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  • Tod an der Seebrücke von Gerd Kramer

    Husum. Die Kommissare Flottmann und Hilgersen werden an einen Tatort in einer Schobüller Nobelvilla gerufen. Die Spurenlage und das Video aus einer Überwachungskamera lassen den Mord an dem 25-jährigen Sohn des Villenbesitzers Wilhelm Küster vermuten, doch von dem offenbar erstochenen Alexander fehlt jede Spur…

    Zur gleichen Zeit entdeckt die Ärztin Lena Abendroth in einer vor einem Laden für Geschenkartikel ausgestellten Skulptur aus Strandgut einen menschlichen Oberarmknochen. Als Lena sich die Figur nach einer Stöberrunde im Laden noch einmal genauer ansehen will, wurde diese bereits verkauft. Lenas Spürsinn ist geweckt…

    „Tod an der Seebrücke“ ist bereits der dritte Fall für den aus dem Rheinland stammenden Hauptkommissar Waldemar Flottmann und dem Husumer Kommissar Gustav Hilgersen, der Krimi ist aber auch ohne Kenntnis der vorherigen Bände bestens verständlich.

    Gerd Kramer beginnt diesen Krimi mit einem genauso spannenden wie grausamen Prolog: Sabrina erwacht aus tiefer Bewusstlosigkeit. Die schwer verletzte Frau liegt in einem Boot und sieht zwei Gestalten vor sich. Statt Sabrina zu helfen, holt einer der Männer mit einem Metallrohr aus und schlägt zu – mehr erfährt der Leser an dieser Stelle nicht. Ob der Mann tatsächlich Sabrina erschlagen oder womöglich seinen Kumpel niedergestreckt hat, bleibt zunächst einmal offen.

    Im Folgenden erwartet den Leser ein raffiniert gestrickter Krimi – der vermeintliche Mord in der Küster-Villa und mehrere Todesfälle werfen im Handlungsverlauf immer neue Fragen auf, die dem Leser reichlich Platz zum Miträtseln und Mitgrübeln über Hintergründe, mögliche Zusammenhänge und die Identität des Täters geben. Mehrere Handlungsstränge, unterschiedliche Schauplätze und häufige Perspektivewechsel sorgen zudem für ein lebhaftes und abwechslungsreiches Geschehen.

    Neben Flottmann und Hilgersen, deren frotzelnde Wortgefechte durchweg für gute Unterhaltung sorgen, ist auch der hochsensible Musiker Leon Gerber wieder mit von der Partie und unterstützt die Kommissare bei ihren Ermittlungen. Außerdem gibt es bei der Kripo Husum einen Neuzugang: Rita Förster. Rita ist Spurensicherungskraft und wurde vom Autor mit einem eigenwilligen Charakter ausgestattet. Auch wenn Flottmann glaubt, dass sie und er keine Freunde werden, passt die resolute Vierzigjährige prima ins Team.

    Gerd Kramer kann auch mit einer großen Portion Lokalkolorit punkten. Viele in die Handlung eingeflochtene Besonderheiten Nordfrieslands sorgen für eine herrliche Nordseeküstenatmosphäre und runden das Geschehen in diesem Küstenkrimi prima ab.

    „Tod an der Seebrücke“ hat mir sehr gut gefallen – ein kurzweiliger Krimi, der mit einer fesselnden Handlung und einem typisch norddeutschen Humor punkten kann.

  • Der Schatten eines Sommertags von Noa C. Walker

    Sieben Jahre ist es her, dass Tonya Wielands Freund Dennis bei dem Versuch, sie zu beschützen, ermordet wurde. Tonya glaubt, damals falsch reagiert zu haben und wird deshalb auch heute noch von großen Schuldgefühlen geplagt. Den Schmerz über den Verlust ihrer ersten großen Liebe hat sie mit Studium und Arbeit betäubt und ist mittlerweile als IT-Spezialistin beim BKA tätig. Von Dennis’ Mörder fehlt nach wie vor jede Spur, dennoch hegt Tonya die Hoffnung, den Täter irgendwann dingfest machen zu können.

    Mit der Verwüstung ihrer Wohnung wird Tonyas Leben jetzt erneut auf den Kopf gestellt, denn dem Einbruch folgen weitere Attacken, die immer bedrohlicher werden. Familie und Kollegen unterstützen sie bei der Suche nach dem skrupellosen Angreifer - besonders der attraktive Ermittler Jake Sturm steht ihr in dieser schwierigen Zeit zur Seite…

    Noa C. Walker hat einen sehr fesselnden Schreibstil und versteht es ganz ausgezeichnet, die Spannung schon nach wenigen Seiten auf ein hohes Level zu katapultieren. Die Handlung gleicht einem Krimi und entwickelt schnell einen Sog, dem man sich als Leser nicht entziehen kann.

    Die Autorin hat nicht nur ein gutes Händchen dafür, Tonyas Umfeld und die dramatischen Ereignisse anschaulich und authentisch zu beschreiben, sie versteht es auch ganz ausgezeichnet, den Leser an den Gedanken und Gefühlen der Mittzwanzigerin teilhaben zu lassen - Trauer, Furcht, Wut, nagende Schuldgefühle und Selbstvorwürfe und auch Tonyas im Verlauf der Handlung wachsende Zuneigung zu Jake werden sehr mitreißend geschildert. Zudem gibt es viele frische, wortwitzige Dialoge, die die Handlung auflockern und für gute Unterhaltung sorgen.

    Die Suche nach dem mysteriösen Attentäter gestaltet sich als äußerst schwierig. Er scheint immer bestens über Tonyas Aktivitäten informiert zu sein und versteht es meisterlich, bei seinen Übergriffen unerkannt zu bleiben. Geschickt lenkt Noa C. Walker den Blick des Lesers während der Ermittlungen in unterschiedliche Richtungen, so dass man prima über die Identität des Übeltäters miträtseln und mitgrübeln kann.

    „Der Schatten eines Sommertags“ hat mir sehr gut gefallen – ein abwechslungsreicher, tiefgründiger Roman, der mit ausdrucksstarken Charakteren und einer fesselnden Handlung zu überzeugen weiß.

  • Elsa van Graaf - seit wenigen Wochen die Assistentin von Astrid Stegmeier, der Präsidentin des Landfrauenverbands - fährt gemeinsam mit ihrer Chefin anlässlich der Eröffnung des alljährlichen Herbstmarktes nach Uplengen in Ostfriesland.

    Das friedliche Landleben entpuppt sich schnell als trügerisch, denn am Morgen vor dem Herbstmarkt finden drei Männer vor ihrer jeweiligen Hautür ein sogenanntes Totenheck - ein längliches Holzbrett, auf dem ihr Name sowie ihr Geburts- und Todestag eingraviert sind, wobei letzteres auf den kommenden Tag datiert ist. Schnell ist allen klar, dass es sich hier nur um eine Morddrohung handeln kann…

    „Aller toten Dinge sind drei“ ist ein humorvoller Krimi, der nicht nur spannende Unterhaltung bietet und zum Mitraten und Miträtseln einlädt, sondern in dem man ganz nebenbei auch etwas über die vielfältigen Aktivitäten der Landfrauen erfährt.

    Elsa ist eine Protagonistin, der man gerne folgt. Die Mittdreißigerin agiert furchtlos und legt dabei diese besondere Neugierde an den Tag, die nur Hobbyermittler innehaben. Sie hört sich um und fragt sich durch, sammelt Hinweise und kombiniert messerscharf. Ihre Ermittlungen wirken dabei durchweg echt und natürlich, weil sie stets im Rahmen ihrer Möglichkeiten bleibt und auch mal etwas Unsinniges macht, wie zum Beispiel einem Dodge Pick-up mit einem Fleischhammer hinterhersprinten.

    „Aller toten Dinge sind drei“ hat mir sehr gut gefallen. Der Krimi kommt zwar nicht mit nervenaufreibender Höchstspannung daher, kann dafür aber mit einer liebenswerten Ermittlerin, viel Humor und einer großen Portion Lokalkolorit punkten.

  • Ufer der Erinnerung von Lynn Austin

    Chicago, 1897. Anna Nicholson wird in wenigen Monaten den Bankierssohn William Wilkinson heiraten, obwohl sie sich seit dem Kurzbesuch bei ihrer Großmutter Geesje in Holland/Michigan zu dem angehenden Pastor Derk hingezogen fühlt. Doch Annas Adoptivvater steckt in finanziellen Schwierigkeiten und die Hochzeit mit William ist der einzige Weg, die Nicholsons vor dem sicheren Ruin zu bewahren.

    Anna möchte ihr Leben nach der Bibel ausrichten, doch das ist leichter gesagt als getan, denn zum einen lassen ihr die gesellschaftlichen Verpflichtungen und Aktivitäten kaum Zeit, sich mit Gottes Wort zu beschäftigen, und zum anderen lehnen sowohl ihre Adoptiveltern wie auch William Gespräche über geistliche Themen ab.

    Der Aufenthalt in Michigan hat Annas Wunsch bestärkt, Licht in das Dunkel um ihre leiblichen Eltern zu bringen – eine Spurensuche, die der High-Society nicht verborgen bleibt und die Gerüchteküche zum Brodeln bringt…

    Ein zweiter Handlungsstrang spielt in Michigan. Die 17-jährige Cornelia ist mit ihrem Großvater aus den Niederlanden ausgewandert und findet bei Geesje eine Bleibe. Cornelia hat Furchtbares erlebt und bräuchte dringend Hilfe, doch Geesje findet nur schwer Zugang zu dem Mädchen…

    „Ufer der Erinnerung“ ist die Fortsetzung von „Töchter der Küste“ – obwohl ich den ersten Band nicht gelesen habe, konnte ich dem Geschehen bestens folgen und war schnell mit den Akteuren vertraut. Beide Handlungsstränge werden von der Autorin sehr mitreißend erzählt. Man fiebert mit Anna mit, ob sie mehr über ihre Wurzeln herausfindet; genauso leidet man mit Cornelia mit und hofft, dass sie Heilung finden wird.

    Lynn Austin stellt ein wichtiges Thema in den Mittelpunkt ihrer Geschichte - es geht um Klatsch und Tratsch, um üble Nachrede, um das Verbreiten von Gerüchten bis hin zum Mobbing. Um zu verdeutlichen, welche zerstörerische Kraft in Gerüchten steckt, hat Lynn Austin das Thema auf vielfältige Weise in die Handlung eingebaut.

    So darf Anna weder ihren Glauben ausleben, noch kann sie sich für ein soziales Projekt engagieren, weil befürchtet wird, dass es Gerede gibt und damit Williams Ansehen und Karriere schaden nehmen könnte.
    Williams Ex-Freundin Clarice verbreitet Gerüchte, um sie als Instrument für ihren Racheplan zu nutzen.
    Aus Angst vor Klatsch und Tratsch verbietet Großvater Marinus Cornelia, sich ihren Kummer von der Seele zu reden und nimmt dabei in Kauf, dass Cornelia ihre furchtbaren Erlebnisse nicht verarbeiten kann und ihren Lebenswillen verliert.
    Annas Freundinnen lästern über eine Bekannte, deren Vater in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist und schließen sie aus der Gemeinschaft aus.

    Am Ende sind es ihre innere Stärke und vor allen Dingen ihr gewachsener Glaube, die Anna trotz aller Unwegsamkeiten die richtigen Entscheidungen treffen und ihr Glück finden lassen.

    „Ufer der Erinnerung“ hat mir sehr gut gefallen – eine Geschichte, die aufzeigt, dass man seinen eigenen Weg gehen und sich nicht von den Ansichten und dem Gerede anderer ausbremsen lassen sollte.


  • Sterbenstörtchen von Beate Ferchländer

    Ein kleiner Ort in Österreich nahe der tschechischen Grenze. Hier führt Hanna Stadler seit vielen Jahren die einträgliche Gastwirtschaft der Familie und hofft, dass ihre schwer kranke Mutter ihr den Betrieb in Kürze überschreiben wird. Doch weit gefehlt - die 80-jährige Dolores hat anderes im Sinn. Sie informiert ihre Töchter Hanna, Gerda und Paula über eine besondere Klausel in ihrem Testament, die besagt, dass nur die Tochter erbt, die ihren nichtsnutzigen Ehemann vor Dolores Ableben loswird. Egal wie.

    Nach dieser überraschenden Verkündung beraten die Schwestern über ihr weiteres Vorgehen, denn so ganz Unrecht hat Dolores mit ihren Behauptungen über ihre Schwiegersöhne nicht. Willi ist ein wilder Schürzenjäger, Reinhold ein weltentrückter Alt-Hippie und Alex ein arroganter Schläger. Da für langwierige Scheidungen die Zeit fehlt, muss eine schnellere Lösung her: Gattenmord. Im betrunkenen Zustand klügeln die Schwestern scherzhaft einen Plan aus – und schon kurze Zeit später ist der erste Taugenichts tot…

    Beate Ferchländer versteht es ganz ausgezeichnet, den Leser in den Bann dieses schwarzhumorigen Krimis zu ziehen. Ein mörderisches Familiendrama, das einmal begonnen, nicht mehr zu stoppen ist.

    Die Geschichte wird aus Sicht der mittleren Schwester Hanna erzählt. Schnell ist man mittendrin im Geschehen und erfährt nach und nach von den rücksichtslosen Aktivitäten der Ehemänner und dem bisher tatenlosen Erdulden der Bosheiten durch die Schwestern. Als Leser neigt man zur Schadenfreude, als ein Nichtsnutz nach dem anderen sein Leben lassen muss, denn Dolores hatte Recht, die Kerle sind die reinste Plage. Wer allerdings für die plötzlichen Todesfälle verantwortlich ist, ist nicht so offensichtlich, wie man auf den ersten Blick vermuten mag, auch wenn der engstirnige Chefinspektor Hartinger die Schwestern natürlich fest im Visier hat.

    Auch die locker in die Handlung eingeflochtenen alten Briefe von Frieda S., einer zur lieben Freundin gewordenen Kurbekanntschaft von Dolores, haben mich immer wieder schmunzeln lassen. Frieda versorgt Dolores nicht nur mit leckeren Rezepten, sondern erklärt auch ganz nebenbei, wie sie die Männer in ihrem Umfeld „pflegt“.

    Jeder der zahlreichen Akteure bekommt schnell ein Gesicht und bringt mit seinen Eigenarten, Besonderheiten und Macken eine Menge Schwung in die Handlung, so dass bis zum dramatischen Finale für beste Unterhaltung gesorgt ist. Am Ende offenbaren sich mehr Lügen und Geheimnisse, als allen Beteiligten lieb ist, aber man ist nach den jüngsten Ereignissen als Familie zusammengewachsen und erträgt diese Unwuchten des Lebens gemeinsam.

    „Sterbenstörtchen“ hat mir sehr gut gefallen – ein herrlich schwarzhumoriges Lesevergnügen.

  • Zeit aus Glas von Ulrike Renk

    In ihrer auf wahren Begebenheiten beruhenden Seidenstadt-Saga erzählt Ulrike Renk von den dramatischen Erlebnissen der jüdischen Familie Meyer während der NS-Zeit.

    „Zeit aus Glas“ ist der zweite Band der Saga und knüpft direkt an die Geschehnisse des ersten Teils an. Ich halte es für ratsam, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen, da man so das Leben und das Schicksal der Meyers besser nachempfinden kann.

    Ruth ist mittlerweile 17 Jahre alt und das Leben, wie sie es gekannt hat, zerbricht immer mehr. Nach der Reichspogromnacht im November 1938 haben die Meyers ihr Zuhause verloren. Die Anfeindungen und Diskriminierungen gegenüber Juden werden mit jedem Tag massiver. Als die Lage sich für die Meyers bedrohlich zuspitzt, beschließt Ruth, sich für eine Stelle als Haushaltshilfe in England zu bewerben…

    Ulrike Renk schildert in diesem Band sehr ausführlich, wie sich das Leben der Meyers nach dem Verlust ihres Hauses verändert. Wie sehr die vielen Einschränkungen alle belasten. Wie Angst und Verzweiflung immer größer werden und die Hoffnung schwindet, dass sich doch noch alles zum Guten wendet. Wie Ruth ihre Emotionen beiseite schiebt und sich bemüht, mit alltäglicher Routine in der Spur zu bleiben und gleichzeitig nach einem Ausweg für ihre Familie sucht. Wie ihre Mutter unter der Last der Ereignisse zusammenbricht und ihr Vater zumindest Teile des ehemaligen Vermögens zu retten versucht. Mir hat die detaillierte Darstellung der Geschehnisse sehr gut gefallen, weil dadurch deutlich wird, was die Menschen in dieser schrecklichen Zeit durchmachen mussten und wie die wachsende Bedrohung den Einzelnen innerhalb weniger Monate verändert hat.

    Auch der zweite Band der Seidenstadt-Saga hat mir sehr gut gefallen - eine mitreißende Mischung aus realer Lebensgeschichte und fiktiver Handlung, die anschaulich und eindringlich erzählt wird und den Leser intensiv an dem Schicksal einer jüdischen Familie teilhaben lässt.

  • Küstenstill von Elias Haller

    Greifswald/Anklam. KHK Hardy Finkel ist nach 20 Jahren beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden in seine Heimat zurückgekehrt. Der Start auf seinem neuen Posten bei der Kriminalpolizeiinspektion Anklam wird ihm allerdings nicht gerade leicht gemacht – nicht nur, dass die neuen Kollegen ihm als ehemaligen BKA-Mann äußerst skeptisch gegenüberstehen und seine Vorgesetzte eine Mail erhalten hat, die Hardy in einem schlechten Licht erscheinen lässt, er wird auch direkt in seinen ersten Mordfall katapultiert. Und der hat es in sich: Zwei furchtbar zugerichtete Frauenleichen geben Hardy und seiner Partnerin Greta Silber Rätsel auf. Damit nicht genug, während der Ermittlungen wird immer offensichtlicher, dass Hardys Vergangenheit in diesem Fall eine nicht unerhebliche Rolle zu spielen scheint…

    Was für ein raffiniert gestrickter Thriller! Elias Haller wartet in „Küstenstill“ mit einem Kriminalfall auf, der von Anfang an fesselnd ist und Seite um Seite immer dramatischer wird. Die Ermittler sammeln Hinweise und decken Puzzleteile auf, kommen dem Täter aber dennoch keinen Schritt näher - im Gegenteil, jede weitere Spur scheint den ganzen Fall noch verworrener zu machen.

    Geschickt lenkt der Autor den Blick des Lesers in unterschiedliche Richtungen – falsche Fährten, viele Verdächtige, überraschende Wendungen sowie immer neue Anhaltspunkte und Ereignisse halten das Geschehen lebendig und haben mir genauso wie die zahlreichen im Handlungsverlauf auftauchenden Fragen viel Platz zum Miträtseln und Mitgrübeln über Motiv, Hintergründe und Identität des Täters gegeben.

    „Küstenstill“ hat mich durchweg begeistert – ein temporeicher, gut durchdachter Thriller, der mit einer fesselnden Handlung und ausdrucksstarken Figuren punkten kann und mich von der ersten bis zur letzen Seite fest im Griff gehabt hat.

  • Manche mögen's tot von Tatjana Kruse

    In der Krimikomödie „Manche mögen's tot“ - dem dritten Fall für die ungleichen 60plus-Zwillingsschwestern Konny und Kriemhild - erwartet den Leser neben turbulenten Mordermittlungen wieder eine geballte Ladung Kruse-Humor.

    Kriemhild verlässt im Morgengrauen die kleine Frühstückspension der Schwestern, um in der nahe gelegenen Schleifbachklinge nach Pilzen zu suchen. Plötzlich durchbrechen Schüsse und der Schrei einer Frau die morgendliche Stille. Neugierig schleicht Kriemhild in Richtung Lärmursprung und beobachtet, wie ein Mann sich bemüht, die Leiche einer Frau in den Kofferraum seiner Limousine zu bugsieren. Ein ungeschickter Tritt auf einen trockenen Zweig entlarvt die heimliche Beobachterin, weitere Schüsse krachen und strecken Kriemhild nieder…

    Kriemhild überlebt dieses fiese Attentat nicht nur, sie hat auch erkannt, wer da am frühen Morgen sein Unwesen getrieben hat: Kurt Giesing, eine lokale Berühmtheit. Da die Polizei sich dem Fall nur zögerlich annimmt, beschließt Kriemhild, ihren Tod vorzutäuschen, um den Killer in Sicherheit zu wiegen, während sie auf eigene Faust Ermittlungen anstellt – und damit nimmt das Drama seinen Lauf…

    Tatjana Kruse zeigt auch in diesem Schnüffelschwestern-Abenteuer wieder, dass sie ein Händchen für spaßige Krimiunterhaltung hat. Auch wenn der Kriminalfall nicht mit atemloser Höchstspannung daherkommt, sorgen eine riesige Portion Wortwitz und ganz viel Situationskomik für eine schwungvolle Handlung und lassen die chaotischen Mordermittlungen damit zu einem großartigen Lesevergnügen werden.

    Der Clou in diesem Krimi sind ganz eindeutig die herrlichen und zum Teil recht skurrilen Figuren. Neben der hageren Kriemhild und der drallen Konny begegnet man nicht nur vielen alten Bekannten, sondern trifft auch auf ein paar Neuzugänge, die mit ihren Eigenarten und Macken die Welt der K & K-Schwestern bereichern: den patenten Concierge Lambert habe ich ebenso schnell ins Herz geschlossen wie das jüngste Mitglied der illustren Pensionsgästeschar– über den 5-jährigen Wilmer und seinen grenzenlosen Forscherdrang kann man sich prächtig amüsieren. Auch Graupapagei Chuck Norris und Nacktkater Amenhotep sind auch wieder mit von der Partie und tragen mit frechen Sprüchen bzw. eigensinnigen Gehabe ihren Teil zur Unterhaltung bei.

    „Manche mögen's tot“ hat mich rundum begeistert – der einzigartige Kruse-Humor garantiert ein effektives Training der Lachmuskulatur.

  • Die Maske der Gewalt von Jennifer B. Wind

    Jennifer B. Wind beginnt den ersten Band ihrer neuen Thrillerserie mit einem Prolog, der traurig und wütend macht – ein schwer verletzter Junge muss mitansehen, wie seine Mutter von einem Freier getötet wird.

    Zeitsprung. Nach den schrecklichen Erlebnissen ist Richard als Pflegekind in einer Zirkusfamilie aufgewachsen und hat seine Bestimmung gefunden. Als geheimnisvoller Mister Domino begeistert er auch heute noch ab und an die Fans; um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitet Richard allerdings als Abteilungsinspektor beim LKA Wien.

    Richard ist wieder einmal in München und hilft im Zirkus seiner Ziehschwester Sarah aus, als ihn ein Anruf nach Wien zurückbeordert – ein neuer Mordfall erfordert dringend seine Anwesenheit. Gerichtspsychiaterin Theres Lend hat aus der Zeitung von dem Mordfall erfahren und glaubt zu wissen, wer der Mörder ist. Diese Vermutung will sie Richard mitteilen, doch der hat plötzlich ganz andere Sorgen: Während seiner Ermittlungen in Wien hat er ein Video erhalten, dass seine gefesselte, verletzte Schwester zeigt – Sarah wurde entführt! Richard alarmiert einen Kollegen in München und eilt dann aus Sorge um Sarah und ihre Familie zurück nach Deutschland…

    Jennifer B. Wind versteht es ganz ausgezeichnet, den Leser ruckzuck in den Bann ihres Thrillers zu ziehen. Neben dem fesselnden Schreibstil hat mir der vielschichtige Handlungsaufbau besonders gut gefallen. Mehrere Handlungsstränge, unterschiedliche Schauplätze und häufige Perspektivewechsel sorgen für ein lebhaftes und abwechslungsreiches Geschehen. Zusätzlich zur Ermittlungsarbeit gibt es mehrere Intermezzi, in denen der Täter zu Wort kommt und auch die entführte Sarah berichtet in einigen Abschnitten, was sie erdulden muss. Außerdem werden die persönlichen Hintergründe der Akteure beleuchtet und es gibt ein paar Rückblenden, die dem Leser Einblick in Richards Vergangenheit gewähren.

    Die Kriminalfälle sind sehr spannend. Themen wie Computerspielsucht, häusliche Gewalt und Drogenmissbrauch spielen darin eine Rolle. Die Morde in Wien und Sarahs Entführung in München werfen im Handlungsverlauf immer neue Fragen auf, die nicht nur reichlich Platz zum Miträtseln und Mitgrübeln über Motive, mögliche Zusammenhänge und die Identität der Täter bieten, sondern zudem dafür sorgen, dass die Sogwirkung der Geschichte bis zur letzten Seite nicht abreißt.

    Obwohl die aktuellen Fälle am Ende des Buches gelöst sind, gibt es einige Hinweise, die die Spekulation anheizen, dass es im Hintergrund doch noch ein paar lose Fäden gibt. Außerdem hat Richard sein Ziel, den Mörder seiner Mutter zu finden, noch nicht erreicht. Zwei Aspekte, die mich mit Spannung die weiteren Bände der Richard-Schwarz-Serie erwarten lassen.

    „Die Maske der Gewalt“ hat mir sehr gut gefallen - ein Thriller, der mit interessanten Charakteren und einer fesselnden Handlung zu überzeugen weiß.

  • Zwei Handvoll Leben von Katharina Fuchs

    In ihrem Roman „Zwei Handvoll Leben“ erzählt Katharina Fuchs aus den Leben ihrer Großmütter Anna Tannenberg und Charlotte Feltin, beide geboren im Oktober 1899. Anna und Charlotte wachsen in ganz unterschiedlichen Verhältnissen auf - Anna mit fünf Geschwistern in einem ärmlichen Haushalt inmitten des Spreewalds; Charlotte als einziges Kind eines Gutbesitzers auf einem Gut in der Nähe von Chemnitz.

    Schon nach wenigen Seiten zeigt sich, dass Katharina Fuchs nicht nur intensiv in ihrer Familiengeschichte recherchiert hat, sondern auch in der Lage ist, ihr gesammeltes Wissen mitreißend an den Leser weiterzugeben. Die Autorin schildert die Erlebnisse ihrer beiden Protagonistinnen so echt und wie aus dem Leben gegriffen, dass ich beim Lesen oft die Stimmen meiner eigenen Großmütter im Ohr hatte, die damals zwar andere, aber doch irgendwie ähnliche Dinge erlebt haben.

    Im stetigen Wechsel begleitet man Anna und Charlotte zu den wichtigen Stationen in ihrem Leben und erfährt in den zahlreichen Episoden, wie sie ihren Alltag meistern. Anna, die zunächst eine Schneiderlehre macht und dann in den wirtschaftlich schwierigen Zeiten das große Glück hat, eine Stelle als Verkäuferin im Berliner Kaufhaus KaDeWe zu ergattern; und Charlotte, die sich darauf vorbereitet, einmal das väterliche Gut zu übernehmen und in die Leipziger Gesellschaft eingeführt wird. Unzählige Details sorgen nicht nur für Authentizität, sondern vor allen Dingen für eine lebhafte Handlung und lassen damit ein sehr vielschichtiges Bild der damaligen Zeit vor den Augen des Lesers entstehen.

    Im Verlauf der Handlung erfährt man, wie die beiden Frauen Weltkriege, Wirtschaftskrise und Inflation überstanden haben. Was sie erreicht haben. Welche Fehler sie gemacht haben. Welches Leid sie erdulden mussten. Wie sie mit Veränderungen umgegangen und an Herausforderungen gewachsen sind. Und wie sie ihre große Liebe verloren und dennoch ihr persönliches Glück gefunden haben.

    Anna und Charlotte begegnen sich am Ende des Buches im Nachkriegs-Berlin anlässlich der Hochzeit ihrer Kinder zum ersten Mal – zwei ungleiche Frauen, die so viel Unterschiedliches erlebt haben und doch durch ein ähnliches Schicksal miteinander verbunden sind.

    „Zwei Handvoll Leben“ hat mich durchweg begeistert. Es war interessant und mitreißend, Anna und Charlotte kennenzulernen, sie auf ihren Wegen durch eine ereignisreiche, aufwühlende Zeit zu begleiten und Kummer und Furcht, aber auch Glück und Freude mit ihnen zu teilen.