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Ich kenne schon viele Bücher von Astrid Korten, die meisten waren Thriller, und ich habe sie ausnahmslos mit Begeisterung gelesen. Nun konnte mich die Autorin erneut überraschen mit einer neuen Seite ihres schriftstellerischen Könnens. Sie legte ihren ersten historischen Familienroman vor, der auf Erzählungen ihrer Großeltern basiert.
Erscheinungstermin: 28.05.2025 Herausgeber: BoD – Books on Demand
Der Prolog führt in den verschneiten Dezember 1941. Die Szene folgt einer geschickten Dramaturgie. Noch wissen wir nicht, wer die Frau ist, die mit blutbefleckter Kleidung von russischsprechenden Männern in bedenklichem Zustand aufgefunden wird. Schon auf der nächsten Seite gibt es einen Zeitsprung ins Jahr 2013. Großmutter Xannas Begräbnis findet statt und Enkelin Nora muss feststellen, dass sie ihre 90 jährige Oma nie richtig kennenlernte. Beim Sichten des Nachlasses findet sie auf dem Dachboden eine Schatulle mit rätselhaftem Inhalt. Zum gleichen Zeitpunkt verläßt Noras Ehemann sie und den kleinen Sohn abrupt und möchte Neues beginnen. Aus ihrem seelischen Gleichgewicht gebracht, begibt sich die junge Frau mit dem Journalisten Andreas auf die geheimnisvollen Spuren der Großmutter...
Auf 271 Textseiten (das ist so in meiner Printausgabe) und in kurzen Kapiteln entwickelt sich eine erschütternde, tief ergreifende Geschichte, die in den 2. Weltkrieg zurückreicht. Die Handlungsebenen verlaufen abwechselnd in Gegenwart und Vergangenheit. Die Hauptpersonen sind Nora Weiß und Hannah/Xanna. Die wesentlichen Handlungsorte sind Aachen in Deutschland und Glusk in Weißrussland.
Astrids Schreibstil ist wieder so mitreißend, so spannend, wie ich es von ihren Thrillern kenne, dass es mir schwerfiel, das Buch auch mal wieder aus den Händen zu legen. Die Charaktere der Haupt- und Nebenpersonen sind ausnahmslos authentisch dargestellt. Mir ging besonders eine Szene sehr tief ins Herz und an die Nieren. Ich musste innehalten, tief Luft holen, um das unfassbare Geschehen zu verstehen. Mir fehlen die Worte für solche Grausamkeiten! Dem entgegengesetzt sind zum Glück im Roman einfühlsame, gefühlvolle Szenen, die das Dasein lebenswert machen. Das unterstreicht das wunderschöne, farbenfrohe Cover mit den beiden im Flug befindlichen Schwalben und den zwei Mohnblumen.
S. 270 „Das Leben ist unvorhersehbar. Es kann immer in alle Richtungen gehen.“
Dieses Buch brachte mich, da ich bereits im achten Jahrzehnt meines Lebens bin, erneut zum Nachdenken, was ich eigentlich über meine Ahnen weiß bzw. was nicht.
Fazit:
Zwei Leben – Hinter dem Schweigen ist eine Geschichte, die von unvorstellbarem Leid berichtet. Doch nicht die Gefahren, die Schrecken des Krieges gewinnen die Oberhand, sondern es gibt Hoffnung auf Liebe und Glück, auf die schönen Momente des Lebens. Der Roman hat mich tief berührt und hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck auf mich.
Für mich ist das Buch ein Lesehighlight 2025! Deshalb von mir die Höchstbewertung!
Nachsatz:
Die NS-Zeit war eine unfassbar schlimme Zeit und was mit den Juden geschehen ist, darf sich niemals wiederholen! Der jetzigen gesellschaftlichen Entwicklung mit ihren rechtsextremen Auswüchsen muss dringendst entgegengewirkt werden.
Nora kann es nicht glauben, als ihr Mann sich von ihr scheiden lassen möchte. Ihr bisheriges scheinbare glückliche Familienleben liegt nun in Scherben und der Tod ihrer Großmutter Xanna hinterlässt ebenfalls ein Gefühl der Leere. Doch als sie beim Ausräumen des alten Familienhauses eine alte Holzschatulle entdeckt, in dem nicht nur ein Ausweis mit einem fremden Namen liegt, sondern sich auch Dinge aus einer längst vergangenen Zeit darin befinden merkt Nora, dass sie von ihrer Großmutter und deren Leben überhaupt nichts weiß. Getrieben von ihrer Neugierde begibt sie sich mit dem Journalisten Andreas Schwarz auf eine Reise in die Vergangenheit. In Belarus erfahren die beiden Dinge über Xanna die sie erschüttern und plötzlich beginnt Nora nicht nur das Leben ihrer Großmutter, sondern auch ihr eigenes in einem anderen und neuem Licht zu sehen.
In dem Historischen Familienroman ,,Zwei Leben- Hinter dem Schweigen“, zeigt die Autorin Astrid Korten, dass sie nicht nur mit ihren Thrillern Spannung erzeugen kann, sondern auch mit einer Geschichte, die auf Erinnerungen ihrer Großeltern, sowie wahren Begebenheiten aus den Zweiten Weltkrieg basieren.
Es ist eine tragische Familiengeschichte wo besonders Xanna mit ihren furchtbaren Erlebnissen zu kämpfen hat. In Rückblenden wird man Zeuge einer Geschichte, die nicht nur brutal, ob den grausamen Kriegserlebnissen ist, sondern auch zeigt, wie Menschen mit ihren tragischen Schicksalen zurecht kommen müssen, wenn sie überleben wollen. Xanna wird dabei als tapfere und mutige Frau dargestellt, deren starke Wille zu überleben und nicht aufzugeben emotional beschrieben wird. Die Autorin versteht es dabei den Leser an Orte mit zu nehmen, wo man eigentlich gar nicht sein möchte, wo aber die Emotionen und Gefühle so intensiv beschrieben werden, dass man stets wissen möchte, wie es den Protagonisten gerade geht.
Besonders emotional beschreibt sie dabei die Szenen mit der kleinen Katja, die in einem Lager der Partisanen lebt. Diese unschuldige und naive Art, wie das Kind in Kriegszeiten ihre Unbekümmertheit und Fröhlichkeit an den Tag legt geht einfach zu Herzen.
Am Ende der Geschichte kann man erahnen, warum Xanna nichts aus ihrem früheren Leben erzählt hat. Es stellt sich dabei als Leser die Frage, hätte ich genauso gehandelt oder sind furchtbare Erlebnisse es einfach nicht Wert, dass man ihnen einen Raum gibt, wo sie einem ständig an etwas erinnern, dass man einfach nur vergessen möchte.
Auch die Geschichte von Nora zeigt, dass man oft Dinge, die einem nicht mehr gut tun, einfach los lassen muss. Sie beginnt sich selbst und ihr Leben zu reflektieren und spürt dank der Reise nach Belarus, dass jeder für sich selbst entscheiden muss, was er braucht. Weder falsch verstandene Rücksicht auf andere oder das Klammern an Zeiten, die es nicht mehr gibt, führt zu einem glücklichen und erfüllten Leben.
Ein schöner und berührender Roman über Liebe, Hoffnung und Verzeihen können.
Großmutter Xanna ist tot und mit ihrem Ableben begreift Nora, dass sie es verabsäumt hat, mehr über ihre Oma zu erfahren. Als sie beim Aufräumen ein Holzkäschen mit ungewöhnlichem Inhalt findet, ahnt Nora, dass Xanna viel zu erzählen gehabt hätte. Und dass sie viel zu erzählen hat, erfahren wir recht bald.
Zwei Leben ist eine Geschichte, in der es um Verlust geht, aber auch darum, sich wieder aufzuraffen und ein neues Leben zu beginnen, nach allerlei furchtbaren Geschehnissen. Ein spannender Roman. Ein bedrückender Roman. Gleichzeitig aber auch eine Erzählung, die Hoffnung zulässt.