Aktuelle

Gewinnspiele

Aktuelle

Events

E-Book (EPUB)
144 Seiten; ab 14 Jahre
Sprache Deutsch
2018 Carlsen
ISBN 978-3-646-92302-5
KNV-Titelnr.: 68380920

Kurztext / Annotation

Nur dieses eine Wochenende. Nur noch einmal in Opas altes Haus am Arsch der Welt, hier war alles immer gut.
Nur das will Ben, der gerade achtzehn geworden ist und irgendwie festhängt - in der Schule, in der Familie, im Leben. Ein paar Tage raus aus allem. Zusammen mit Annika, der großen Schwester, die doch immer die Vernünftigere war. Einen Spaziergang, ein Osterfeuer und einen umgefallenen Tisch und die Folgen später sieht nicht mehr alles so aus wie vorher.
EineGeschichte übers Fremdsein und Sichnäherkommen von der vielfach ausgezeichneten (u.A. Jugendliteraturpreis) Autorin Tamara Bach

Tamara Bach, 1976 in Limburg an der Lahn geboren, studierte in Berlin Englisch und Deutsch für das Lehramt. Ihr erstes Buch, "Marsmädchen", wurde als noch unveröffentlichtes Manuskript mit dem Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis ausgezeichnet und erhielt außerdem den Deutschen Jugendliteraturpreis. Weitere Bücher und Auszeichnungen folgten, u.a. der Katholische Kinder- und Jugendbuchpreis 2013 für "Was vom Sommer übrig ist". 2014 stand "Marienbilder" auf der internationalen Auswahlliste White Ravens. Ihr Roman "Vierzehn" wurde gleich in zwei Kategorien für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Nach ihrem letzten Jugendbuch, "Mausmeer", erscheint jetzt ihr erstes Kinderbuch bei Carlsen. Heute lebt und schreibt Tamara Bach in Berlin.

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Textauszug

Mittwoch

"Sei Pippi, sei nicht Annika", sagt er. Er sagt es einmal am Nachmittag, als ich frage, ob ich dableiben muss. Weil ich lieber noch an was arbeiten möchte. Da hat er die Augen groß gemacht, mir eine Hand auf die Schulter gelegt und gesagt, dass er ja nur einmal achtzehn wird. Und ich als seine Schwester. Und dann eben den Spruch mit Pippi.

Er hat gesagt, dass er nüchtern bleibt, dass er eh mehr und mehr zum Straight Edger wird. Nur vegan schafft er noch nicht. "Noch", hat er gesagt.

Dann hat er sich mit Edding ein X auf den Handrücken gemalt und das jedes Mal hochgehalten, wenn jemand mit ihm anstoßen wollte. Das und die Flasche Wasser.

Um fünf räumen die Eltern das Feld, mit Taschen in den Händen, das Auto gepackt, das vom Vater. Den Wagen der Mutter hat er schon den ganzen Tag benutzen dürfen.

"Endlich legal", sagt er. Die Eltern runzeln die Stirn, dann legt Vater einen Arm um seine Frau, "Komm, wir sind hier nicht erwünscht", und zu den Kindern, zu uns: "Nicht zu wild, ja?"

"We're gonna party like it's 1999!", sagt er, der Sohn, mein Bruder, und dann: "Ach nee, warte, das wart ja ihr. Dann nicht."

Vater und Mutter gucken zu mir, Augendialoge, du passt auf, ja? Und dass sie ja nicht zu Orgie / Naturkatastrophe / Rave / Super-GAU heimkehren wollen. Natürlich nicke ich. Alles gut, ihr könnt gehen. Vaters Hand geht abschließend in die Höhe und winkt nicht. Signalisiert nur: Wir sind raus.

Er hat also Mutters Wagen. Ein paarmal fährt er einkaufen, ein paar Kisten Bier, Wein trinkt ja eh keiner, Wein wird ja eh mitgebracht von denen, die daran denken, was mitzubringen, also von den Freundinnen seiner Freunde.

Er backt einen Kuchen, eine Backmischung, schaut die Butter an, sagt dann zu mir: "Mit Butter merkt man das gar nicht, dass das eine Backmischung ist", zu sich: "Und auch das ist nicht vegan", und seufzt. Ich warte nur. Ich soll hier sein und da sein, anwesend, mahnend, aufmerksam. Pass ja auf. Aber passiert ja nichts. Ich könnte auch nach oben gehen, noch was arbeiten, aber dann sagt er wieder: "Sei Pippi, sei nicht Annika." Das sagt er heute die ganze Zeit. Und es wird nicht witziger.

Das Haus riecht jetzt nach Kuchen.

Er sagt, das hätte er mal gehört, dass das Makler machen, wenn sie potenzielle Käufer durch Wohnungen führen, dass sie Kekse oder Kuchen in der Wohnung backen und man sich dann gleich sehr zu Hause fühlt.

Ich schaue auf die Uhr.

Er sagt, ich soll doch ein Bier trinken, dass das Bier bestimmt inzwischen kalt ist. "Oder ein Radler?"

Ich guck zum Fenster raus, als er zum Kühlschrank geht. Es hat schon wieder geregnet. Wenigstens können die jetzt nicht im Garten feiern. Ich frag mich dann, ob es vielleicht doch besser wäre, im Garten zu feiern. Dort: kein Teppich, keine Fenster, nichts Zerbrechliches. Keine weißen Wände. Kein cremefarbenes Sofa.

Aber: die Nachbarn. Aber: der Lärm.

Er hält mir ein Bier hin.

Ich nehm es. Und ja, es ist kalt.

Eine Stunde später hab ich doch nur einen Schluck und noch einen getrunken, den widerwillig, und jetzt ist das Bier warm und schlapp.

Also er wieder: "Sei Pippi, sei nicht Annika."

Die brauchen ja gar keine Sitterin. Ich könnte jetzt nach oben gehen, dort weiter an der Arbeit schreiben. Im Hauptteil fehlen noch zwei Kapitel, dann noch der Schluss, am Ende noch einmal die Einleitung überarbeiten.

"Na hopp, Annika."

Er nimmt mir das erste Bier ab, hält mir ein weiteres hin. Ich schüttel den Kopf.

Er rollt mit den Augen, zieht mich auf die Terrasse, da rauchen sie sich ein. Es regnet nicht mehr, der Boden ist nass. Drüben rümpfen die Nachbarn die Nasen und erinnern sich an ihr Studium in Freiburg damals. Sagt ja keiner was.

Draußen seine Gang. Die Jungs. Die alle irgendwelche Namen haben, auf die sie nicht getauft wurden. So was wie "Würfel" oder "Bolle" o