelingen! Sie beantwortet viele wichtige Fragen und gibt wertvolle Ratschläge und Hinweise. Wertvolle Tipps (grün unterlegt) ergänzen den erklärenden Text.
    Sehr viele Fotos dokumentieren die einzelnen Arbeitsschritte und das fertige Ergebnis. Schritt für Schritt erfolgen die Anleitungen.
    Der Möglichkeiten scheinen keine Grenzen gesetzt. Verwendung finden alle mögliche Naturmaterialien aus Wald, Feld und Garten. Auch aus Altem lässt sich Schönes erschaffen. Upcycling- Ideen sind gefragt! Dazu lohnen sich Blicke in den eigenen Haushalt/Küche, in den Wollkorb, der Restekiste, dem Kleiderschrank, dem Flohmarkt...
    Die zauberhafte Dekowelt ist natürlich kreativ. Hier wirkt nichts gekünstelt. Das Buch regte meine Phantasie besonders an. Ich fühlte mich direkt angesprochen. Schon beim Durchsehen kamen mir viele neue Ideen. Die Kreativität Michaelas ist sehr ansteckend.

    Zusatzinformationen kann man durch das kostenlose Extra: Die APP “Kosmos Plus" erhalten.

    Ich empfehle das Buch sehr gern weiter und vergebe fünf von fünf Sternen.