Jetzt
anmelden!
Margot, Beverley und Elsie könnten kaum unterschiedlicher sein, und doch verbindet sie ein außergewöhnliches Schicksal: Ihre Männer sind – oder waren – Serienmörder, ohne dass die Frauen auch nur den geringsten Verdacht hegten. Trotz ihrer Unwissenheit und Unschuld werden sie also von ihrem Umfeld gemieden und zu Unrecht als Komplizinnen abgestempelt. Das sorgt klarerweise für Schuldgefühle, aber gerade jetzt, wo wieder ein Serienmörder sein Unwesen zu treiben scheint, hoffen sie aus ihren schlechten Erfahrungen zu profitieren. Um potenzielle Opfer zu schützen, … denn irgendwo, davon sind sie überzeugt, muss sich eine Spur finden lassen.
Schon bald wird ihnen jedoch bewusst, dass die Zeit für weibliche Detektivarbeit noch nicht gekommen ist. Ihre Hinweise werden belächelt, ihre Stimmen überhört, ihr Engagement herabgewürdigt. Die unbeschwerte, kalifornischen Atmosphäre entwickelt sich zunehmend zu einer dichten, spannungsgeladenen Handlung.
Ich hatte keine Schwierigkeiten in die Geschichte hineinzufinden, denn das Buch ist fesselnd und lässt einem sehr gut an den Gedankengängen der Frauen teilhaben.
Mit dem Täter hatte ich gerechnet, was vermutlich an jahrelanger Krimierfahrung liegt, dem Leseerlebnis aber keinen Abbruch tat.
Der Roman ist eine bewegende und spannende Mischung aus Familiengeschichte, Zeitreise und Selbstfindung.
Im Mittelpunkt steht Antonia, die bei einem Familientreffen anlässlich des 100. Geburtstags ihrer Großmutter nicht nur mit Spannungen innerhalb der Familie konfrontiert wird, sondern auch durch ein Ahnengutachten beginnt, sich intensiv mit ihrer Herkunft auseinanderzusetzen. Dabei entdeckt sie eine besondere Fähigkeit, die es ihr ermöglicht, in die Vergangenheit zu blicken und Geschichte ihrer Ahnin unmittelbar zu erleben.
Gekonnt werden zwei Zeitebenen – Gegenwart und Vergangenheit – verknüpft, was für eine lebendige, eindringliche Darstellung historischer Ereignisse sorgt. Die Härte des 17. Jahrhunderts Hugenotten gegenüber, ihrem Glauben wird herausgearbeitet. Die starken weiblichen Protagonistinnen tragen zentrale Botschaften wie Toleranz, Gleichberechtigung und zwischenmenschliches Verständnis in ihre Welten.
Wie gerne hätte ich noch weitergelesen (nach 478 Seiten ???? war aber Schluss), denn die historische Jeanne Beauvais hat es mir angetan.
Was ich vor allem lese, ist Sehnsucht in vielen Varianten und über viele Jahrzehnte hinweg. Sehnsucht nach der Liebe, nach der weiten Welt, aber auch ewige Sehnsucht nach dem Ort des Aufwachsens, vor allem dann, wenn man von dort wegmusste.
Die Gefühle sind gut nachvollziehbar, auch die Einstellungen der Personen, warum sie bleiben möchten, warum sie lieber die Welt erkunden wollen. Ich konnte mich beim Lesen gut hineinversetzen. Es gibt sympathische Charaktere, fiese und zurückhaltende. Manche mag ich nicht und bin regelrecht froh, dass sie keinen großartigen Platz mehr im Buch bekommen, andere wiederum sollten ewig leben dürfen. Und da ist ja auch noch dieses Familiengeheimnis, das es zu lüften gilt!
Kurz gesagt: Die Geschichte ist herrlich fesselnd, herzergreifend und gefühlvoll, ohne schwülstig zu sein. Die Personen sind gut ausgearbeitet. Die Landschaft ist traumhaft beschrieben. Sie großartig, dass ich am liebsten gleich hinfahren möchte. Sylt, Föhr, Amrum … bestimmt einen Besuch wert. Auch beste Tourismuswerbung also ????, … wobei man nicht zwingend Nordsee-Fan sein muss, um das Buch zu genießen.
Pepper. Für eine 10-jährige viel zu erwachsen, grübelt sie ständig nach, vor allem über ihren fehlenden Vater, den ihr die Mutter vorenthält. Das finde ich einerseits grausam, andererseits ist es gefühlt nicht böse, sondern beschützend gemeint. Das Kind und auch später die jugendliche Pepper leidet unter dem mangelnden Wissen, bis sie schließlich durch eine Offenbarung der Mutter auf die Spur des Vaters kommt, sich in seine WG einmietet und Kontakt herstellt, … bis der Vater begreift, wer sein Gegenüber ist.
Die Geschichte ist ungewöhnlich und chaotisch, was den Charakteren zugeschrieben werden darf, aber auch schön und nie laut im Sinne von reißerisch.
Anfangs fiel es mir schwer ins Buch hineinzukommen, irgendwann aber hatte mich die Geschichte.
Als Fan von Rückblicken in eine längst vergangene Welt, sind Geschichten, wie sie im 'Das Polenhaus' erzählt werden, ein Lesesegen für mich. Zwei Zeitebenen werden mir geboten. 1914 und die Folgejahre sowie 2014 und die nachfolgende Zeit der Renovierung eines maroden Hauses.
Da ist einerseits Teresa, die uns 1914 begegnet. Deren Schicksal hart ist. Die sich ihr Leben sicherlich völlig anders vorgestellt hat und die mit zunehmender Lesedauer immer härter wird, innerlich verkümmert.
2014 begleiten wir Stéphane, der in einem heruntergekommenen Bauernhaus seinen Frieden finden will. Auch er trägt sein Päckchen, knallt sich mit Arbeit zu und findet zahlreiche Helfer, die langsam - nach und nach - in sein Leben treten und es verändern.
Die Verbindung zwischen den Protagonisten aus 1914 und 2014 muss ich nicht schildern. Die darf man sich erlesen. Die Geschichte selbst ist warmherzig verfasst, verfehlte ihre Sogwirkung nicht, wenn sie auch fallweise nicht ohne Brutalität auskommt.
Lesenswert!
Manchmal hatte ich während des Zuhörens (ja, es gibt davon jetzt auch ein Hörbuch) den Eindruck der Glorifizierung der RAF-Vergangenheit mittels einzelner Protagonisten … Dazu kommen etwas Esoterik, Hippies, Zuneigung, Unbeschwertheit, Atomwaffen, kalter Krieg, Lavendelfelder, Außerirdische, Drogen und eine Frau, die nach einem Unglück verschwindet.
Wir begleiten vier Freunde, völlig unterschiedliche Charaktere und zahlreiche Nebendarsteller im Alltag. Unsere vier sind Suchende. Haben ihre Bestimmung noch nicht gefunden. Es gilt viel zu erleben, nicht jeder wird überleben. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass die Welt, in der die Handlung spielt, eine geschlossene ist. Warm wurde ich nicht mit den Freunden, aber das muss ich nicht, dafür fühlte ich mich als Beobachterin.
Immer im Hinterkopf hatte ich, dass Mado (Madeleine) ein Geheimnis verbarg, und das hielt mich bei der Stange.
Bildhafte, lebendige Darstellung, hier und da unnötige Längen. Von Vorteil ist, wenn man einen Bezug zu Frankreich hat, interessiert an den Geschehnissen in den 70ern und 80ern und der RAF ist.
Obwohl die Geschichte von dramatischen Ereignissen geprägt ist, bleibt der Gesamteindruck überwiegend positiv. Gesas Reise, ihre Reisebegleiter, die Beziehungen untereinander, die zahlreichen Einblicke in die usbekische Kultur, die Lebendigkeit, aber auch die Schwere … verleihen dieser Erzählung einen besonderen Reiz.
Hinzu kommt, dass wir uns lange Zeit auf ein Ende hinbewegen, das dramatisch ist, das sich niemand wünscht, außer vielleicht die eine Person, die bleiben musste, während für die anderen das Leben weitergeht.
850 Seiten.
Keine leichte Lektüre.
Geschichtlich bestimmt wertig dargestellt, dafür meine Hochachtung. Insgesamt aber langatmig in der Darstellung.
Was mir gefallen hat?
Die Damenwelt im Roman, ihre Leiden, ihre überwiegend lieblosen Ehen, ihre Lebensdramen und ihre (verzweifelten) Versuche Aufmerksamkeit zu erringen, sich eine Stellung zu verschaffen.
Was mir nicht gefallen hat?
Die Welt der Männer, die hauptsächlich aus Kriegsführung, Taktik und durch die Suche nach einer Frau oder einem Mann an ihrer Seite bestimmt war, die sie vom Regieren, Herrschen und ihren Intrigen ablenken sollten. Hier ergeben sich ordentlich Längen, die nach meinem Geschmack, durchaus Kürzung hätten erfahren dürfen. Mir wurde stellenweise zu viel diskutiert und geplant.
Die Nebenfiguren (beispielsweise den Pagen Hannibal) finde ich gelungener dargestellt als die Hauptfiguren, denn diese Nebenfiguren verleihen der Geschichte die dringend nötige Würze.
Zum Dahinlesen ist der Roman bestimmt nicht. Die zahlreichen Personen, der ständige Wechsel im Geschehen, viele eingeschobener Erinnerungen fordern die Konzentration. Fallweise war es mühsam.
Das Cover ist toll, aber ich weiß nicht, was es mit der Geschichte zu tun hat, die unterhaltsam, überzeichnet und extrem Klischee-lastig ist. Letzteres hat mich dazu veranlasst, vielfach den Kopf zu schüttelt. Kichern musste ich trotzdem an manchen Stellen, andere wiederum ließen mich mit den Augen rollen, fallweise fehlte mir ein Übergang von einem zum nächsten Geschehen. Einzelne Kapitel waren derart voraussehbar, dass mich die Geschichte langweilte, wenn auch die Texte unterhaltsam waren. Insgesamt ist die Geschichte fallweise maßlos übertrieben. Auch wenn ich weiß, dass es ‚nur‘ eine Story ist, hätte ein wenig Subtilität gutgetan.
Aufgrund des Klappentextes habe ich mir jedenfalls Revolutionäres erwartet. Das Geschriebene ist für mich nur ein Aneinanderreihen bereits bekannter Aufgüsse, ... zwar lustig, aber nicht wirklich neu. Es hätte so viel besser sein können, wenn es nicht dermaßen ins Lächerliche gezogen worden wäre. Die Sprache hingegen ist schön, ein Highlight in meinem Leseleben ist es aber nicht. Typisch ‚cosy‘ eben, nicht einmal wirklich Crime. In Erinnerung wird mir der Inhalt nicht bleiben, auch deshalb, weil ich ähnliche Geschichten schon mehrfach gelesen habe. Zudem wirkt das Ende sehr an den Haaren herbeigezogen. Es muss unbedingt einen Täter geben, der für den Tod von Sybyll verantwortlich ist. Der muss mit aller Gewalt her, wenn er auch zuvor nicht in Erscheinung trat.
Resümee: Witzig und belanglos zum Dahinlesen.
Wie auch wir müssen sich Schauspieler:innen ihren Ängsten und Sorgen stellen, haben Freude an ihrer Arbeit oder ärgern sich darüber. Hinzu kommt eine Besonderheit: die im Kapitel beschriebene ›Großaufnahme‹. In der wird schonungslos aufgedeckt. Jedes Wimmerl wird sichtbar, auch wenn die Maskenbildnerin alles gab. Jede falsche Mimik wird vom Publikum wahrgenommen, als wären wir Zusehenden die FBI-Agenten auf der Suche nach den Lügen im Gesicht einer potenziellen Täterin. Die Schwierigkeit liegt also im Detail. Wie so häufig. So zu spielen, dass wir gebannt hinsehen, ist großartiges Schauspiel.
Ich fand es interessant, dem (Gefühls)Leben von Schauspielerin Proschat Madani folgen zu dürfen. Das Leben von Schauspieler:innen glänzt häufig nur wenig. Vielmehr ist es harte Arbeit, die wiederum nicht gesehen werden darf, denn im Film muss es für den Zusehenden wirken, als wäre alles echt und spontan und wahr, damit wir mitleiden, mitfiebern, träumen, weinen und lachen können.
Mir gefallen Gedanken und Schreibstil der Autorin. Diese Welt des Nachdenklichen, des Beobachtens, des Intro- und Extrovertierten, dieses ständige Wechselspiel zeigen mir, dass Proschat Madani nicht nur eine hervorragende Erzählerin ist, die mit Humor, Hirn und Hoffnung ihre Geschichten wiedergibt. Sie ist auch Philosophin und Denkerin und ihre eigene Kritikerin sowieso.
Zuallererst begeisterte mich, dass der Inhalt von einem Autorenpaar erschaffen wurde. Ich stelle mir das herausfordernd vor, denn als schreibendes Duo muss man sich miteinander wohl fühlen, um ein Manuskript zum Buch zu machen. Der Inhalt wirkt wie aus einem Guss. Ständig fragte ich mich, wer wohl welchen Teil erdacht hat.
Zum Buch:
Vera begleite ich als Protagonistin beim Verfassen eines neuen und (womöglich) letzten Manuskripts. Ich folge ihr im Alltag, erlebe Beziehungen mit ihrem Mann, den Nichten, der Verwandtschaft und den Freunden, den Vertragspartner:innen. Ich erfahre von Schicksalen. Vor allem aber ist es Veras Werdegang, der seine Besonderheiten hat (dazu verrate ich nicht mehr, denn das wäre schade). Zudem nehme ich Teil an ihrer täglichen Schreibroutine, wobei ich bald bemerkt habe, dass mich Veras Gedanken ansprechen. Sie ist doch einige Jahre älter als ich, feiert bald ihren 65sten Geburtstag und erzählt vom Wind, der einer (vermeintlich) 'widerspenstigen' Frau entgegenweht, die für sich nichts als Gleichberechtigung beansprucht.
In gewisser Weise ist das Buch eine Ermutigung, sich nicht einschüchtern zu lassen, nicht aufzugeben, wenn etwas nicht sofort gelingt.
Die Zeit beim Lesen verging mir viel zu rasch, aber das fand ich gleichzeitig auch wunderbar.
Ein Roman für Liebhaber:innen des Historischen. Die Geschichte spielt einerseits im Jahr 1190, andererseits berichtet sie aus dem Jahr 1200. Bis sich schließlich im Finale die Personen in 1200 begegnen, was zu einer gemeinsamen Geschichte führt. Den Kapiteln vorangestellt, sind stets die Zeit- und Ortsangaben, sodass man nie verlorengehen kann.
Der Klappentext berichtet in kurzen Sätzen, worum es geht. Die Geschichte selbst ist angefüllt mit Intrigen, Machtkämpfen und dadurch auch Menschen, die auf der Strecke bleiben. Wunderbar lässt es sich mit den Protagonist:innen leben und leiden, und manches Leben endet tatsächlich, bevor es Erfüllung finden konnte. Aber genau das macht einen guten Roman aus. Details und Charakter wirken stimmig, die Handlung zieht einen in die Geschichte, sodass es schwer ist das Buch zwischendurch zur Seit zu legen.
Lesenswert!