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  • Christoph Hainz? Nie gehört! Wie gibt es das, obwohl Christoph Kammerlander im Nachwort über ihn sagt "An Dir hat mir stets Deine Vielseitigkeit und die Professionalität imponiert, mit der Du in jedem Gelände unterwegs warst." Und einen Kammerlander zu beeindrucken, dazu gehört ja wohl schon einiges.
    Und das nächste Bemerkenswerte ist das Vorwort. Es stammt immerhin von keinem Geringeren als Frank-Walter Steinmeyer, seines Zeichens Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland und seit Jahren Kunde des Bergführers Christoph Hainz.

    Das macht neugierig auf den Menschen, der sich hinter dem Namen verbirgt. Und das ist etwas, das gut gelungen ist, den Menschen zu beschreiben, dessen Lebensweg im Mittelpunkt des Buches steht. So werden in den ersten Kapiteln die Ursprünge des Bergbauernkindes aus einem Seitental des Tauferer Ahrntals beschrieben und das Entstehen seiner Leidenschaft zu den Bergen.

    Man versteht, warum so ein Mensch kein Lawinen-3x3 braucht. Allein durch die Beobachtung der gegenüber liegenden Berge sammelt sich im Laufe der Jahre so viel an Erfahrung an, dass das Erkennen der Gefahr in Fleisch und Blut überzugehen scheint - faszinierend.

    Heimatverbunden und bodenständig, so präsentiert sich Christoph Hainz zunächst, bis ihn Sturm und Drang aus der Südtiroler Heimat hinausführen. Wirklich packend liest sich die Beschreibung seiner Erlebnisse in der Eigernordwand. Und nicht zu vergessen: die dazu gehörenden Bilder. "Magic Mushroom" nennt er seine Route; warum, das erschließt sich angesichts wirklich großartiger Aufnahmen von selbst.

    Eher wesensfremd scheint dann seine Besteigung des Shivling-Nordpfeilers mit Hans Kammerlander. Wer hier meint, nach den dortigen Abenteuern sei das Thema außereuropäisches Bergsteigen erledigt, sieht sich aber getäuscht. Zwar ist es nicht mehr der Himalaja. Aber eine mehr oder weniger ungeplante Free-Solo-Besteigung des Fitz Roy zeigen die Suche nach der Herausforderung. Touren im Yosemite, Routen am Polarkreis, in Südafrika und in Jordanien folgen, bevor die Heimat den Menschen Christoph Hainz wieder vereinnahmt. Dass sich Hainz aber inmitten der Jordanischen Einsamkeit wundert, dass er beim Abseilen über 400m jede der Abseilstellen selbst einrichten muss, erstaunt doch ein wenig.

    Das letzte Kapitel über waghalsige Eisklettereien in Südtirol beeindruckt mich dann nur noch von den Fotos her. Eine der Bildunterschriften bringt es dann doch ganz gut auf den Punkt : "Ice is nice oder doch ein paar Schrauben locker? Das ist die Frage ...."

    Am amüsantesten zum Lesen finde ich eines der eingestreuten Interviews und zwar das mit seiner Lebensgefährtin. Und die macht eines deutlich: Nicht der Berg ist der Boss, sondern Christoph Hainz' Leidenschaft, die ihn immer wieder und immer noch zu wirklich beeindruckenden Höchstleistungen anspornt. Ein Mensch und Bergführer mit dem man gerne einmal unterwegs sein möchte, am liebsten in den Drei Zinnen.

    Eine wirklich empfehlenswerte Urlaubslektüre mit teils Wahnsinnsbildern.

    Buchbesprechung im alpinen Forum von Alpic.net von Gipfelsammler Claus

  • Auf Anhieb sympathisch - den Eindruck hinterlässt die Hauptfigur dieser Biographie über einen, vielleicht eher Insidern besser bekannten Spitzenkletterer und Bergführer aus Südtirol. Die Liste der schwierigen Erstbegehungen von Christoph Hainz, Jahrgang 1962, ist lang und im Anhang dieses schön aufgemachten Buches zu finden. Es sind nicht die ganz hohen Ziele, die den gebürtigen Mühlwalder in den gut 3 Jahrzehnten seiner bergsteigerischen Karriere gereizt haben. Wenn man einmal von einer waghalsigen Erstbegehung des Nordpfeilers des „indischen Matterhorns“, den Shivling, absieht. Nein, es sind die Touren in heimischen Gefilden, die ihn reizen – ganz besonders „seine“ Zinnen und deren vielfältige Möglichkeiten, Touren bis zum 8. Schwierigkeitsgrad zu eröffnen.

    Bei allen seinen Erzählungen, die er zusammen mit Jochen Hemmleb, einem der renommiertesten alpinen Autoren unserer heutigen Zeit, verfasst hat, schwingt eine gewisse Leichtigkeit mit. Gepaart mit einem Sinn für die richtigen Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt und dem Gespür dafür, umzudrehen, wenn es an der Zeit ist. Seine Touren scheinen immer ganz zufällig geplant (sind es natürlich nicht): er lässt sich während der Fahrt auf das Jungfraujoch beim Ausstieg Eigergletscher „aussetzen“ und macht eben einmal die Nordwand in 4,5 Stunden. Damals ein Rekord, bis Ueli Steck und Co. kamen. Solobegehung des Fitz Roy in 9 Stunden – weil die vereinbarte Seilschaft vermeintlich bereits ohne ihn losgezogen war.

    Kein geringerer als Franz-Walter Steinmeier zählt auf Christophs‘ Expertise, wenn es um anspruchsvolle, begleitete Kletterfahrten in Dolomiten geht. Hans Kammerlander, Seilpartner am Shivling, schätzt seine Unbekümmertheit und ermuntert ihn, vielleicht doch noch einmal einen Achttausender anzugehen.

    270 Seiten, die Spaß machen, niemals langweilig sind, schön bebildert und doch geerdet – so wie das Leben des Protagonisten, mit dem der Autor dieser Zeilen nur eine Begehung des Normalweges auf die Große Zinne in seinem Lebenslauf gemeinsam hat. Was Christoph Hainz sicherlich auch auszeichnet ist, dass er scheinbar nie seine außerordentliche Begabung vermarkten wollte.