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Kurz zum Inhalt:
Isabelle Bornelli reist mit ihrem Mann Keith und ihrer Tochter Melany von Hongkong nach Miami, um Melany von einem Spezialisten operieren zu lassen, damit diese ihr Gehör wieder zurückerhält.
Doch auf dem Flughafen von Miami klicken für Isa die Handschellen wegen Mordverdachts.
Jack Swyteck, Strafverteidiger in Miami und Schulfreund von Keith, übernimmt Isas Fall.
Keith beteuert Isas Unschuld, doch warum weiß er nicht, wieso Isa vor etlichen Jahren überstürzt die USA verlassen hat? Und Isa hält so viele Informationen zurück, dass selbst Jack bald nicht mehr weiß: Ist sie Opfer oder Täter? Oder beides?
Meine Meinung:
Der Schreibstil von James Grippando liest sich flüssig und schnell, auch aufgrund der kurzen Kapitel.
Der Anwalt Jack Swyteck ist mir sehr sympathisch und lebendig gezeichnet; nur mit der Protagonistin Isa kam ich nicht gut zurecht, da sie viel zu viel verschwiegen hat, sodass man fast schon glaubte, sie lügt. Nie wusste man, woran man bei ihr ist.
Interessant beschrieben waren die Details zur Operation von Melany; und die Auflösung war nachvollziehbar und glaubwürdig.
Was mir leider so gar nicht zugesagt hat, ist das amerikanische Justizsystem. Ich hatte bis zum Schluss nicht begriffen, warum Isa wegen Anstiftung zum Mord angeklagt wurde; überhaupt als sich dann im Laufe der Verhandlung herausgestellt hat, dass das anfangs angeführte Motiv durch die Aussage des Hauptzeugen hinfällig wurde.
Das Cover passt sehr gut zu Titel und Inhalt; lässt der halb offene Vorhang nur die Hälfte (der Wahrheit) sehen, wie es bei Isas Fall war.
Fazit:
Leider konnte ich mit dem amerikanischen Justizsystem und den Gründen für die Anklage überhaupt nicht übereinstimmen; aber aufgrund der authentischen Protagonisten und der fesselnden Erzählweise vergebe ich 3,5 Sterne.
Was für ein Albtraum! Isabelle Bornelli und Ehemann Keith, reicher Bankenmanager, fliegen von ihrem Wohnort Hongkong nach Miami zusammen mit ihrer fünfjährigen tauben Tochter Melany, der in Miami von durch eine Operation im Ohr geholfen werden soll. Jack Swyteck, Strafverteidiger und alter Freund von Keith, erwartet die Familie am Flughafen. Er muss miterleben, wie Isabelle unmittelbar nach Ankunft noch im Flughafengebäude verhaftet und in Handschellen abgeführt wird. Anklage Mord! Jack übernimmt den Fall und wird damit hineingezogen in ein nicht endendes Vexierspiel zwischen Wahrheit und Lüge.
Der Einstieg in das Buch ist sehr spannend und emotional eindringlich geschrieben. Das gesamte Buch ist flott zu lesen. Insbesondere die reichlich angewandte Methode der wörtlichen Rede macht die dargestellten Charaktere lebendig und lässt den Leser unmittelbar am Geschehen teilhaben. Der eigentliche Spannungsbogen des Buches entsteht aus der Tatsache heraus, dass man bis zum Ende, das in relativ unspektakulärer Weise Aufklärung bringt, nicht wirklich weiß, ob Isabelle schuldig ist oder nicht. Jedes Gespräch, jeder neue Zeuge, jede neue Verteidigungsstrategie bringt zwar ein weiteres Mosaiksteinchen des damaligen Geschehens an den Tag, aber der Leser bleibt dennoch weiter im Ungewissen. Und genau diese Tatsache, zwar brillant beschrieben, brachte für mich jedoch mit sich, dass ich das nicht enden wollende Justiz- und Gerichtsgeplänkel streckenweise satt hatte. Mir fehlte außerdem, abgesehen vom Buchanfang, der emotionale Draht zu den Akteuren, sodass ich oft nur wie ein unbeteiligter Zuschauer weiterlas. Der Autor, selbst ehemals Strafverteidiger, jongliert sich mit dem amerikanischen Justizsystem, mit der Frage Opfer oder Täter, gekonnt durch die Buchseiten, mir jedoch mitunter allzu nüchtern und streckenweise ermüdend.
Leider sehr störend sind die vielen Fehler im Buch. Häufig wird die Großschreibung von Sie, Ihr oder Ihnen nicht beachtet. Oder „erschrocken“ und „erschreckt“ wird verwechselt. Und was ist das für ein Wort: „hemdsfrei“?
Fazit: Ein gekonnt und routiniert geschriebener Justizthriller, sehr amerikanisch, flott zu lesen, mit einem mäßig-gleichbleibenden Spannungsbogen, der die Frage offen lässt, wie genau Schuld zu definieren wäre.